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Vollbremsung,
wildes Lenkraddrehen. "Scheiße, Scheiße",
schreit Beifahrer Markus. Andreas tritt mit aller Kraft
auf das Bremspedal. Er weiß, sein Leben hängt
nur noch an diesem kleinen Stück Metall. Doch der
verdammte Golf will einfach nicht stehen bleiben. Mit
ganzer Wucht bohrt sich das tiefergelegte Projektil in
das Heck des Vectra. Beide Autos drehen sich unkontrolliert,
der Golf schleudert gegen einen Begrenzungspfosten, bleibt
mit einem Rad im Grünstreifen hängen und überschlägt
sich zwei Mal. Stille.
Zwei Tage
später. Markus öffnet die Augen, weiß
nicht, wo er ist. Nur dunkel kann er sich erinnern:
Da war dieser Abend in der Disco, viel zu viele Cocktails
- und dann die Heimfahrt. Die Krankenschwester wird
ihm später erzählen, dass Andreas noch auf
dem Weg ins Hospital gestorben ist. Markus hat Glück
gehabt. Ihm fehlt nur eine Niere. Der Fahrer des Vectra
ist noch einmal mit einem Schrecken davon gekommen.
Und warum das alles? "Weil heizen geil ist."
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Jedes Jahr das gleiche Spektakel. Egal ob der Liter Benzin
bei 1,70 Mark liegt oder die zwei Mark-Grenze überschreitet.
Die Essener Motorshow lockt immer wieder Hunderttausende Besucher
in ihre Hallen. Bei der "Weltmesse für Tuning, Motorsport
und Oldtimer" geht es vor allem um eins: schnelle und
getunte Autos.
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| 6.7 Liter Hubraum,
12 Zylinder: Der Star der Brabus- Flotte. |
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Allein am vergangenen Wochenende pilgerten über 150.000
Besucher zu der Show. Hier darf noch bis Sonntag, 9. Dezember,
gestaunt und geträumt werden. In Halle 11 zeigt der Bottroper
Edeltuner Brabus seine Flotte. Star ist die aufgemotzte Version
eines S-Klasse-Mercedes mit 6.7 Litern Hubraum und einer V12-Maschine.
Der rund 450 PS (331 kW) starke Motor beschleunigt das fahrende
Wohnzimmer (Innenausstattung: Fernseher, Computer und Navigationssystem)
auf etwa 280 Stundenkilometer.
Vor der abgesperrten Brabus-Präsentationsfläche
stehen der 20-jährige Sascha Hilgert und sein Kumpel
Sebastian Wademann, 19. "Schon beeindruckend, der Motor
und die ganze Ausstattung", meint Sascha, "aber
wo will man heutzutage so was noch fahren?" Die beiden
Hobbytuner, die in ihrer Freizeit ein bisschen am selbst zusammen
gesparten 55-PS-Golf herum schrauben, sehen sich auf der Messe
einfach nur um und wollen "staunen, was es so Neues gibt."
Die "Essen Motor Show" gilt weltweit als einzigartig.
Neben der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt
ist sie die besucherstärkste Automesse in Deutschland.
Und zugleich die meistbesuchte Publikumsmesse überhaupt
in Nordrhein Westfalen - obwohl das Thema Auto und Verkehr
nach wie vor strittig ist.
Auf Deutschlands Straßen stirbt stündlich ein
Verkehrsteilnehmer. Weit über eine halbe Million Menschen
sind in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland bei Unfällen
ums Leben gekommen. 1970 gilt als Katastrophenjahr: 21.653
Tote, davon 19.193 in der Bundesrepublik und 2.460 in der
DDR. Seitdem ist die Zahl der Verkehrstoten allerdings deutlich
gesunken. Im vergangenen Jahr kamen in ganz Deutschland "nur"
noch 7.503 Verkehrsteilnehmer ums Leben. Obwohl sich seit
Einführung der Gurtpflicht 1984 heute etwa 90 Prozent
der Insassen anschnallen, haben zwei von drei Verkehrstoten
ihr Leben im Auto verloren.
Die bloße Zahl der Verkehrsunfälle ist jedoch
nicht rückläufig. Mehr als zwei Millionen Kollisionen
werden von der Polizei in jedem Jahr registriert, davon jede
fünfte mit Personenschaden. Die meisten dieser Unfälle
passieren innerhalb von Städten und Ortschaften. Am gefährlichsten
ist es jedoch auf den Landstraßen: Hier sind zwei Drittel
aller Toten zu beklagen.
Vor allem die junge Generation berauscht sich gern an der
Geschwindigkeit. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn
zusätzlich Alkohol im Spiel ist. Nach Angaben des Bundesamtes
für Statistik verletzen sich auf deutschen Straßen
jedes Jahr mehr als 110.000 junge Verkehrsteilnehmer im Alter
von 18 bis 25 Jahren, rund 1.700 sterben. "Wenn junge
Menschen vernünftig mit schnellen Autos umgehen würden
und sich allmählich an die Geschwindigkeiten herantasten,
wäre das schon eine feine Sache", meint Messebesucher
Adolf Depping aus Hannover. Der 59-jährige Sportwagen-Fanatiker
weiß, wovon er spricht. Sein mittlerweile achtes Auto,
ein Nissan 300 ZX BI-Turbo, beschleunigt er gern schon mal
auf 250 Sachen. Allerdings nur dort, wo andere nicht gefährdet
werden. Junge Menschen mit ausgeprägter Affinität
zum Gaspedal und Schaltknüppel sollten sich allerdings
im Motorsportclub austoben, mahnt Depping, denn "Rennen
gehören nicht auf die Straße."
Die eingefleischten Auto-Freaks scheinen Deppings Gedanken
allerdings kaum zu interessieren. Laut der Umfrage eines unabhängigen
Marktforschungsinstituts im Auftrag der Essener Messe wollen
knapp ein Viertel der Besucher mehr als 50.000 DM für
ein neues Auto ausgeben. Hervorstechende Optik, überzeugende
Motorleistung und Fahrwerkstuning - zusätzliche Extras
sind bei den Autointeressierten gleichermaßen beliebt.
"Mit 150 PS und mehr" wollen immerhin 38 Prozent
der Befragten unterwegs sein, 39 Prozent bevorzugen die Leistungsklasse
"91 bis 150 PS".
Wer sich den teuren Schlitten nicht leisten kann, findet
auf der Motorshow trotzdem zahlreiche Möglichkeiten sein
Geld los zu werden. In Halle 10 zum Beispiel. Hier sticht
der der Stand von Foliatec, einem Nürnberger Tuning-Unternehmen,
ins Auge. "Mit unseren Produkten wollen wir vor allem
jüngere Kunden erreichen", erzählt Corinna
Zimmermann, die bei Foliatec für den Export zuständig
ist. "Gerade die schwarzen und farbig verspiegelten Abdeckfolien
für Heckscheiben sind unser absoluter Renner." Ihre
Kollegin Stefanie Wilson soll das Geschäft antreiben.
In ihrem Lara Croft-ähnlichen Outfit hat die 18-jährige
Messe-Hostess offenbar keine Probleme, mit jungen Autonarren
ins Gespräch zu kommen. Reizendes Outfit, reißender
Absatz? "Klar", meint Wilson, "das kommt auf
jeden Fall besser an."
Verstärkte Aufmerksamkeit durch schöne Frauen -
die Verkaufsmasche scheint zu greifen. Zumindest setzt auch
Gewindefahrwerkhersteller H&R darauf. Das Lennestädter
Unternehmen, das so manchen Wagen rund 60 bis 70 Millimeter
tiefer liegen lässt, präsentiert sich nur ein paar
Meter weiter mit einem Fahrsimulator, einem Gewinnspiel (1.
Preis: ein Satz Stoßdämpfer) - und mit freundlichem
Personal. "Guck mal da, ein Boxenluder", sagt ein
kleiner Junge im Vorbeigehen zu seinem Vater, als er die 28-jährige
Johanna im gelben Rennfahrer-Anzug erblickt. Die Messe-Hostess
stört das überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, sie
lacht darüber. "Solche Aussagen sind mir egal",
winkt sie ab, "ich mache den Job nur, weil er wirklich
gut bezahlt wird." Außerdem sehe man den ganzen
Tag ja die schönen Autos.
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Der Text im schwarzen Kasten ist fiktiv, Ähnlichkeiten
zu authentischen Personen sind rein zufällig und nicht
gewollt.
Der Beitrag ist zuerst in dem Online-Campus-Magazin
DOnews
erschienen. DOnews ist ein Projekt von Journalistik-Studierenden
des Studiengangs Diplom-Journalistik der Universität
Dortmund.
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