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THORSTEN CÖHRING: 20.04.2000
"Die Zukunft heißt TV mit Rückkanal"
Von Email an Jan Steppat sendenJan Steppat und Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Thorsten Cöhring hat die Online-Redaktion von RTL mit aufgebaut und ist dort in leitender Position tätig. Er glaubt an die Konvergenz zwischen Internet und Fernsehen - und sieht ganz neue Werbeformen heranwachsen.

Thorsten Cöhring hat sein journalistisches Handwerk bei ddp sowie dem Westfalenblatt in Bielefeld gelernt. (Foto: Mischel)

Wie wird das Internet in Zukunft aussehen?

Das Internet wird völlig ohne Zweifel in seiner jetzigen Form weiter bestehen. Es wird aber einen wichtigen Entwicklungszweig geben: Das wird der Konvergenzbereich sein, also das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet, weil beide Medien wunderbar zusammen passen. Bisher hatte man als Begleitmedium zum Fernsehen den Teletext. Die nächste Generation wächst heran mit der digitalen Übertragungstechnik: Es gibt mit den Set-Top-Boxen bereits digitale Programmführer, in denen natürlich auch journalistische Inhalte transportiert werden. Auch dort werden die Inhalte zukünftig HTML-oder XML-basiert sein können. In dem Moment ist die Konvergenz da. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Technisch gesehen ist sie ja von den Endgeräten her kein Problem.

Welches Problem gibt es?

Das Problem ist die Rückkanalfähigkeit der Übertragungswege. Interaktivität wird erst durch den Rückkanal ermöglicht, also die Möglichkeit für den Nutzer, mit dem Produzenten in Kontakt zu treten. So wie es im Internet über einen Provider üblich ist. Es muss daher für die Anbieter darum gehen, digitale Übertragungswege, insbesondere via Breitbandkabel, rückkanalfähig zu machen. Dazu sind gewaltige Investitionen notwendig, potentielle Investoren zögern noch. Auch die Politik des Ex-Monopolisten Telekom trägt nicht dazu bei, die Entwicklung zu beschleunigen. Aber es gibt noch andere Ansätze. Vielleicht wird ja auch das Stromnetz eines Tages zum Datenhighway.

Wann wird das Konzept marktfähig sein?

Es gibt schon verschiedene Feldversuche in diesem Bereich. Ich gehe davon aus, dass es in spätestens zwei Jahren so weit sein wird. Ich schätze, dass wir dann über den heutigen Stand nur noch lächeln können.

Wer wird es in zwei Jahren schon nutzen können?

Die Endgeräte sind ja im Prinzip schon da. Es wird ein Fernseher sein mit einem integrierten Computer. Der Computer ist überhaupt nicht sichtbar. Es wird also für den Normalverbraucher ein TV-Gerät sein wie bisher auch. Und man wird auch weiter Fernsehangebote konsumieren können. Es wird aber eine bestimmte Anzahl von Menschen geben, die neue interaktive Features nutzen wollen und werden.

Welche neuen Werbeformen sehen Sie in diesem Zusammenhang?

Man könnte die Werbung im herkömmlichen Sinne, im Fernsehsinne, koppeln mit den Möglichkeiten des Internet. Wenn beispielsweise ein Werbespot eines Autoherstellers läuft, hätte man die Chance, direkt via Fernbedienung einen Wagen zu bestellen.

Reden wir über das Redaktionelle. Wie sieht ein optimaler Online-Beitrag aus?

Grundsätzlich muss ein Beitrag für das Internet zunächst einmal möglichst kurz sein. Sie kennen den berühmten Satz von Goethe: "Entschuldigen sie, dass der Brief so lang geworden ist, ich hatte keine Zeit für einen kürzeren." So ungefähr muss man das hier auch sehen. In der Kürze liegt die Würze und gleichzeitig die Herausforderung für den Online-Redakteur. Eine generelle Beschränkung kann man aber schlecht vorschreiben. Es muss einfach alles Wichtige drin stehen. Und zwar so, dass die Menschen es verstehen und möglichst schlauer sind als vorher.

Wie setzen Sie das um?

Was den Online-Redakteuren bei RTL zu Gute kommt, ist, dass sie gleichzeitig für den Teletext arbeiten. Im Teletext muss man eine Geschichte auf 13 Zeilen à 35 Anschläge komplett erzählen. Das schult ungemein, wenn es darum geht, Nachrichten zu schreiben und Nachrichten zu vermitteln. Nicht umsonst gibt es Stimmen, die fordern, dass auch Volontäre oder Jung- Redakteure aus Fernsehredaktionen mal ein paar Tage im Teletext schnuppern sollten, um da wirklich kurz und knapp formulieren zu lernen. Unsere Online-Redakteure profitieren davon jedenfalls enorm.

Aus den Ressorts
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Praxis: Ressourcen für Journalisten - Alle Links zum Rest der Welt
Aus- und Fortbildung: Bestandsaufnahme - Ausbildung für den Online- Journalismus im Jahr 2003
Forschung: Delphi- Studie bringt prozentgenaue Prognose zum Online- Publishing
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