|
Mit mehr als 400 Angeboten sind die deutschen Tageszeitungen
im Web präsent. Seit den kommerziellen Anfängen
des Netzes Mitte der neunziger Jahre hat es allerdings noch
kein Verleger geschafft, dauerhaft Geld damit zu verdienen.
Die unterschiedlichen Strategien der Münchner Tageszeitungen
verdeutlichen die Misere.
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
| Drei Websites von
Tageszeitungen im Vergleich. So unterschiedlich
sie sind, eines haben sie alle gemeinsam: Die Man-Power
in den Redaktionen nimmt ab. (Montage: Mischel) |
|
 |
 |
 |
 |
Als alle Welt begann, vom Internet zu reden, rüsteten
sich auch Bayerns namhafteste Zeitungsverlage für die
digitale Zukunft: Mit großen Ambitionen gründeten
sie 1996 in München einen gemeinsamen Online-Dienstleister,
die mbt Online KG. Im Frühjahr 2000 erreichte die Euphorie
ihren Höhepunkt. Das jahrelang profitabel arbeitende
Unternehmen, an dem sich auch Partner aus anderen Bundesländern
beteiligt hatten, wurde in die Zet.Net AG umgewandelt. "Wir
wollen unseren Anteil am Börsenboom", verkündete
einer der Gesellschafter die scheinbar zeitgemäße
Marschrichtung. "Mit Live-Fernsehen und kostspieligen
Investitionen wurde das Unternehmen auf Börsenreife getrimmt",
schrieb später das Münchner Fachblatt <e>Market.
Während Neuer Markt und New Economy bereits zum Sinkflug
ansetzten, investierten die mehr als 30 Gesellschafter –
darunter die Verlage der Süddeutschen Zeitung und der
Abendzeitung – noch fünf Millionen Euro in ihre
Börsenträume. Zwei Jahre später war das Spekulationsobjekt
am Ende; die Nachricht vom Insolvenzantrag der kleinen Aktiengesellschaft
ging fast unter im Medientrubel um die spektakulärere
Kirch-Pleite.
Zu dieser Zeit hatten viele Zeitungshäuser zwar längst
ihre eigenständigen Web-Auftritte im Netz etabliert.
Doch auch deren Zukunft gilt inzwischen als ungewiss, seit
bekannt wurde, wie sehr sogar der ehemals grundsolide Süddeutsche
Verlag ins Wanken geraten ist. Im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms
für die defizitäre Süddeutsche Zeitung steht
auch deren Online-Angebot auf dem Prüfstand. Die Aufbereitung
und Fülle der Inhalte von sueddeutsche.de gilt zwar in
der Branche als vorbildlich. Das Problem ist die Refinanzierung:
Dass die Site bei den IVW-Online-Nutzungsdaten stets einen
Spitzenplatz einnimmt, dafür sorgten bis Dezember noch
60 feste Mitarbeiter, davon rund 20 Redakteure. Wegen des
Kostendrucks mussten am Jahresende allerdings zwölf Mitarbeiter
entlassen werden.
Süddeutsche: Qualität hat bald auch online ihren
Preis
Trotz wilder Gerüchte über die Höhe der Verluste
gibt sich Geschäftsführer André Sonst optimistisch.
Er hofft auf einen Fortbestand auf derzeitigem Niveau –
und dementiert kursierende Zahlen. Dass sueddeutsche.de ein
Zuschussgeschäft in zweistelliger Millionenhöhe
sei, stimme "nicht mal, wenn wir noch in DM rechneten".
Bis 2004/2005 will er den Break-even schaffen. Neben der Web-typischen
Bannerwerbung sollen vor allem Rubrikanzeigen in den klassischen
Bereichen Immobilien, Stellen und Auto dazu beitragen, aus
den roten Zahlen zu kommen.
Dem Trend folgend, nicht mehr alle Informationen zu verschenken,
will Sonst ab dem kommenden Frühjahr bestimmte Inhalte
nur noch gegen Bezahlung anbieten. Den Anteil dieser Einnahmen
am Gesamterlös schätzt der sueddeutsche.de-Chef
jedoch vorerst als "unbedeutend" ein. Erfreut zeigt
sich der Manager indes über einen für Laien vielleicht
überraschenden Nutzen des Internet-Angebots: Mittlerweile
würden sehr viele Probeabos für die Print-Ausgabe
online bestellt, und die Quote derer, die im Anschluss an
die Schnupperphase dem Blatt treu bleiben, sei hoch.
»
weiter in Teil 2:
Abendzeitung - keine Strategie, aber e-Papier
|