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34. ESSENER MOTORSHOW 05.12.2001
Spoiler, Chrom und enge Overalls
Von Email an Fabian Hoberg sendenFabian Hoberg | externer LinkHomepage
und Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage
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Vollbremsung, wildes Lenkraddrehen. "Scheiße, Scheiße", schreit Beifahrer Markus. Andreas tritt mit aller Kraft auf das Bremspedal. Er weiß, sein Leben hängt nur noch an diesem kleinen Stück Metall. Doch der verdammte Golf will einfach nicht stehen bleiben. Mit ganzer Wucht bohrt sich das tiefergelegte Projektil in das Heck des Vectra. Beide Autos drehen sich unkontrolliert, der Golf schleudert gegen einen Begrenzungspfosten, bleibt mit einem Rad im Grünstreifen hängen und überschlägt sich zwei Mal. Stille.

Zwei Tage später. Markus öffnet die Augen, weiß nicht, wo er ist. Nur dunkel kann er sich erinnern: Da war dieser Abend in der Disco, viel zu viele Cocktails - und dann die Heimfahrt. Die Krankenschwester wird ihm später erzählen, dass Andreas noch auf dem Weg ins Hospital gestorben ist. Markus hat Glück gehabt. Ihm fehlt nur eine Niere. Der Fahrer des Vectra ist noch einmal mit einem Schrecken davon gekommen. Und warum das alles? "Weil heizen geil ist." *

Jedes Jahr das gleiche Spektakel. Egal ob der Liter Benzin bei 1,70 Mark liegt oder die zwei Mark-Grenze überschreitet. Die Essener Motorshow lockt immer wieder Hunderttausende Besucher in ihre Hallen. Bei der "Weltmesse für Tuning, Motorsport und Oldtimer" geht es vor allem um eins: schnelle und getunte Autos.

6.7 Liter Hubraum, 12 Zylinder: Der Star der Brabus- Flotte.

Allein am vergangenen Wochenende pilgerten über 150.000 Besucher zu der Show. Hier darf noch bis Sonntag, 9. Dezember, gestaunt und geträumt werden. In Halle 11 zeigt der Bottroper Edeltuner Brabus seine Flotte. Star ist die aufgemotzte Version eines S-Klasse-Mercedes mit 6.7 Litern Hubraum und einer V12-Maschine. Der rund 450 PS (331 kW) starke Motor beschleunigt das fahrende Wohnzimmer (Innenausstattung: Fernseher, Computer und Navigationssystem) auf etwa 280 Stundenkilometer.

"Einfach gucken und staunen": Sascha Hilgert und Sebastian Wademann.
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Vor der abgesperrten Brabus-Präsentationsfläche stehen der 20-jährige Sascha Hilgert und sein Kumpel Sebastian Wademann, 19. "Schon beeindruckend, der Motor und die ganze Ausstattung", meint Sascha, "aber wo will man heutzutage so was noch fahren?" Die beiden Hobbytuner, die in ihrer Freizeit ein bisschen am selbst zusammen gesparten 55-PS-Golf herum schrauben, sehen sich auf der Messe einfach nur um und wollen "staunen, was es so Neues gibt."

Die "Essen Motor Show" gilt weltweit als einzigartig. Neben der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt ist sie die besucherstärkste Automesse in Deutschland. Und zugleich die meistbesuchte Publikumsmesse überhaupt in Nordrhein Westfalen - obwohl das Thema Auto und Verkehr nach wie vor strittig ist.

Impressionen von der Messe: Fabian Hoberg hat sich mit seiner Kamera umgesehen.
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Auf Deutschlands Straßen stirbt stündlich ein Verkehrsteilnehmer. Weit über eine halbe Million Menschen sind in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland bei Unfällen ums Leben gekommen. 1970 gilt als Katastrophenjahr: 21.653 Tote, davon 19.193 in der Bundesrepublik und 2.460 in der DDR. Seitdem ist die Zahl der Verkehrstoten allerdings deutlich gesunken. Im vergangenen Jahr kamen in ganz Deutschland "nur" noch 7.503 Verkehrsteilnehmer ums Leben. Obwohl sich seit Einführung der Gurtpflicht 1984 heute etwa 90 Prozent der Insassen anschnallen, haben zwei von drei Verkehrstoten ihr Leben im Auto verloren.

Die bloße Zahl der Verkehrsunfälle ist jedoch nicht rückläufig. Mehr als zwei Millionen Kollisionen werden von der Polizei in jedem Jahr registriert, davon jede fünfte mit Personenschaden. Die meisten dieser Unfälle passieren innerhalb von Städten und Ortschaften. Am gefährlichsten ist es jedoch auf den Landstraßen: Hier sind zwei Drittel aller Toten zu beklagen.

"Sich langsam an die Geschwindigkeiten herantasten": Adolf Depping.
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Vor allem die junge Generation berauscht sich gern an der Geschwindigkeit. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn zusätzlich Alkohol im Spiel ist. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik verletzen sich auf deutschen Straßen jedes Jahr mehr als 110.000 junge Verkehrsteilnehmer im Alter von 18 bis 25 Jahren, rund 1.700 sterben. "Wenn junge Menschen vernünftig mit schnellen Autos umgehen würden und sich allmählich an die Geschwindigkeiten herantasten, wäre das schon eine feine Sache", meint Messebesucher Adolf Depping aus Hannover. Der 59-jährige Sportwagen-Fanatiker weiß, wovon er spricht. Sein mittlerweile achtes Auto, ein Nissan 300 ZX BI-Turbo, beschleunigt er gern schon mal auf 250 Sachen. Allerdings nur dort, wo andere nicht gefährdet werden. Junge Menschen mit ausgeprägter Affinität zum Gaspedal und Schaltknüppel sollten sich allerdings im Motorsportclub austoben, mahnt Depping, denn "Rennen gehören nicht auf die Straße."

Die eingefleischten Auto-Freaks scheinen Deppings Gedanken allerdings kaum zu interessieren. Laut der Umfrage eines unabhängigen Marktforschungsinstituts im Auftrag der Essener Messe wollen knapp ein Viertel der Besucher mehr als 50.000 DM für ein neues Auto ausgeben. Hervorstechende Optik, überzeugende Motorleistung und Fahrwerkstuning - zusätzliche Extras sind bei den Autointeressierten gleichermaßen beliebt. "Mit 150 PS und mehr" wollen immerhin 38 Prozent der Befragten unterwegs sein, 39 Prozent bevorzugen die Leistungsklasse "91 bis 150 PS".

"Reizendes Outfit kommt klar besser an": Stefanie Wilson und Corinna Zimmermann.
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Wer sich den teuren Schlitten nicht leisten kann, findet auf der Motorshow trotzdem zahlreiche Möglichkeiten sein Geld los zu werden. In Halle 10 zum Beispiel. Hier sticht der der Stand von Foliatec, einem Nürnberger Tuning-Unternehmen, ins Auge. "Mit unseren Produkten wollen wir vor allem jüngere Kunden erreichen", erzählt Corinna Zimmermann, die bei Foliatec für den Export zuständig ist. "Gerade die schwarzen und farbig verspiegelten Abdeckfolien für Heckscheiben sind unser absoluter Renner." Ihre Kollegin Stefanie Wilson soll das Geschäft antreiben. In ihrem Lara Croft-ähnlichen Outfit hat die 18-jährige Messe-Hostess offenbar keine Probleme, mit jungen Autonarren ins Gespräch zu kommen. Reizendes Outfit, reißender Absatz? "Klar", meint Wilson, "das kommt auf jeden Fall besser an."

Boxenluder? "Solche Aussagen stören mich nicht": Messe- Hostess Johanna.
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Verstärkte Aufmerksamkeit durch schöne Frauen - die Verkaufsmasche scheint zu greifen. Zumindest setzt auch Gewindefahrwerkhersteller H&R darauf. Das Lennestädter Unternehmen, das so manchen Wagen rund 60 bis 70 Millimeter tiefer liegen lässt, präsentiert sich nur ein paar Meter weiter mit einem Fahrsimulator, einem Gewinnspiel (1. Preis: ein Satz Stoßdämpfer) - und mit freundlichem Personal. "Guck mal da, ein Boxenluder", sagt ein kleiner Junge im Vorbeigehen zu seinem Vater, als er die 28-jährige Johanna im gelben Rennfahrer-Anzug erblickt. Die Messe-Hostess stört das überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, sie lacht darüber. "Solche Aussagen sind mir egal", winkt sie ab, "ich mache den Job nur, weil er wirklich gut bezahlt wird." Außerdem sehe man den ganzen Tag ja die schönen Autos.

* Der Text im schwarzen Kasten ist fiktiv, Ähnlichkeiten zu authentischen Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Der Beitrag ist zuerst in dem Online-Campus-Magazin externer LinkDOnews erschienen. DOnews ist ein Projekt von Journalistik-Studierenden des Studiengangs Diplom-Journalistik der Universität Dortmund.

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