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MARC HECKERT: 20.04.2000
Ein Manta überrollte sämtliche Foren (1)
Von Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Marc Heckert leitet die Redaktion von externer LinkOWL-Online, einem Internet-Portal für die Region Ostwestfalen-Lippe. Inhalte gibt es von drei Zeitungen: der Neuen Westfälischen, dem Mindener Tageblatt und der Lippischen Landeszeitung.

Ist im lokalen Onlinejournalismus erfahren: Schon in den 90er Jahren gründete Marc Heckert ein Osnabrücker Online-Magazin. (Foto: Mischel)

Das Internet ist neben Fernsehen, Radio und dem Print-Bereich das vierte Medium. Ist es noch eine Ergänzung oder schon eine Konkurrenz zu den drei anderen?

Ich denke, es ist schon jetzt ein Medium, dass in Konkurrenz zu den bestehenden Medien steht. Nach neueren Umfragen ist der Fernsehkonsum bei Internet-Nutzern sehr stark zurück gegangen. Der Printkonsum übrigens nicht. Zur Erleichterung der Printzeitungen scheint sich das da nicht negativ auszuwirken. Das Internet ist für mich ganz klar ein eigenes Medium, dass seine Stärken hat, sehr aktuell sein kann und im Gegensatz zum Fernsehen keine einseitige Kommunikation ist, sondern eine wirkliche Interaktivität besitzt. Diese Geschichte gibt es in den anderen Medien praktisch gar nicht. In der Zeitung sind es nur Leserbriefe, im Radio Höreranrufe oder ähnliches. Also keinesfalls vergleichbar mit dem Internet.

Setzt deshalb ein Verdrängungswettbewerb ein?

Ich glaube in keinem Fall, dass das Internet andere Medien verdrängen wird wie es prophezeit wurde. Aber es wird in Ergänzung treten, es wird sicher seinen eigenen Platz finden. Es ist jetzt schon in einer unglaublich kurzen Zeit zum Massenmedium geworden. Wir haben in Deutschland - nach verschiedenen Statistiken - schon zwölf Millionen Nutzer - und das innerhalb der letzten sechs, sieben Jahre. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Es kann eine Ergänzung der bestehenden Medien werden, die Zeitungen mit einem eigenem Angebot, die Radiosender, die Fernsehsender, sie sind ja alle im Netz vertreten. In sofern ist es eher eine Ergänzung als eine Konkurrenz.

Wie sieht dabei die Strategie von OWL-Online aus?

Wir werden mit Sicherheit nicht versuchen, den Zeitungen Konkurrenz zu machen: Das können wir nicht. Allein die Neue Westfälische hat 160 Redakteure. Wir können aber versuchen, die Möglichkeiten des Mediums Internet verstärkt zu nutzen. Da wäre die Möglichkeit, Farbfotos praktisch ohne Zahlenbegrenzung einzustellen. Oder eine Form der Vorberichterstattung auf Ereignisse, auch schon lange im Voraus, die für eine Printzeitung gar nicht möglich ist.

Deswegen gibt es auch unseren Veranstaltungskalender. Sobald wir von Terminen erfahren, stellen wir sie ins Netz. Man kann bei uns schon drei Wochen im Voraus sehen, was in der Disco oder im Kino kommt, welche Konzerte stattfinden. Wir werden auch digitale Videos produzieren und sie anbieten, soweit es die Bandbreiten erlauben und der Server-Platz hergibt.

Womit wir bei den Inhalten sind. Wie gestaltet man die am besten?

Das fängt an mit ganz einfachen Äußerlichkeiten, Layout-Äußerlichkeiten. Sie wissen ja, dass die Texte in HTML dargestellt werden, es also keine automatische Silbentrennung gibt, der Zeilenumbruch am Ende der Seite statt findet. Also muss man lange Worte vermeiden, weil sie unter Umständen Riesen-Löcher in die Zeile reißen. Da das Lesen am Bildschirm anders ist als in einer Printzeitung am Frühstückstisch, kann man generell sagen, dass die Texte wesentlich kürzer und informativer sein sollten.

Auf gute Formulierungen kommt es nicht so sehr an als auf prägnante, in wenigen Absätzen darstellbare Inhalte und eine einfache Satzstruktur. Man muß sich immer vor Augen halten, dass beim User die Uhr tickt, weil er für jede Minute Geld bezahlt. Er ist deshalb auch nicht gewillt, sich mal zurückzulehnen und einen Text auf sich wirken zu lassen und ihn vielleicht noch ein zweites Mal zu lesen. Man hat in der Regel nur einen Versuch.

Wie ist mit längeren Inhalten umzugehen?

Seiten dürfen nicht unbegrenzt groß sein. Wenn ein Text allzu lang ist, muß man ihn auf mehrere Seiten verteilen. Das birgt jedoch folgendes Problem: Jeder Klick für den User ist jedes Mal wieder eine Schwelle: Guck ich mir das jetzt noch an? Lohnt sich das? Oder gehe ich woanders hin? Deswegen empfiehlt es sich, die Texte immer möglichst kurz zu halten. Generell: Reportagen, Lesegeschichten, Hintergrundberichte sind für Online nicht ideal.

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