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Die eierlegende Wollmilchsau hat einen Namen: Naka
Nathaniel. Fotografieren, texten, schneiden, schnell in
Flash produzieren
und per Satellitenleitung ab auf die Site. Für Kritiker
ein Alptraum von Ausbeutung, Überforderung und Bedrohung
ganzer Berufsstände. Für andere ein Traumjob, zumal
Multimedia-Reporter Nathaniel für die New York Times
rund um die Welt jettet.
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| Naka Nathaniel (rechts)
bei der Arbeit. Auf seinen Reisen hat er normalerweise
nie mehr als zwei Taschen mit Equipment dabei.
(Foto: privat) |
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Sein Digitalequipment hat mehr von der Welt gesehen als
manche Stewardess: Naka Nathaniel war für NYTimes.com
im Irak, in Sudan und China. Als Reporter, der aufwändige
Multimedia-Features produziert, allein oder zusammen mit
Zeitungskollegen vor Ort und den Producern in New York.
Früher saß Nathaniel selbst in der NYTimes.com-Redaktion
und produzierte dort seine Stücke mit Video und animierten
Slideshows. Dann versetzte die Zeitung seine Frau nach
Paris – und schuf für Nathaniel den neuen
Reporter-Job. Selbst in den USA ist dieser noch eine Ausnahme – auch
wenn Nathaniel im E-Mail-Interview sicher ist, dass multimediale
Specials demnächst "explodieren" werden.
onlinejournalismus.de: Viele Ihrer Multimedia-Features sind
Kooperationen mit Autor
Nicholas
Kristof.
Wie sieht da die Arbeitsteilung aus? Ist er für die
Story verantwortlich und Sie für die Multimedia-Bestandteile?
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Der New-York-Times-Kolumnist
gewann bei der Jahrestagung der Online
News Association 2004 einen Preis in der
Kategorie Online-Kommentar. Seine Beiträge
wurden von Naka Nathaniel produziert. |
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Naka Nathaniel: Irgendwann habe ich einmal nachgezählt:
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon mit fast hundert verschiedenen
Reportern
und Fotografen bei Multimedia-Projekten zusammengearbeitet.
Mit Nicholas Kristof habe ich schon eine ganze Menge gemacht.
Er schreibt seine Kolumnen – zweimal wöchentlich – und
ich baue in der Zeit die Multimedia-Teile zusammen. Wir sprechen
dann häufig über die gesamte Geschichte, während
sie entsteht.
Arbeiten Sie auch manchmal
ganz allein?
Ich habe ein paar kleinere Sachen alleine gemacht, aber
ich mag es einfach, mit anderen zusammen zu arbeiten.
Einige würden das, was Sie machen, Backpack-Journalismus
nennen. Wieviel Ausrüstung tragen Sie denn mit sich
herum? Passt sie tatsächlich in einen Rucksack?
Vom Camping-Rucksack bis zur Profi-Kiste von Pelican habe
schon so ungefähr alles eingesetzt, was es gibt. Ich
habe ungefähr ein Dutzend verschiedener Taschen und
benutzte die je nachdem, wohin es geht und wie die Situation
da aussieht. Allerdings versuche ich, möglichst nicht
mehr als zwei Taschen mitzunehmen.
Steve Outing haben Sie ja schon erzählt,
was Sie alles an Technik dabei haben: ein Apple- und ein
IBM-Laptop, MD-Recorder, Satellitentelefon und verschiedene
Kameras. Welche Software setzen Sie denn ein?
Die Standards: Photoshop 7, Flash MX and FinalCut Pro.
Templates helfen Zeit sparen
Der größte Nachteil bei Multimedia-Produktionen
ist doch immer noch der gleiche: Sie kosten Zeit und Geld.
Ein Multimedia-Reporter ist einfach langsamer als Kollegen,
die nur einzelne Medien bedienen.
Das sehe ich nicht so. Inzwischen haben wir eine ganze Menge
Templates entwickelt, die wir benutzen können. Dann
kann ich mir zum Beispiel auf dem Rückweg im Auto schon
mal Gedanken machen, was ich wie zusammensetzen werde, und
dann geht es ziemlich schnell.
Haben Sie eine typische Reihenfolge beim Produzieren Ihrer
Features entwickelt?
Normalerweise schneide ich erst die Audios zurecht. Sie
strukturieren den Beitrag. Dann Fotos, Bildunterschriften
und Video. Wenn alle Einzelteile fertig sind, kommt die Arbeit
in Flash.
Ihre Multimedia-Features setzen stark auf Fotojournalismus,
aber sie enthalten auch Videosequenzen. Wieviel Aufwand investieren
Sie in Filmaufnahmen?
Ich setzte Video nur selten ein, um die Download-Zeiten
kurz zu halten. Außerdem ist es einfacher, bloße
Audiosequenzen ohne Bewegtbild zu schneiden. Normalerweise
habe ich außer meiner Canon D60 eine Sony PD150 dabei.
Ich benutze schon ein Stativ und versuche gute Hintergründe
für Reporter-Aufsager zu finden, die meist so 20 Sekunden
lang sind.
Aber das ist dann wohl doch eher die Ausnahme…
Wir haben bei NYTimes.com eine ganze Menge mit Video experimentiert.
Am 11. September sah ich vom Dach meiner Wohnung in Brooklyn,
wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade
Centers flog und hielt mit einer Canon XL1 drauf. Ich schaffte
es, das Video auf die Website zu kriegen, aber die Standbilder
davon wurden viel häufiger angeguckt. Danach habe ich
die Videokamera erst mal beiseite gelegt und angefangen,
mit Fotos und Audios zu arbeiten. Mittlerweile hat jetzt
mehr als die Hälfte der Nutzer Breitband-Verbindungen,
also setzte ich mehr Video ein.
Wer heute studiert, wird medienübergreifend arbeiten
Hier in Deutschland etablieren sich beim Fernsehen langsam
Videoreporter. Denken Sie, dass das die Leute sind, die in
Zukunft auch Multimedia-Features machen werden? Oder wird
das eher etwas für Leute mit einem Online-Background
sein?
Ich denke, alles nähert sich an einander an. Es gibt
einige Leute im Geschäft mit vielen Talenten,
und ich denke, dass sie ihre Arbeit viel spannender finden,
wenn
sie nicht auf ein oder zwei Aspekte beschränkt ist.
Wer heute studiert, steht am Anfang einer Laufbahn, die die
Mediengrenzen überschreitet.
Gibt es in den USA noch andere Multimedia-Reporter,
die ähnlich
wie Sie arbeiten? Welche Websites würden Sie als Anregung
empfehlen?
Die Washington
Post hat einen tollen Videoproducer, Travis Fox. Wir
sind uns
im südlichen Irak über den Weg gelaufen. Gute Arbeit
leisten sie auch in Florida beim Sun-Sentinel.
Ich mag außerdem die Sachen von AFP, zum Beispiel Fußball und
Tour
de France,
und von National
Geographic. In diesem
Jahr wird die Zahl solcher Multimedia-Features
explodieren, und ich bin mal gespannt darauf, was den Leuten
so alles einfallen wird.
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