| MEDIENJOURNALISMUS |
24.07.2004 |
| BILDblog.de: Von
kleinen und großen Ungereimtheiten |
Von Fabian
Mohr |
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Für Medienjournalisten ein Elfmeter ohne Torwart:
BILD liefert seinen Kritikern verlässlich Munition.
Doch vielen gilt das Boulevard-Blatt auch
als Pop – gerade wegen seiner intellektuellen Unbekömmlichkeit.
Also am besten nur herzlich lachen über BILD? Das wäre
Christoph Schultheis dann
doch zu wenig: Der Berliner Journalist verrät im Email-Interview
mit onlinejournalismus.de, welche Idee hinter BILDblog steht.
Wie ist die Idee entstanden, BILD mit einem Weblog kritisch
zu begleiten -
waren Watchblogs aus den USA Vorbilder? Was treibt Sie an?
Das BILDblog ist für uns eher ein Hobby. Das vielleicht
vorweg. Entstanden
ist die Idee aber wohl aus dem Bedürfnis, die vielen
kleinen und größeren
Ungereimtheiten in der Berichterstattung von Deutschlands
auflagenstärkster
und meistzitierter Tageszeitung (und deren Schwesterangeboten "Bild
am
Sonntag" und Bild.de) einfach mal kurz festzuhalten.
Oft sind das ja nur Kleinigkeiten, die einem bei der "Bild"-Lektüre
unterkommen und für die (zu
Recht!) in den etablierten Medien kein Platz ist. Im Internet
aber schon.
Darüber hinaus gibt es unserer Ansicht nach eine Tendenz,
auch unter
Journalisten, alles in "Bild", auch die Geschichten,
bei denen Menschen
Unrecht geschieht, als amüsante Unterhaltung wahrzunehmen
- wir glauben
dagegen, dass man die "Bild"-Zeitung ernst nehmen
sollte. Uns reizt der
Gedanke, "die kleinen Merkwürdigkeiten und das
große Schlimme", wie wir es
nennen, an einem öffentlich zugänglichen Ort zu
sammeln - beiläufig,
unverkrampft und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Das Wort "Watchblog"
habe ich zum ersten Mal gehört, als das BILDblog bereits
entstanden war.
Woran liegt's, dass so wenige Old-Media-Journalisten in
Deutschland bloggen?
Ist das so?! Ich kenne mich in der "Blogger-Szene" wirklich
nicht aus, muss
aber gestehen, dass auch ich mich im "New-Media-Journalismus" nicht
so zu
Hause fühle, weil ihm, im Gegensatz zu etablierten Titeln
und Formaten,
häufig ein erkennbar professioneller Rahmen fehlt, der
mir persönlich die
Einschätzung der journalistischen Glaubwürdigkeit
und Qualität der
Berichterstattung erleichtert.
Wie nehmen Sie eigentlich die "Blogger-Szene" in
Deutschland wahr: Sehen Sie
sich als Teil dieser Bewegung oder ist Bloggen für Sie
in erster Linie ein
praktisches Publikations-Tool - ohne obligatorische Grundsatzdebatte?
Definitiv eher letzteres.
Bei BILDblog.de posten mehrere Autoren unter Pseudonym -
wer steht hinter
dem Projekt, welchen publizistischen Background haben die
Macher?
Immer diese Neugier! Tatsache ist: Namen sind uns nicht so
wichtig wie die Zuverlässigkeit der Beobachtung und die
journalistische Seriösität der Beiträge, so
spielerisch sie gelegentlich auch sein mögen - und sollen.
Und um hier schon Ihre Fragen zu Herrn Wallraff vorwegzunehmen:
Er zählt nicht zu den BILDblog-Autoren. (Anm.: Bekannt
ist zumindest, dass neben Christoph Schultheis u.a. der
Medienjournalist Stefan Niggemeier beim Projekt BILDblog involviert
ist.)
Welcher zeitliche, personelle Aufwand steckt hinter
der täglichen Arbeit für
das Blog?
Das ganze ist, wie gesagt, für alle Betreiber eher
ein Hobby - mit allen
Konsequenzen...
Wie reagieren eigentlich Ihre Arbeitgeber - immerhin auch
Mitbewerber der
Bild-Zeitung?
Ich arbeite derzeit als freier Journalist, und bislang gab
es noch keinerlei
Reaktionen seitens meiner Arbeitgeber.
BILD ist bekanntermaßen empfindlich, wenn es selbst
Gegenstand der
Berichterstattung wird - gibt es Reaktionen von Springer?
Sollte der Axel Springer-Verlag auf unsere Berichterstattung
reagieren,
sähen wir dem gelassen entgegen. Unsere Arbeit ist journalistisch
und
journalistisch sauber: Wir begleiten die Berichterstattung
von "Europas
größter Tageszeitung". Das tun die etablierten
Medien seit Jahren.
Wie reagieren die Leser auf das Angebot?
Das unmittelbare Feedback ist erfreulich positiv. Ich habe
mir auch sagen
lassen, im Internet gebe es hie und da freundliche Erwähnungen.
Das freut
uns natürlich.
Wie entwickeln sich die Zugriffe auf die Seite?
Die Frage der Zugriffszahlen ist für uns nicht vorrangig
- vor zwei Monaten
wussten wir alle kaum, was ein Blog ist und wieviele Menschen
sich in diesen
Blogs tummeln. Aber es wäre albern zu behaupten, es
würde uns nicht freuen
festzustellen, dass wir offenbar täglich rund 400 Zugriffe
haben.
Überrascht von dieser Größenordnung?
Ja.
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