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Rabattpunkte sammeln gehört für viele Deutsche
mittlerweile zum Alltag. Doch Verbraucherschützer
warnen: Mit jedem Einkauf werde eine Datenspur hinterlassen.
Der gläserne Kunde sei längst Realität.
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| Weit verbreitet:
Rund 70 Millionen Kundenkarten sollen
in Deutschland im Umlauf sein. (Foto: Mischel) |
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"Das Rabattgesetz wird aufgehoben." Mit diesen
vier Worten sorgte Bundeskanzler Gerhard Schröder und
seine Berliner Ministerrunde im Dezember 2000 für einen
Urknall im deutschen Einzelhandel. Denn das knapp 70 Jahre
alte Regelwerk hatte bis dato entscheidenden
Einfluss auf das Kaufverhalten in Deutschland: Nachlässe
von mehr als drei Prozent waren schlicht verboten.
Ab sofort sollte jeder feilschen können, so viel
er will - und vor allem sollten Verkäufer ihre Kunden
mit attraktiven Rabatten
locken dürfen.
Inzwischen ist die "Riesengratiswelle", die die
"Bild"-Zeitung damals auf
die
Deutschen zuschwappen sah, angekommen: Rund 70
Millionen Rabattkundenkarten, verteilt auf etwa 400 verschiedene
Bonusprogramme, haben ihren festen Platz in den Portemonnaies
der Verbraucher. Marktführer Payback hat allein mehr
als 25 Millionen Karten unters Volk gebracht, gefolgt
von Happy Digits mit rund 18 Millionen. Eine Ende des Booms
sei frühestens 2007 zu erwarten, prognostiziert die
Unternehmensberatung Roland Berger: Bis zu 102 Millionen
der kleinen Plastikkärtchen
könnten dann im Umlauf sein (siehe Studie,
PDF, 404 kb).
Die Unternehmen profitieren
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| Ein DVD-Player
als Prämie? Bei Payback sind dafür
5.400 Bonuspunkte notwendig - das entspricht
einem
Umsatz von
10.800
Euro. (Foto: Mischel) |
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Das Prinzip der Bonusprogramme
ist einfach: Kunden sollen für ihre Treue belohnt werden
und greifen für jeden Einkauf
beim Händler ihres Vertrauens noch ein paar Rabattpunkte
ab. Payback beispielsweise, das unter anderem mit Kaufhäusern
wie Real oder Galeria Kaufhof zusammenarbeitet, schreibt
für
volle zwei Euro Umsatz einen Punkt gut. Wer genug davon gesammelt
hat,
kann
diese
später in Prämien eintauschen. So war ein silberfarbener
DVD-Player im März 2004 zum Beispiel für
5.400 Punkte zu haben. Oder anders gerechnet: König
Kunde hätte für
10.800,- Euro einkaufen müssen, um in den Genuss der Prämie
zu kommen. Wer einmal die Woche einkaufen geht und dabei
50,- Euro ausgibt,
hätte
die Punkte nach rund vier Jahren zusammen.
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| Jürgen
Schröder empfiehlt Kunden, ihre Rabattkarten
"wenn überhaupt, dann nur gezielt
einzusetzen." (Foto/Audio: Mischel) |
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"Die Teilnahme an solchen Kundenbindungsprogrammen
lohnt sich eigentlich nicht", resümiert Jürgen
Schröder von der
Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen. Deshalb solle sich
jeder Kunde vorher klar machen, was ihm die Teilnahme überhaupt
bringt. Denn so verlockend das Wort "Rabatt" klingen
mag - in erster Linie
profitieren die Unternehmen. Mit jedem
Einkauf,
den Kunden über
ihre Rabattkarte abrechnen, werden umfangreiche Daten über
sie gesammelt.
"Das fängt schon bei Vertragsabschluss an",
sagt Schröder.
"Da werden mehr Informationen erhoben als eigentlich
nötig sind." Neben Namen und Anschrift, den
sogenannten Stammdaten, werde in vielen Antragsformularen
auch noch nach weiteren, freiwilligen Angaben gefragt: das
vollständige
Geburtsdatum, Telefonnummer, Beruf, Interessen sowie Email-Adresse.
Das gehe
zu weit,
warnt
der Verbraucherzentrale Bundesverband ( VZBV)
und bescheinigt den Kartenanbietern in einer
umfassenden Studie,
mit der sie das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz
Schleswig-Holstein ( ULD) beauftragt
hat, "flächendeckende
Verstöße gegen den Datenschutz": Dazu zähle
vor allem das Sammeln von Daten über
die gekauften Produkte, mangelnde Information
der Verbraucher über
ihre Datenschutzrechte sowie unzureichende Einwilligungserklärungen über
die Verwendung der Daten.
Was beim Einkaufen gespeichert wird
Bei jedem Bezahlvorgang
mit einer
Rabattkarte
fallen Daten über das Einkaufsverhalten der Kunden an. Aus
der gezielten Auswertung dieser Informationen, dem sogenannten Data
Mining, lassen sich
aussagekräftige Profile erstellen, die - so die Befürchtung
der Verbraucherschützer - Konsumenten gläsern und
berechenbar machen. Je mehr Daten Unternehmen über ihre
Kunden sammeln, desto gezielter können sie sie mit ihren
Produkten bewerben.
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| Lediglich
Informationen über Warengruppen werden
beim Kauf gespeichert, nicht die Ware selbst,
sagt Martin Schleinhege. (Foto/Audio: Mischel) |
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"Wir speichern den
Betrag, das
Datum des Kaufs und aus welchen Warengruppen
die Artikel
stammen",
sagt Martin Schleinhege, Sprecher der KarstadtQuelle AG.
Gemeinsam mit der Deutschen Telekom betreibt der Konzern
das Bonusprogramm
Happy Digits. "Wenn
ein Kunde ab und zu mal einen Brandy kauft, speichern wir
diese Information nicht", versichert Schleinhege. "Ein
Brandy zählt zur Warengruppe der Lebensmittel, und
nicht mehr und nicht weniger können wir speichern oder
festhalten."
Vielen Kunden sei allerdings gar nicht bewusst, wann
und in welcher Form Daten über sie erhoben werden, sagt
Verbraucherschützer Schröder. Gesetzlich seien
die Unternehmen zudem verpflichtet,
die bei jedem Einkauf erhobenen Daten für einen Zeitraum
von zehn Jahren aufzubewahren.
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| AUDIO: UMFRAGE IN DORTMUND |
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weiter in Teil
2 »
Warum Daten, die heute erhoben werden,
in Zukunft eine ganz
andere
Bedeutung
haben können.
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