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Michael Kramers leitet die Online-Redaktion des ZDF. Wir
besuchten ihn im Sendezentrum am Mainzer Lerchenberg, wo er
uns seine Ansichten über webspizifische Darstellungsformen
erklärte.
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| Michael Kramers arbeitete
zunächst beim Länderspiegel. Wegen seiner
Affinität zu allem Technischen zog es ihn in
die Online-Redaktion, die er heute leitet. (Foto:
ZDF) |
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Sie leiten die Online-Redaktion des ZDF. Was ist denn
für Sie überhaupt Onlinejournalismus?
Onlinejournalismus ist ganz einfach gesagt der Journalismus,
der online passiert, der sich aber auch des Online-Mediums
bedient, um zu recherchieren und ein Produkt darzustellen.
Ich denke, die Aspekte sind sehr vielfältig, weil das
Internet nicht nur eine mediale Darstellungsform anbietet,
sondern mehrere Möglichkeiten.
In sofern kann man den Onlinejournalismus nicht mit dem
Printjournalismus vergleichen, der sich des geschriebenen
Wortes bedient und sich in einer gedruckten Zeitung niederschlägt.
Online haben wir im Prinzip die ganze Bandbreite der Darstellungsmöglichkeiten.
Genau das ist der Punkt, der es schwierig macht, entsprechende
Definitionen zu finden.
Sie können aber sicher sagen, wie ein gut gemachter
Online-Beitrag aussehen sollte?
Die Kriterien sind einem Wandlungsprozess in sich unterworfen.
Anfangs hatten wir ziemlich viele statische Angebote im Netz.
Inzwischen ist das Erfolgsgeheimnis Aktualität, ein schneller
Wechsel und eine kurze Präsentation der Themen. Hinzu
sollte ein kurzer Anreißer in der Übersicht und
dann eine tiefere Verlinkung folgen. Entsprechend lauten die
Regeln für das Schreiben eines Beitrages. Allerdings
unterscheidet sich die Art und Weise nicht so sehr von einem
gut gemachten Zeitungsartikel, es sei denn in der Länge.
Ich denke, man muss für das Internet deutlich kürzer
schreiben. Ausnahmen sind Nutzer, die tief in ein Thema einsteigen
wollen. Diese suchen auch im Internet nach umfangreicheren
Inhalten und sind dankbar, wenn sie in dieser Form etwas angeboten
bekommen. Wenn ich aber eine möglichst große Anzahl
an Usern bedienen will und das Internet als Massenmedium verstehe,
werde ich viele Inhalte erst einmal in Kürze präsentieren
müssen.
Wir versuchen das, indem wir Inhalte anteasern, kurze Einstiegsgeschichten
formulieren und später längere Beiträge anbieten.
Allerdings sehen wir ganz deutlich, dass beispielsweise bei
einer längeren Geschichte über drei Online-Seiten
die Weiterklickrate bereits nach der ersten Seite drastisch
sinkt.
Welche Bedeutung messen Sie in diesem Zusammenhang Audio-
und Video-Streams bei?
Wir erleben gerade eine sehr starke Orientierung hin zu
dieser Technologie. Mit zunehmender Bandbreite wird es immer
attraktiver werden, sich Videoinhalte auch im Netz anzuschauen.
Entscheidend ist aber der Mehrwert. Der ist in der Regel nicht
gegeben, wenn ein Stream live parallel zu einer Sendung ausgestrahlt
wird, die auch im konventionellen TV zu sehen ist. Da überwiegt
dann die bessere Qualität im TV.
Wir haben allerdings starke Nachfrage beobachtet in den
Fällen, in denen wir beispielsweise Pressekonferenzen
im Netz übertragen haben oder als Preview Ausschnitte
gezeigt haben oder wenn Beiträge später noch individuell
abrufbar sind. Deshalb werden wir unter diesem Aspekt auch
die technischen Kapazitäten ausbauen.
Ein weiteres spezielles Online-Element sind Foren. In
welcher Form stellen Sie sich den Einsatz dieser interaktiven
Möglichkeit des Netzes vor?
Ich würde mir wünschen, dass unsere Fernseh-Kollegen
ihre Fachkompetenz in die Foren mit einbringen. Sie könnten
mit ihren Kenntnissen helfen, die von unseren Usern in Diskussionen
aufgeworfenen Fragen mit zu beantworten. Das erfordert allerdings
noch Überzeugungsarbeit. Denn die Fernsehkollegen müssten
schließlich ihre Zeit für die Teilnahme an den
Foren opfern.
Wie könnte diese Mitarbeit konkret aussehen? Sie
wäre ja damit schon ein neues journalistisches Betätigungsfeld...
Es wäre eine tolle Sache, wenn sich beispielsweise
jemand aus der WiSo-Redaktion an entsprechenden Foren beteiligen
und seine Sicht der Dinge zu wirtschaftlichen und sozialen
Aspekten darlegen würde. Diese Zeit müsste er sich
allerdings zusätzlich nehmen. Das erfordert von uns Überzeugungsarbeit.
Ob die Foren-Moderation ein journalistischer Berufszweig
wird, weiß ich nicht. Unsere Themen sind sehr schnelllebig,
weil sie meistens nachrichten- oder aktualitätsbezogen
sind. Sicher könnte man den Bereich zu einem Beruf machen.
Momentan sehe ich das aber noch nicht so.
Moderation ist eine Sache. Kontrolle eine andere...
Wir müssen Foren kontrollieren. Denn wir müssen
darauf achten, rechtsextremistische oder sonstwie juristisch
inkriminierende Beiträge zu entfernen. Ansonsten werden
sie nicht zensiert und bislang auch nicht moderiert.
Wie sieht für Sie das Profil eines Online-Journalisten
aus? Ist er eher Alleskönner oder eher Spezialist?
Wir haben eine weitgehende Spezialisierung erreicht. 1996
haben fast alle, auch die großen Anbieter, einfache
HTML-Seiten gebaut. Es kam damals darauf an, dass man multimediale
Dinge weitgehend selbst produzieren konnte: Bildbearbeitung,
Texte schreiben, Seiten bauen usw.
In den vergangenen drei Jahren haben wir eine sehr starke
Spezialisierung erfahren. Ich glaube nicht, dass es für
einen Online-Redakteur heute noch darauf ankommt zu wissen,
wie er eine Seite selbst bauen muss. Grundlegende Kenntnisse
sind natürlich nie schädlich. Ich vergleiche das
immer mit der Spezialisierung, die wir im Fernsehbereich haben.
Wir haben einen Kameramann, einen Cutter und einen Redakteur.
Der Redakteur wird sicherlich keine Kamera führen können
müssen, aber er tut gut daran zu wissen, was man mit
einer Kamera machen kann. Genauso wird er nicht den Film selbst
schneiden müssen, aber er sollte wissen, was man mit
einem Schnitt bewirken kann.
Genauso ist es im Online- Bereich. Der Redakteur wird sich
künftig viel mehr um die Inhalte kümmern, darf dabei
aber das Übrige nicht aus den Augen verlieren. Er wird
ein Team von verschiedenen Spezialisten koordinieren. Und
was er dabei sicherlich braucht, ist der Blick für die
Fragen: Wie optimiere ich mein Angebot auf die Nutzerinteressen?
Wo liegen überhaupt die Nutzerinteressen? Wie sind die
Rezeptionsmuster? Wie sieht die erwartete, schnellen Veränderungen
unterworfene Rezeptionshaltung aus?
Viele reden von der Konvergenz der Medien. Wie stellen
Sie sich in diesem "konvergierten Zeitalter" die
möglichen Endgeräte vor?
Auch wir glauben an eine technische Konvergenz. Was es später
für Geräte geben wird, wagen wir nicht zu prognostizieren.
Vorsichtig kann man sicherlich sagen: Es wird nicht der eine
Wunderkasten sein, der im Büro oder Wohnzimmer steht
und mitgenommen werden kann. Wahrscheinlich wird es vielfältige
Möglichkeiten der Medien-Nutzung geben.
Im Wohnzimmer wird sich das Gerät eher als Distanzmedium
für den Unterhaltungsbereich mit abgespeckten interaktiven
Features darstellen und im Arbeitszimmer als Nahmedium mit
wesentlich mehr Möglichkeiten. Und sicherlich wird die
weitere Entwicklung der WAP- Technologie noch viele interessante
Nutzungsmöglichkeiten hervorbringen.
Welches Redaktionssystem nutzen Sie?
Wir haben uns vor zwei Jahren für Imperia entschieden,
weil es netzbasiert ist und wir es daher praktisch von jedem
Ort der Welt füttern können.
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