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ROSENDUFT FÜR ZWEITAKTFANS 22.01.2002
ADAC Super-Cross in den Dortmunder Westfalenhallen
Von Email an Fabian Hoberg sendenFabian Hoberg | externer LinkHomepage
und Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage
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Das Surren hört sich an wie ein ganzer Schwarm Hornissen auf einer frischen, grünen Wiese im Sauerland. Doch die ist weit und breit nicht in Sicht. Denn die Kulisse hier ist aus braunem Lehm, in Plastik eingeschweißten Heuballen, Sprunghügeln und rund 10.000 grölenden Zuschauer mit Druckluft-Hupen auf den Rängen.

Die Dortmunder Westfalenhalle ist ausverkauft. Und dennoch ist das seltsame Geräusch dominierend, wird lauter, schriller und die Luft vermengt sich schnell mit einem Öl-Benzin-Gemisch. Rosenduft für Zweitaktfans.

250 ccm Hubraum, etwa 40 PS: Die Motorräder machten einen Höllenlärm. (Foto: Hoberg)

Mit kurzen und kräftigen Gasstößen werden die Motoren der Crossmaschinen auf Betriebstemperatur gebracht. Auf den Motorrädern mit den grobstolligen Reifen sitzen die Fahrer in ihrer Ritterausrüstung. Unter ihren Helmen, Brustpanzern, Ellbogen- und Knieschonern bekommen sie von der aufgeladenen Atmosphäre nur wenig mit, sind konzentriert bis in die Gashand und warten auf das Startsignal. Die Zweitaktvergaser werden bis auf Anschlag aufgerissen, auf Höchstdrehzahl gehalten und der Körper wird für den optimalen Start noch vorne gebeugt.

"Now we are ready for racing", brüllt der Hallensprecher ins Mikro, die Startflagge wird gesenkt: Auftakt zum "ADAC-Super-Cross" in der Westfalenhalle. Zum 19. Mal in Dortmund, zum vierten Mal auf Lehmboden.

Hochkonzentriert über 15 Runden

Über eine kurze Gerade und zwei scharfen Rechtskurven geht es über den ersten großen Sprunghügel. Die Fahrer fliegen mit ihren Maschinen in die Luft wie Bienen, bremsen beim Bodenkontakt abrupt ab und legen sich in die Linkskurve. Zweiter, dritter, vierter Gang. Hände und Schaltfuß kommen nicht zur Ruhe. Die Maschine beschleunigt und springt mit Fahrer wieder über drei Hügel. Erneutes abbremsen und wieder eine Rechtskurve. Das rechte Bein schleift auf dem Lehmboden. Die Fahrer sind konzentriert, reißen wieder am Gashebel und geben ihren rund 100 Kilogramm schweren Maschinen die Sporen. Wieder Hügel, diesmal kleinere, und wieder zwei Rechtskurven. Im Stand jagen die Motorradritter über die engen, kleinen Hügel, Waschbrett genannt, und beginnen die 316 Meter lange Runde wieder von vorn. Und das bis zu 15 Mal. Die Fans stehen vor ihren Sitzen, jagen Druckluft durch ihre Hupen und feuern ihre Stars an: faszinierender Rennsport zum Mitfiebern.

Fährt seit 19 Jahren Motocross: Bernd Eckenbach. (Foto: Hoberg)
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Für Motocross-Profi Bernd Eckenbach hat sich die Faszination des Sport jedoch im Laufe seiner 19-jährigen Karriere ein bisschen geändert: "Die Sprünge sind größer geworden aber im Großen und Ganzen ist immer noch das Gleiche da: Das Motorrad am Limit zu bewegen und oftmals die Schwerkraft außer Kraft zu setzen." In dieser Saison hatte er allerdings Pech, stürzte und brach sich eine Rippe. Für den 31-Jährigen gab es dieses Jahr in Dortmund keine Punkte.

Gestartet wird in der 125 Kubikzentimeter- und der 250 Kubikzentimeter-Klasse. Die Maschinen unterscheiden sich nicht nur durch unterschiedliche Hubraumgrößen, sondern auch durch Leistung, Gewicht und Fahrwerk. Mit Serienfahrzeugen haben die Zweiräder allerdings nichts mehr gemein.

Daniel Volz kennt ist gelernter Motorrad- Mechaniker und kennt die Maschinen in- und auswendig. (Foto: Hoberg)
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Daniel Volz, Koordinator vom KTM-Team-Bodo Schmidt, betreut die Zweiräder des Teams bei den 30 bis 40 Rennen im Jahr. "Geändert haben wir Gabel, Stoßdämpfer und Bremsscheiben. Die Gabelbrücke ist stabiler und das Motorrad ist dadurch spurtreuer", erklärt der Mechaniker die Technik. Bei rund 12.000 Umdrehungen pro Minute geben die Zweitakter etwa 40 PS an das Hinterrad ab. Von den sechs Gängen werden auf dem kleinen Parcours in der Halle aber nur die ersten vier eingelegt, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 40 Stundenkilometern. "Mit dem großen Hinterradritzel reicht das aber, um pro Rennen einen Satz Reifen zu verschleißen", sagt der Mechaniker. Für besseres Drehmoment in der stickigen Westfalenhalle werden die Vergaser mit anderen Düsen befeuert, damit das Benzin-Öl-Gemisch angefettet wird "und der Motor von unten besser kommt".

Freestyle: Handstand auf dem Lenker

Geht es bei den Wettkämpfen um die beste Platzierung, weniger um Show, so sieht es bei den Freestylern genau andersrum aus. Über eine spezielle, hohe Rampe jagen die Fahrer mit ihren Motorrädern in die Luft und zeigen ihre tollkühnen Sprünge.

Sebastian Wolter liebt das Gefühl, wenn er 20 bis 25 Meter weit und zehn Meter hoch fliegt. (Foto: Hoberg)
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Für Sebastian „Airwastl" Wolter ist Freestylen mehr als nur ein Sport. "Es ist eine kreative Form des Motorrad fahrens, man kann immer wieder neue Sachen ausprobieren." Viele wollen zwar auf einen Adrenalinkick raus, Sebastian aber nicht. "Es ist aber ein super Gefühl, 20 bis 25 Meter weit und zehn Meter hoch zu springen. Das Risiko bei den riskant aussehenden Sprüngen schätzt er jedoch gering ein. "Das Gefahrenpotenzial ist zwar höher als bei Wettkämpfen, es passieren aber weniger Unfälle, da keine Konkurrenz da ist", sagt der 24-jährige Sportstudent aus Köln. Gefahren wird immer einzeln auf der Rampe. Für die Tricks mit Namen wie "Seat Grap", "Lazy Boy", "No Foot"oder "Barhopper" trainiert er bis zu einem Monat. Für den riskanten Trick "Kiss of Death", ein Handstand auf dem Lenker, DER Trick schlechthin in der Szene, muss er allerdings noch etwas üben. "Diese Saison will ich den aber noch hinbekommen", sagt er.

Der achtjährige Marvin Fritz fährt seit vier Jahren Motocross. Sein Traum: Er will mal ein ganz Großer werden. (Foto: Hoberg)

Die Motorcross-Szene in der Westfalenhalle ist bunt gemischt: Neben Wettkampffahrern und Freestylern mittleren Alters, imitieren inzwischen schon Kinder ihre Vorbilder. So auch der achtjährige Marvin Fritz. Er fährt seit vier Jahren Motocross und will irgendwann Weltmeister werden. Zwei Mal in der Woche trainiert er zwei bis drei Stunden mit seiner 65 Kubikzentimeter-Maschine im Schlamm. In seiner jungen Karriere hat er schon 24 Wettkämpfe bestritten. Besonders gefährlich findet er den Sport nicht. "Einmal habe ich den Lenker in den Bauch bekommen: Das tat zwar weh, aber richtig verletzt war ich nicht." Die Rennen in der Westfalenhalle gefallen im besonders gut. "Das Schönste ist das Fliegen über die Sprünge", sagt Marvin. So wie die Hornissen im Sommer. Und so hört es sich auch an, wenn er den Helm aufsetzt, den Kickstarter ausklappt und zwei, drei Mal kräftig durchtritt. Da ist es wieder, dieses zischende und stechende Geräusch der Zweitakter.

Anmerkung: Der Beitrag ist zuerst in dem Online-Campus-Magazin externer LinkDOnews erschienen. DOnews ist ein Projekt von Journalistik-Studierenden des Studiengangs Diplom-Journalistik der Universität Dortmund.

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