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JUGENDWEBSITES 09.12.2004
Im Netz den Lesernachwuchs fangen
Von Email an Kerstin Goldbeck sendenKerstin Goldbeck Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Zeitungsverlage haben ein Problem: Im Netz tummeln sich die Jugendlichen, die ihnen als Leser fehlen. Mit speziellen Angeboten versuchen einige Verlage, die potenziellen Leser für sich zu gewinnen. Aber ihre Jugendwebsites machen nur einen Bruchteil der Angebote aus, die der Zielgruppe im Web zur Verfügung stehen. Darauf reagieren die Verlage unterschiedlich.

(Foto: externer LinkDavid Lok via externer Linkstock.xchng)

Zeitungsverlage haben es schwer, aus der Fülle der Jugendangebote herauszustechen. Im Gegensatz zu einem Sender wie RTL, der mit einer Soap wie externer LinkGute Zeiten, schlechte Zeiten in der Welt Jugendlicher etabliert ist und hier anknüpfen kann, fehlt es den meisten Verlagen an solch erfolgreichen Bezugspunkten. Die Ausnahme bildet die Jugendwebsite des Süddeutschen Verlages, die auf der erfolgreichen Marke externer Linkjetzt des 2002 eingestellten Print-Magazins fußt. Mit Titeln wie "Szene", "Mega" oder "heftig" lehnen sich die Verlage betont an die Jugendsprache an, laufen dabei jedoch leicht Gefahr, gewollt jugendlich zu wirken.

Spagat der Verlage

Die Sites unterscheiden sich vor allem darin, wie stark sie in das Internetangebot der Zeitungen integriert sind. Bei externer Linkjungezeiten.de beispielsweise ist der externer LinkKölner Stadt-Anzeiger durch Frame und Verlinkung zu den Zeitungsthemen immer präsent, während externer Linkkool.de durch ein eigenes Layout und eine eigene Webadresse unabhängiger von der externer LinkSchwäbischen Zeitung als eigenständiges Jugendportal erscheint. Hier zeigt sich der Spagat, den Verlage zu bewältigen haben: einerseits ein attraktives, eigenständiges Jugendportal einzurichten, andererseits den Bezug zum Stammhaus nicht zu vernachlässigen.

Schwerpunkt Kultur und Veranstaltungen

Themen wie Musik, Kino oder aktuelle Veranstaltungen der Region sind die Schwerpunkte auf den Webseiten. externer LinkHeftig, die Jugendsite der Lübecker Nachrichten, bietet Interviews mit Prominenten, Meldungen aus der Musik- und Filmbranche wie auch Informationen über Computerspiele und das aktuelle Kinoprogramm. Im Gegensatz zur Lübecker Website, die ähnlich wie auch das Angebot der Schwäbischen Zeitung mit Boulevardnachrichten lockt, lehnt sich jetzt.de mit Rubriken wie "Freunde Treffen" oder "Zeit vergeuden" stärker an den unmittelbaren Alltag Jugendlicher an. Hier finden sich auch politische Sujets mit spezifisch jugendlichem Blickwinkel - eine Seltenheit unter den Jugendwebseiten der Verlage. externer Linkjungezeiten.de, das Angebot des Kölner Stadt-Anzeigers hält darüber hinaus umfangreiche Informationen zum Thema "Schule und Ausbildung" bereit.

Das "Woodz-Mag" vom Schwarzwälder Boten. (Screenshot: Mischel)

Sehr unterschiedlich ist auch das Layout, das bei allen zwar "jugendlich" bunt und bebildert daherkommt, je nach Verlag jedoch unterschiedlich einprägsam ist. Der Comicstil von externer LinkwoodZ, dem Onlinemagazin des externer LinkSchwarzwälder Boten, fällt hier auf, genau wie die im trendbewussten Design aufgemachte externer LinkScene Extra-Seite der externer LinkNürnberger Nachrichten. Neben Seiten, die versuchen, einen bunten Querschnitt aus der Themenwelt Jugendlicher zu liefern, konzentrieren sich einige Verlage auf Schulprojekte wie externer LinkKlasse! und Zeitung in der Schule. So lieferte die externer LinkHildesheimer Allgemeine Zeitung bis vor kurzem Hintergrundinformationen zu ihrer Initiative externer LinkZeitung macht Schule und von Schülern produzierte Artikel.

Die Spannbreite der Jugendwebsites ist weit und reicht von Angeboten, die sich durch Optik und Thema eindeutig an junge User richtet, bis hin zu Internetseiten, die eigentlich eher Lehrern vorbehalten sind und nur partiell Jugendliche einbeziehen. Große Unterschiede zeigen sich auch bei den Nutzungsmöglichkeiten, die vom reinen Artikel-Download über Spiele, Chats bis hin zu Communities reichen.

 INFO: 
Die Autorin Kerstin Goldbeck ist Referentin für Medienwissenschaft beim externer LinkBundesverband Deutscher Zeitungsverleger.

Teilweise appellieren Verlage mit Angeboten, die jungen Menschen die Gelegenheit geben, sich selbst darzustellen, an die starke Ich-Bezogenheit dieser Entwicklungsphase - am ausführlichsten bei jetzt.de. Registrierte Nutzer können dort Gedanken und Anekdoten aus dem eigenen Alltag über einen "Tagebucheintrag" ins Netz stellen. Daneben erhalten sie mit der Registrierung eine eigene Homepage, ein persönliches Forum, auf dem sie sich präsentieren können. Immer wieder haben Nutzer die Möglichkeit, Inhalte zu bewerten und ihre Kommentare zu veröffentlichen. Sie sind so selbst allerorts auf der Page präsent und bestimmen Erscheinungsbild wie die Inhalte maßgeblich mit.

Öffentlichkeit bieten andere Verlage auch, jedoch meist weitaus weniger umfangreich mittels Gästebüchern oder Leserbriefen. Die Ostsee-Zeitung oder das externer LinkHaßfurter Tagblatt stellen darüber hinaus Partyfotos ins Netz, beim externer LinkNordbayerischen Kurier können sich die User unter anderem Fotos ihrer Abi-Scherze ansehen.

Kommunikation statt bloßer Konsum

Das Internet ist für Jugendliche sehr stark Kommunikationsmedium, mit dem sie ihre Umwelt ausloten und die eigenen Vorstellungen, das eigene Selbstbild überprüfen - in der Shell Jugendstudie gelten sie deshalb als Egotaktiker. Ein Portal wie jetzt.de hält auch in dieser Hinsicht etliche Angebote bereit. Neben dem E-Mail-Versand und den "jetzt-cards" ist bei Chats und vor allem in den 15 verschiedene Foren zu so unterschiedlichen Themen wie "Schlechte Witze", "Politik", "Verlieben" oder "Fußball" der direkte Austausch möglich. Chatten, grüßen und Grußkarten bietet beispielsweise auch die Frankenpost bei externer Linkredchat an. Die Heilbronner Stimme offeriert gar eine externer LinkSinglebörse.

Für Jugendliche stellt das Internet weniger ein "Gebrauchs-", denn ein "Erlebnismedium mit starkem Spaßfaktor" dar. Sie sind zudem Medienprofis, so dass Verlage gut beraten sind, die verschiedenen Möglichkeiten, die das Internet bietet, voll auszuschöpfen, um junge Leute tatsächlich zu interessieren. Für ein umfangreiches Engagement spricht auch, dass Verlage durch die Webangebote die Gelegenheit haben, etwas über ihre jungen Zielgruppen zu erfahren. Bei Communities, wie sie unter anderem der externer LinkSchwarzwälder Bote, die externer LinkZeitungsgruppe Lahn-Dill oder auch die externer LinkHeilbronner Stimme offerieren, müssen User sich registrieren, um alle Möglichkeiten nutzen zu können und geben dazu Daten wie Namen oder Geschlecht an.

Erfolgskontrollen fehlen

Verlage versäumen noch zu stark, die "Marke Zeitung" als seriöse Informationsquelle herausstellen und sich so von anderen Jugendwebsites abzuheben. Für Zeitungen ginge es hier unter anderem darum, politische Themen jugendgerecht aufzubereiten, beispielsweise mittels Gesprächsforen, denen ein Artikel als Gesprächsanlass dienen kann. Neben der Verlinkung zu den Artikeln des Stammblattes, lokalen Berichten und Veranstaltungskalendern könnte man den Service für Schüler erhöhen. Denkbar wäre es, Archive zu Schulzwecken nutzbar zu machen. Der Kölner Stadt-Anzeiger bietet etwa unter externer LinkSchule im Netz nützliche Links und daneben Übungsmaterialien. Gleichzeitig kann man über die Seite Nachhilfelehrer suchen.

Ob es den Verlagen mittels ihrer Webangebote tatsächlich gelingt, junge User zu Zeitungslesern zu machen, kann nicht eindeutig beantwortet werden, da Erfolgskontrollen hierzu fehlen. Dennoch stellt das Web eine Chance für Verlage dar, junge Zielgruppen anzusprechen. Die Bandbreite der Möglichkeiten, die sich für Verlage in diesem Bereich eröffnet, scheint trotz der Fülle an kreativen Angeboten noch nicht ausgeschöpft. Ein reiner Transfer der Zeitungsinhalte auf das Internet ist in jedem Fall nicht ausreichend, um anspruchsvolle, medienerfahrene Zielgruppen wie Jugendliche an sich zu binden und so für die Zeitung zu begeistern.

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