|
Martin Paff koordiniert die Geschäfte mit den Inhalten
bei der Welt Online. Im gediegenen Journalisten-Club des Springer-Hauses
in Berlin-Mitte erzählt er uns, wie der Online-Ableger
der überregionalen Tageszeitung Geld verdienen möchte
- und sich dabei an den journalistischen Kodex hält.
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
| Martin Paff absolvierte
die Hamburger Schule des Springer-Verlags und setzte
noch ein kaufmännisches Diplom drauf. Kaufmännisch
denkt er auch bei der Vermarktung des Online-Inhalts
der Welt. (Foto: selbst) |
|
 |
 |
 |
 |
Die Welt Online hat ein großes "Mutterblatt"
im Rücken. Was übernehmen Sie von dort, was kommt
aus der eigenen Redaktion?
Der Web-Journalismus als solches, das sind bei uns zunächst
die Beiträge aus dem Printbereich. Wir ergänzen
sie in Teilen, sei es um Links, sei es um eine konkrete Buchempfehlung.
Das ist übrigens ein E-Commerce- Ansatz, bei dem wir
uns sagen: Auf diese Weise bekommen wir für unseren Content
eine kleine Rückfinanzierung. Wir machen aber auch ganz
eigenständige Sachen, die wir entweder ins Print abgeben,
oder wir machen etwas, das im Print wirklich nicht angeboten
werden kann.
Sicher, viel von dem Kernjournalismus stammt aus dem Blatt,
weil da das Material ist. Und dann gibt es eben diese kleinen
aber feinen Geschichten, die wir zusätzlich anbieten:
an Beiträgen oder aber - worauf ich mehr Wert lege -
an Funktionalitäten und Services.
Ein guter Beitrag fürs Netz - wie sieht der aus?
Man hat früher einmal gesagt, die Texte müssen
knapper und kürzer sein. Das ist so allerdings nicht
richtig. Denn wir sind seit 1995 im Netz und haben seither
Beiträge, die zum Teil exorbitant lang sind. Wir merken
jedenfalls nicht, dass lange Texte weniger stark abgerufen
werden. Wir haben dahin gehend auch nie negative Resonanzen
erhalten.
Damit folgen Sie nicht der gängigen Meinung...
Ich glaube, es liegt an der Zielgruppe oder der Userschaft
der Welt Online. Das sind schon profund Interessierte. Diese
Menschen schätzen unser Angebot. Denn Sie dürfen
nicht unterschätzen, dass da draußen eine Menge
Redakteure sind, die entsprechend kompetent recherchieren.
Und für die schnelle Information haben sie mit dem Newsticker
die Möglichkeit, die Informationen schnell durchzuscannen.
Werden Sie diese Linie dauerhaft fahren?
Wir haben im Onlinebereich unsere drei redaktionellen Mitarbeiter,
die seit Jahren da sind und die ihre Formen gefunden haben.
Ich glaube aber, dass wir in den nächsten anderthalb
Jahren unseren Journalismus deutlich verändern müssen.
Wir sollten von klassischen Artikel-Metaphern weg, die da
lauten: Überschrift, Unterzeile, dann kommt das Bild
und dann der Text. Wir sollten statt dessen hin zu Nutzmetaphern.
Was verstehen Sie darunter?
Zusätzlich zum Kern-Artikel und dem Hintergrund, beides
werden wir weiterhin anbieten, interessieren die User auch
die letzten News zu dem Thema. Es wird also eine Mechanik
greifen, die da lautet: Wie kriege ich noch einmal Schlagzeilen
automatisch jenseits des statisch produzierten Artikels dazu?
Das ist erst einmal eine Ergänzung eines Formates. Zusätzlich
werden wir verstärkt Schlagwörter wie beispielsweise
Konkurs oder Sequester heraus filtern und diese dann erklären.
Ketzerisch gefragt: Können Sie damit die Printausgabe
ersetzen? Oder allgemein: Wird das Internet die Zeitung ersetzen?
Wir glauben noch nicht ersetzen. Unser Wunsch ist es zu ergänzen
und zwei Objekte wirklich integrativ in einer Mechanik zusammen
zu führen. Wir sind dabei eine Ergänzung. Sicher
keine sklavische, denn wir sind schon emanzipatorisch veranlagt.
Wir wollen schon unsere Möglichkeiten aufgreifen.
Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Sie können sowohl
im Print als auch online Börsendaten veröffentlichen.
Aber sie können im Print nicht zu jedem Unternehmen Charts,
Werte und Kenndaten bieten. Das können sie wohl aber
in der Online-Ausgabe. Darüber hinaus könnte ich
mir vorstellen, per Klick auch zu traden. Zumindest aber Daten
aus dem Archiv über bestimmte Unternehmen abzurufen.
Das sind Funktionen, die wir im Blatt einfach nicht abbilden
können.
Sie haben es mit den Buchempfehlungen bereits angesprochen:
Das Internet ist ein Werbemarkt. Welche E-Commerce- Vorstellungen
haben Sie?
Da gibt es zunächst ganz klassische Sachen wie das Bannergeschäft.
Das ist bei weitem noch nicht zu Ende. Wir hatten im vergangenen
Jahr vermutungsgemäß in Deutschland zwischen 100
und 150 Mio. Mark Umsatz, und ich denke wir werden in diesem
Jahr so um die 350 bis 400 Mio. erreichen. So lautet jedenfalls
der Branchenusus. Sie können nachvollziehen, dass dies
weiterhin ein interessantes Geschäft ist angesichts von
Steigerungsraten, die Sie in keinem anderen Umfeld finden
werden.
Dann gibt es sicher verstärkt E-Commerce- Aktivitäten,
für die wir mit interessierten Partnern Formen der Zusammenarbeit
entwickeln können. Bücher sind ein Thema, das können
wir auch mit CDs und Videos weiterführen, also mit allen
Dingen, deren Verkauf im Internet Sinn machen.
Was bedeutet diese Entwicklung für Journalisten
im Online-Bereich? Müssen sie künftig neben ihrem
klassischen Blickfeld auch den Markt im Auge haben?
Wir freuen uns über jeden marktaffinen und zugewandten
Mitarbeiter, der unsere Vermarktung unterstützt.
Themenwechsel: Wo sehen Sie Gegenwart und Zukunft des
Internet?
Das Internet ist ein Netzwerk. Es ist nichts anderes als
Papier. Darauf können sie eine Zeichnung machen, eine
Visitenkarte bzw. ein Buch drucken oder Klopapier daraus herstellen.
Und so ist das Internet zunächst einmal nur ein Medium,
das ganz unterschiedlich genutzt werden kann.
Zur Zukunft: Es wird sich um immer weitere mediale Möglichkeiten
ergänzen. Es ist nicht mehr Text allein wie 1992. Jetzt
haben wir Bild und Ton, Audio- und Video-Streams. Wir haben
Telefonmöglichkeiten. Wir können nicht nur einen
Textchat, sondern auch einen Audiochat machen, wenn die technische
Infrastruktur bei den Usern da ist. Da passiert eine ganze
Menge.
Mit dem Stichwort Chats sind wir bei der Interaktivität.
Unterstellen wir, Ihre Leserschaft wäre eine Community,
die aktuelle Informationen und Hintergründe hauptsächlich
von Ihnen bezieht. Communities leben bekanntlich davon, dass
derjenige, der sie zuerst ins Leben ruft, am meisten profitiert.
Alle später gekommenen haben großen Nachholbedarf.
War die Welt Online zu spät dran?
Sie können davon ausgehen, dass die Leserschaft der
Welt Online eine Community ist. Das sind Leute, die das Objekt
gut finden, die uns dauernd besuchen und die sagen: toll.
Und jetzt können wir sagen: Was für einen Approach
schaffen wir zu dem bestehenden Angebot, diese Stamm-User
noch stärker einzubinden, mit ihnen in Interaktion zu
treten oder was man sonst noch unter einer Community versteht.
Dann gibt es ganz andere Ansätze, die lauten: Wir sind
eine Community-Plattform, wir versuchen etwas zu einem Thema
zusammen zu fassen. Die haben sicher auch ihre Berechtigung
und einen gewissen Erfolg. Und dann ist es so, dass es für
alles nicht verteilte Marktplätze gibt. Um zu diesen
zu gelangen, gibt es zwei Wege: Sie besetzen einen neuen oder
sie haben schon guten Traffic und versuchen für interessierte
User diese Angebot auch noch zu etablieren. Und da sind wir
nicht zu spät dabei. Wir haben Chat-Foren im Moment nicht
in unserem Schwerpunkt-Kanon, weil wir eher auf Produktbestandteile
des Journalismus setzen als zwingend Interaktion zu triggern.
Welche drei Sterne, sprich Sites, steuern Sie am liebsten
im Datenkosmos an?
Die Washington
Post. Von der ganzen Struktur her gefällt sie mir
gut. Die haben ein interessantes Modell, wie sie riesige Content-Mengen
interessant zusammen klemmen.
Fox
News finde ich interessant. Das liegt daran, weil die
Kollegen dort relativ eng mit dem Fernsehsender zusammen arbeiten.
Drittens hätte ich eigentlich Welt Online nennen müssen,
das versteht sich aber von selbst.
Und privat?
Was ist schon privat? Also was mir aus dem Informationsbereich
auch sehr gut gefällt, ist TheStandard.com,
ein Silicon Valley Journal. Und dann gibt es eine Menge Sites,
die aus dem Programm- Umfeld kommen, wo man Programmier- Ressourcen
findet und sich dort austauscht.
Wenn wir mal nach Deutschland gehen. Ich nenne einfach
mal ein eines: Telepolis...
Nutze ich kaum. Es gibt zu viele sehr gute Sites. Auch die
Heise-Site ist gut. Aber es ist ein zeitliches Problem. Sie
müssen schon verstehen, dass wir hier einen x-Stunden-
Tag haben.
|