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INDERNET & CO. 16.07.2003
Portale für Migranten
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Internet-Angebote für Ausländer in Deutschland sind rar gesät, doch die wenigen Exemplare versprechen Orientierung, Interaktion und Kommunikation - einige davon mehrsprachig. Ein Überblick.

Mehr als sieben Millionen Ausländer leben laut externer LinkStatistischem Bundesamt in Deutschland. (Collage: Arjen Jonas)

Aaron und Nike sind ein potentielles Traumpaar. Dabei haben die beiden vielleicht nur eines gemeinsam: Sie haben sich als Nutzer der Website externer LinkAsia-Zone.de registriert, samt Fotos. Und aus dieser Nutzer-Datenbank stellt Asia-Zone.de jeden Monat ein Zufallspaar vor. Kommunikation und Kennen lernen stehen auch bei Internet-Portalen für Türken, Russen und andere Einwanderer-Gruppen im Vordergrund.

Wie stark und wofür ethnische Minderheiten in Deutschland das Internet nutzen, ist bisher kaum erforscht. Die großen Nutzerstudien differenzieren nicht nach Herkunft oder interessieren sich sogar explizit nur für User mit deutschem Pass. Dabei sind unter den türkischen Internet-Nutzern besonders viele "heavy user", die über sieben Stunden pro Woche im Netz hängen, ergab eine Untersuchung der Berliner Marketingfirma externer LinkLabOne. Allerdings, so Projektleiter Kenan Akyol, hinke die Verbreitung des Internet im Vergleich zur deutschen Bevölkerung noch "drei bis vier Jahre hinterher". Erst ein Viertel der rund 2,5 Millionen Türken in Deutschland sei online.

Wer die Satellitenschüssel-Batterien türkischer Wohnquartiere kennt, könnte vermuteten, dass die nur einen Mausklick entfernten Online-Angebote aus der Türkei ganz oben in der Usergunst stehen. "Über 60 Prozent nutzen eher deutsche Inhalte", korrigiert Kenan Akyol dieses Bild: "Für uns war das nicht überraschend." Einwanderer der dritten Generation könnten besser Deutsch lesen und schreiben als türkisch. Statt Themen aus der Türkei sei für sie der türkische Alltag in Deutschland interessant.

Konsumfreudig und markenbewusst

Genau damit versorgen sie seit zwei Jahren die konkurrierenden deutsch-türkischen Startups, externer LinkTürk Dünya ("Türkische Welt") von einem Gründerteam aus Hamburg und externer LinkVaybee ("Wow!") aus Köln. Beide bieten einen ähnlichen Mix aus Orientierung, Infotainment und Interaktionsangeboten. Dazu gehören Linkverzeichnisse vom Dönerladen bis zum Rechtsberatung, Nachrichten, Fußballergebnisse, und viele Lifestyle-Themen: Auto, Mode, Musik, Erotik, Reise. "Konsumfreudig und markenbewusst" sei die Zielgruppe, wirbt "Türk Dünya". Beide Portale bieten ihre Inhalte zweisprachig an. Doch deutsche und die türkische Version sind nicht immer ganz deckungsgleich.

Die großen Portale für Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, externer LinkGermany.ru und externer LinkHamburg.ru, bieten ähnlich wie die türkischen Websites Infos, Links und Unterhaltung, jedoch fast ausschließlich auf russisch. "Wir sind noch nicht so weit wie die Türken", sagt Spätaussiedler Andreas Brückmann, Betreiber von "Germany.ru". Er will Einwanderern Alltagshilfen liefern, "und denen erklärt man das deutsche Versicherungssystem am besten auf russisch".

Beliebter als die redaktionellen Inhalte sind bei "Germany.ru" aber Chat-Räume, Diskussionsforen und Anzeigenseiten, bei denen die Nutzer miteinander in Kontakt treten können. Bei "Vaybee" und "Türk Dünya" ist das nicht anders: Für die Nutzer zählt vor allem die Kommunikation mit der Community. Kenan Akyol erklärt: "Die jungen Deutschtürken leben häufig in großen gesellschaftlichen Zwängen. Im Internet sind sie nicht so stark wie in Familien."

Partnersuche in Foren

Ähnliche Erfahrungen macht Philipp Souyama Datta, der mit zwei Freunden die Website externer Linkindernet.de aufgebaut hat: "Viele indische Mädchen aus Deutschland suchen lieber nach einem indischen Freund, weil sie hoffen, dass die Familie das eher akzeptiert". Die Partnersuche in den Foren bereitet Datta nicht nur Freude: Manchmal müsste die Redaktion bei Baggern oder Beleidigungen mäßigend eingreifen. Außer im "Indernet" träfen sich die Besucher der Website auf indischen Partys, die ein überregionales Publikum anziehen, erzählt Datta. Fotos von den Feiern gibt's anschließend im "Indernet". Auch die mehr oder weniger professionellen Kommunikationsplattformen für junge Griechen (externer Linkgreektown.de) und Asiaten (externer Linkasia-zone.de) werben für entsprechende Partys.

Eher kulturorientiert ist dagegen eine Website zum russischen Berlin: externer Link007-berlin.de. Iraner (externer Linkiran-now.de) und Polen (externer Linkpolonia.de) mischen Kultur und Kommunikation. Unter externer Linkkniga.de bietet ein Online-Händler russische Bücher und Musik.

Provider T-Online und Freemail-Anbieter GMX, die zu den publikumsstärksten Websites in Deutschland gehören, haben ebenfalls bereits ein Auge auf Migranten als Zielgruppe geworfen und einen türkischsprachigen Bereich angeboten. Bei beiden wurden die Angebote jedoch schon nach kurzer Testphase sang- und klanglos wieder eingestellt - "mangels Interesse", wie es von den Unternehmen heißt.

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