| SIETSKE VAN WEERDEN |
04.06.2004 |
| "Unsere Journalisten
werden crossmedial arbeiten" |
Von Fiete
Stegers | Homepage |
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Sietske van Weerden ist stellvertretende Redaktionsleiterin
von NOS
Online. Die Internet-Abteilung des öffentlich-rechtlichen
Senders NOS produziert NOS
Nieuws, eines der wichtigsten
journalistischen Webangebote der Niederlande. Im Interview
mit onlinejournalismus.de spricht van Weerden über
ihre Redaktion, Konvergenz-Projekte und gebührenfinanzierte
Internet-Angebote.
Wie groß ist die Redaktion von NOS Online?
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| Sietske van
Weerden war für verschiedene Rundfunk-
Organisationen tätig, zuletzt für
die Nachrichtensendung Radio 1 Journaal der
NOS. Zeitweilig arbeitete
sie für Radio und Internet parallel,
entschied sich dann aber für NOS Online.
Dort ist sie stellvertretende Chefredakteurin.
(Foto: Stegers) |
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Wir machen hier Internet und Teletext und
haben ungefähr 70, 75 Mitarbeiter. Sie arbeiten
in zwei Abteilungen, Nachrichten und Sport.
Außerdem
betreuen wir große Nachrichtenereignisse wie die Wahlen
in Amerika, für die wir Specials oder eigene große
Sites haben. Solche Extra-Sites haben wir zum Beispiel
auch,
wenn jemand aus unserem Königshaus stirbt. Welche Ausbildung haben Ihre Mitarbeiter?
Die meisten Menschen, die hier arbeiten, haben Journalismus
studiert, einige hatten Internet als Studienschwerpunkt.
Einige haben hier bereits während ihres Studiums ein
Praktikum absolviert. Einige haben für andere Internet-
oder Videotext-Dienste gearbeitet. Aber es ist definitiv
ein Plus, wenn wie sie auch etwas mit Radio oder Fernsehen
zu tun gehabt haben.
Wer sind die Wettbewerber von NOS Online?
Es gibt RTL
Nieuws. Das ist ebenfalls ein Sender, also vergleichbar,
aber ich
denke, dass wir deutlich mehr Nachrichten anbieten. Und
dann gibt es spezielle Internet-Anbieter so wie nu.nl und planet.nl.
Nu.nl ist sehr groß,
ein wenig wie Videotext mit sehr kurzen Nachrichten. Das
mögen viele Leute. Und
auf der anderen Seite gibt es dann noch die Nachrichten-Sites
der Zeitungen.
Was sind die Vorteile von NOS Online gegenüber
der Konkurrenz?
Ich denke als Rundfunkunternehmen müssen
wir eine Menge Audio und Video bringen. Und weil wir da viel
von haben,
unterscheiden wir uns von anderen Nachrichtensites in den
Niederlanden. Man braucht heute mehr Infografiken, mehr
Video, und muss die speziell fürs Internet aufbereiten
und nicht bloß die Nachrichten aus dem Fernsehen ins
Internet stellen. Ich denke, das Internet ist mehr als das.
Aber sind die Online-Redaktionen von Tageszeitungen
nicht im Vorteil, weil bereits über Textinhalte verfügen,
die sie weniger bearbeiten müssen?
Im Moment stimmt das. Die meisten Inhalte im Internet sind
Text, und Text wird niemals verschwinden. Aber es wird sich ändern
und zukünftig viel mehr Video geben. Und wenn Internet
und Fernsehen sich immer mehr annähern, wird es schwer
sein zu sagen, was was ist.
Sicher wird auch in den Niederlanden nach Erlösmodellen
für Online-Journalismus gesucht…
Im Internet kann man nicht reich werden. Nicht mit Nachrichten.
Für die Zeitungen in den Niederlanden sind ihre Websites
vor allem Marketingmaßnahmen: Sie bieten Zusatzinhalte
für Käufer und Abonnenten an.
In Deutschland wird darüber diskutiert, inwieweit die öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten ihre Gebührengelder auch für
Internet-Angebote ausgeben dürfen. Die kommerziellen
Anbieter beschweren sich, dadurch würde ihnen das Geschäft
vermiest…
Wir haben hier eine ähnliche Diskussion. Wir investieren
in Fernsehen und Radio und liefern noch zusätzlich eine
Menge im Internet. Das ist schön für die Zuschauer,
weil sie es umsonst bekommen können. Aber es ist nicht
so toll für die kommerziellen Anbieter. Die sagen: "Das
ist nicht fair, wir können das auch nicht. Und jetzt
ist es für uns viel schwerer, Geld im Internet zu verdienen."
Also eine schwierige Frage.
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| Das niederländische öffentliche
Rundfunksystem ist kompliziert. Es basiert
auf ursprünglich weltanschaulich orientierten
Rundfunkvereinigungen (z.B. katholisch,
sozialistisch). Diese liefern aber ähnlich
wie die Landesrundfunkanstalten der ARD
Teile zu einem gemeinsam Programm zu. Die
neutral einzustufende NOS (Nederlandse
Omroep Stichting) ist dabei für Nachrichten
zuständig. |
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Das entscheidende ist: Glauben
Sie,
dass die öffentlichen Rundfunkanstalten Internetinhalte
anbieten sollen? Man kann sagen: "Nein, bloß Fernsehen
und Radio." Oder man sagt: "Auch der öffentliche
Rundfunk sollte im Internet vertreten sein." Und dann ist
es logisch, dass wir unsere Inhalte anbieten. Im Moment hat
sich die Regierung dafür entschieden, dass der öffentliche
Rundfunk auch im Internet aktiv sein soll. Die kommerziellen
Anbieter mögen das nicht, aber so sieht es aus. Die
NOS plant für Anfang 2005 eine deutliche engere
Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Medienbereichen.
Was soll genau passieren?
Wir wissen es selber auch noch nicht genau, glaube ich. Im
Moment sind wir von NOS Online mit NOS Radio 1 in einem Gebäude,
aber sie sitzen im fünften Stock und wir im Keller.
Die Fernsehredaktion des NOS Journaal sitzt in einem ganz
anderen Gebäude. Wir werden dann aber alle in ein Gebäude
ziehen und dort auf zwei Etagen in einen Newsroom für
Nachrichten und einen für Sport aufgeteilt werden. An
der Spitze wird es dann einen Mann oder eine Frau geben,
die den Newsroom leitet. Dann gibt es keinen Chefredakteur
Radio oder Chefredakteur Fernsehen mehr, sondern nur noch
Chefredakteur Nachrichten oder Chefredakteur Sport.
Außerdem haben wir im Moment haben
beim Radio, beim Videotext und beim Fernsehen jeweils Redakteure,
die kontinuierlich
die Nachrichtenlage beobachten, Agenturen lesen und Berichte überprüfen.
Die werden in einer kleinen Gruppe zusammengefasst und beobachten
dann die Nachrichtenlage für alle Medien gemeinsam.
Und wir schauen danach, wo wir nach anderen Dinge zusammen
tun
können. Organisation nicht nach Medien, sondern
nach Themen. Wir hoffen, dass eine Menge unserer Journalisten
crossmedial arbeiten werden, also etwa für Radio und
Internet oder Fernsehen und Radio. Und das wird sehr spannend
zu beobachten sein.
So eine Idee entwickelt man nicht von heute auf morgen…
Ja, das ist eine sehr alte Idee, ich denke womöglich
mehr als zehn Jahre. Aber wir brauchten für die Umsetzung
ein Gebäude und ein System, mit dem wir sehen können,
was der andere gerade tut oder plant. Jetzt ist beides möglich,
und es wird im nächsten Jahr mit einem neuen Computersystem
auch passieren. Alles wird digital ablaufen. Im Radio läuft
schon alles digital, und das Fernsehen wird dann auch digitalisiert.
Was halten die Redakteurinnen und Redakteure von dieser
Idee?
Das ist unterschiedlich. Einige haben
keine Meinung und sagen "Warten
wir's ab". Andere freuen sich richtig drauf.
Ich denke, für die Internetredaktion bietet es eine
Menge Möglichkeiten, weil es einfacher wird Sachen mit
Radio oder Fernsehen zusammen zu machen. Aber es gibt auch
Befürchtungen. Kollegen vom Videotext oder Radio meinen,
dass das Fernsehen alles dominieren wird.
Jetzt versucht NOS schon einmal einen Testlauf für
den multimedialen Newsroom.
Wir haben ein sehr interessantes Europa-Projekt zu einer
Fernsehsendung namens Lijn
25. Ein Fernseh-Koordinator hat uns
und die Radio-Kollegen gefragt,
ob wir mitmachen wollen. Und jetzt fahren Redakteure von
Internet, Radio und Fernsehen mit einem Bus durch Europa
und produzieren zusammen viele Berichte. Ich bin sehr gespannt,
wie das funktionieren wird.
Bei vielen Medien klagen die Onliner ja über schlechte
Kooperation mit den anderen Redaktionen des Hauses. Wie sieht
es beim NOS aus?
Das passiert schon noch. Aber es ist natürlich. Wenn
man ein Radiojournalist ist, möchte man Radiobeiträge
machen und nicht über das Internet nachdenken. Weil
wir von der Online-Redaktion viel Material von den anderen
verwenden, wollen wir gerne wissen, woran diese arbeiten.
Deshalb sitzen Kollegen von uns als Außenposten in
den Redaktionen von Radio und Fernsehen. Sie sind unsere
Augen und Ohren, und auf diese Weise wir die Kommunikation
zu verbessern.
Aber die Dinge ändern sich. Ich denke in zwei oder
drei Jahren wird man nicht mehr genau wissen, was Fernsehen
und was Radio ist, alles geht ineinander über. Man wird
sich in mehreren Medien auskennen müssen, wenn man als
Journalist arbeiten will. Das macht die Arbeit interessanter,
aber manchmal auch schwieriger, weil man mehr wissen muss.
Einige Redakteure hier arbeiten für sowohl für
Internet als auch für Videotext, und manchmal ist sogar
das schon schwierig.
Zum Schluss die Frage: Von welchen Websites lassen Sie sich
inspirieren?
ZDF, BBC, CNN und
einige kleine Websites, die nicht aus dem Nachrichtenbereich
sind. Das ZDF gehörte zu
den ersten, die eine Mediathek für
Filme und interaktive Elemente hatten. Außerdem
hatten sie als einer der ersten Diashows aus Bildern. Wir
haben das noch nicht, aber ich mag es. Diashows sind eine
sehr gute Art, Bilder zu zeigen und Geschichten auf eine
Internet-spezifische Weise zu erzählen.
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