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Wie lang darf er sein?
Jeder weiß es wohl aus eigener Erfahrung: Das Lesen
von Texten am Bildschirm ist anstrengender als das Lesen von
Texten auf Papier. Spätestens seit 1997, als der Usability-Forscher
Jakob Nielsen seine vielzitierte Studie mit dem Titel Wie
User im Web lesen veröffentlichte, ist bekannt, dass
das Lesen einer definierten Textmenge am Monitor (im Vergleich
zum Papier) 25 Prozent mehr Zeit verbraucht. Ausgedehnte Lese-Intervalle
dürften am Monitor vermutlich eher die Ausnahme sein;
allenfalls bei hohem persönlichen Ausgangsinteresse sind
Webnutzer bereit, auch längere Textangebote gleich am
Bildschirm zu rezipieren.
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Stefan Heijnk arbeitet
als Journalist, Medienberater und Texttrainer. Außerdem
ist der Autor des Buches Texten
fürs Web Geschäftsführer des
Medienkontors
Heijnk. (Foto: privat) |
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Im Normalfall werden längere Texte jedoch ausgedruckt
und offline gelesen. Eigene Studien zur Relation von Textlänge
und Ausdruckverhalten gibt es zwar nicht, interne Logfile-Daten
liefern aber zumindest Indizien für sinnvolle Maximallängen.
In einem großen deutschen Online- Nachrichtenangebot
beispielsweise werden Texte ab einer Länge von mehr
als 5000 Zeichen standardmäßig mittig geteilt
und auf zwei HTML-Seiten gestellt, also als Doppelpack
publiziert.
Die internen Auswertungen zeigen: Die Abbrecherquote am Ende
der ersten Seite liegt durchschnittlich bei 75 Prozent.
Weniger ist also auch hier mehr: Als Daumenregel im Webpublishing
gilt, nie mehr als 3500 Zeichen auf eine HTML-Seite zu stellen
– etwa so viel wie auf eine Zeitschriftenseite passt.
Damit bei den Doppelpack-Texten trotz des frühzeitigen
Online-Lektüreabbruchs wenigstens noch eine zweite PageImpression
einkassiert werden kann, ist eine Druckversion des Gesamttextes
ein Muss.
Multimedia für Printtexte
Von originärem Online-Journalismus kann erst dann gesprochen
werden, wenn die publizierten Inhalte in anderen Mediengattungen
nicht reproduziert werden können. Multimedia-Komponenten
sind deshalb ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, Printtexte
mediengerecht fürs Web aufzubereiten. Wichtig ist hier
das Stichwort "technische Zielgruppenorientierung".
Das heißt: Multimedia-Publikation setzt die Kenntnis
der technischen Ausstattung auf Seiten der Nutzer voraus.
Mit Hilfe von Logfile-Daten lässt sich ohne weiteres
herausfinden, in welcher Häufigkeit die zum Abspielen
von Multimedia erforderlichen Zusatzprogramme ("Plug-Ins")
auf den Rechnern der eigenen Zielgruppe installiert sind.
Und wem in seiner Redaktion keine redaktionellen Ressourcen
für die Multimedia-Produktion zur Verfügung stehen,
kann sich wiederum der Hyperlinks bedienen: Wohl zu jedem
Thema lässt sich im Web ein passendes Video oder Audio-Dokument,
eine passende Grafimation oder 3D-Komponente finden.
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Der Beitrag ist zuerst erschienen in der Medienzeitschrift
journalist
(Ausgabe 8/2003).
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