| MICHAEL.MAIER@NETZEITUNG.DE |
16.01.2003 |
| "Nicht auf diese
Gönnerhaftigkeit angewiesen..." |
Von Roman
Mischel | Homepage |
 |
Seit ihrer Gründung im Frühjahr 2000 ist Michael
Maier Chefredakteur der Netzeitung. Im Interview mit onlinejournalismus.de
spricht der Österreicher über den Sinn von Tageszeitungen
im Internet-Zeitalter, die Erfolgsaussichten von Bezahlinhalten
sowie den hohen Anspruch der unabhängigen Berichterstattung.
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
| Das Interview mit
Dr. Michael Maier haben wir komplett digital aufgezeichnet
und anschließend zu einem kurzen Bericht zusammengefasst.
Zum Abspielen benötigen Sie das Flash-Plugin
sowie einen Computer, der Töne wiedergeben
kann. (Bericht: Mischel) |
|
 |
 |
 |
 |
Herr Dr. Maier, wie lange haben Sie eigentlich gestern
gearbeitet?
Von neun bis 20 Uhr. Das war eher ein kurzer Tag.
Und wie sieht ein langer Tag bei Ihnen aus?
Von halb acht bis 24 Uhr oder länger. Das hängt
natürlich von den Ereignissen ab.
Sie waren Chefredakteur der Berliner Zeitung und des
Stern. Was hat Sie am Projekt Netzeitung gereizt?
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
| Michael Maier, Chefredakteur
der Netzeitung. (Foto: Mischel) |
|
 |
 |
 |
 |
Als ich ein Jahr in Israel war und dort an der Hebräischen
Universität Jerusalem geforscht habe, bin ich von norwegischen
Kollegen angesprochen worden, ob ich das gern machen würde.
Mir hat die kühne Herangehensweise der Norweger gefallen,
die wirklich in Richtung unabhängiger, kritischer Journalismus
gegangen ist. In Israel selbst habe ich schon sehr viel mit
dem Internet gearbeitet, weil ich weit weg war von Europa
und die Informationen auf diesem Wege am besten beziehen konnte.
Auch auf der Universität war es so, dass selbst über
70-jährige Professoren mit dem Internet arbeiteten. Für
die war das kein Wunderding wie für manchen Journalisten
in Deutschland.
Bei der Netzeitung sind rund 30 Mitarbeiter beschäftigt…
Wir können so schlank arbeiten, weil im Hintergrund
eine fantastische Technologie läuft – sodass wir
versuchen, unsere Ressourcen wirklich im journalistischen
Bereich einzusetzen. Es ist mir kein anderes Angebot bekannt,
das 24 Stunden Nachrichten in Form von Texten, immer mehr
Audio und Video so kostengünstig produzieren kann wie
wir – auch kein Radio.
Wenn man sich die Netzeitung anschaut, gewinnt man schnell
den Eindruck eines aufgemotzten Nachrichten-Tickers. Sind
Ihre Nachrichtenquellen hauptsächlich Agenturen?
Mitnichten, wir arbeiten beispielsweise ohne dpa! Wir haben
alle klassischen Formen der Nachrichtenbeschaffung zur Verfügung.
Wir machen Interviews, wir recherchieren selbst, wir verwenden
natürlich auch Agenturen. Aber wir haben ein gutes Netzwerk
an Redakteuren und an den wichtigsten Stellen der Welt freie
Korrespondenten.
Wo liegen Ihrer Meinung nach die gravierendsten Unterschiede
zwischen Print- und Onlinejournalismus?
In der Technologie und in einer 24-Stunden-Wachheit, die
der Internetjournalist einfach hat. Der Printjournalist arbeitet
in Wahrheit viel virtueller als der Onlinejournalist, weil
er immer rechnen muss, wann Redaktionsschluss ist, was wie
geschrieben werden muss, damit es bis morgen hält, obwohl
sich die Nachrichtenlage ständig ändert. So gesehen
ist eine Printredaktion viel stressreicher als eine Onlineredaktion.
Am nächsten Tag kann man in vielen Zeitungen auch sehr
genau sehen, dass der eine Artikel um 14:00 Uhr geschrieben
wurde, der nächste um 16:00 Uhr und der letzte vielleicht
kurz vor Redaktionsschluss ins Blatt gehoben wurde. Im schlimmsten
Fall stehen dann in drei verschiedenen Artikeln völlig
unterschiedliche Informationen. Im Internet ist das transparenter.
Dass das Internet die Nachrichtenplattform ist, ist ein Faktum.
Das setzt die Zeitungen natürlich unter enormen Druck.
»
weiter in Teil 2
|