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Davon hätten sich die deutschen Sender eine Scheibe
abschneiden können: Statt wie sie die EU-Osterweiterung
mit einer pompösen Gala, einer "Nacht
der Neuen" im
sterilen Space-Studio oder einem eingeflogenen Anchorman
vor Ort abzufeiern, setzte das holländische Fernsehen
auf eine multimediale Kooperation mit Internet und Radio.
Per Bus ging es zehn Wochen lang durch das vergrößerte
Europa.
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| Kontinuierliche
Berichterstattung aus dem zusammenwachsenden Europa
bietet "Lijn 25".
(Foto:
Stegers) |
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"Lijn 25", Linie 25, tauften die Journalisten
ihre Busfahrt. Los ging die Reise am 28. März in Riga.
Sie endet mit der Europawahl in Brüssel. Dazwischen
fuhr Lijn 25 je eine Woche durch fünf neue und fünf
alte Länder der EU 25. Mit an Bord waren Fernsehjournalisten
der öffentlich-rechtlichen Nachrichtenprogramme NOS und Nova,
ihre Kollegen von Radio
1 und jeweils eine Reporterin von NOS
Online. Genauer gesagt: im Wechsel
entweder Henny Kok oder Yvonne
Hofs. Die jeweils andere Online-Journalistin betreute zusammen
mit CvD Henk van Appeveen die Projekt-Website vom
NOS-Standort in Hilversum aus.
Statt einmaliger Events liefert Lijn 25 den niederländischen
Zuschauern, Hörern und Usern kontinuierliche Berichterstattung über
das zusammenwachsende Europa. Das Fernsehen bringt jeden
Samstag eine Live-Sendung mit Gesprächsgästen und
Einspielfilmen vom Standort des Busses. Hinzu kommen unter
der Woche Beiträge aus den jeweiligen Ländern für
NOS Journaal, Nova und Radio 1. Thematisch bemühen sich
die Journalisten, die Themen aus der Ferne mit den Niederlanden
zu verknüpfen: So zeigt ein Stück, wie polnische
Saisonarbeiter ihre Heimat gen Holland verlassen. Andere
berichten über holländische Künstler in Berlin
oder die Auswirkungen repressiver Drogenpolitik in Lille.
Alle Berichte lassen sich im Webarchiv abrufen.
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| Henny Kok
fuhr als Online-Reporterin mit Lijn 25 durch
Europa. (Foto: Stegers) |
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Darüber hinaus bietet die Site aber noch eine Menge
eigener Inhalte und versucht dabei den breitest möglichen
Bogen zu spannen – von grundlegenden Informationen über
die Beitrittsländer, über die Europawahl bis hin
zu politischen Analysen und Gast-Kolumnen niederländischer
Politiker und Journalisten. Am spannendsten zu lesen sind
aber die Reportagen aus den zehn Ländern, die der Bus
besucht. Online-Redakteurin Henny Kok: "Meist
gehe ich mit den Radio- oder Fernsehkollegen los, wenn sie
einen
Bericht machen. Manchmal mache ich aber auch ganz eigene
Themen." Außerdem schreibt sie (oder Kollegin
Yvonne Hofs) ein Weblog.
Für Blog-Puristen mag das eher ein Tagebuch als ein
Weblog sein (Nutzerkommentare sind nicht möglich, Links
gibt es auch nicht). Aber hier erfahren die Leser, wie lange
an welcher Grenze gewartet werden musste, wo die Sonne schien
und was TV-Journalisten tun, wenn sich plötzlich am
vor ihnen fahrenden Bus der tonnenschwere Generator-Anhänger
löst.
Flash-Spielzeuge bringen nicht viel mehr Informationen
Für Auflockerung sorgt außerdem der "Stemwijzer"
für
die Europawahl,
die niederländische Variante des Entscheidungshelfers
Wahl-O-Mat.
Das Europa-ABC,
das den Nutzern helfen soll, sich in Begriffsdschungel der
Europapolitik zurechtzufinden, enttäuscht dagegen: Startpunkt
ist eine Buchstabenleiste in der rechten Außenspalte.
Leider ist völlig unklar, was für Begriffe einen
beispielsweise hinter "a" erwarten und
nach welchen Kriterien diese ausgewählt wurden. Klickt
man einen Buchstaben an, lädt der Browser eine Liste
von Begriffen und deren Erklärungen auf einer Seite.
Hier wäre
eine dazwischen geschaltete Übersichtsseite für
jeden Buchstaben nützlich gewesen. Für das Gesamt-ABC
gibt es eine solche Indexseite auch nicht. Der Trick mit
dem Wegkürzen des URL bis zum letzten Schrägstrich
führt nur zu einer Fehlermeldung. Leider ist das nicht
die einzige Stelle, wo die Verzeichnisstruktur etwas mehr
Logik und Benutzerfreundlichkeit gut getan hätten.
Optisch fällt die Website durch ein dreispaltiges,
aber keineswegs standardmäßiges Layout auf. Es
beweist, dass sich in einem frischen Design auch schwarze
Balken unterbringen lassen. Die Seitenbreite ist fest, die
Schriftgröße ziemlich klein gewählt. Technisch
haben wir die Seite nicht überprüft. Sie hätte
aber wohl durchaus schlanker und ladefreundlicher gestaltet
werden können.
Auf der Homepage und den Center Pages der Rubriken haben
die Aufmacher statt normaler Bilder kleine Flash-Animationen.
Das sieht nett aus, wiegt aber den Ladenachteil nicht unbedingt
auf: Die Karte mit
der Route des Busses und der Zeitstrahl zur
Entwicklung der Europäischen
Union sind
ganz nette Spielzeuge, bieten aber nur einen geringen Mehrwert
an Informationen. Unglücklich ist Flash dagegen bei
der wöchtlichen Meinungsumfrage zur Europawahl eingesetzt: Hier kann man nur erahnen, dass
man in der Flash-Grafik noch
weit nach rechts scrollen muss, um die Prognosen für
weitere Parteien angezeigt zu bekommen.
Lijn 25 ist Testfall für den multimedialen Newsroom
Die Satellitenverbindung zum Internet und zur TV-Heimat-Redaktion
funktionierte laut Online-Redakteurin Henny Kok prima. Den
Zugang zum CMS für die Website bekamen die Techniker
in Hilversum dagegen trotz wochenlanger Anstrengungen nicht
zum Laufen. Texte und Bilder gingen per Mail nach Hilversum
und mussten dort eingepflegt werden.
Und die Zusammenarbeit mit den Kollegen von Radio und Fernsehen? "Man
muss sich schon an andere Arbeitsweisen gewöhnen",
sagt Henny Kok. Anfangs hatte sie gehofft, die Rundfunkkollegen
würden ihr Texte zuliefern: "Aber dafür hat
keiner Zeit."
Beim NOS wird man wohl genau auswerten, wie die Zusammenarbeit
im engen Studio-Bus geklappt hat. Denn das Projekt ist eine
Art Generalprobe für den multimedialen Newsroom. Anfang
2005 wollen in Hilversum Radio 1 Journaal, NOS Journaal und
NOS Online zusammen in ein riesiges Büro ziehen. Alles
Arbeitsabläufe sollen digitalisiert werden. Vom "Neuen
NOS" verspreche man sich nur sich nicht nur effizienteres
Arbeiten, erklärt Sietske van Weerden, stellvertretende
Chefin von NOS Online: "Wir hoffen, dass viele
Journalisten crossmedial arbeiten."
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber persönlich
ist sich Henny Kok schon sicher, dass sich die Testfahrt
gelohnt hat. Als Lijn 25 ihre vorletzte Haltstelle in Berlin-Mitte
erreicht hat, sagt sie: "Ich habe den schönsten
Job im Internet-Journalismus in Holland."
Fiete Stegers war im Rahmen des Deutsch-Niederländischen
Journalistenstipendiums zu Gast in den Redaktionen von NOS
Journaal und NOS Online in Hilversum.
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