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Weblogs, was immer man darunter verstehen mag, sind vor
allem eines: demokratisch.
In Iran, wo nicht annähernd einmal ein Promille der
Bevölkerung
einen
Internet-Anschluss
hat, spielen Weblogs eine wichtige Rolle: Sie bündeln
weltweite Aufmerksamkeit. Der
Führung des Landes gefällt das nicht.
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| "Weblogs in
Iran sind ein dezentrales Netzwerk der freien Information",
bemerkte etwa Hossein Derakhshan, ein iranischer
Blogger. (Foto:
Mischel) |
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"Es regnet und es scheint so, als würde es bald
auch ein bisschen schneien. Eine großartige Zeit zum
Schreiben!" Und sie schreibt, wann immer sie kann. Notes
of an Iranian girl ist eines von Tausenden iranischen
Netz-Tagebüchern, so genannten Weblogs. Und es ist eines
der wenigen in englischer Sprache. Die Studentin veröffentlicht
unter dem Pseudonym "Iranian girl" ihre Gedanken über
die nächste Prüfung, und über die Atompolitik
ihres Landes. Sie schreibt vom Ende des Ramadan und wie neulich
Polizisten bei einer Demonstration Studenten verprügelten.
Sie schreibt auch von der Pressefreiheit in ihrem Land, die
von der Regierung mehr und mehr eingeschränkt wird.
Informationsminister räumt Sperrung von Seiten ein
"Zurzeit kann man nicht auf die wichtigsten politischen
Websites oder bekanntesten Weblogs zugreifen", meldet "Iranian
girl" am 5. Dezember 2003. Nach den Zeitungen hat die
Zensur in Iran auch das Internet erreicht. Die zunehmende
Zahl der Blogs wird von der iranischen Regierung nur ungern
gesehen.
Nicht erst beim Weltinformationsgipfel in Genf Anfang Dezember
wurde Irans Informationsminister Ahmad Motamedi mit dem Vorwurf
konfrontiert, mehrere Tausend Webseiten, darunter auch politische
Tagebücher, gesperrt haben zu lassen. "Nur pornographische
und unethische Seiten" wurden geschlossen, erklärte
daraufhin Motamedi am Rande der Mammutveranstaltung. Darunter
fielen 240 anti-religiöse Seiten, so der Iraner. "Wenn
sie aber politisch sind, kombiniert mit anti-religiösen
Inhalten, blocken wir sie auch", räumte er auf
Nachfragen ein. Wie er sich die zunehmende Zahl gesperrter
Seiten erklären könne? "Technische Probleme
gibt es immer", er wisse aber nicht, warum sie zuletzt
häufiger vorkamen. "Manchmal passieren Fehler."
Iranische Weblogger nutzten den Genfer Gipfel, um die Aufmerksamkeit
der Weltöffentlichkeit auf die umstrittene Zensur-Praxis
ihrer Regierung zu lenken. Laut BBC News stünden die
Internet Service-Provider selbst zwar nicht unter staatlicher
Kontrolle, doch würden sie durch die Androhung harter
Bestrafung davon abgehalten, eine der gesperrten Websites
zugänglich zu machen. Zudem versuche Teheran, den Markt
mehr und mehr zu konsolidieren, um die Zahl der Anbieter
zu reduzieren. "Weblogs in Iran sind ein dezentrales
Netzwerk der freien Information – das ist der Grund,
warum die Politiker sie nicht besonders mögen",
bemerkte etwa Hossein
Derakhshan, ein iranischer Blogger,
der mittlerweile im Ausland lebt.
Weblogs keine Alternative zur traditionellen Presse
In Iran bloggen "Leute der gehobenen,
intelligenten Schicht", erklärt Jo Groebel, Direktor
des
Europäischen
Medieninstitutes.
Unter Studenten seien die Webtagebücher sehr verbreitet. "Weblogging
ist für die Identitätsbildung und die Freiheit
des Gedankens sehr wichtig", unterstreicht er die Bedeutung
des Internets für das Land. Groebel warnt allerdings
davor, die Tagebücher als eine ernst zu nehmende Alternative
zur traditionellen Presselandschaft zu verstehen. Die Wirkung
der Weblogs entfalte sich eher dadurch, dass die Blogger
und ihre Leser ihrerseits die Meinungen weitergeben. Ihre
Zahl sei aber verhältnismäßig gering.
Erst die Steinigung. Nun die Zensur?
Die iranischen Blogger begreifen das Internet vor allem international
als Chance. Daher stellen einige ihre Gedanken in Englisch
oder anderen westlichen Sprachen ins Netz. Die EU könne
in dieser Angelegenheit eine wichtige Rolle spielen, sagte
der Iraner Derakhshan gegenüber den BBC News. "Der
Druck der EU hat Iran damals gezwungen, das Steinigungsgesetz
außer Kraft zu setzen, und vielleicht ist dies auch
bei der Internet-Zensur möglich". "Wie auch immer", schreibt "Iranian girl" am
ersten Geburtstag ihres Weblogs, "es scheint so, als
seien diese einfachen Webseiten, geschrieben von einfachen
Leuten, mittlerweile zu einem großen Ärgernis
für die Regierung geworden." Auch bei ihr ist einer
der Gründe, warum sie mit dem Blog angefangen habe,
die geringe Zahl der iranischen Weblogs in englischer Sprache
gewesen. "Doch die Zeiten haben sich geändert."
Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei der tagesschau.de.
Mit freundlicher Genehmigung. |