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Wie berichten Weblogs im Gegensatz zu klassischen Medien?
Welche Ziele verfolgen Peer-to-Peer-Plattformen wie Slashdot?
Betreiben Portale Journalismus? Eine Befragung untersuchte
Arbeitsweisen und Selbstverständnis bei diesen neuen
Informationsanbietern im Netz.
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| Rund zwei Drittel
der Blogger konzentrieren sich auf Internet- und
Computerthemen. Ebenfalls mehr als die Hälfte
hat einen kulturellen Schwerpunkt; meist geht
es hier
um Medien. (Collage: Mischel) |
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Ist vom Journalismus im Internet die Rede, so sind meistens
die Websites von Presse und Rundfunk gemeint. Dass daneben
Angebotstypen im Internet entstanden
sind, die ebenfalls aktuelle Informationen
und Meinungen sammeln,
prüfen und verbreiten, auch wenn sie andere Strukturen
als der traditionelle Journalismus besitzen, hat bisher
noch wenig Beachtung gefunden.
Die Massenmedien übertragen im Wesentlichen den traditionellen
Journalismus ins Internet:
- Die Seiten werden von Redaktionen produziert,
in denen Berufsjournalisten tätig
sind.
- Ein Großteil der Inhalte wird vom Muttermedium übernommen,
also wiederverwertet.
- Die Mediensites wenden sich an ein großes
Publikum.
- Die Kommunikation verläuft überwiegend
einseitig, unter Verzicht auf die interaktiven
Möglichkeiten des Internets.
Diese Merkmale ließen sich
in Untersuchungen über
den Online-Journalismus feststellen. Sind journalistische
Angebote denkbar, die ohne Redaktion auskommen und nur von
einer oder wenigen Personen betrieben
werden? Können auch Nutzer gemeinschaftlich journalistische
Aufgaben bewältigen? Kurzum: Gibt es funktionale Äquivalente für
den traditionellen, das heißt: redaktionell
und beruflich organisierten Journalismus im Internet?
Dieser Frage sind Studierende an der Universität
Münster in einem Projektseminar
nachgegangen. Sie analysierten Weblogs, Peer-to-Peer-Angebote
und Portale und befragten deren Betreiber. Ausgangspunkt
der Pionierstudie war eine Analyse von Metatexten. Das
sind Texte im Internet, in denen diese Angebotstypen diskutiert
und definiert werden. Auf diese Weise ließ sich
klären, wie die Typen in der Praxis verstanden
werden:
- Weblogs liegen in der Verantwortung einer Person oder
einer kleinen Gruppe. Entsprechend einem Tagebuch wird
das Angebot
regelmäßig durch neue Informationen aktualisiert
(mindestens einmal wöchentlich), ohne dass größere
Unterbrechungen vorliegen. Die Erhebung beschränkte
sich auf thematische Weblogs, die – eher als rein persönliche
Weblogs – journalistische Anforderungen erfüllen.
- Angebote, die nach dem Prinzip "Peer-to-Peer"
(P2P) organisiert sind, dienen dem Informationsaustausch
zwischen
Nutzern, die sowohl Kommunikator als auch Rezipient sein
können. Für die Studie ausgewählt wurden
nur solche Angebote, bei denen dies die zentrale Funktion
war. Außerdem mussten sie einem unbegrenzten Teilnehmerkreis
offen stehen und über Strukturen zur Qualitätssicherung
verfügen. Thematisch mussten sie mindestens eine journalistische
Sparte abdecken.
- Portale bündeln Such-, Kommunikations-
und Informationsfunktion, und sie bieten Personalisierungsmöglichkeiten.
In der vorliegenden Studie mussten sie über
ein thematisch breites Angebot verfügen (nämlich
mindestens fünf
Themengebiete abdecken).
Im Fall der Weblogs beschränkte
sich die Suche nach relevanten Angeboten auf
die Auswertung des umfangreichsten Linkverzeichnisses für
deutschsprachige Weblogs. Angesichts der Vielzahl der
Weblogs und der mangelnden Transparenz des Gesamtangebots
wurde nicht der Versuch unternommen, die Grundgesamtheit
vollständig
zu erfassen.
Bei den anderen Typen ist die Zahl der
Angebote geringer. Peer-to-Peer-Angebote und Portale
wurden mit Hilfe von Linkverzeichnissen und
Suchmaschinen recherchiert, wobei auch hier kein Anspruch
auf Vollständigkeit erhoben wird. Die Untersuchung
beschränkte sich auf deutschsprachige Angebote. Die Online-Befragung besaß einen explorativen Charakter.
Sie sollte erste Hinweise auf Besonderheiten der Angebotstypen
geben, ohne schon verallgemeinerbare Ergebnisse liefern
zu können. Die Forschungsfragen lauteten: Wie klar
sind die Angebotstypen definiert? Besitzen sie journalistische
Merkmale? Und wie beurteilen die Anbieter ihr Verhältnis
zum Journalismus?
Durchgeführt wurde die Befragung
im Juni und Juli 2003. In der Auswertung konnten 17
auswertbare Fragebögen von P2P-Anbietern (43
wurden ermittelt und angeschrieben), 22 von Portalanbietern
(57) sowie 137 von Weblogs berücksichtigt
werden. Da die Internetadresse für den Fragebogen
weitergereicht wurde, nahmen mehr Blogger an der
Umfrage teil, als angeschrieben wurden
(89). Über die Themenvariable ließen
sich jedoch Fragebögen solcher Weblogs aussieben,
die ausschließlich Persönlichem gewidmet
waren.
Konsens über Angebotstypen und Vorbilder
Werden die Angebote übereinstimmend bezeichnet? Die
Bezeichnungen "Weblog" und "Portal" haben
sich offenbar bereits durchsetzen können:
Die meisten Befragten gaben an, dass dies die zutreffende
Bezeichnung für ihr Angebot sei (90% bzw. 76%). Deutlich
geringer war die Zustimmung für
den Ausdruck "Peer-to-Peer-Angebot" (12%).
Da dieses Ergebnis absehbar war, wurden
den Anbietern dieses Typs weitere Namen zur Wahl gestellt:
Von 17 Befragten gaben elf an, dass "Community" am
ehesten passe. Nur jeweils zweimal wurden "Forum", "Plattform"
und "Peer-to-Peer-Angebot" genannt.
Die Befragten sollten außerdem beurteilen, ob
die Angebotsbezeichnungen ein- oder mehrdeutig
sind. Die Bezeichnung "Peer-to-Peer-Angebot" wird
am häufigsten (41%) als mehrdeutig qualifiziert. "Portal"
(30%) und "Weblog" (23%) erschienen dagegen
nur wenigen Befragten als mehrdeutig; sie
bezeichnen ein bereits fest institutionalisiertes Medienschema,
an dem sich Anbieter und Nutzer orientieren.
Haben
die Befragten gemeinsame Vorbilder? Dies wäre ein
Hinweis auf einen Konsens über die Definition des
Angebotstyps und die an ihn gerichteten
Qualitätserwartungen. Im Fragebogen
konnten bis zu drei für die eigene Website
vorbildliche Angebote eingetragen werden.
Bei den Weblogs entfielen 21% der insgesamt 332 Nennungen
auf sechs Angebote; ihr Name wurde mindestens
fünfmal genannt. Mit Abstand am häufigsten
wurde das Weblog Schockwellenreiter von Jörg Kantel erwähnt: 30 Blogger bezeichneten
dieses Angebot, in dem es vor allem um Internetthemen
geht, als vorbildlich.
Bei den P2P-Angeboten zeigte
sich dagegen keinerlei Übereinstimmung:
Hier wurden 14 Angebote jeweils nur einmal genannt. Darunter
waren prominente P2P-Sites wie slashdot.org, plastic.com,
thewell.com, shortnews.de und ivillage.com,
aber auch eine Reihe weniger bekannter Angebote. Bei den
Portalen wurden am häufigsten web.de (6
Nennungen) und yahoo.de (3) genannt. Daneben
wurden mehrere Medienangebote eingetragen
(wie spiegel.de, ard.de und n-tv.de),
die ebenfalls zu den Portalen gerechnet wurden.
Blogs, P2P-Sites und traditioneller Journalismus
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| Teilnehmerinnen und Teilnehmer
des von Prof. Dr. Christoph Neuberger geleiteten
Projektseminars "Angebotstypen im World
Wide Web" (Wintersemester 2002/03, Sommersemester
2003) am Institut für Kommunikationswissenschaft
der Universität Münster waren:
Petra Bäumer, Martin Birtel, Silke von
Brockhausen, Sascha Dowidat, Birgit Eiglmeier,
Silja Elfers, Henning Fischer, Katharina
Fliess, Prólet Grigorova, Susanne
Herrmann, Carina Holl, Nicola Keute, Kathrin
Kissau, Sarah Knoop, Timo Koch, Daniel Krause,
Thorsten Krimphove, Jörn Lepper, Maria
Teresa Lopez Lopez, Daniel Meyering, Christian
Nuernbergk, Kristin von Palubitzki, Robert
Pauly, Birgit Peckedrath, Marius Rechenbach,
Myriam Ressel, Nicole Riedel, Melanie Rischke,
Ximena Rodríguez, Elica Savova, Sebastian
Schmalz, Trixi Schornick, Stefan Segadlo,
Tanbir Singh, Julia Sommerhäuser, Karen
Weber. |
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Die meisten Blogger und P2P-Anbieter
sahen eine Nähe
zwischen ihren Angeboten und dem Journalismus:
Das Statement "Angebote des Typs haben
nichts mit dem Journalismus zu tun" wurde von
86% (P2P) und 82% (Weblogs) der Befragten abgelehnt. Auch
die
Anbieter
von Portalen stimmten zu fast zwei Dritteln (63%)
der Aussage zu, dass sie eine "journalistische
Aufgabe" übernehmen. Die
befragten Anbieter haben also ein journalistisches
Rollenverständnis.
Dass sie eine "neue Art" von Journalismus
betreiben, meinten 86% der P2P-Anbieter und fast zwei
Drittel (64%) der Blogger. Dass P2P-Sites (43%) und
Weblogs (29%) den traditionellen Journalismus "teilweise
verdrängen" werden, nahmen hingegen nur
wenige
Befragte an.
In welcher Hinsicht sind die neuen Angebotstypen dem traditionellen
Journalismus überlegen? Die Befragten wurden
gebeten, ihren Angebotstyp mit dem traditionellen
Journalismus zu vergleichen. Dabei ist zu beachten,
dass sie hier "in eigener Sache" urteilten.
Das heißt: Ihr Interesse an positiver
Selbstdarstellung dürfte die Ergebnisse
beeinflusst haben.
weiter in Teil 2 »
Anbietermotive, Zielgruppen,
Themen, Qualitätssicherung...
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