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MARKUS DEGGERICH: 26.11.2000
"Das nächste Jahr wird entscheidend werden" (1)
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers und Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Als erstes deutsches Internet-Medium leistet sich Spiegel Online einen Berlin- Korrespondenten: Markus Deggerich berichtet seit November 1999 exklusiv für die Hamburger aus Hauptstadt und Parlament. Wie der Alltag eines Online- Korrespontenten aussieht, warum Qualität zählt und wie die Zukunft des Onlinejournalismus aussieht, schildert Markus Deggerich im Interview mit onlinejournalismus.de.

Markus Deggerich ist der erste Hauptstadt-Korrespondent, den sich ein Online-Medium leistet. (Foto: Mischel)

Seit gut einem Jahr sind Sie Parlaments- Korrespondent. Werden Sie als Vertreter eines Internet-Mediums von Ihren Gesprächspartnern überhaupt ernst genommen?

Was hilft, ist natürlich der Markenname: Obwohl ich immer versucht habe, deutlich zu sagen "Spiegel Online", hören die erst mal bloß Spiegel. Es war sehr viel Erklärungsbedarf da.

Man musste erst mal den Leuten deutlich machen, was Spiegel Online ist, was Onlinejournalismus ist. Das war sehr zäh. Da hast du eine halbe Stunde einen Vortrag gehalten, und danach haben deine Gesprächspartner zu dir gesagt: "Ja, klingt ja interessant, schicken Sie bitte mal ein Belegexemplar."

Aber es gab auch teilweise richtig massive Ablehnung: Manche Leute haben klar gesagt: "Wir reden nicht mit Internetjournalisten. Das ist igittigitt. Alles Elektronische ist Journalismus zweiter Klasse". Solch unbegründeten Ablehnungen haben wir dann teilweise einfach im Netz veröffentlicht.

Dann hatten wir eine halbe Stunde später die Leute doch am Telefon, weil irgendjemand aus der Presseabteilung mitgekriegt hatte, was da auf der Homepage des Spiegels stand.

War das die übliche Methode, Politiker zum Interview zu bekommen?

Nein, der normale Weg war Überzeugungsarbeit. Ich habe gesagt: Wenn Sie uns exklusiv ein Interview geben, dann wird es vor den Tageszeitungen veröffentlicht, aber es wird trotzdem in den Agenturen und in den Fernsehnachrichten zitiert. Das, was Politiker eigentlich wollen - nämlich Öffentlichkeit erreichen - können sie auch bei uns bekommen, zum Teil wesentlich schneller als bei anderen.

Wie sehen die Kollegen von anderen Medien den Online- Korrespondenten?

Aufmerksames Zuhören gehört zu seinem Job. Sein Handwerk hat er auf zwei Journalistenschulen, bei der DPA, beim Stern und der Süddeutschen Zeitung gelernt. (Foto: Mischel)

Die lästern gerne. Du bist dann der Spinner am Laptop. Inzwischen wandelt sich das aber. Du kriegst eine Flut von Bewerbungen, eine Flut von Anrufen von Leuten, die auf den Geschmack gekommen sind.

Denn wenn du es dir unser Produkt anguckst, merkst du ja auch, dass es ganz normaler Journalismus ist. Es ist halt nur eine andere Art der Distribution.

Trotzdem: Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von der für Print- oder Hörfunkmedien?

Grob gesagt: Du hast keinen Redaktionsschluss. Wenn um ein Uhr nachts im Kanzleramt der Atomausstieg beraten wird, dann musst du vor Ort sein. Das ist einfach Top-News. Dann mußt du das dann noch nachts um zwei machen.

Das ist aber nicht der Alltag.

Sonst ist es ein Zwölfstundentag: Wenn du um 16 Uhr dein Interview stehen hast, oder deine Analyse oder deinen Kommentar, ist eben nicht Schluss. Wenn sich eine Stunde später noch was neues ergibt, kannst du deinen Artikel nochmal aktualisieren. Oder auch eine Woche später, wenn das Thema wieder aktuell werden sollte.

Du hast auch keinen Layoutzwang. Wenn du den Leitartikel bei der Süddeutschen schreibst, hast du deine 180 Zeilen, weil das Standard ist. Egal, ob du 180 Zeilen lang was zu sagen hast oder nicht. Bei uns schreibst du so lange, wie du was zu sagen hast. Nicht das Layout, sondern der Inhalt steht im Vordergrund.

Gibt es einen eigenen Stil fürs Schreiben im Netz?

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich anders schreibe als für eine Tageszeitung. Was schon wichtiger ist, bzw. wichtiger genommen wird als bei einer Tageszeitung, sind Überschriften und Teaser, weil das darüber entscheidet, wie der Artikel angenommen wird. Da haben wir inzwischen auch Vorgaben. Die Überschriften sind immer einzeilig, Teaser maximal drei oder vierzeilig.

weiter in Teil 2 »

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