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Wenn also bewegte Bilder, dann Zweitverwertung aus dem
TV. Schicken Sie keinen Reporter mit einer Kamera raus?
Nein, das können wir uns überhaupt nicht leisten.
Vor wenigen Jahren gab es eine ganze Reihe von Produktionsfirmen,
die sich auf Bewegtbilder im Netz spezialisiert hatten. Mittlerweile
sind alle vom Markt verschwunden. Da ist viel kreative Energie
verschütt gegangen – es war zu früh. Schon
eine printgetriebene Seite wie Spiegel Online arbeitet mit
Verlusten, und wir arbeiten mit großer Energie daran,
diese Verluste zu vermindern, was keine einfache Übung
ist. Obwohl sich viele Verlage unterdessen von ihren Internet-Aktivitäten
getrennt oder sie zumindest radikal eingeschränkt haben,
steht der Spiegel zu seiner journalistischen Qualität
im Internet.
Trotzdem mussten auch Sie Mitarbeiter entlassen…
Wir haben zum ersten Mal Mitarbeitern in einer ganz begrenzten
Anzahl kündigen müssen. Gemessen am Markt haben
wir aber Glück und befinden uns in einer ganz guten Position:
Die SpiegelNet AG ist nicht an der Börse notiert, wir
sind also nicht unter dem Druck wie andere Wettbewerber, in
möglichst kurzer Zeit Gewinne abwerfen zu müssen.
Der Spiegel sieht seine Internet-Aktivitäten als langfristiges
Engagement an und weiß, dass man mit Online-Nachrichten
nicht auf Schlag Millionen verdienen kann. Er hat uns von
heute an eine Zeitspanne von mehreren Jahren gegeben, in der
wir in die schwarzen Zahlen kommen müssen. Das ist eine
relativ großzügige Rechnung, aber ich denke, dass
wir diese Zeit auch brauchen.
Bares für Inhalte soll ein Modell sein, um aus den
roten Zahlen zu kommen. Seit geraumer Zeit bieten Sie jeden
Samstag den Spiegel-Titel sowie weitere Geschichten aus dem
Heft gegen Gebühr an. Wer Ihr Online-Archiv nutzt, muss
für jeden Text, der älter ist als drei Monate, mindestens
40 Cent bezahlen. Ist das der richtige Weg?
Das ist eine sehr interessante Sache für uns und hat
sich sehr gut entwickelt. Wir verkaufen mittlerweile über
12.000 Geschichten pro Monat. Das lohnt sich, ist allerdings
nur ein Zubrot und wird uns nicht in die schwarzen Zahlen
katapultieren. Wir haben aber auch von Anfang an gesagt, dass
wir dies nicht als das entscheidende Standbein ansehen. Die
Haupteinnahmequelle ist und bleibt Werbung, die sich in letzter
Zeit anders als im Print sehr gut entwickelt hat.
Der Kern von Spiegel Online, also das aktuelle Nachrichtenangebot,
ist und bleibt kostenlos. Wir leben von einer möglichst
großen Reichweite, die wir wiederum an Werbetreibende
vermarkten. Würden wir maßgebliche Teile von Spiegel
Online hinter einen Pay-System verschließen, müssten
wir sowohl bei den Klickzahlen als auch bei den Werbeeinnahmen
erhebliche Einbußen hinnehmen. Die Erfahrungen aus den
USA zeigen: Wer seine bisher frei zugängliche Website
auf eine Bezahl-Seite umstellt, verliert über 90 Prozent
seiner Leser.
Viele User, die über Suchmaschinen bei Ihnen landen,
werden das in Zukunft nicht mehr tun, da ein Großteil
des Spiegel Online-Archivs wegen der Gebührensperre von
Suchrobotern nicht mehr indiziert werden kann. Auf diese Art
und Weise verlieren Sie doch an Zugriffen.
Ja und Nein. Zum einen sind die Zugriffe über Suchmaschinen
auf unsere Seiten nicht so groß. Zum anderen kommen
die User, die etwas ganz Spezielles Recherchieren möchten,
direkt zu Spiegel Online. Und schließlich: Wir leiden
nicht unbedingt unter einem Mangel an Zugriffen.
Schaut man sich das Interesse der Nutzer an Ihren Seiten
an, so fällt das recht gesunde Verhältnis zwischen
Page-Impressions (PI) und Visits auf. Glaubt man den Erhebungen
der IVW, klickt sich jeder User durch etwa fünf Seiten,
bevor er wieder verschwindet.
Stimmt. Leider wird bei diesem Verfahren die Verweildauer
noch nicht gemessen. Wir wissen aus nicht veröffentlichten
Untersuchungen, dass die Verweildauer pro Klick bei Spiegel
Online durchschnittlich 120 Sekunden beträgt. Bei Boulevard-Seiten
liegt dieser Wert bei nur drei bis zehn Sekunden. Auch wir
machen zwar gelegentlich Fotostrecken oder ähnliches,
bieten aber primär Texte an, die die Leute lesen wollen.
Andere Angebote mit teilweise höheren PIs pro Visit bauen
sehr viele Klickstrecken in ihre Seiten ein. Wir könnten
ohne weiteres unsere PI-Zahlen von heute auf morgen um ein
Drittel hochpumpen, aber dann wären wir nicht mehr Spiegel
Online.
Halten Sie das gegenwärtige Messverfahren denn überhaupt
für sinnvoll?
Ja, ich halte es für sinnvoll. Man kann nur nicht sagen:
Dieser Parameter ist der entscheidende Parameter. Die PIs
sind wichtig, die Visits sind wichtig, und – was jetzt
mehr und mehr kommt – sind umfragegestützte Reichweitenmessungen.
Die haben sich in Deutschland noch nicht so durchgesetzt,
weil das ein relativ mühsames Verfahren ist. Um eine
brauchbare Aussage zu bekommen, muss man viel mehr als 10.000
Leute befragen, und das regelmäßig. Der Spiegel
beteiligt sich auch an einem solchen Verfahren namens AGIREV.
Doch auch das kann nicht das alleinige Kriterium sein. Entscheidend
sind alle Parameter zusammen. Im Netz ist das leider alles
etwas komplizierter.
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in Teil 3 »
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