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Anonymes von Insidern (2)

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Auch Journalisten dient das Angebot inzwischen als interessante Informationsquelle: "Die Seite gehört für mich und Kollegen zur Pflichtlektüre. Verärgerte Angestellte geben ihre Loyalität auf und sind dann so ziemlich die beste Quelle für Insider-Informationen", sagt Martin Virtel, Redakteur im Ressort IT/Medien bei der "Financial Times Deutschland". In erster Linie diene die Seite als "Bewegungsmelder" und nicht zur Erweiterung von Recherchen. Manche Journalisten nähmen es ab und an mit der Quellenangabe nicht allzu genau, kritisiert joman: "Wir sticheln aus diesem Grund auch mal. Doch wir erkennen auch an, dass wir uns oft auf den Einstieg in die Storys beschränken und die Kollegen zu eigenen Recherchen veranlassen."

Doch der spielerische Umgang mit brisanten Themen trifft nicht jedermanns Geschmack. Als Spielverderber trat im Dezember die Software-Firma Frogdesign auf. Drei Wochen, bevor die europäische Niederlassung Insolvenzantrag stellte, kursierten bei Dotcomtod bereits Insider-Meldungen unter eindeutigen Überschriften wie "Die Sümpfe trocknen aus". Entsprechende Ermahnungen der Geschäftsleitung zur Verschwiegenheit blieben ungehört. Frogdesign erstattete schließlich Strafanzeige gegen die anonymen Dotcomtod-Schreiber. Der Vorwurf lautete "Schädigung von Frogdesign durch Verletzung des Betriebsgeheimnisses".

"Dass sogar ein Schreiben des Insolvenzverwalters auf Dotcomtod zu lesen war, erschwerte unsere damalige Situation. Solche Meldungen verunsichern potenzielle Investoren, Kunden und Mitarbeiter. Chefs müssen sich in Zukunft Gedanken über die interne Transparenz ihrer Firma machen", erklärt Marc Esslinger, Pressesprecher der Nachfolgegesellschaft frogdesign Hartmut Esslinger GmbH. Über den Ausgang des Verfahrens ist ihm noch nichts bekannt.

Dass die Betreiber von Dotcomtod nicht selbst ins Visier des Staatsanwalts gerieten, verdanken sie dem Teledienstegesetz (TDG) sowie dem Mediendienste-Staatsvertrag (MDStV). Danach haften Anbieter nur, wenn sie klare Kenntnis von gesetzeswidrigen Inhalten haben. Furcht vor Klagen kennt joman nicht: "Dotcomtod ist der letzte lebendige News-Channel der New Economy. In Zeiten des Abmahnungssports Angst vor dem Aus zu haben, können wir uns gar nicht leisten." Und so schalten er und seine Mitstreiter weiterhin die meisten Meldungen der Sentinels frei: "Für gewissenhafte Recherche fühlen wir uns nicht verantwortlich", räumt joman gegenüber manager-magazin.de ein.

Frustabladestation

Auch über den Medienfachdienst "kress report" kursierten Meldungen bei Dotcomtod. Thomas Wengenroth, geschäftsführender Gesellschafter beim "kress report", hält die Arbeitsweise des Portals denn auch für zweifelhaft: "Wenn ,kress' etwas schreibt, dann stehen wir dazu. Bei Dotcomtod wird anonym aus der Hecke geschossen. Häufig mit ehrrührigen oder geschäftsschädigenden Tatsachenbehauptungen. Das ist feige und hat mit Journalismus nichts zu tun."

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