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Das Surren hört sich an wie ein ganzer Schwarm Hornissen
auf einer frischen, grünen Wiese im Sauerland. Doch die
ist weit und breit nicht in Sicht. Denn die Kulisse hier ist
aus braunem Lehm, in Plastik eingeschweißten Heuballen,
Sprunghügeln und rund 10.000 grölenden Zuschauer
mit Druckluft-Hupen auf den Rängen.
Die Dortmunder Westfalenhalle ist ausverkauft. Und dennoch
ist das seltsame Geräusch dominierend, wird lauter, schriller
und die Luft vermengt sich schnell mit einem Öl-Benzin-Gemisch.
Rosenduft für Zweitaktfans.
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| 250 ccm Hubraum,
etwa 40 PS: Die Motorräder machten einen Höllenlärm.
(Foto: Hoberg) |
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Mit kurzen und kräftigen Gasstößen werden
die Motoren der Crossmaschinen auf Betriebstemperatur gebracht.
Auf den Motorrädern mit den grobstolligen Reifen sitzen
die Fahrer in ihrer Ritterausrüstung. Unter ihren Helmen,
Brustpanzern, Ellbogen- und Knieschonern bekommen sie von
der aufgeladenen Atmosphäre nur wenig mit, sind konzentriert
bis in die Gashand und warten auf das Startsignal. Die Zweitaktvergaser
werden bis auf Anschlag aufgerissen, auf Höchstdrehzahl
gehalten und der Körper wird für den optimalen Start
noch vorne gebeugt.
"Now we are ready for racing", brüllt der
Hallensprecher ins Mikro, die Startflagge wird gesenkt: Auftakt
zum "ADAC-Super-Cross" in der Westfalenhalle. Zum
19. Mal in Dortmund, zum vierten Mal auf Lehmboden.
Hochkonzentriert über 15 Runden
Über eine kurze Gerade und zwei scharfen Rechtskurven
geht es über den ersten großen Sprunghügel.
Die Fahrer fliegen mit ihren Maschinen in die Luft wie Bienen,
bremsen beim Bodenkontakt abrupt ab und legen sich in die
Linkskurve. Zweiter, dritter, vierter Gang. Hände und
Schaltfuß kommen nicht zur Ruhe. Die Maschine beschleunigt
und springt mit Fahrer wieder über drei Hügel. Erneutes
abbremsen und wieder eine Rechtskurve. Das rechte Bein schleift
auf dem Lehmboden. Die Fahrer sind konzentriert, reißen
wieder am Gashebel und geben ihren rund 100 Kilogramm schweren
Maschinen die Sporen. Wieder Hügel, diesmal kleinere,
und wieder zwei Rechtskurven. Im Stand jagen die Motorradritter
über die engen, kleinen Hügel, Waschbrett genannt,
und beginnen die 316 Meter lange Runde wieder von vorn. Und
das bis zu 15 Mal. Die Fans stehen vor ihren Sitzen, jagen
Druckluft durch ihre Hupen und feuern ihre Stars an: faszinierender
Rennsport zum Mitfiebern.
Für Motocross-Profi Bernd Eckenbach hat sich die Faszination
des Sport jedoch im Laufe seiner 19-jährigen Karriere
ein bisschen geändert: "Die Sprünge sind größer
geworden aber im Großen und Ganzen ist immer noch das
Gleiche da: Das Motorrad am Limit zu bewegen und oftmals die
Schwerkraft außer Kraft zu setzen." In dieser Saison
hatte er allerdings Pech, stürzte und brach sich eine
Rippe. Für den 31-Jährigen gab es dieses Jahr in
Dortmund keine Punkte.
Gestartet wird in der 125 Kubikzentimeter- und der 250 Kubikzentimeter-Klasse.
Die Maschinen unterscheiden sich nicht nur durch unterschiedliche
Hubraumgrößen, sondern auch durch Leistung, Gewicht
und Fahrwerk. Mit Serienfahrzeugen haben die Zweiräder
allerdings nichts mehr gemein.
Daniel Volz, Koordinator vom KTM-Team-Bodo Schmidt, betreut
die Zweiräder des Teams bei den 30 bis 40 Rennen im Jahr.
"Geändert haben wir Gabel, Stoßdämpfer
und Bremsscheiben. Die Gabelbrücke ist stabiler und das
Motorrad ist dadurch spurtreuer", erklärt der Mechaniker
die Technik. Bei rund 12.000 Umdrehungen pro Minute geben
die Zweitakter etwa 40 PS an das Hinterrad ab. Von den sechs
Gängen werden auf dem kleinen Parcours in der Halle aber
nur die ersten vier eingelegt, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit
von etwa 40 Stundenkilometern. "Mit dem großen
Hinterradritzel reicht das aber, um pro Rennen einen Satz
Reifen zu verschleißen", sagt der Mechaniker. Für
besseres Drehmoment in der stickigen Westfalenhalle werden
die Vergaser mit anderen Düsen befeuert, damit das Benzin-Öl-Gemisch
angefettet wird "und der Motor von unten besser kommt".
Freestyle: Handstand auf dem Lenker
Geht es bei den Wettkämpfen um die beste Platzierung,
weniger um Show, so sieht es bei den Freestylern genau andersrum
aus. Über eine spezielle, hohe Rampe jagen die Fahrer
mit ihren Motorrädern in die Luft und zeigen ihre tollkühnen
Sprünge.
Für Sebastian Airwastl" Wolter ist Freestylen
mehr als nur ein Sport. "Es ist eine kreative Form des
Motorrad fahrens, man kann immer wieder neue Sachen ausprobieren."
Viele wollen zwar auf einen Adrenalinkick raus, Sebastian
aber nicht. "Es ist aber ein super Gefühl, 20 bis
25 Meter weit und zehn Meter hoch zu springen. Das Risiko
bei den riskant aussehenden Sprüngen schätzt er
jedoch gering ein. "Das Gefahrenpotenzial ist zwar höher
als bei Wettkämpfen, es passieren aber weniger Unfälle,
da keine Konkurrenz da ist", sagt der 24-jährige
Sportstudent aus Köln. Gefahren wird immer einzeln auf
der Rampe. Für die Tricks mit Namen wie "Seat Grap",
"Lazy Boy", "No Foot"oder "Barhopper"
trainiert er bis zu einem Monat. Für den riskanten Trick
"Kiss of Death", ein Handstand auf dem Lenker, DER
Trick schlechthin in der Szene, muss er allerdings noch etwas
üben. "Diese Saison will ich den aber noch hinbekommen",
sagt er.
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| Der achtjährige
Marvin Fritz fährt seit vier Jahren Motocross.
Sein Traum: Er will mal ein ganz Großer werden.
(Foto: Hoberg) |
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Die Motorcross-Szene in der Westfalenhalle ist bunt gemischt:
Neben Wettkampffahrern und Freestylern mittleren Alters, imitieren
inzwischen schon Kinder ihre Vorbilder. So auch der achtjährige
Marvin Fritz. Er fährt seit vier Jahren Motocross und
will irgendwann Weltmeister werden. Zwei Mal in der Woche
trainiert er zwei bis drei Stunden mit seiner 65 Kubikzentimeter-Maschine
im Schlamm. In seiner jungen Karriere hat er schon 24 Wettkämpfe
bestritten. Besonders gefährlich findet er den Sport
nicht. "Einmal habe ich den Lenker in den Bauch bekommen:
Das tat zwar weh, aber richtig verletzt war ich nicht."
Die Rennen in der Westfalenhalle gefallen im besonders gut.
"Das Schönste ist das Fliegen über die Sprünge",
sagt Marvin. So wie die Hornissen im Sommer. Und so hört
es sich auch an, wenn er den Helm aufsetzt, den Kickstarter
ausklappt und zwei, drei Mal kräftig durchtritt. Da ist
es wieder, dieses zischende und stechende Geräusch der
Zweitakter.
Anmerkung: Der Beitrag ist zuerst in
dem Online-Campus-Magazin DOnews
erschienen. DOnews ist ein Projekt von Journalistik-Studierenden
des Studiengangs Diplom-Journalistik der Universität
Dortmund.
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