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GUNNAR RITZMANN: 20.04.2000
"Der Online-Journalist ist zuerst Journalist"
Von Email an Jan Steppat sendenJan Steppat und Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Gunnar Ritzmann ist Chef vom Dienst beim Online-Angebot des Berliner Nachrichtensenders n-tv. Wir besuchten ihn in seinem Büro, wo er uns erklärte, wie bei n-tv.de die Nachrichten netzgerecht aufbereitet werden.

Gunnar Ritzmann hat das Nachrichtengeschäft bei der Agentur ddp-ADN von der Pike auf gelernt. Nun ist er CvD des Online-Angebots von n-tv. (Foto: Mischel)

Wie sieht das Internet künftig aus? Wird es die Konvergenz der Medien geben?

Aus meiner Sicht wird das Netz auch künftig viertes Medium sein. Der vielfach veröffentlichten Meinung, dass das Fernsehen verschwindet, kann ich nicht folgen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass die meisten Deutschen noch gar keinen Internet-Zugang haben. Ich glaube nicht, dass in den kommenden 50 Jahren ein Medium wegen des Netzes verschwinden wird. Der Trend zur Konvergenz, wie wir ihn ja jetzt bereits haben, wird sich aber sicherlich verstärken. Es gibt doch kaum noch einen Fernsehsender oder eine Tageszeitung ohne Internet- Auftritt. Zusätzlich entstehen spezielle Internet- Formate, wie wir eines entwickelt haben.

Welches Anforderungsprofil muss ein Online-Journalist für diese Formate erfüllen?

Zuerst einmal muss er ein guter Journalist sein. Dazu gehört, möglichst Erfahrungen in jedem Medium zu haben und sich schnell in neue Dinge hineinversetzen zu können. Hinzu kommen bei einem Online- Journalisten Computer- und Internet-Kenntnisse. Ich glaube aber nicht, dass der Online-Journalist jemand sein muss, der selbst Seiten programmiert und sämtliche gängigen Computer-Sprachen beherrscht.

Aufgrund der technischen Entwicklung sehe ich eher eine Entwicklung analog zum Fernsehen mit einer Spezialisierung in verschiedene Berufe wie Redakteur, Programmierer oder Graphiker. Dann kann der Journalist seine Stärken ausreizen, nämlich die Fähigkeit, über den eigenen Horizont hinaus zu denken und die Möglichkeiten des Netzes zu nutzen. Was das Internet angeht, meine ich damit die tiefere Aufarbeitung eines Themas, etwa in Form einer sinnvollen Verlinkung. Der technische Background hilft dem Online-Journalisten dabei, ohne Reibungsverluste mit den Mitarbeitern aus dem technischen Bereich Problemlösungen zu finden.

Ihr Sender hat mit dem Live-Stream eine innovative Duftmarke gesetzt...

Ja, nach einem Testlauf bis zur Internationalen Funkausstellung 1999 bieten wir den Live-Stream seit kurzem wieder an. Wir haben sehr viele Mails von Usern bekommen, fast alle mit positivem Feedback und dem Wunsch nach einer Neuauflage des Angebots. Dem sind wir gefolgt.

Welche Kardinalfehler kann ein Web-Designer machen?

Der Hauptfehler ist, dass viele denken, das Internet müsse möglichst bunt, möglichst zappelnd, möglichst blinkend und auch möglichst piepsend sein. Der Hauptfehler wird bei dem Versuch gemacht, sich abzuheben und auf der Pop-Art- Schiene zu landen. Ich denke dagegen, dass Journalismus einen ehrlichen Touch haben sollte. Da wirken zu viele bunte Elemente einfach störend. Der Hauptaugenmerk sollte auf einem Produkt liegen, das von den Inhalten gut gemacht und handwerklich okay ist. Das aber ist im Netz nicht unbedingt üblich. Besonders die Texte sind da zum Teil schlecht.

Die Inhalte können noch so gut sein, wenn die Navigation nicht stimmt. Welchen Stellenwert hat die Verlinkung bei Ihnen?

Sie ist das tägliche Brot. Ganz wichtig ist eine klare Struktur. Der User muss von der Homepage aus jeden Beitrag schnell finden können. Daher sollten in der Navigationsleiste alle Bereiche klar benannt sein. Schwierig ist die Einordnung gerade bei Nachrichtengeschichten: Gehört ein Text eher in die Rubrik x oder y? Das ist immer eine schwierige Entscheidung. Da sollte man sich ruhig Zeit nehmen. Denn Content, den ich ins Netz stelle und den niemand finden kann, ist schlichtweg umsonst.

Stichwort Content: Beschränken Sie sich auf Agenturmaterial oder recherchieren Sie auch eigene Beiträge?

Unsere Inhalte basieren, wie andere Nachrichtenangebote auch, natürlich auf Agenturmeldungen. Zusätzlich recherchieren wir aber im Netz und nutzen Zeitungen und Zeitschriften als Quelle für Hintergrund-Informationen. Auch liefern uns n-tv Korrespondenten, wie etwa kürzlich bei der Russland-Wahl, und Kollegen unseres Partnersenders CNN, Material zu.

Unser Ziel ist, dass wir die Nachricht thematisch einordnen und dem Leser die Möglichkeit geben, sich möglichst umfassend über das Thema zu informieren. Das kann mittels eigener Hintergrund- Berichte, Videos, Links oder Grafiken geschehen.

Aus den Ressorts
Webwatch: Relaunch bei MSNBC.com - Aus alten Fehlern lernen
Praxis: Ressourcen für Journalisten - Alle Links zum Rest der Welt
Aus- und Fortbildung: Bestandsaufnahme - Ausbildung für den Online- Journalismus im Jahr 2003
Forschung: Delphi- Studie bringt prozentgenaue Prognose zum Online- Publishing
Buchtipps: Videojournalismus - Die digitale Revolution?
 
 

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