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"Auch mal vor die Türe gehen, sonst macht es keinen Spaß" (2)

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Mit einem Team von insgesamt 31 Mitarbeitern ist die Internet- Abteilung des WDR im Vergleich zu anderen Online- Redaktionen ja auch sehr groß...

Im Gegensatz zu anderen Internet- Redaktionen, die mitunter sehr erfolgreich auf der Unterhaltungsebene arbeiten, wollen wir in erster Linie informieren. Und aktuelle Informationen schnell anzubieten, da kämen wir mit nur vier Leuten einfach nicht aus. Außerdem möchten wir, dass unsere Redakteurinnen und Redakteure nicht nur in ihren Büros sitzen, sondern auch mal vor die Türe kommen. Denn sonst macht es keinen Spaß.

Mit Block und Aufnahmegerät ganz klassisch auf die Straße?

Sicher nicht mit Block, sondern mit einer Digitalkamera, Handy und Laptop. Denn so bin ich auch nicht darauf angewiesen, erst in die Redaktion zurück zu fahren um das zu bearbeiten.

Worauf sollte denn geachtet werden, wenn man fürs Netz schreibt? Eher kurz und knackig, oder wird auch ein längerer Text gelesen?

Längere Texte werden gelesen - wenn man sie sich ausdruckt. Am Bildschirm selbst liest das länger wirklich keiner gerne. Beim WDR bieten wir deshalb bei umfangreicheren Texten einen Modulaufbau an: Die Texte sind dann in kleinere Pakete mit informativen Überschriften unterteilt, so dass wir durchaus auch User erreichen, die sich nur kurzfristig informieren wollen: Jeder kann sich selbst herausziehen, was er interessant findet.
Frage: Und wie schaut's mit Verlinkung aus?
Antwort: Die Links sind außerordentlich wichtig, weil sie zum Wesen des Mediums gehören. Allerdings verwenden wir in der Regel kommentierte Links und beschreiben, was da zu bekommen ist. Da kann es auch schon mal sehr kritische Kommentierung geben.

Braucht der Online-Redakteur eine Affinität zur Technik?

Eindeutig ja. Vor allem im visuellen Bereich. Er muss gewisse Fähigkeiten haben oder erlernen. Er muss sehen können, was ein interessantes Bild ist: Ist es als bewegtes Bild oder als Standbild interessant? Denn das Internet ist auch ein visuelles Medium. Zwar kannst du eine ganze Menge Text verkaufen, aber durch das Bild, durch Layout und den optischen Eindruck musst du die Leute für dich einnehmen können.

Eine erlernbare Fähigkeit, oder nicht doch eher Begabung?

Ich will doch sehr hoffen, dass man das lernen kann. Gerade weil wir hier in der Online-Abteilung des WDR sehr viele Kollegen haben, die in ihrem journalistischen Vorleben beim Hörfunk gearbeitet haben, wo es eben keine Bilder gibt. Ich denke aber schon, dass sich das erlernen lässt.

Wie schaut die Zukunft des Internets aus?

Ich sehe da starke Konvergenz zum Fernsehen. Ich denke, dass sich die Breitband- Technologie ziemlich flott durchsetzen wird - über Fernsehkabel oder DSL-Netz - so dass die multimedialen Elemente, zum Beispiel Bewegt-Bilder, noch stärker in den Vordergrund treten werden als sie es ohnehin schon tun. Das Internet wird sicher auch zunehmend zu einer selbstverständlichen Technologie, ähnlich wie das Telefon, und dadurch vielseitiger zu nutzen sein. Ich glaube auch, dass das Netz zu einer stärkeren Demokratisierung führen wird.

Wahlen via Netz?

Das könnte ich mir durchaus vorstellen.

Bietet der WDR eigentlich eine eigene Online-Ausbildung an, unabhängig von den anderen Bereichen?

Nein. Wir werden keinen Online-Volontärs-Kurs auflegen, denn für uns ist entscheidend, dass wir Journalisten ausbilden. Und die müssen sich im Rahmen ihrer Ausbildung mit Hörfunk und Fernsehen, aber auch dem Internet beschäftigen. Uns ist wichtig, dass wir Journalisten ausbilden, die in den drei Medien Radio, Fernsehen und Internet fit sind. Eine reine Spezialisierung nur auf das Medium Internet halte ich deshalb auch für weniger sinnvoll.

Um Abschließend auf den Printbereich zu kommen: Wird es ein "friedliches Nebeneinander" zwischen Print und Online geben, oder glauben Sie, dass die Zeitung durch das Netz ein wenig in die Ecke gedrängt werden wird?

Die Erfahrung hat bislang gezeigt, dass durch die Erfindung eines neuen Mediums kein anderes substituiert wurde. Der Buchdruck hat noch nicht einmal die Steinmetzkunst substituiert - die wird immerhin noch bei Grabsteinen gebraucht. Aber im Ernst: Das Radio hat das Kino nicht überflüssig gemacht und das Fernsehen nicht das Radio. Keines der genannten Medien hat bislang den Print überflüssig gemacht. Ich glaube die besonderen Charakteristika, die Printmedien erfüllen, dass ich mir damit beispielsweise etwas einstecken und es in den unmöglichsten Situationen herausnehmen und lesen kann, sorgen dafür, dass eine Substitution nicht passieren wird. In einer total überfüllten U-Bahn schaffe ich es noch, die Überschriften und die Titelseite einer Boulevardzeitung zu lesen, auch wenn es dabei schüttelt und rattert wie sonst was. Ich denke nicht, dass ein Medium durch das Online-Medium ersetzt werden wird. Dass es Auswirkungen auf die Medien hat, auch aus Sicht der Verlage, und dass da kritische Entwicklungen stattfinden, glaube ich dagegen schon.

Will heißen?

Ich habe beispielsweise gesehen, dass die "Rheinische Post" mittlerweile ihre komplette Printausgabe auch ins Netz stellt - mit sämtlichen Anzeigen. Und das zusätzlich zur eigenen Online Redaktion externer LinkRP-Online.

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