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KRIEGSBERICHTERSTATTUNG 12.04.2003
Multimedia-Reporter im Nordirak
Von Email an Benedikt Tüshaus sendenBenedikt Tüshaus Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Martin Ebbing ist seit Ende vergangenen Jahres im Irak unterwegs. Seine Ausrüstung besteht aus Notebook, Digitalkamera und MD-Rekorder. Neben seinen Radio- und Fernsehbeiträgen liefert er noch sehr viel mehr Eindrücke aus dem Kriegsgebiet: Der SWR-Reporter dokumentiert seine Erlebnisse in einem multimedialen Online-Tagebuch.

Multimediale Darstellungsformen wie das Nordirakische Tagebuch probiert der SWR nicht zum ersten Mal aus. (Screenshot: Mischel)

Nur noch wenige Stunden. Dann geht der erste Bombenregen auf Bagdad nieder. "Der Krieg hat sich über Monate hinweg angekündigt, und dennoch wird es hektisch", schreibt Martin Ebbing am 19. März, in seinem letzten Tagebucheintrag vor Kriegsausbruch. Diesmal geht es in seinem Text nicht etwa um das Treiben auf einem kurdischen Basar, einen singenden Lehrer, Gasmasken, Schutzanzüge und die Vorbereitungen auf den drohenden Konflikt. Es geht nicht etwa um die Menschen im Nordirak, sondern um ihn selbst und seinen nächsten Schritt als Journalisten.

Seit Dezember des vergangenen Jahres ist der Reporter im Nordirak unterwegs. Zunächst allein, mittlerweile mit Kameramann, Fahrer und Dolmetscher an der Seite, reist er durch das von Kurden kontrollierte Gebiet. Das Ziel seiner Recherchen: Das Kleine, Anekdotische – Stoff für seine Einträge im externer LinkNordirakischen Web-Tagebuch des SWR.

Die großen Nachrichtenportale im Netz zeichnen unterdessen jeden Herzschlag des Konfliktes in umfassenden Specials nach, pumpen stündlich neue Meldungen durch die Hauptschlagadern des Internets. Täglich werden aktuelle Video-News eingebunden. Flash hilft, die Katastrophe in stumme Zahlen und militärische Strategien aufzuschlüsseln. Und überall sieht man kleine Landkarten, die mit noch kleineren Panzern übersäht sind. Wie in einem Computerspiel.

Anders der Web-Reporter vom SWR: "Ich produziere keine News." Dafür veröffentlicht Martin Ebbing in unregelmäßigen Abständen seine Eindrücke und Erlebnisse in den Tagebucheinträgen. Eine sehr persönliche Art der Schilderung, und "nie mit dem Versuch, die Welt erklären zu wollen."

Seit Dezember vergangenen Jahres ist Martin Ebbing für den SWR im Nordirak unterwegs. Anfangs ging es nur ums Radio – mittlerweile berichtet der Journalist multimedial in einem Online-Tagebuch. Seit einigen Wochen macht er außerdem Berichte für das Fernsehen (Foto: SWR)

Es geht um Stimmungen. Und es geht darum, diese im Netz möglichst authentisch abzubilden. Dazu sammelt Ebbing aussagekräftige Impressionen, wie andere die nackte Information. Seine Worte erzählen. Und seine Fotos. In der Galerie finden sich auch bewegte Bilder.

Ursprünglich wollte er nur ein paar Radio-Features machen. Doch dann ist die Idee mit der Web-Reportage entstanden. Nun gibt es auch im Online-Tagebuch eine ganze Menge auf die Ohren. Neben den gesammelten Hörbeiträgen in der Hörbar sind einzelne Audio-Streams auch in Artikeln eingebunden (externer LinkBeispiel). Beiträge, die ergänzend zum Text eine bestimmte Atmosphäre oder Stimmung verdeutlichen, hält Martin Ebbing in dieser Form des Online-Journalismus für "ideal". Leider, so der Journalist, habe er den Minidisc-Rekorder samt Mikrofon nicht immer rechtzeitig zur Hand.

Ein weiterer Bonus für die Leser: Der Web-Reporter beantwortet ihre Fragen direkt. "Die Nachfrage danach ist riesengroß, aber der Aufwand für Martin Ebbing vor Ort doch beträchtlich. Obwohl wir Dubletten schon ausgefiltert hatten und die Fragen gebündelt", erklärt Detlef Clas, der für das Special verantwortliche Redakteur beim SWR. Und auch Ebbing selbst verspricht sich vom direkten Feedback einige Vorteile für seine Arbeit: "Je mehr Reaktionen über diese Kanäle kommen, desto besser. Ich bekomme so ein Gefühl dafür, welche Fragen der Leute ich als Reporter hier eigentlich beantworten soll."

Die Web-Reportage in dieser oder ähnlicher Form hat beim SWR-Online schon mittlerweile Tradition. "Web-Tagebücher und Web-Reportagen sind schon seit einigen Jahren ein Markenzeichen in unserem SWR2 Wissen online Angebot", so Detlef Clas. Er schränkt jedoch ein: "Wir können und wollen damit nicht in Konkurrenz treten zur tagespolitischen Irakberichterstattung." Vielmehr gehe es darum, sehr dicht an die Menschen heranzukommen, die in einer bestimmten Region leben.

"Ich bin mittlerweile ein wandelnder Bauchladen", gesteht Ebbing, und denkt dabei an Notebook, Digitalkamera und MD-Rekorder, die ihm die multimediale Berichterstattung aus der Krisenregion ermöglichen. Dem Journalisten kommt zu Gute, dass "die technische Infrastruktur im Nordirak hervorragend ist", ergänzt Detlef Clas.

Der Krieg im Irak begann für viele alles andere als plötzlich. Doch die Situation vor Ort änderte sich mit einem Schlag. Auch am 20. März, dem Tag nach Beginn der Kämpfe, findet sich im Online-Tagebuch ein Eintrag. Diesmal aus Mosul. Die Stadt blieb an diesem Tag vom Bombenregen der Allierten noch verschont. Und doch ist auch im Text alles irgendwie anders als "gestern", als noch Frieden war.

Martin Ebbing ist im Nordirak.

Das komplette Interview mit Martin Ebbing lesen Sie interner Linkhier.

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