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Gemeinsames Arbeiten über räumliche und zeitliche
Grenzen hinaus – dies ist einer der Grundgedanken des
Internet. Mehr als in anderen Communitiy-Formaten ist das
im Wiki realisiert. Tausende Bleistifte schreiben am Wissen
der Welt mit. Und täglich werden es mehr.
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| Wissen sammeln, notieren
und übers Internet publizieren – in Wiki
und Weblog kann jeder Bleistift mitschreiben. (Foto:
Paulus/Schmidt) |
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"Schnellschreiber"
Wiki Wiki kommt aus dem hawaiianischen und bedeutet soviel
wie "schnell". Wissen von jedem für jeden,
so kann man das Prinzip der Wiki-Gemeinde bezeichnen. Durch
einfache Technik und freie Zugänglichkeit hat jeder User
die Möglichkeit, seinen Beitrag zum globalen Wissen zu
leisten.
Wer einen Streifzug durch die Wiki-Welt machen möchte,
hat auf usemod.com
die Chance eine virtuelle Bustour zu unternehmen. Diese führt
auf verschiedenen Linien zum Beispiel durch die deutschsprachige
Wiki-Gemeinde. Vorbei an der größten freien Enzyklopädie
Wikipedia
oder zum Open-Source-Team des LinuxWiki.
An den Zwischenstopps besteht die Gelegenheit in andere Linien
umzusteigen. So zum Beispiel zum englischsprachigen WardsWiki.
Ward Cunninghams Wiki ist "the Wikicentral". Der
Softwareentwickler aus Portland /Oregon befasste sich seit
längerer Zeit mit Standardverfahren zur Lösung wiederkehrender
Probleme. Im März 1995 installierte Cunningham eine neue
Datenbank für solche Verfahren. Er nannte sie das WikiWikiWeb.
Grundgedanke war es, mit Entwicklern aus aller Welt zusammen
zu arbeiten, um Lösungsmuster sammeln und verfeinern
zu können. Jedem Kollegen war es nun möglich, eigene
Texte beizusteuern und diese ebenso wie die Texte anderer
Autoren mit Hilfe von Formularen ganz ohne HTML-Kenntnisse
zu beareiten. Die somit entstandene Groupware gilt als der
Geburtsort des Wiki-Systems. Aus Cunninghams Idee entwickelten
sich vielfältige Projekte und Wiki-Communities.
"Buntstifte"
Eines der bekanntesten Wikis ist Wikipedia.org. Mit täglich
wachsenden Besucher- und Mitgliederzahlen die größte
Wiki-Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum. Erst im Mai 2001
gestartet, verzeichnet de.wikipedia
bereits über 105185 Artikel. In nur drei Jahren etablierte
sich die Gemeinschaft zur bisher größten freien
Enzyklopädie.
Auch am sogenannten Wiktionary kann mitgeschrieben werden.
In diesem gemeinschaftlichen Wikimedia-Projekt wird ein komplettes
mehrsprachiges Wörterbuch erstellt. Die deutsche Version
ist seit 01. Mai 2004 online.
Auch fachspezifische Portale haben sich bereits etabliert.
Im JuraWiki
können sich Juristen und Nichtjuristen über rechtliche
Themen austauschen. Die freie Kommunikations- und Kooperationsplattform
präsentieren neben Begriffsklärungen auch Gesetzestexte
oder Rechtssprechungen. Ebenso benutzerfreundlich wie JuraWiki
ist auch das LinuxWiki.
Dieses beschäftigt sich mit Linux, freier Software und
ähnlichen Themen. LinuxWiki zählt zu den am schnellsten
wachsenden Online-Communities in Deutschland. Der Keris-Wiki-Park
ist hingegen noch eine kleine Gemeinschaft. Das Portal für
internetbasierte Gruppenarbeit hat unter anderem zum Ziel,
"lernen mit Wikis" für Schüler, Studenten,
Azubis als offene Plattform anzubieten.
"Ein digitaler Schreibtisch für alle"
Die einfache Technik ermöglicht allen Wiki-Begeisterten
schnellen Zutritt. Wie auch bei Weblogs basiert die Technologie
der Wikis auf einem Content Management System (CMS). Wikis
jedoch können nicht nur gelesen, sondern auch jederzeit
online geändert werden. Damit sind sie so etwas wie "offene"
CMS. Nur selten sind die Benutzerrechte eingeschränkt.
Ward Cunningham entwickelte eine vereinfachte Syntax, die
von der Wiki-Software in HTML umgewandelt wird. Der User benötigt
keine HTML-Kenntnisse. Auch bereits vorhandene Beiträge
können leicht verändert oder verbessert werden,
indem man sie direkt im Browser bearbeitet. Eine spezielle
Software ist hierfür nicht erforderlich.
Um eine Transparenz der jeweiligen Änderungen zu gewährleisten,
verfügt die Wiki-Software über Rückwärtsverlinkung
und "Versionskontrolle". Diese Technik wurde bereits
in den 60er Jahren von Ted Nelson entwickelt. Es ist somit
möglich, alle Textänderungen nachzuvollziehen.
Wiki-Starter können sich bei WikiWikiWeb ein eigenes
Wiki einrichten lassen. Bei bereits bestehenden Wiki-Communities
muss der User bestimmte Spielregeln beachten. Zum Beispiel
auch für Textformatierungen wie Überschriften, Hervorhebungen
und Verlinkungen.
Bei JuraWiki.org beispielsweise kann ein Wort folgendermaßen
formatiert werden: '''fett''' oder ''kursiv''. Eine URL in
eckigen Klammern verlinkt auf die entsprechende externe Internetseite.
Bei internen Verlinkungen müssen "ZusammenGeschriebeneGroßeWorte“
wie z.B. WebLog verwendet werden. Um den Usern die Mitarbeit
zu erleichtern, bietet jede Wiki-Gemeinschaft entsprechende
Hilfe-Seiten.
Auch Wikis sind kein rechtsfreier Raum
Jeder Benutzer ist für die von ihm erstellten Beiträge
in vollem Umfang selbst verantwortlich. Werden Urheberrecht
oder andere geltende Gesetze verletzt, wird die entsprechende
Seite normalerweise von den Administratoren gelöscht.
Auch der Betreiber eines Wikis kann rechtlich zur Verantwortung
gezogen werden, wenn er auf rechtswidrige Inhalte nicht reagiert.
Er ist der einzige, der auf den Betrieb des Wiki Einfluss
nehmen kann, zum Beispiel durch Kündigung der Domain.
Wikis finanzieren sich zur Zeit vorwiegend aus Spenden. Ehrenamtliche
Mitarbeiter kümmern sich um die Systempflege. Dem Benutzer
entstehen keine Kosten. Wie auch in anderen Fragen wird in
punkto Finanzierung gemeinsam entschieden. Der Grundsatz der
Wiki-Gemeinde ist es, freies Wissen ohne Kommerz zu publizieren.
Wissen sammeln, notieren und übers Internet publizieren
– in Wiki und Weblog kann jeder Bleistift mitschreiben.
Weblogger schreiben an einem eher individuellen Notizblock.
Die Notizzettel im Wiki hingegen werden kollaborativ ergänzt
und erweitert. Was beide Gemeinschaften brauchen sind aktive
Schreiber. Eins, zwei, drei ... Bleistifte für das globale
Wissen.
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