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Ton und Bild im Fernsehen sind "gleichberechtigte Reize,
deren kontrapunktischer Einsatz das Empfinden verhilft. Der
Ton 'verhilft' dem Sehen dazu, intensiver rezipiert zu werden
und umgekehrt." (Bulgakowa
2002, 69; vgl.
Kandorfer 2003, 193ff.) In der aktuellen Berichterstattung
ist das Bewusstsein für eine differenzierte Tongestaltung
allerdings weitgehend verloren gegangen, denn die technische
Entwicklung der Kameras sorgte im Laufe der Zeit für
eine zunehmende Automatisierung der Tonaufnahme (vgl.
Kerstan 2000, 114ff.).
Mikrofone
Da der Ton als "eine der beiden gleichwertigen Komponenten
einer Sendung" (Probst/Buchholz
2000, 93) häufig
unterschätzt wird und das Gelingen der Aufnahme bei
vielen Kameras aufgrund des integrierten, meist minderwertigen
Mikrofons offenbar Glückssache ist, sollten Videojournalisten
grundsätzlich mit einem professionellen, externen Mikrofon
arbeiten (vgl.
Wegner 2004, 40). Dabei müssen sie sowohl
brauchbare Atmosphäre von Original-Schauplätzen
als auch Gespräche mit Experten in geschlossenen
Räumen oder Augenzeugen auf offener Straße
aufzeichnen. Um auf diese unterschiedlichen Situationen reagieren
zu können, ist ein variabel einsetzbares Set von Mikrofontypen
mit verschiedenen Richtcharakteristiken ideal:
- Mikrofone mit Kugelcharakteristik nehmen den Schall
aus allen Richtungen gleichmäßig auf. Sie werden
als Ansteck- und Handmikrofone hergestellt und sind
recht unempfindlich gegenüber Wind- und Griffgeräuschen.
Sie eignen sich für die Aufnahme von Atmosphäre
als auch von Interviews in Umgebungen ohne störende
Hintergrundgeräusche (vgl.
Müller 2000a,
349f.; Lyver
1999, 36; Renner/Guthmann
1991, 42).
- Mikrofone mit Nierencharakteristik nehmen den Schall
bevorzugt aus der Richtung auf, die der Form einer
Niere entsprechen. "Die größte Unempfindlichkeit
(Auslöschung) liegt bei etwa 180 Grad. Schallquellen,
die sich hinter dem Mikrofon befinden, werden nur noch
schwach aufgenommen." (Renner/Guthmann
1991; 42).
Daher eignen sie sich am besten für die Nahbesprechung,
wie beispielsweise in Interviews (vgl.
Müller
2000a, 351).
- Mikrofone mit Supernierencharakteristik
wandeln den Schall wie eine gewöhnliche Niere, jedoch
in einem engeren Bereich. Sie haben also eine starke Richtwirkung,
wobei von
hinten auftreffender Schall ebenfalls aufgenommen wird, "allerdings
in einem
kleineren
Winkel
als von
vorne." (Renner/Guthmann 1991, 42f.) Sie werden
immer dann eingesetzt, wenn das Mikrofon nicht dicht
genug an der
Schallquelle platziert werden kann oder wenn störende
Geräusche aus der Umgebung ausgeblendet werden
sollen (vgl.
Müller 2000a, 350; Lyver
1999, 37f.).
Da Windgeräusche bei einigen Mikrofonen ein
Knacken verursachen kann, sollten diese grundsätzlich
mit einem entsprechenden Schutz aus Schaumstoff oder Fell
ausgestattet
werden (Poppschutz).
Dieser dient gleichzeitig als Nahbesprechungsschutz,
wenn das Mikrofon z. B. auf einen Interviewpartner gerichtet
ist (vgl.
Müller 2000a, 351; Renner/Guthmann
1991, 38f.).
Zur Kontrolle der Tonaufnahme dienen Kopfhörer, "die
dicht am Kopf aufliegen und rundum die Ohren abschließen" (Wegner
2004, 39f.).
Beleuchtung
Die richtige Ausleuchtung einer Szene hat eine hohe Bedeutung
für die Bildgestaltung in Fernsehbeiträgen (vgl.
Müller 2000b, 53). Dies gilt insbesondere für die
Darstellung von Personen:
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"Schlechte Ausleuchtung macht
Menschen unattraktiv: Sie erscheinen müde, alt,
verstört oder krank. Schlechte Ausleuchtung lenkt
die Aufmerksamkeit auf schütteren Haarwuchs, abstehende
Ohren, eine zu große Nase etc. Sie betont Falten
und Tränensäcke und kann Gesichter hässlich,
bizarr, schlaff oder ganz einfach unförmig aussehen
lassen."
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(Millerson
1999, 78) |
Für die optimale Ausleuchtung von Personen in Interviews
dienen normalerweise bis zu vier Lichtquellen:
- Das Hauptlicht, auch Führungslicht genannt, zur
Modellierung der Gesichtspartien;
- das
Aufhell- bzw. Fülllicht zum Kaschieren der durch
das Führungslicht verursachten Schlagschatten
(z.B. wenn die Nase eines Interviewpartners einen gewaltigen
Schatten auf das Gesicht wirft);
- das
Gegenlicht, welches hinter der Person steht und
für
eine deutlichere Konturierung sorgt;
- Licht
im Hintergrund zur Hervorhebung der Raumtiefe.
Dies kann z.B. eine Stehleuchte
im Wohnzimmer sein, eine Schreibtischlampe
etc. (vgl.
Müller
2000b, 56f.; Millerson
1999, 58ff.; Kandorfer
2003, 234ff.).
Weil Videojournalisten ihre gesamte
Ausrüstung in der Regel selbst transportieren, haben
sie meist nur eine kleine Videoleuchte dabei, die sie direkt
an der Kamera befestigen können.
Daher müssen
sie mit den Lichtquellen, die sie am Drehort vorfinden,
arbeiten. Dies können z.B. Schreibtischlampen, Fenster
oder Deckenleuchten sein (vgl.
Wegner 2004, 236).
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| Problem Ausleuchtung:
Hier wurde mit nur einer Videoleuchte gearbeitet.
Die Schreibtischlampe rechts dient zur Aufhellung
des Gesichts des Interviewpartners. (Foto:
Mischel) |
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Problematisch ist dabei allerdings
die Vermischung von Kunst- und Tageslicht, was für Farbprobleme
bei der Aufnahme sorgen kann. Solche Bilder können
einen blauen oder orangen-gelben Farbstich haben. Dieser
Effekt lässt
sich nur durch einen vorherigen Weißabgleich der Kamera
oder mittels Verwendung von Farbkonversionsfiltern, die vor
den
Lichtquellen
befestigt
werden, vermeiden (vgl.
Millerson 1999, 296f.; Sturm/Zirbik
1998, 396f.).
Computer und Software
Videojournalisten schneiden in der Regel digitales Rohmaterial
eigenständig an einem leistungsfähigen
Desktop-Computer oder einem Laptop. Die Kamera wird über
die Firewire-Schnittstelle direkt an den Computer angeschlossen,
sodass die Bild- und Tondaten verlustfrei auf die Festplatte überspielt
werden können.
Mit Hilfe eines Schnittprogramms
werden die einzelnen Bildeinstellungen zu entsprechenden
Sequenzen montiert. Dieser Vorgang wird als "nonlinearer
Schnitt" bezeichnet. Dabei ist es jederzeit
möglich,
die bereits arrangierten Bildfolgen wieder in eine andere
Reihenfolge zu bringen (vgl.
Wegner 2004, 16f.; Voßgätter/Müller
2003, 125f.).
Für diese Arbeit empfehlen Voßgätter/Müller
einen Computer mit hoher Prozessorleistung, mindestens
512 Megabyte Arbeitsspeicher sowie einer schnellen Festplatte,
die den immensen Datenstrom der über die Firewire-Schnittstelle
importierten Bild- und Toninformationen ohne Verzögerungen
speichern kann.
Da allein zehn Minuten Videomaterial im DV-Format
ungefähr zwei Gigabyte Festplattenspeicher belegen,
sollte das Speichermedium mit wenigstens 80 Gigabyte Kapazität
entsprechend dimensioniert sein (vgl.
Voßgätter/Müller
2003, 126). Diesen Anforderungen genügt praktisch
jeder Computer, der heute beim Fachhändler oder
Discounter verkauft wird.
Teilweise
sind die Geräte auch schon mit entsprechender Schnittsoftware
ausgestattet, die zumindest für die Aufbereitung von
weniger anspruchsvollen Projekten – beispielsweise
privaten Urlaubsfilmen – geeignet ist. Im professionellen
Bereich haben sich in den vergangenen Jahren u.a. zwei Systeme
durchgesetzt: "Final Cut" für Apple-Computer
und "Avid Xpress" für PC- und Apple-Computer
(vgl.
Wegner 2004, 54ff.).
Der Umgang mit beiden Systemen
ist ähnlich: Zunächst wird das gedrehte Rohmaterial
gesichtet. Dabei werden entsprechende Stellen, die vom Band
auf den Computer übertragen werden sollen, markiert
("Logging"). Das anschließende Einlesen
("Digitalisieren") der brauchbaren Bildfolgen
geschieht in Echtzeit, entspricht also der Dauer des gedrehten
Rohmaterials. Da die Software normalerweise selbstständig
erkennt, wann eine Bildeinstellung beginnt und endet, liegen
am Ende des Digitalisierens lauter einzelne Clips vor, die
der besseren Übersicht halber mit aussagekräftigen
Namen versehen werden können.
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| Arbeitsoberfläche
der Schnittsoftware Avid Xpress Pro, hier
in der Version 4.0 auf einem PC. (Screenshot:
Mischel) |
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Die gewünschten Ausschnitte
aus den Clips können nun auf einer Zeitleiste ("Timeline")
angeordnet werden und ergeben den Rohschnitt des Beitrags
(vgl.
Voßgätter/Müller 2003, 126ff.). Beim
anschließenden Feinschnitt wird das Material "in
Inhalt und Form so gut wie möglich dem Aussagewunsch
angepasst und auf die vorgegebene Sendelänge reduziert."
(Kerstan
2000, 148)
weiter im nächsten
Teil »
Meine eigenen Erfahrungen
als Videojournalist.
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