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WIKIS 26.07.2004
Gruppenarbeit im digitalen Raum
Von Email an die AutorenAnnette Paulus und Email an die AutorenCarolin Schmidt | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Gemeinsames Arbeiten über räumliche und zeitliche Grenzen hinaus – dies ist einer der Grundgedanken des Internet. Mehr als in anderen Communitiy-Formaten ist das im Wiki realisiert. Tausende Bleistifte schreiben am Wissen der Welt mit. Und täglich werden es mehr.

Wissen sammeln, notieren und übers Internet publizieren – in Wiki und Weblog kann jeder Bleistift mitschreiben. (Foto: Paulus/Schmidt)

"Schnellschreiber"

Wiki Wiki kommt aus dem hawaiianischen und bedeutet soviel wie "schnell". Wissen von jedem für jeden, so kann man das Prinzip der Wiki-Gemeinde bezeichnen. Durch einfache Technik und freie Zugänglichkeit hat jeder User die Möglichkeit, seinen Beitrag zum globalen Wissen zu leisten.

Wer einen Streifzug durch die Wiki-Welt machen möchte, hat auf usemod.com die Chance eine virtuelle Bustour zu unternehmen. Diese führt auf verschiedenen Linien zum Beispiel durch die deutschsprachige Wiki-Gemeinde. Vorbei an der größten freien Enzyklopädie Wikipedia oder zum Open-Source-Team des LinuxWiki. An den Zwischenstopps besteht die Gelegenheit in andere Linien umzusteigen. So zum Beispiel zum englischsprachigen WardsWiki.

Ward Cunninghams Wiki ist "the Wikicentral". Der Softwareentwickler aus Portland /Oregon befasste sich seit längerer Zeit mit Standardverfahren zur Lösung wiederkehrender Probleme. Im März 1995 installierte Cunningham eine neue Datenbank für solche Verfahren. Er nannte sie das WikiWikiWeb. Grundgedanke war es, mit Entwicklern aus aller Welt zusammen zu arbeiten, um Lösungsmuster sammeln und verfeinern zu können. Jedem Kollegen war es nun möglich, eigene Texte beizusteuern und diese ebenso wie die Texte anderer Autoren mit Hilfe von Formularen ganz ohne HTML-Kenntnisse zu beareiten. Die somit entstandene Groupware gilt als der Geburtsort des Wiki-Systems. Aus Cunninghams Idee entwickelten sich vielfältige Projekte und Wiki-Communities.

"Buntstifte"

Eines der bekanntesten Wikis ist Wikipedia.org. Mit täglich wachsenden Besucher- und Mitgliederzahlen die größte Wiki-Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum. Erst im Mai 2001 gestartet, verzeichnet de.wikipedia bereits über 105185 Artikel. In nur drei Jahren etablierte sich die Gemeinschaft zur bisher größten freien Enzyklopädie.

Auch am sogenannten Wiktionary kann mitgeschrieben werden. In diesem gemeinschaftlichen Wikimedia-Projekt wird ein komplettes mehrsprachiges Wörterbuch erstellt. Die deutsche Version ist seit 01. Mai 2004 online.

Auch fachspezifische Portale haben sich bereits etabliert. Im JuraWiki können sich Juristen und Nichtjuristen über rechtliche Themen austauschen. Die freie Kommunikations- und Kooperationsplattform präsentieren neben Begriffsklärungen auch Gesetzestexte oder Rechtssprechungen. Ebenso benutzerfreundlich wie JuraWiki ist auch das LinuxWiki. Dieses beschäftigt sich mit Linux, freier Software und ähnlichen Themen. LinuxWiki zählt zu den am schnellsten wachsenden Online-Communities in Deutschland. Der Keris-Wiki-Park ist hingegen noch eine kleine Gemeinschaft. Das Portal für internetbasierte Gruppenarbeit hat unter anderem zum Ziel, "lernen mit Wikis" für Schüler, Studenten, Azubis als offene Plattform anzubieten.

"Ein digitaler Schreibtisch für alle"

 INFO:

"Zuzuschauen, wie tausend Benutzer an einem Projekt zur Dokumentation des Wissens der Menschheit mitarbeiten, ..., das ist einfach ein wunderbares Gefühl."
Ein Interview mit Kurt Jansson, Pressekontakt der Wikipedia Deutschland.

" Wiki ist ein Werkzeug im Internet, dass mehr als alle anderen auf Zusammenarbeit setzt und diese auch fördert." Ein Interview mit Ralf Zosel, Gründer des JuraWikis.
Interview

Weitere Stimmen aus der Community zu Wikis und Weblogs auf Jurawiki
WikiInterview

Pressestimmen zum Thema auf Wikipedia.

Die einfache Technik ermöglicht allen Wiki-Begeisterten schnellen Zutritt. Wie auch bei Weblogs basiert die Technologie der Wikis auf einem Content Management System (CMS). Wikis jedoch können nicht nur gelesen, sondern auch jederzeit online geändert werden. Damit sind sie so etwas wie "offene" CMS. Nur selten sind die Benutzerrechte eingeschränkt.

Ward Cunningham entwickelte eine vereinfachte Syntax, die von der Wiki-Software in HTML umgewandelt wird. Der User benötigt keine HTML-Kenntnisse. Auch bereits vorhandene Beiträge können leicht verändert oder verbessert werden, indem man sie direkt im Browser bearbeitet. Eine spezielle Software ist hierfür nicht erforderlich.

Um eine Transparenz der jeweiligen Änderungen zu gewährleisten, verfügt die Wiki-Software über Rückwärtsverlinkung und "Versionskontrolle". Diese Technik wurde bereits in den 60er Jahren von Ted Nelson entwickelt. Es ist somit möglich, alle Textänderungen nachzuvollziehen.

Wiki-Starter können sich bei WikiWikiWeb ein eigenes Wiki einrichten lassen. Bei bereits bestehenden Wiki-Communities muss der User bestimmte Spielregeln beachten. Zum Beispiel auch für Textformatierungen wie Überschriften, Hervorhebungen und Verlinkungen.

Bei JuraWiki.org beispielsweise kann ein Wort folgendermaßen formatiert werden: '''fett''' oder ''kursiv''. Eine URL in eckigen Klammern verlinkt auf die entsprechende externe Internetseite. Bei internen Verlinkungen müssen "ZusammenGeschriebeneGroßeWorte“ wie z.B. WebLog verwendet werden. Um den Usern die Mitarbeit zu erleichtern, bietet jede Wiki-Gemeinschaft entsprechende Hilfe-Seiten.

Auch Wikis sind kein rechtsfreier Raum

Jeder Benutzer ist für die von ihm erstellten Beiträge in vollem Umfang selbst verantwortlich. Werden Urheberrecht oder andere geltende Gesetze verletzt, wird die entsprechende Seite normalerweise von den Administratoren gelöscht. Auch der Betreiber eines Wikis kann rechtlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er auf rechtswidrige Inhalte nicht reagiert. Er ist der einzige, der auf den Betrieb des Wiki Einfluss nehmen kann, zum Beispiel durch Kündigung der Domain.

Wikis finanzieren sich zur Zeit vorwiegend aus Spenden. Ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Systempflege. Dem Benutzer entstehen keine Kosten. Wie auch in anderen Fragen wird in punkto Finanzierung gemeinsam entschieden. Der Grundsatz der Wiki-Gemeinde ist es, freies Wissen ohne Kommerz zu publizieren.

Wissen sammeln, notieren und übers Internet publizieren – in Wiki und Weblog kann jeder Bleistift mitschreiben. Weblogger schreiben an einem eher individuellen Notizblock. Die Notizzettel im Wiki hingegen werden kollaborativ ergänzt und erweitert. Was beide Gemeinschaften brauchen sind aktive Schreiber. Eins, zwei, drei ... Bleistifte für das globale Wissen.

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