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Print-Texte werden gern unverändert ins Internet
gestellt. Die Vorzüge des Onlinemediums bleiben dabei
aber ungenutzt. Wer es richtig machen will, muss wissen, worin
sich Zeitungs- und Webtext unterscheiden.
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| So sehr sich das
Lesen am Bildschirm vom Studieren der Zeitung unterscheiden
mag, die Texte müssen doch eines gemeinsam
haben: Um gelesen zu werden, sollten sie nicht langweilig
sein. (Foto: Mischel) |
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Erst kürzlich ist in einer Studie
der Universität Trier über die E-Paper-Ausgabe
der Rhein-Zeitung wieder sehr schön herausgearbeitet
worden, worin sich Zeitung und Website am augenscheinlichsten
unterscheiden. Hans-Jürgen Bucher und sein Forschungsteam
befragten 460 Abonnenten der E-Paper-Ausgabe über die
Vor- und Nachteile der 1 zu 1 ins Netz gestellten Tageszeitung
und schauten außerdem 24 Testpersonen beim Manövrieren
in der elektronischen Zeitung über die Schulter.
Das wichtigste Ergebnis: Die Nutzer beklagten die kleine
Sichtfläche am Bildschirm und vor allem das Fehlen der
Hyperlinks. Im Kommunikationskontext "Computer",
wo normaler Weise eine engmaschige Vernetzung üblich
ist, stand die elektronische Kopie ohne einen einzigen Hyperlink
völlig isoliert im Raum. Buchers Fazit: "Der deutliche
Wunsch nach mehr Interaktivität zeigt, dass reine PDF-Lösungen
kaum auf Akzeptanz stoßen dürften."
Kontext schafft Mehrwert
Der ausdrückliche Wunsch nach Internetverweisen ist
sicher kaum überraschend. Wer regelmäßig auf
Websites unterwegs ist, wird wissen, dass die Hypertext-Dimension
des Internet ein Vorzug ist, den ein Druckmedium nie wird
anbieten können: Jede beliebige Zusatzinformation zu
einem Artikel kann auf simplen Knopfdruck im Volltext ins
Blickfeld gerufen werden. Entsprechend gilt für die onlineredaktionelle
Arbeit: Vernetzen ist Pflicht. Wer einen ursprünglich
für die Zeitung geschriebenen Text im Internet nicht
durch Hyperlinks ergänzt, begeht einen Kardinalfehler.
Wenn die redaktionellen Ressourcen es nicht erlauben, jeden
Text mit Hyperlinks aufzuwerten, dann sollten eben nur ausgewählte
Print-Artikel ins Web transferiert werden.
Auf der anderen Seite macht wildes, ungerichtetes Verlinken
natürlich auch keinen Sinn. 100.000 zusätzliche
Links sind für die Nutzer kein gigantischer Mehrwert,
sondern bescheren gigantischen Selektionsaufwand – nicht
ohne Grund werden bei Suchanfragen an Google und Co. in der
Regel nur die ersten zwanzig Treffer beachtet. Weniger ist
also mehr. Ziel beim Verlinken muss es sein, die Tiefendimension
des Webs nutzerorientiert zu erschließen und die angebotenen
Links mit Blick auf das jeweilige Thema sorgfältig auszuwählen.
Wer das schafft, geht mit dem Geld und der Zeit der User verantwortlich
um und schafft die Grundlage für eine tragfähige
Nutzer-Website-Bindung.
Gezielt Neugier wecken
Auch die in der E-Paper-Studie angesprochene, begrenzte Sichtfläche
hat für das Einstellen von Print-Texten ins Web eine
gern unterschätzte Konsequenz. Weil die Monitore vergleichsweise
klein bemessen sind, können auf den Startseiten meist
nur die Teaser untergebracht werden, also Vorspann samt Schlagzeile,
manchmal garniert mit Bild und Bildunterzeile. Für vollständige
Artikel ist dort kein Platz. Anders als in der Zeitung zerfallen
ins Web gestellte Printtexte also in ihre Einzelteile. Schlagzeile
und Vorspann stehen auf der Startseite, während der Fließtext
erst auf einer zweiten Seite seinen Platz findet.
Für die Internetnutzer wird der Weg vom Vorspann in
den Fließtext damit deutlich länger. Um den vollständigen
Text lesen zu können, müssen sie zuerst mit der
Maus einen Link ansteuern, den Link anklicken, die Ladezeit
für die neue HTML-Seite abwarten und erst dann können
sie in die Lektüre einsteigen. Zeitaufwand: um die zwei
Sekunden, je nach Internetverbindung. Zeitungsleser haben
es da deutlich komfortabler: Sie schwenken auf den großformatigen
Papierseiten einfach den Blick in Richtung Fließtext.
Zeitaufwand: zwei bis drei Millisekunden.
Die Gefahr, dass ein Nutzer erst gar nicht ins Lesen des
Volltextes einsteigt, ist im Web also deutlich größer
als in Print. Für die Online-Redaktion heißt das
zwingend: Auf der Startseite muss größtmögliche
Neugier geweckt werden. Mit klassischen Nachrichtenvorspännen
allein lässt sich das nicht schaffen, denn wer seine
sieben W-Antworten schon auf der Startseite verpulvert, muss
sich fragen lassen, warum ein Nutzer dann noch den Fließtext
lesen soll.
Entsprechend sind im Web sprachliche Tricks und Kniffe notwendig,
um die Site-Besucher zum Lesen zu bringen. Eine der wichtigsten
Empfehlungen lautet hier: Formulieren Sie Cliffhanger-Vorspänne
und lassen Sie gezielt eine W-Frage offen. Nichts reizt die
Neugier stärker als eine offene Frage.
Beispiel: Bei einem Zugunglück sind gestern drei
Menschen schwer verletzt worden. Glück im Unglück
hatte dabei ein 12jähriger Junge.
Allerdings gibt es auch beim Einsatz von Cliffhangern eine
Kehrseite der Medaille: Sie nutzen sich ab. Wer ausnahmslos
auf Cliffhanger setzt, wird seine Leser auf Dauer eher nerven.
Nachrichtliche Vorspänne sind also auch im Web keinesfalls
aus der Mode. Es kommt auf die richtige Mischung aus News-Leads
und Cliffhangern an.
» weiter
in Teil 2:
die optimale Länge,
Multimedia für Printtexte
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