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DETLEF LAMPE: 20.04.2000
"Im Internet muss man doch auch pinkeln"
Von Email an Jan Steppat sendenJan Steppat und Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Detlef Lampe verantwortet das Nachrichtenangebot aus dem Hause RTL. Wir trafen ihn in der Kölner RTL-Zentrale, wo er uns die Vorteile des Online-Publishings erläuterte.

Wird von seinen Kollegen als lockerer Chef geschätzt: Detlef Lampe, Redaktionsleiter von RTLnews. (Foto: Mischel)

Wie definieren Sie Onlinejournalismus?

Onlinejournalismus heisst, in dem Medium der Zukunft Journalismus zu betreiben.

Und wie sieht das praktisch aus?

Das sieht aus wie in jedem anderen Medium auch, mit dem feinen Unterschied, dass der Online- Redakteur in dem Moment, wo er sich auf seinen Stuhl setzt, bereits Sendung oder seinen Erscheinungstag hat, während normale Journalisten für ein Produkt arbeiten, das irgendwann erst rauskommt.

Wo liegen die journalistischen Vorteile des Internet verglichen mit konventionellen Medien?

Ein Vorteil beim Onlinejournalismus ist natürlich, dass man viel mehr Raum, eigentlich einen unbegrenzten Raum hat, um den User mit Informationen zu beglücken, die er sonst nicht bekommt.

Also beispielsweise: Hintergrundgeschichten, weiterführende Links, related Storys. Auf all das zurück greifen zu können, was man beim Zeitunglesen gar nicht hat, bis hin zu der Beantwortung der Frage: Was heisst eigentlich Lombardsatz?

Was hat denn gerade diese Frage mit Onlinejournalismus zu tun?

Ganz einfach. Wenn in der Tagesschau die Sprecherin wie immer vom Papier abliest, der Lombardsatz sei um 0,5 Prozent gesunken, dann weiß Oma Kasupke in Bottrop bestimmt nicht, was ein Lombardsatz ist. Wenn man das in einer Zeitung liest, dann sitzt man vielleicht gerade in einer Straßenbahn. Man traut sich den Nachbarn dann nicht wirklich zu fragen: "Sagen Sie mal, was denn eigentlich der Lombardsatz?" Im Online- Bereich kann man über Stichwortsuche, über Fremdwörterlexika diese ganzen Sachen heraus lesen und sich dadurch viel besser informieren als in jedem anderen Medium.

Stichwort Konvergenz der Medien. Wie wird die aussehen?

Natürlich so, dass die Verschmelzung von Fernsehen und Internet immer weiter gehen wird. Wir werden irgendwann keine Unterschiede mehr haben zwischen einem Fernseh- und einem Internet- Benutzer. Beides wird so verschmelzen, wie es auch zusammen gehört, würde Willy Brandt jetzt sagen.

Werbung im Internet - stört sie den User nicht nur?

Wieso? Im Internet muss man doch auch pinkeln, oder? Oder virtuell? Im Ernst: Wenn ich auf einer Seite was Spannendes finde, ist es mir doch völlig egal, was da noch drauf ist.

Anderes Thema: Haben Sie keine Angst vor digitalen Spuren?

Wir hinterlassen doch überall Spuren. Vor digitalen Spuren habe ich keine Angst, nein. Ich glaube die digitalen Spuren, die wir hinterlassen, sind solche, die wir überall hinterlassen. Ich glaube wir sind hier Deutschland sehr viel gläserner als die meisten meinen. Positiv ausgedrückt: Das Internet ist doch der Bereich, in dem man noch Spuren verfolgen kann. Das ist bei unserer Behörden-Demokratie ja nicht immer möglich.

Da gibt es Ex- Bundeskanzler, die können sich noch nicht einmal daran erinnern, von wem sie Millionen bekommen haben. Wenn das Geld im Internet überwiesen worden wäre, dann könnte Kohl jetzt hundert Mal sagen: "Sorry, ich weiß nicht woher das Geld kommt." Denn man könnte über die ID schauen: "Ist ja super, Herr Dingenskirchen war's." So aber kann er sagen: "Weiß ich nicht." Das muss man ihm jetzt erst mal so glauben, dass er nichts weiß, Dabei weiß jeder, dass er es weiß.

Sie üben ihren Beruf ja nicht nur aus reinem Spaß an der Freude aus. Was verdient man denn so?

Geld.

Wie viel?

Kommt darauf an. Es kommt wie überall auf die Qualität an. Es kommt auf das Alter an und wie lange man den Beruf ausübt. Es gibt Manteltarifverträge, an die man sich halten muss und Arbeitszeitregelungen, an die man sich halten darf. Und in sofern verdient man genau so viel wie bei einer Zeitung auch.

Aus den Ressorts
Webwatch: Relaunch bei MSNBC.com - Aus alten Fehlern lernen
Praxis: Ressourcen für Journalisten - Alle Links zum Rest der Welt
Aus- und Fortbildung: Bestandsaufnahme - Ausbildung für den Online- Journalismus im Jahr 2003
Forschung: Delphi- Studie bringt prozentgenaue Prognose zum Online- Publishing
Buchtipps: Videojournalismus - Die digitale Revolution?
 
 

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