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NAKA NATHANIEL 07.02.2004
"Zahl der Multimedia-Features wird explodieren"
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Die eierlegende Wollmilchsau hat einen Namen: Naka Nathaniel. Fotografieren, texten, schneiden, schnell in Flash produzieren und per Satellitenleitung ab auf die Site. Für Kritiker ein Alptraum von Ausbeutung, Überforderung und Bedrohung ganzer Berufsstände. Für andere ein Traumjob, zumal Multimedia-Reporter Nathaniel für die New York Times rund um die Welt jettet.

Naka Nathaniel (rechts) bei der Arbeit. Auf seinen Reisen hat er normalerweise nie mehr als zwei Taschen mit Equipment dabei. (Foto: privat)

Sein Digitalequipment hat mehr von der Welt gesehen als manche Stewardess: Naka Nathaniel war für NYTimes.com im Irak, in Sudan und China. Als Reporter, der aufwändige Multimedia-Features produziert, allein oder zusammen mit Zeitungskollegen vor Ort und den Producern in New York.

Früher saß Nathaniel selbst in der NYTimes.com-Redaktion und produzierte dort seine Stücke mit Video und animierten Slideshows. Dann versetzte die Zeitung seine Frau nach Paris – und schuf für Nathaniel den neuen Reporter-Job. Selbst in den USA ist dieser noch eine Ausnahme – auch wenn Nathaniel im E-Mail-Interview sicher ist, dass multimediale Specials demnächst "explodieren" werden.

onlinejournalismus.de: Viele Ihrer Multimedia-Features sind Kooperationen mit Autor externer LinkNicholas Kristof. Wie sieht da die Arbeitsteilung aus? Ist er für die Story verantwortlich und Sie für die Multimedia-Bestandteile?

 NICHOLAS KRISTOF: 
Der New-York-Times-Kolumnist gewann bei der Jahrestagung der Online News Association 2004 einen externer LinkPreis in der Kategorie Online-Kommentar. Seine Beiträge wurden von Naka Nathaniel produziert.

Naka Nathaniel: Irgendwann habe ich einmal nachgezählt: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mit fast hundert verschiedenen Reportern und Fotografen bei Multimedia-Projekten zusammengearbeitet. Mit Nicholas Kristof habe ich schon eine ganze Menge gemacht. Er schreibt seine Kolumnen – zweimal wöchentlich – und ich baue in der Zeit die Multimedia-Teile zusammen. Wir sprechen dann häufig über die gesamte Geschichte, während sie entsteht.

Arbeiten Sie auch manchmal ganz allein?

Ich habe ein paar kleinere Sachen alleine gemacht, aber ich mag es einfach, mit anderen zusammen zu arbeiten.

Einige würden das, was Sie machen, Backpack-Journalismus nennen. Wieviel Ausrüstung tragen Sie denn mit sich herum? Passt sie tatsächlich in einen Rucksack?

Vom Camping-Rucksack bis zur Profi-Kiste von Pelican habe schon so ungefähr alles eingesetzt, was es gibt. Ich habe ungefähr ein Dutzend verschiedener Taschen und benutzte die je nachdem, wohin es geht und wie die Situation da aussieht. Allerdings versuche ich, möglichst nicht mehr als zwei Taschen mitzunehmen.

Steve Outing haben Sie ja schon externer Linkerzählt, was Sie alles an Technik dabei haben: ein Apple- und ein IBM-Laptop, MD-Recorder, Satellitentelefon und verschiedene Kameras. Welche Software setzen Sie denn ein?

Die Standards: Photoshop 7, Flash MX and FinalCut Pro.

Templates helfen Zeit sparen

Der größte Nachteil bei Multimedia-Produktionen ist doch immer noch der gleiche: Sie kosten Zeit und Geld. Ein Multimedia-Reporter ist einfach langsamer als Kollegen, die nur einzelne Medien bedienen.

Das sehe ich nicht so. Inzwischen haben wir eine ganze Menge Templates entwickelt, die wir benutzen können. Dann kann ich mir zum Beispiel auf dem Rückweg im Auto schon mal Gedanken machen, was ich wie zusammensetzen werde, und dann geht es ziemlich schnell.

Haben Sie eine typische Reihenfolge beim Produzieren Ihrer Features entwickelt?

Normalerweise schneide ich erst die Audios zurecht. Sie strukturieren den Beitrag. Dann Fotos, Bildunterschriften und Video. Wenn alle Einzelteile fertig sind, kommt die Arbeit in Flash.

Ihre Multimedia-Features setzen stark auf Fotojournalismus, aber sie enthalten auch Videosequenzen. Wieviel Aufwand investieren Sie in Filmaufnahmen?

Ich setzte Video nur selten ein, um die Download-Zeiten kurz zu halten. Außerdem ist es einfacher, bloße Audiosequenzen ohne Bewegtbild zu schneiden. Normalerweise habe ich außer meiner Canon D60 eine Sony PD150 dabei. Ich benutze schon ein Stativ und versuche gute Hintergründe für Reporter-Aufsager zu finden, die meist so 20 Sekunden lang sind.

Aber das ist dann wohl doch eher die Ausnahme…

Wir haben bei NYTimes.com eine ganze Menge mit Video experimentiert. Am 11. September sah ich vom Dach meiner Wohnung in Brooklyn, wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers flog und hielt mit einer Canon XL1 drauf. Ich schaffte es, das Video auf die Website zu kriegen, aber die Standbilder davon wurden viel häufiger angeguckt. Danach habe ich die Videokamera erst mal beiseite gelegt und angefangen, mit Fotos und Audios zu arbeiten. Mittlerweile hat jetzt mehr als die Hälfte der Nutzer Breitband-Verbindungen, also setzte ich mehr Video ein.

Wer heute studiert, wird medienübergreifend arbeiten

Hier in Deutschland etablieren sich beim Fernsehen langsam Videoreporter. Denken Sie, dass das die Leute sind, die in Zukunft auch Multimedia-Features machen werden? Oder wird das eher etwas für Leute mit einem Online-Background sein?

Ich denke, alles nähert sich an einander an. Es gibt einige Leute im Geschäft mit vielen Talenten, und ich denke, dass sie ihre Arbeit viel spannender finden, wenn sie nicht auf ein oder zwei Aspekte beschränkt ist. Wer heute studiert, steht am Anfang einer Laufbahn, die die Mediengrenzen überschreitet.

Gibt es in den USA noch andere Multimedia-Reporter, die ähnlich wie Sie arbeiten? Welche Websites würden Sie als Anregung empfehlen?

Die externer LinkWashington Post hat einen tollen Videoproducer, Travis Fox. Wir sind uns im südlichen Irak über den Weg gelaufen. Gute Arbeit leisten sie auch in Florida beim externer LinkSun-Sentinel. Ich mag außerdem die Sachen von AFP, zum Beispiel externer LinkFußball und externer LinkTour de France, und von externer LinkNational Geographic. In diesem Jahr wird die Zahl solcher Multimedia-Features explodieren, und ich bin mal gespannt darauf, was den Leuten so alles einfallen wird.

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