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Thorsten Cöhring hat die Online-Redaktion von RTL
mit aufgebaut und ist dort in leitender Position tätig.
Er glaubt an die Konvergenz zwischen Internet und Fernsehen
- und sieht ganz neue Werbeformen heranwachsen.
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| Thorsten Cöhring
hat sein journalistisches Handwerk bei ddp sowie
dem Westfalenblatt in Bielefeld gelernt. (Foto:
Mischel) |
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Wie wird das Internet in Zukunft aussehen?
Das Internet wird völlig ohne Zweifel in seiner jetzigen
Form weiter bestehen. Es wird aber einen wichtigen Entwicklungszweig
geben: Das wird der Konvergenzbereich sein, also das Zusammenwachsen
von Fernsehen und Internet, weil beide Medien wunderbar zusammen
passen. Bisher hatte man als Begleitmedium zum Fernsehen den
Teletext. Die nächste Generation wächst heran mit
der digitalen Übertragungstechnik: Es gibt mit den Set-Top-Boxen
bereits digitale Programmführer, in denen natürlich
auch journalistische Inhalte transportiert werden. Auch dort
werden die Inhalte zukünftig HTML-oder XML-basiert sein
können. In dem Moment ist die Konvergenz da. Davon bin
ich felsenfest überzeugt. Technisch gesehen ist sie ja
von den Endgeräten her kein Problem.
Welches Problem gibt es?
Das Problem ist die Rückkanalfähigkeit der Übertragungswege.
Interaktivität wird erst durch den Rückkanal ermöglicht,
also die Möglichkeit für den Nutzer, mit dem Produzenten
in Kontakt zu treten. So wie es im Internet über einen
Provider üblich ist. Es muss daher für die Anbieter
darum gehen, digitale Übertragungswege, insbesondere
via Breitbandkabel, rückkanalfähig zu machen. Dazu
sind gewaltige Investitionen notwendig, potentielle Investoren
zögern noch. Auch die Politik des Ex-Monopolisten Telekom
trägt nicht dazu bei, die Entwicklung zu beschleunigen.
Aber es gibt noch andere Ansätze. Vielleicht wird ja
auch das Stromnetz eines Tages zum Datenhighway.
Wann wird das Konzept marktfähig sein?
Es gibt schon verschiedene Feldversuche in diesem Bereich.
Ich gehe davon aus, dass es in spätestens zwei Jahren
so weit sein wird. Ich schätze, dass wir dann über
den heutigen Stand nur noch lächeln können.
Wer wird es in zwei Jahren schon nutzen können?
Die Endgeräte sind ja im Prinzip schon da. Es wird
ein Fernseher sein mit einem integrierten Computer. Der Computer
ist überhaupt nicht sichtbar. Es wird also für den
Normalverbraucher ein TV-Gerät sein wie bisher auch.
Und man wird auch weiter Fernsehangebote konsumieren können.
Es wird aber eine bestimmte Anzahl von Menschen geben, die
neue interaktive Features nutzen wollen und werden.
Welche neuen Werbeformen sehen Sie in diesem Zusammenhang?
Man könnte die Werbung im herkömmlichen Sinne,
im Fernsehsinne, koppeln mit den Möglichkeiten des Internet.
Wenn beispielsweise ein Werbespot eines Autoherstellers läuft,
hätte man die Chance, direkt via Fernbedienung einen
Wagen zu bestellen.
Reden wir über das Redaktionelle. Wie sieht ein
optimaler Online-Beitrag aus?
Grundsätzlich muss ein Beitrag für das Internet
zunächst einmal möglichst kurz sein. Sie kennen
den berühmten Satz von Goethe: "Entschuldigen sie,
dass der Brief so lang geworden ist, ich hatte keine Zeit
für einen kürzeren." So ungefähr muss
man das hier auch sehen. In der Kürze liegt die Würze
und gleichzeitig die Herausforderung für den Online-Redakteur.
Eine generelle Beschränkung kann man aber schlecht vorschreiben.
Es muss einfach alles Wichtige drin stehen. Und zwar so, dass
die Menschen es verstehen und möglichst schlauer sind
als vorher.
Wie setzen Sie das um?
Was den Online-Redakteuren bei RTL zu Gute kommt, ist, dass
sie gleichzeitig für den Teletext arbeiten. Im Teletext
muss man eine Geschichte auf 13 Zeilen à 35 Anschläge
komplett erzählen. Das schult ungemein, wenn es darum
geht, Nachrichten zu schreiben und Nachrichten zu vermitteln.
Nicht umsonst gibt es Stimmen, die fordern, dass auch Volontäre
oder Jung- Redakteure aus Fernsehredaktionen mal ein paar
Tage im Teletext schnuppern sollten, um da wirklich kurz und
knapp formulieren zu lernen. Unsere Online-Redakteure profitieren
davon jedenfalls enorm.
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