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MÜNCHENS ZEITUNGEN IM WEB 03.01.2003
Dabeisein ist nicht alles
Von Email an Thomas Mrazek sendenThomas Mrazek | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Mit mehr als 400 Angeboten sind die deutschen Tageszeitungen im Web präsent. Seit den kommerziellen Anfängen des Netzes Mitte der neunziger Jahre hat es allerdings noch kein Verleger geschafft, dauerhaft Geld damit zu verdienen. Die unterschiedlichen Strategien der Münchner Tageszeitungen verdeutlichen die Misere.

Drei Websites von Tageszeitungen im Vergleich. So unterschiedlich sie sind, eines haben sie alle gemeinsam: Die Man-Power in den Redaktionen nimmt ab. (Montage: Mischel)

Als alle Welt begann, vom Internet zu reden, rüsteten sich auch Bayerns namhafteste Zeitungsverlage für die digitale Zukunft: Mit großen Ambitionen gründeten sie 1996 in München einen gemeinsamen Online-Dienstleister, die mbt Online KG. Im Frühjahr 2000 erreichte die Euphorie ihren Höhepunkt. Das jahrelang profitabel arbeitende Unternehmen, an dem sich auch Partner aus anderen Bundesländern beteiligt hatten, wurde in die Zet.Net AG umgewandelt. "Wir wollen unseren Anteil am Börsenboom", verkündete einer der Gesellschafter die scheinbar zeitgemäße Marschrichtung. "Mit Live-Fernsehen und kostspieligen Investitionen wurde das Unternehmen auf Börsenreife getrimmt", schrieb später das Münchner Fachblatt <e>Market.

Während Neuer Markt und New Economy bereits zum Sinkflug ansetzten, investierten die mehr als 30 Gesellschafter – darunter die Verlage der Süddeutschen Zeitung und der Abendzeitung – noch fünf Millionen Euro in ihre Börsenträume. Zwei Jahre später war das Spekulationsobjekt am Ende; die Nachricht vom Insolvenzantrag der kleinen Aktiengesellschaft ging fast unter im Medientrubel um die spektakulärere Kirch-Pleite.

Zu dieser Zeit hatten viele Zeitungshäuser zwar längst ihre eigenständigen Web-Auftritte im Netz etabliert. Doch auch deren Zukunft gilt inzwischen als ungewiss, seit bekannt wurde, wie sehr sogar der ehemals grundsolide Süddeutsche Verlag ins Wanken geraten ist. Im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms für die defizitäre Süddeutsche Zeitung steht auch deren Online-Angebot auf dem Prüfstand. Die Aufbereitung und Fülle der Inhalte von sueddeutsche.de gilt zwar in der Branche als vorbildlich. Das Problem ist die Refinanzierung: Dass die Site bei den IVW-Online-Nutzungsdaten stets einen Spitzenplatz einnimmt, dafür sorgten bis Dezember noch 60 feste Mitarbeiter, davon rund 20 Redakteure. Wegen des Kostendrucks mussten am Jahresende allerdings zwölf Mitarbeiter entlassen werden.

Süddeutsche: Qualität hat bald auch online ihren Preis

Trotz wilder Gerüchte über die Höhe der Verluste gibt sich Geschäftsführer André Sonst optimistisch. Er hofft auf einen Fortbestand auf derzeitigem Niveau – und dementiert kursierende Zahlen. Dass sueddeutsche.de ein Zuschussgeschäft in zweistelliger Millionenhöhe sei, stimme "nicht mal, wenn wir noch in DM rechneten". Bis 2004/2005 will er den Break-even schaffen. Neben der Web-typischen Bannerwerbung sollen vor allem Rubrikanzeigen in den klassischen Bereichen Immobilien, Stellen und Auto dazu beitragen, aus den roten Zahlen zu kommen.

Dem Trend folgend, nicht mehr alle Informationen zu verschenken, will Sonst ab dem kommenden Frühjahr bestimmte Inhalte nur noch gegen Bezahlung anbieten. Den Anteil dieser Einnahmen am Gesamterlös schätzt der sueddeutsche.de-Chef jedoch vorerst als "unbedeutend" ein. Erfreut zeigt sich der Manager indes über einen für Laien vielleicht überraschenden Nutzen des Internet-Angebots: Mittlerweile würden sehr viele Probeabos für die Print-Ausgabe online bestellt, und die Quote derer, die im Anschluss an die Schnupperphase dem Blatt treu bleiben, sei hoch.

» weiter in Teil 2:
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