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Gunnar Ritzmann ist Chef vom Dienst beim Online-Angebot
des Berliner Nachrichtensenders n-tv. Wir besuchten ihn in
seinem Büro, wo er uns erklärte, wie bei n-tv.de
die Nachrichten netzgerecht aufbereitet werden.
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| Gunnar Ritzmann hat
das Nachrichtengeschäft bei der Agentur ddp-ADN
von der Pike auf gelernt. Nun ist er CvD des Online-Angebots
von n-tv. (Foto: Mischel) |
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Wie sieht das Internet künftig aus? Wird es die Konvergenz
der Medien geben?
Aus meiner Sicht wird das Netz auch künftig viertes
Medium sein. Der vielfach veröffentlichten Meinung, dass
das Fernsehen verschwindet, kann ich nicht folgen. Dies ist
vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass die meisten Deutschen
noch gar keinen Internet-Zugang haben. Ich glaube nicht, dass
in den kommenden 50 Jahren ein Medium wegen des Netzes verschwinden
wird. Der Trend zur Konvergenz, wie wir ihn ja jetzt bereits
haben, wird sich aber sicherlich verstärken. Es gibt
doch kaum noch einen Fernsehsender oder eine Tageszeitung
ohne Internet- Auftritt. Zusätzlich entstehen spezielle
Internet- Formate, wie wir eines entwickelt haben.
Welches Anforderungsprofil muss ein Online-Journalist
für diese Formate erfüllen?
Zuerst einmal muss er ein guter Journalist sein. Dazu gehört,
möglichst Erfahrungen in jedem Medium zu haben und sich
schnell in neue Dinge hineinversetzen zu können. Hinzu
kommen bei einem Online- Journalisten Computer- und Internet-Kenntnisse.
Ich glaube aber nicht, dass der Online-Journalist jemand sein
muss, der selbst Seiten programmiert und sämtliche gängigen
Computer-Sprachen beherrscht.
Aufgrund der technischen Entwicklung sehe ich eher eine
Entwicklung analog zum Fernsehen mit einer Spezialisierung
in verschiedene Berufe wie Redakteur, Programmierer oder Graphiker.
Dann kann der Journalist seine Stärken ausreizen, nämlich
die Fähigkeit, über den eigenen Horizont hinaus
zu denken und die Möglichkeiten des Netzes zu nutzen.
Was das Internet angeht, meine ich damit die tiefere Aufarbeitung
eines Themas, etwa in Form einer sinnvollen Verlinkung. Der
technische Background hilft dem Online-Journalisten dabei,
ohne Reibungsverluste mit den Mitarbeitern aus dem technischen
Bereich Problemlösungen zu finden.
Ihr Sender hat mit dem Live-Stream eine innovative Duftmarke
gesetzt...
Ja, nach einem Testlauf bis zur Internationalen Funkausstellung
1999 bieten wir den Live-Stream seit kurzem wieder an. Wir
haben sehr viele Mails von Usern bekommen, fast alle mit positivem
Feedback und dem Wunsch nach einer Neuauflage des Angebots.
Dem sind wir gefolgt.
Welche Kardinalfehler kann ein Web-Designer machen?
Der Hauptfehler ist, dass viele denken, das Internet müsse
möglichst bunt, möglichst zappelnd, möglichst
blinkend und auch möglichst piepsend sein. Der Hauptfehler
wird bei dem Versuch gemacht, sich abzuheben und auf der Pop-Art-
Schiene zu landen. Ich denke dagegen, dass Journalismus einen
ehrlichen Touch haben sollte. Da wirken zu viele bunte Elemente
einfach störend. Der Hauptaugenmerk sollte auf einem
Produkt liegen, das von den Inhalten gut gemacht und handwerklich
okay ist. Das aber ist im Netz nicht unbedingt üblich.
Besonders die Texte sind da zum Teil schlecht.
Die Inhalte können noch so gut sein, wenn die Navigation
nicht stimmt. Welchen Stellenwert hat die Verlinkung bei Ihnen?
Sie ist das tägliche Brot. Ganz wichtig ist eine klare
Struktur. Der User muss von der Homepage aus jeden Beitrag
schnell finden können. Daher sollten in der Navigationsleiste
alle Bereiche klar benannt sein. Schwierig ist die Einordnung
gerade bei Nachrichtengeschichten: Gehört ein Text eher
in die Rubrik x oder y? Das ist immer eine schwierige Entscheidung.
Da sollte man sich ruhig Zeit nehmen. Denn Content, den ich
ins Netz stelle und den niemand finden kann, ist schlichtweg
umsonst.
Stichwort Content: Beschränken Sie sich auf Agenturmaterial
oder recherchieren Sie auch eigene Beiträge?
Unsere Inhalte basieren, wie andere Nachrichtenangebote auch,
natürlich auf Agenturmeldungen. Zusätzlich recherchieren
wir aber im Netz und nutzen Zeitungen und Zeitschriften als
Quelle für Hintergrund-Informationen. Auch liefern uns
n-tv Korrespondenten, wie etwa kürzlich bei der Russland-Wahl,
und Kollegen unseres Partnersenders CNN, Material zu.
Unser Ziel ist, dass wir die Nachricht thematisch einordnen
und dem Leser die Möglichkeit geben, sich möglichst
umfassend über das Thema zu informieren. Das kann mittels
eigener Hintergrund- Berichte, Videos, Links oder Grafiken
geschehen.
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