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zu Teil 1
Stärken der Weblogs sahen die Blogger selbst im leichten
Zugang zum Autor (95%), dessen persönlicher Perspektive
(90%), dem vielfältigen (65%) und intensiven (70%) Meinungsaustausch,
der aktuellen Kommentierung des Tagesgeschehens (51%), der
Unterhaltsamkeit (53%) und der Aktualität (52%). Dagegen
wurde dem traditionellen Journalismus zugute gehalten, Themen
tiefer zu behandeln (57%) und neutraler zu berichten (65%).
In Bezug auf die Relevanz (53%), Richtigkeit (54%) und Vielfalt
(50%) der Informationen sowie beim Service (56%) sah jeweils
mehr als die Hälfte der Befragten keine gravierenden
Unterschiede.
Ganz ähnlich fiel der Vergleich der Peer-to-Peer-Anbieter
mit dem herkömmlichen Journalismus aus. So betrachteten
auch sie die Zugänglichkeit (100%) und den persönlichen
Stil der Autoren (64%) sowie die Meinungsvielfalt (71%) und
die Intensität der Diskussionen (100%) als eigene Vorzüge.
P2P-Anbieter (57%) und Blogger (60%) hielten mehrheitlich
die Behauptung für falsch, dass traditioneller Journalismus
meist glaubwürdiger ist als Angebote ihrer Gattung.
Anbietermotive, Zielgruppen und Themen
Weshalb betreiben die Befragten ihr Angebot? Blogger wollten
in erster Linie ihre eigene Meinung verbreiten (75%) und
unterhalten (64%). Rund die Hälfte wollte auch über
wichtige Themen informieren (53%) und mit anderen Leuten
diskutieren (50%). Hier zeigte sich ebenfalls eine starke
journalistische Orientierung.
Peer-to-Peer-Anbieter stellen eine Plattform bereit, auf
der sich Nutzer betätigen können. Welche Beteiligungsmöglichkeiten
haben Nutzer? Am häufigsten sollten sie sich gegenseitig
helfen (86%) und über wichtige Themen informieren (71%).
Meinungskundgabe (57%) und -austausch (64%), das Kennenlernen
(57%) und die Unterhaltung (50%) waren vergleichsweise nachrangig.
Welche Themen werden in den Weblogs behandelt? Bei dieser
Frage konnten mehrere Schwerpunkte angekreuzt werden. Rund
zwei Drittel der Blogger konzentrierten sich auf Internet-
und Computerthemen (66%). Ebenfalls mehr als die Hälfte
(59%) hatte einen kulturellen Schwerpunkt; meist ging es
hier um Medien (26%), Kunst (23%) und Musik (16%). Zwei andere
journalistische Sparten, Politik (26%) und Wirtschaft (13%),
waren dagegen eher selten vertreten.
Welche Zielgruppen haben die Blogger im Visier? An alle
Internetnutzer, also an ein breites Publikum, richtete sich
rund ein Drittel von ihnen (34%). Nutzer, welche die speziellen
Interessen des Bloggers teilen, wollten dagegen mehr als
die Hälfte der Befragten erreichen (58%). An den eigenen
Bekanntenkreis wandten sich lediglich 9%. Weblogs mit relativ
hoher Reichweite (mehr als 2000 Visits im April 2003) nannten
oft alle Nutzer als Zielgruppe (40%).
Welchen Charakter haben die Beiträge? Im Wesentlichen
enthielten die Weblogs selbst geschriebene Beiträge,
die sich auf andere Beiträge im Internet bezogen (42%)
oder aber ohne solche Bezüge waren (49%). Nur ein relativ
kleiner Teil begnügte sich mit Zusammenfassungen fremder
Beiträge (9%).
Auch Portale verfügten über journalistische Inhalte:
Fast zwei Drittel (64%) boten aktuelle Nachrichten an. Allerdings
wurden diese meistens zugeliefert (46%). Auch die Börsennachrichten
und der Wetterdienst stammten überwiegend aus einer
fremden Quelle. Da Portale also vor allem Inhalte zweitverwerten,
sind sie unter journalistischen Gesichtspunkten von geringer
Bedeutung.
Finanzierung: P2P-Anbieter wollen Geld verdienen
Nur ein Zehntel der Blogger hatte den Vorsatz, Geld zu verdienen
(10%). Sie finanzierten ihre Weblogs fast ausschließlich
aus der eigenen Tasche (90%). Im Unterschied zu den fast
kostenfreien Weblogs fallen für die Betreiber einer
P2P-Plattform erhebliche Kosten an. Deshalb überrascht
es nicht, dass zwei Fünftel (43%) der P2P-Anbieter Geld
verdienen wollten. Bei den Erlösquellen von P2P-Angeboten
sowie von Portalen hatten, der oft kommerziellen Zielsetzung
entsprechend, Werbung (64% bzw. 79%) und E-Commerce-Kooperationen
(50% bzw. 53%) eine große Bedeutung. Knapp ein Drittel
(32%) der Portale erhob außerdem Nutzergebühren,
und zwar vor allem für SMS-Versand, Handylogos, E-Mails
und Telefonate.
Interne und externe Qualitätssicherung
Journalismus ist nicht nur durch die Behandlung öffentlich
relevanter Themen gekennzeichnet, sondern auch durch die
Einhaltung journalistischer Normen. Diese Aufgabe übernehmen
in den Massenmedien die Redaktionen, die bereits vor der
Veröffentlichung Informationen und Meinungen prüfen.
Bei Weblogs und P2P-Angeboten – das ist ein wesentlicher
Unterschied – geschieht diese Prüfung erst nach der
Veröffentlichung. Das heißt: Alles, was auf den
Seiten zu lesen ist, gilt als vorläufig und unfertig.
Es steht unter dem Vorbehalt einer genaueren Prüfung
durch die Nutzer und andere Anbieter.
Wie sind die Nutzer an P2P-Angeboten beteiligt? Sie konnten
durchgängig Beiträge lesen und schreiben. Meistens
konnten sie darüber hinaus Beiträge kommentieren
(79%). Auch die Bewertung fremder Beiträge war verbreitet
(64%), nicht jedoch die Möglichkeit, diese zu löschen
(14%). Das heißt: Die Nutzer konnten nicht als "Gatekeeper" selektieren,
aber durch Kommentare und standardisierte Bewertungen fremde
Beiträge öffentlich beurteilen und so anderen Nutzern
Hinweise auf die Qualität geben. Beispiele für
solche partizipativen Websites sind die "Open source"-Community slashdot.org und
die Nachrichtensite shortnews.de.
Zwölf der 14 befragten P2P-Anbieter (86%) verfügten
zusätzlich über eine Redaktion. Verbreitet ist
also ein Mischsystem aus redaktioneller und partizipativer
Qualitätssicherung. Sechs Redaktionen konnten über
die Veröffentlichung von Beiträgen entscheiden,
fünf überarbeiteten eingereichte Beiträge
vor der Publikation. Alle nahmen sich das Recht heraus, unpassende
Beiträge zu löschen.
Während bei P2P-Angeboten die Qualität intern
durch die Beteiligung der Nutzer gesichert werden soll, geschieht
dies bei Weblogs – neben der Nutzerbeteiligung – auch
durch Stellungnahmen anderer Blogger, deren Angebote untereinander
eng vernetzt sind: 86% der untersuchten Weblogs waren mit
anderen Weblogs verlinkt. Blogger reagierten im eigenen Angebot
auf Beiträge in fremden Weblogs (68%) und schrieben
auch für diese (75%). Aber auch auf die Nutzerbeiträge
im eigenen Weblog gingen sie ein (74%). Blogger besaßen
zu fast zwei Fünfteln (38%) journalistische Berufserfahrungen.
Das heißt: Sie kannten die beruflichen Standards.
Mehr als zwei Drittel der Blogger (68%) waren bereits im
Computerbereich beruflich tätig. Anbieter mit hoher
Reichweite besaßen relativ oft Erfahrungen im Journalismus
(44%) oder im Computerbereich (80%). Ihre Kompetenz spiegelt
sich also im Reichweitenerfolg.
Partizipatorischer Journalismus und Individualjournalismus
Ein überraschend hoher Anteil der P2P-Anbieter und
Blogger interpretiert die eigene Rolle als journalistisch.
Nicht nur Subjektivität und Kommentierung bezeichnen
die Befragten als eigene Stärken, sondern sie erbringen
nach ihrer Auffassung auch in einigen Aspekten gleiche oder
bessere Informationsleistungen als der traditionelle Journalismus.
Die explorative Studie erbrachte auch eine Reihe von Hinweisen
darauf, dass Weblogs und P2P-Angebote sich strukturell deutlich
vom traditionellen Journalismus unterscheiden. Sie repräsentieren
zwei neue Berichterstattungsmuster im Online-Journalismus,
die man als "Individualjournalismus" und "partizipatorischer
Journalismus" bezeichnen könnte.
Künftig zu untersuchen wäre vor allem die Effizienz
der in die Öffentlichkeit verlagerten Qualitätsprüfung – gemessen
an den klassischen journalistischen Normen.
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