Die Online-Men bitten zur Kasse (2)
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| Weiterhin komplett
kostenlos: Die Inhalte der Augsburger Allgemeinen.
(Foto: Mischel) |
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Das Online-Angebot der Augsburger
Allgemeinen Zeitung, ist bisher noch komplett kostenlos.
Überlegt wird derzeit, ob man bestimmte Bereiche wie
Kleinanzeigen kostenpflichtig macht; regionale Sportergebnisse
sollen auf neuen Vertriebswegen wie SMS gegen Gebühr
über die Website angeboten werden. Auch ein Online-Abo
der Zeitung könnte eine Rolle spielen. "Wir gehen
sehr sensibel mit dem Thema um und schauen genau, wie die
User reagieren", sagt Günther Vollath, Leiter der
Online-Redaktion.
Ganz vorsichtig
Auch Prognos rät zum vorsichtigen Umgang bei der Einführung
von Bezahlinhalten: "Der übereilte Umstieg auf ein
Pay-Modell kann viele User verärgern und im schlimmsten
Fall das Image der Offline-Marke beschädigen", heißt
es in ihrer Studie.
In den nächsten Wochen möchte die Netzeitung
personalisierte Dienste gegen Bezahlung anbieten. So soll
es beispielsweise die komplette "Netzeitung" auf
einem neuen Vertriebsweg als E-Mail im Zeitungsdesign geben.
Dann müssen die Leute nicht mehr die Telekom sponsern,
indem sie surfen, sondern sie kaufen direkt bei uns und sparen
bei ihrer Telefonrechnung", wirbt Chefredakteur Michael
Maier. Für die Akzeptanz dieses Angebots spricht laut
Maier eine auf der Website durchgeführte Umfrage. Demnach
sei fast jeder zweite Leser bereit, für Zusatzdienste
monatlich zwischen fünf und zwölf Euro zu bezahlen.
Anbieter von General-Interest-Inhalten werden sich weiterhin
schwer tun, den Nutwert ihre Inhalte zu verkaufen. "Bezahlmodelle
müssen dem individuellen Produkt genau angepasst werden",
rät Lorenz-Meyer. Ich würde bei Online-Ablegern
von Printprodukten damit beginnen, die Print-Abonnements durch
Online-Mehrwerte wie etwa freien Zugriff aufs Archiv zu befördern.
In diesem Zusammenhang kann man dann reine Online-Abos der
Printinhalte anbieten - ein Dienst, der keine großen
Investitionskosten mit sich bringt und den vor allem die Auslandsleserschaft
schon seit langem nachfragt."
Musterbeispiel
Keine andere Wahl, als auf bezahlte Inhalte zu setzen, hatte
die Stiftung
Warentest mit ihrem Angebot, denn alle Publikationen dieser
Verbraucherinstitution (wie die Zeitschriften "test"
und "FINANZtest") sind seit jeher werbefrei. Im
Juli 2000 zählten die Warentester zu den Ersten, die
neben Gratisinhalten kostenpflichtige Informationen auf ihrer
Website anboten.
"Entgegen der Nutzer-Philosophie, im Internet hat alles
kostenlos zu sein', waren wir von Anfang an positiv überrascht
über die hohe Akzeptanz", berichtet der Leiter der
Online-Redaktion, Andreas Gebauer. Für psychologisch
wichtig hält er es, dass die Einführung kostenpflichtiger
Inhalte reibungslos verlief: "Wir haben die Nutzer vorher
nie verwöhnt und haben nicht unseren gesamten Content
eins zu eins kostenlos ins Netz gestellt."
Die Kosten pro abgerufenem Beitrag liegen zwischen 50 Cent
und 2,50 Euro. Im Januar wurden 28.000-rnal Testergebnisse
von der Seite abgerufen, die für einen Bruttoerlös
von 45.000 Euro sorgten. Gebauer erklärt diesen Erfolg
so: "Wir können exklusiv nutzwertige Inhalte anbieten.
Außerdem wissen die User durch den guten Namen unserer
Institution, dass sie nicht die Katze im Sack kaufen."
Die abrufbaren Artikel sind zumeist interaktiv aufbereitet;
so lassen sich bei Testberichten die Kriterien nach eigenen
Anforderungen variieren. Damit erhalten die Artikel aus der
Print-Ausgabe noch einen zusätzlichen Nutzwert.
Aber nicht nur die Qualität der verkauften Inhalte sei
für die Zahlungsbereitschaft der Besucher wichtig, sondern
auch die Abwicklung der Zahlung: "Das optimale Bezahlsystem
gibt es noch nicht, jedes hat seine Nachteile; daher haben
wir uns entschlossen, drei verschiedene Systeme anzubieten",
erklärt Gebauer. Beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger
(VDZ) wünscht man sich die Einführung einheitlicher
Richtlinien: "Solange entsprechende Standards fehlen,
wird sich das Geschäft mit kostenpflichtigen Inhalten
nicht entwickeln", heißt es in einer VDZ-Pressemeldung.
Lorenz-Meyer prognostiziert weitere Einbußen: "Bestimmt
werden einige Angebote aus wirtschaftlichen Gründen reduziert
oder eingestellt. Aber man darf das nicht allein der mangelnden
Zahlungsbereitschaft der Nutzer zuschreiben. Ebenso gut könnte
man von der mangelnden Lernbereitschaft der Werbewirtschaft
sprechen oder von den unrealistischen Erwartungen der Verlage.
So funktioniert nun einmal der Markt."
Der Beitrag ist zuerst erschienen in der Medienzeitschrift
journalist
(Ausgabe 7/2002).
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