| JENS TITTMANN UND HOLGER
MAYER: |
05.06.2001 |
| "Langfristig
wird die Zeitung verschwinden" (1) |
Von Fabian
Hoberg | Homepage |
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Jens Tittman und Holger Mayer sind die führenden
Köpfe hinter dem Regionalportal Nordwest.net, einem Online-
Angebot verschiedener Verlage und der Nordwest- Zeitung. Die
Arbeit des Printjournalisten unterscheidet sich deutlich von
der des Onlinejournalisten, sind sich Redaktionsleiter und
Chef vom Dienst einig. Und langfristig werde die Zeitung sogar
verschwinden.
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| Jens Tittmann ist
studierter Politikwissenschaftler. Er machte Praktika
bei der Westfalenpost und Euroredaktion. Das journalistische
Handwerk lernte er bei der Berliner Morgenpost,
bei Kontraste und Frontal. Später arbeitete
er als Nachrichtenchef und CvD bei der taz. Seit
Anfang 2001 leitet er die Redaktion von Nordwest.net.
(Foto: Hoberg) |
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Was ist für Sie Onlinejournalismus?
Tittmann: Das ist für mich in erster Linie Aktualität.
Es gibt kein Medium, bei dem ich Geschehnis schneller zum
Verbraucher transportieren kann als über das Internet.
Das schafft selbst das Radio nicht. Ein zweiter Punkt ist
die Verlinkung und dadurch eine richtige Vernetzung.
Mayer: Interessant finde ich, dass man immer wieder verschieden
Themenpakete anbieten kann. Dabei haben wir unbegrenzten Platz.
Verschiedene Medienformen wie Video- und Audiostreaming geben
mehr Möglichkeiten als im Printbereich.
Und wie sieht für Sie der optimale Beitrag aus?
Mayer: Die Gesetze der Webschreibe sollten beachten werden.
Kurze Texte mit Fotos auflockern, die Seite darf nicht langweilig
wirken. Der User muss zum Weiterklicken bewegt werden. Es
geht aber nicht um eine generelle Längenbegrenzung. Wenn
man die Seiten gut miteinander verknüpft, den Leser weiter
an die Geschichte bindet, dann ist die Länge zweitrangig.
Klappt das auch?
Mayer: Das klappt nicht immer. Wir müssen immer sehr
schnell arbeiten und wir kooperieren eng mit dpa-online. Artikel
laufen automatisch ein. Auch nachts, da wir 24 Stunden aktuell
sein müssen.
Tittmann: Es gibt auch Ausnahmen. Wenn wir ein ganz heißen
und wichtigen Text haben, stellen wir ihn erst einmal nur
als Text ins Netz. Das Bild folgt später. Den können
wir aber ständig aktualisieren. Wir können die Texte
noch mal zerstückeln, Links hinzufügen oder auch
mit Streamings anreichern. Bei uns lohnt es, sich nach zwei
Stunden noch mal einen Beitrag anzuklicken, den der User vorher
schon mal gelesen hat.
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| Holger Mayer hat
Deutsch und Politik auf Magister in Oldenburg studiert.
Danach bildete er sich zum Internetentwickler weiter.
Nebenbei absolvierte er verschiedene Praktika. Seit
einem Jahr ist er bei Nordwest.net. zuerst als Redakteur,
nun als Chef vom Dienst tätig. (Foto: Hoberg) |
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Gibt es im Onlinejournalismus eine andere Art zu schreiben?
Tittmann: Ein paar Sachen sollte man bedenken, da man ja
nur mit Anreißern arbeitet. Die alte journalistische
Weisheit "die News an den Anfang" ist hier ganz
stark gefragt.
Schwierig wird es bei einer klassischen Reportage, wie man
sie aus dem Zeitungsjournalismus kennt. Mit einer visionären
Beschreibung eines Ortes oder mit Zitaten einzusteigen ist
schwierig. Durch Weiterverklinkung kann man aber die klassischen
journalistischen Darstellungsformen nutzen.
Wo liegt der Unterschied zwischen Onlinejournalisten
und Printjournalisten?
Tittmann: Die Schnelligkeit ist entscheidend. Hintergründe
werden anders vermittelt. Den Anreißer einer Tageszeitung
auf Seite Eins und den großen Artikel mit 150 Zeilen
auf Seite Drei kann man nicht ins Internet übertragen.
Der ist zu lang und muss mit Grafiken, Bildern und Videos
mehr aufgestückelt werden.
Mayer: Oder mit einer schönen Flash- Animation. So könnte
man zum Beispiel anschaulich einen BSE- Erreger erklären.
weiter
in Teil 2 »
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