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DATENSCHUTZ 23.04.2004
Du bist, was Du kaufst (1/2)
Von Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Rabattpunkte sammeln gehört für viele Deutsche mittlerweile zum Alltag. Doch Verbraucherschützer warnen: Mit jedem Einkauf werde eine Datenspur hinterlassen. Der gläserne Kunde sei längst Realität.

Weit verbreitet: Rund 70 Millionen Kundenkarten sollen in Deutschland im Umlauf sein. (Foto: Mischel)

"Das Rabattgesetz wird aufgehoben." Mit diesen vier Worten sorgte Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Berliner Ministerrunde im Dezember 2000 für einen Urknall im deutschen Einzelhandel. Denn das knapp 70 Jahre alte Regelwerk hatte bis dato entscheidenden Einfluss auf das Kaufverhalten in Deutschland: Nachlässe von mehr als drei Prozent waren schlicht verboten. Ab sofort sollte jeder feilschen können, so viel er will - und vor allem sollten Verkäufer ihre Kunden mit attraktiven Rabatten locken dürfen.

Inzwischen ist die "Riesengratiswelle", die die "Bild"-Zeitung damals auf die Deutschen zuschwappen sah, angekommen: Rund 70 Millionen Rabattkundenkarten, verteilt auf etwa 400 verschiedene Bonusprogramme, haben ihren festen Platz in den Portemonnaies der Verbraucher. Marktführer Payback hat allein mehr als 25 Millionen Karten unters Volk gebracht, gefolgt von Happy Digits mit rund 18 Millionen. Eine Ende des Booms sei frühestens 2007 zu erwarten, prognostiziert die Unternehmensberatung Roland Berger: Bis zu 102 Millionen der kleinen Plastikkärtchen könnten dann im Umlauf sein (siehe externer LinkStudie, PDF, 404 kb).

Die Unternehmen profitieren

Ein DVD-Player als Prämie? Bei Payback sind dafür 5.400 Bonuspunkte notwendig - das entspricht einem Umsatz von 10.800 Euro. (Foto: Mischel)

Das Prinzip der Bonusprogramme ist einfach: Kunden sollen für ihre Treue belohnt werden und greifen für jeden Einkauf beim Händler ihres Vertrauens noch ein paar Rabattpunkte ab. Payback beispielsweise, das unter anderem mit Kaufhäusern wie Real oder Galeria Kaufhof zusammenarbeitet, schreibt für volle zwei Euro Umsatz einen Punkt gut. Wer genug davon gesammelt hat, kann diese später in Prämien eintauschen. So war ein silberfarbener DVD-Player im März 2004 zum Beispiel für 5.400 Punkte zu haben. Oder anders gerechnet: König Kunde hätte für 10.800,- Euro einkaufen müssen, um in den Genuss der Prämie zu kommen. Wer einmal die Woche einkaufen geht und dabei 50,- Euro ausgibt, hätte die Punkte nach rund vier Jahren zusammen.

Jürgen Schröder empfiehlt Kunden, ihre Rabattkarten "wenn überhaupt, dann nur gezielt einzusetzen." (Foto/Audio: Mischel)

"Die Teilnahme an solchen Kundenbindungsprogrammen lohnt sich eigentlich nicht", resümiert Jürgen Schröder von der externer LinkVerbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Deshalb solle sich jeder Kunde vorher klar machen, was ihm die Teilnahme überhaupt bringt. Denn so verlockend das Wort "Rabatt" klingen mag - in erster Linie profitieren die Unternehmen. Mit jedem Einkauf, den Kunden über ihre Rabattkarte abrechnen, werden umfangreiche Daten über sie gesammelt. "Das fängt schon bei Vertragsabschluss an", sagt Schröder. "Da werden mehr Informationen erhoben als eigentlich nötig sind." Neben Namen und Anschrift, den sogenannten Stammdaten, werde in vielen Antragsformularen auch noch nach weiteren, freiwilligen Angaben gefragt: das vollständige Geburtsdatum, Telefonnummer, Beruf, Interessen sowie Email-Adresse.

Das gehe zu weit, warnt der Verbraucherzentrale Bundesverband (externer LinkVZBV) und bescheinigt den Kartenanbietern in einer umfassenden externer LinkStudie, mit der sie das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (externer LinkULD) beauftragt hat, "flächendeckende Verstöße gegen den Datenschutz": Dazu zähle vor allem das Sammeln von Daten über die gekauften Produkte, mangelnde Information der Verbraucher über ihre Datenschutzrechte sowie unzureichende Einwilligungserklärungen über die Verwendung der Daten.

Was beim Einkaufen gespeichert wird

Bei jedem Bezahlvorgang mit einer Rabattkarte fallen Daten über das Einkaufsverhalten der Kunden an. Aus der gezielten Auswertung dieser Informationen, dem sogenannten externer LinkData Mining, lassen sich aussagekräftige Profile erstellen, die - so die Befürchtung der Verbraucherschützer - Konsumenten gläsern und berechenbar machen. Je mehr Daten Unternehmen über ihre Kunden sammeln, desto gezielter können sie sie mit ihren Produkten bewerben.

Lediglich Informationen über Warengruppen werden beim Kauf gespeichert, nicht die Ware selbst, sagt Martin Schleinhege. (Foto/Audio: Mischel)

"Wir speichern den Betrag, das Datum des Kaufs und aus welchen Warengruppen die Artikel stammen", sagt Martin Schleinhege, Sprecher der KarstadtQuelle AG. Gemeinsam mit der Deutschen Telekom betreibt der Konzern das Bonusprogramm Happy Digits. "Wenn ein Kunde ab und zu mal einen Brandy kauft, speichern wir diese Information nicht", versichert Schleinhege. "Ein Brandy zählt zur Warengruppe der Lebensmittel, und nicht mehr und nicht weniger können wir speichern oder festhalten."

Vielen Kunden sei allerdings gar nicht bewusst, wann und in welcher Form Daten über sie erhoben werden, sagt Verbraucherschützer Schröder. Gesetzlich seien die Unternehmen zudem externer Linkverpflichtet, die bei jedem Einkauf erhobenen Daten für einen Zeitraum von zehn Jahren aufzubewahren.

 AUDIO: UMFRAGE IN DORTMUND

weiter in Teil 2 »
Warum Daten, die heute erhoben werden,
in Zukunft eine ganz andere Bedeutung
haben können.

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