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Die Suche nach Geld bringenden Strategien für das
Publizieren im Netz geht weiter. Eine Idee ist das "e-paper",
ein Begriff, unter
dem fast jeder etwas anderes versteht. Dementsprechend
unterschiedlich sehen auch die Konzepte verschiedener Verleger
aus, wie ein Kongress rund um das elektronische Papier
zeigte.
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| Auch die Süddeutsche
Zeitung will in das E-Paper-Geschäft einsteigen.
Details sind noch nicht bekannt. (Montage:
Mischel) |
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Die Einladung in die Druckmaschinenhauptstadt Heidelberg signalisierte
Aufbruchstimmung in einer Branche, die zuletzt wie gelähmt
wirkte: "Kaum eine Vertriebsform der
Tageszeitung hat in den letzten Monaten eine solche Fahrt
aufgenommen wie das so genannte e-paper." So
etwas lesen Verleger gerne.
Nachdem ihre bisherigen Investitionen
in den Online-Bereich weit und breit keine schwarze Zahlen
hervor gebracht haben, wittern viele von ihnen nun die Chance,
mit den papierlos faksimilierten Ausgaben tatsächlich
Geld zu verdienen. Deshalb widmeten der Bundesverband
Deutscher Zeitungsverleger und die internationale
Pressetechnik-Vereinigung Ifra dem
Phänomen
e-paper im November eine eigene Fachtagung.
"Derzeit gibt es in Europa rund 100 bis 120
und in Deutschland etwa 25 digitale Abbilder der gedruckten
Zeitungen",
brachte die Münchner Medienexpertin Katja
Riefler die versammelten Verlagsstrategen auf den neuesten
Stand, "und
fast täglich kommen neue Angebote hinzu."
Unter dem vermeintlichen Fachbegriff versteht allerdings
fast jeder etwas anderes. Die Konzepte reichen von der 1:1-Kopie
der gedruckten Zeitung als Grafikdatei bis hin zu ausgefeilten
Angeboten mit vielfältigen Sammel-, Navigations- und
Suchmöglichkeiten. Ihre elektronische Zeitung bekommen
die Leser entweder per E-Mail zugestellt, oder sie können
sie online im Web lesen beziehungsweise von der Homepage
auf den Heimcomputer laden. Die Zeitung ist so zu geringen
Vertriebskosten von jedem Ort der Welt abrufbar. Auch die
Herstellung ist günstig, weil die digitale Version weitestgehend
automatisiert aus den Daten der normalen Zeitungsproduktion
erzeugt werden kann.
Dennoch: "Nur wie gedruckt ist nicht gut genug",
sagte Joachim Türk, Geschäftsführer der Koblenzer
RZ Online GmbH. Er muss es wissen: Seit Juni 2001 bietet
Türk die Rhein-Zeitung
als e-paper an, er gilt als Vorreiter in der Branche.
Etwa 500.000 Euro
hat sich der Verlag die Entwicklung kosten lassen; inzwischen
verkauft er die Software an andere Zeitungshäuser. Eine
Studie
der Universität
Trier zum Nutzungsverhalten zeigt, dass die Leser der
digitalen
RZ-Ausgabe sehr an interaktiven Angeboten interessiert sind,
etwa Abstimmungen oder weiterführende Links. Solche
Optionen bietet auch die Rhein-Zeitung noch nicht.
Die Angst der Verleger vor der Kannibalisierung
Mit ihren e-paper-Aktivitäten sprechen die Verlage unterschiedliche
Zielgruppen an. Die elektronische Rhein-Zeitung bekommen
nur Abonnenten der Print-Ausgabe - gegen Aufpreis. "Bei
einer Verbreitung an alle Interessierten", sagt
Türk, "befürchtet
die Verlagsleitung die Kannibalisierung der Zeitung." Angst
vor einer solchen Selbstzerfleischung hat Stefan Hilscher
offensichtlich nicht. Der Geschäftsführer der Augsburger
Allgemeinen bietet
das im Juli gestartete e-paper seiner Zeitung auch Nicht-Abonnenten
an - rund vier Euro günstiger als das Print-Abo.
Bestehende Abonnenten können für zusätzliche
7,50 Euro weitere Regionalausgaben des Blattes beziehen. Auf Sonderangebote setzt dagegen der Berliner Tagesspiegel.
Das aus dem Holtzbrinck-Imperium offiziell ausgegliederte
Hauptstadt-Blatt
hat neben dem Online-Abonnement
den virtuellen Einzelverkauf gestartet. Dabei kostet die
elektronische Wochentagsausgabe nur etwa die Hälfte
der gedruckten Ausgabe. Für die Potsdamer Neuesten Nachrichten
erwägt der Verlag sogar mit einem Dumpingpreis von zehn
Cent pro digitalem Exemplar auf den Markt zu gehen.
Einsparungspotenzial im Auslandsvertrieb
Eine solche Preispolitik kommt für
Christoph Bauer nicht in Frage: "Es gibt keinen
Grund, den Preis zu senken, vor allem da Zeitungen sowieso
zu billig sind", sagte
der Marketingleiter der Neuen
Zürcher Zeitung. Auch
das journalistische Aushängeschild der Schweiz ist von
der Medienkrise nicht verschont geblieben. Der Verlag muss
sparen, und eine digitale Ausgabe soll dazu beitragen.
Seit
Juli 2003 bieten die Schweizer mit NZZ
Global eine kostenpflichtige
e-Version an, mit der sie besonders Abonnenten außerhalb
des deutschsprachigen Raums erreichen wollen: Die teure Zustellung
per Luftpost ist ein Zuschussgeschäft. Die digitale
Ausgabe erhalten Auslandabonnenten zum Schweizer Inlandspreis – und
natürlich ohne transportbedingten Zeitverzug. "Das
Vollabo wird im internationalen Bereich sehr gut angenommen",
sagte Bauer, der zumindest jeden Zehnten der 25.000 Bezieher
im Ausland für die papierlose Zeitung gewinnen möchte.
Die Süddeutsche
Zeitung, die sich ebenfalls "in
der Welt zu Hause" fühlt, will 2004 dem Zürcher
Vorbild folgen - wobei Details noch nicht beschlossen
sind.
Bildschirmzeitung bei IVW unter "ferner liefen"
Auch wenn immer mehr Zeitungshäuser
auf den Zug aufspringen: Wirklich lukrativ sind die Aktivitäten
nicht. Zwar konnte die Rhein-Zeitung in ihrer IVW-Meldung
für das dritte
Quartal 2003 mehr als 2000 e-Abos ausweisen. Doch die tauchen
in der Statistik nur in der Werbekunden wenig beachteten
Rubrik "sonstige Verkäufe" auf. Laut
IVW-Richtlinien
für e-papers (PDF) dürfen nur Vollabonnenten
zur Print-Auflage addiert werden. "Klar ist es
kein Massenartikel, aber es trägt zur Kundenbindung
bei",
erklärt
Stefan Hilscher den Umstand, dass seine Augsburger Allgemeine
gerade mal 35 e-paper-Vollabonnenten vorweisen kann. In anderen
Häuser sieht es nicht besser aus: Die bei der IVW gemeldeten
sieben e-Tageszeitungen sowie eine e-Zeitschrift verkauften
5457 e-Xemplare, davon gerade einmal 470 an Vollabonnenten.
Trotz der ernüchternden Zahlen sieht Katja Riefler
ein Potzenzial für die digitale Zeitung in den kommenden
Jahren: "Das e-paper ist bei den Nutzer noch
nicht bekannt genug. Da gibt es vom Marketing her noch viel
zu
tun. Auf jeden Fall sollte man sich um dieses Nischenprodukt
kümmern."
Der Beitrag ist zuerst im Dezember 2003 im BJV
report (Ausgabe
6/2003), dem Mitgliedermagazin des Bayerischen Journalisten-Verbandes,
erschienen.
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