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Von webtypischen Erzählformen wird zwar viel geredet,
wirklich durchgesetzt hat sich bislang aber erst eine: der
Live-Ticker. Was vor einigen Jahren als eher schnödes
Echtzeit-Protokoll begann, ist inzwischen zur hochtechnisierten
Traffic-Maschine gereift. Auch abseits vom Fußballfeld.
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| Viele Websites mit
journalistischem Anstrich profitierten während
der Fußball-WM von den verkorksten Fernseh-Übertragungsrechten.
(Screenshots: Heijnk) |
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Schon der Eröffnungstag bescherte gigantische Quoten:
Als Senegal zum Auftakt der Fußball-WM 2002 Titelverteidiger
Frankreich in die Knie zwang, zählte die offizielle Website
des Fußball-Weltverbands FIFA bereits satte 107 Millionen
Seitenabrufe, fast genau so viele PageImpressions (PI) wie
News-Marktführer Spiegel.de durchschnittlich im ganzen
Monat generiert.
Auch hierzulande steigerten die Site-Betreiber ihre Klickraten
teilweise dramatisch, denn mit jedem Anpfiff gab es auch an
den Büro-Computern kein Halten mehr. Vor allem die Auftritte
der deutschen Mannschaft entluden sich in den Server-Log-Files
als wahre Klick-Gewitter in heftigstem PI-Geprassel: RP-Online
etwa jubelte schon nach der ersten WM-Woche über stattliche
fünf Millionen Ticker-PI (zum Vergleich: im gesamten
Mai 2002 generierte RP-Online 14.539.463 PI), Bild.de
verlautbarte zum Ende der Vorrunde einen Traffic-Sprung von
fünf auf zehn Millionen (PI) pro Tag und Sport1 meldete
zwei Tage vor dem Viertelfinale gegen die USA (19. Juni) das
Überschreiten der 100-Millionen-PI-Grenze (im gesamten
Mai 2002 waren es 43.209.722 PI).
Erklären lassen sich diese gewaltigen Quoten-Erfolge
natürlich vor allem durch die Zugkraft des Ereignisses
und durch die für Website-Betreiber optimalen,
medialen Rahmenbedingungen: Sieben Stunden Zeitunterschied
sorgten dafür, dass die Mannschaften statt zur besten
Sendezeit zur fernsehproblematischen Arbeitszeit aufs Spielfeld
geschickt wurden. Und obendrauf fand mehr als die Hälfte
der 64 Partien für die breite Fan-Masse als Live-Bild
nur im kirch-verschlüsselten Bezahlsender Premiere statt.
Um Spiele wie den Knaller zwischen England und Argentinien,
die Viertelfinalschlacht zwischen Südkorea und Italien
oder das deutsche Nerven-Drama gegen die USA trotzdem live
erleben zu können, wichen viele Fans daher notgedrungen
nicht nur in Media-Märkte oder aufs Radio aus, sondern
strömten in Massen auch ins Internet. Vom verheißungsvollen
8:0-Auftakt-Kantersieg der DFB-Elf gegen Saudi-Arabien bis
hin zum grandiosen Finale gegen Brasilien per Live-Ticker
konnte jeder mit dabei sein, auch ganz klammheimlich am Arbeitsplatz.
Allerdings: Live-Ticker war dabei noch lange nicht gleich
Live-Ticker. So zahlreich sie für den PI-Fang zum Einsatz
kamen, so unterschiedlich präsentierten sie sich in der
Zugriffsschnelligkeit und der benutzten Technologie, in der
Palette der angebotenen Funktionalitäten und im Sprachstil.
In Sachen Ladezeit beispielsweise stellte Heise
Online schon während der WM ein halbes Dutzend der
Text-Tapeten auf den Technik-Prüfstand, streng nach den
Regeln des Keynote-Leistungsindex. Das Urteil der Sekundenfuchser
fiel dabei überraschend positiv aus, denn immerhin vier
der sieben getesteten Ticker (Bild, Bundesliga.de, DFB, Eurosport,
kicker, Sport1.de und Yahoo) verkrafteten den unverhofften
Durchmarsch der deutschen Kicker und die entsprechend dramatisch
gesteigerten Zugriffszahlen anstandslos. Über den Messzeitraum
zeigte sich Sport1.de
mit 1,15 Sekunden am besten in Form, während Bild.de
und Eurosport.de mit 40 Sekunden Ladezeit beim digitalen Laktat-Test
durchfielen und regelkonform die rote Karte gezeigt bekamen.
Mindestens ebenso interessant waren aber auch die Leistungsunterschiede
im Redaktionellen. Gemeinsamer formaler Nenner aller Live-Ticker-Varianten
war natürlich der minutensortierte, fortlaufende Text,
doch in der Dimension "Schriftsprache" war's das
dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Am deutlichsten wurde
das in punkto Sprachfarbe: Bei RP-Online etwa wurden zwar
keine multimedialen Gimmicks geboten, dafür aber ein
Live-Kommentar mit echtem Verbal-Schmackes. So wurden die
WM-Tore - ganz in der erprobten, RP-typischen Bundesligaticker-Manier
- nicht einfach nur protokollarisch unterkühlt verbucht,
sondern emotionsgeladen und gegen jede Chatiquette im Versalsatz
auf die Bildschirme geschrien. WM-Fieber pur.
Auch die Tickerschreiber bei Sport1.de, denen man in Bundesliga-
und Championsleague-Spielen zuweilen eine gewisse Gelangweiltheit
anmerken kann, legten zur WM in Sachen Emotikonografie deutlich
zu und griffen kräftig zu Rufzeichen und Fettsatz, Buchstabenwiederhooooolungen
und auf die Umstelltaste.
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Teil 2
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