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TECHNIK 09.02.2005
Womit ist ein Videojournalist ausgestattet?
Von Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

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Ton und Bild im Fernsehen sind "gleichberechtigte Reize, deren kontrapunktischer Einsatz das Empfinden verhilft. Der Ton 'verhilft' dem Sehen dazu, intensiver rezipiert zu werden und umgekehrt." (Bulgakowa 2002, 69; vgl. Kandorfer 2003, 193ff.)

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In der aktuellen Berichterstattung ist das Bewusstsein für eine differenzierte Tongestaltung allerdings weitgehend verloren gegangen, denn die technische Entwicklung der Kameras sorgte im Laufe der Zeit für eine zunehmende Automatisierung der Tonaufnahme (vgl. Kerstan 2000, 114ff.).

Mikrofone

Da der Ton als "eine der beiden gleichwertigen Komponenten einer Sendung" (Probst/Buchholz 2000, 93) häufig unterschätzt wird und das Gelingen der Aufnahme bei vielen Kameras aufgrund des integrierten, meist minderwertigen Mikrofons offenbar Glückssache ist, sollten Videojournalisten grundsätzlich mit einem professionellen, externen Mikrofon arbeiten (vgl. Wegner 2004, 40). Dabei müssen sie sowohl brauchbare Atmosphäre von Original-Schauplätzen als auch Gespräche mit Experten in geschlossenen Räumen oder Augenzeugen auf offener Straße aufzeichnen. Um auf diese unterschiedlichen Situationen reagieren zu können, ist ein variabel einsetzbares Set von Mikrofontypen mit verschiedenen Richtcharakteristiken ideal:

  • Mikrofone mit Kugelcharakteristik nehmen den Schall aus allen Richtungen gleichmäßig auf. Sie werden als Ansteck- und Handmikrofone hergestellt und sind recht unempfindlich gegenüber Wind- und Griffgeräuschen. Sie eignen sich für die Aufnahme von Atmosphäre als auch von Interviews in Umgebungen ohne störende Hintergrundgeräusche (vgl. Müller 2000a, 349f.; Lyver 1999, 36; Renner/Guthmann 1991, 42).
  • Mikrofone mit Nierencharakteristik nehmen den Schall bevorzugt aus der Richtung auf, die der Form einer Niere entsprechen. "Die größte Unempfindlichkeit (Auslöschung) liegt bei etwa 180 Grad. Schallquellen, die sich hinter dem Mikrofon befinden, werden nur noch schwach aufgenommen." (Renner/Guthmann 1991; 42). Daher eignen sie sich am besten für die Nahbesprechung, wie beispielsweise in Interviews (vgl. Müller 2000a, 351).
  • Mikrofone mit Supernierencharakteristik wandeln den Schall wie eine gewöhnliche Niere, jedoch in einem engeren Bereich. Sie haben also eine starke Richtwirkung, wobei von hinten auftreffender Schall ebenfalls aufgenommen wird, "allerdings in einem kleineren Winkel als von vorne." (Renner/Guthmann 1991, 42f.) Sie werden immer dann eingesetzt, wenn das Mikrofon nicht dicht genug an der Schallquelle platziert werden kann oder wenn störende Geräusche aus der Umgebung ausgeblendet werden sollen (vgl. Müller 2000a, 350; Lyver 1999, 37f.).

Da Windgeräusche bei einigen Mikrofonen ein Knacken verursachen kann, sollten diese grundsätzlich mit einem entsprechenden Schutz aus Schaumstoff oder Fell ausgestattet werden (Poppschutz). Dieser dient gleichzeitig als Nahbesprechungsschutz, wenn das Mikrofon z. B. auf einen Interviewpartner gerichtet ist (vgl. Müller 2000a, 351; Renner/Guthmann 1991, 38f.). Zur Kontrolle der Tonaufnahme dienen Kopfhörer, "die dicht am Kopf aufliegen und rundum die Ohren abschließen" (Wegner 2004, 39f.).

Beleuchtung

Die richtige Ausleuchtung einer Szene hat eine hohe Bedeutung für die Bildgestaltung in Fernsehbeiträgen (vgl. Müller 2000b, 53). Dies gilt insbesondere für die Darstellung von Personen:

"Schlechte Ausleuchtung macht Menschen unattraktiv: Sie erscheinen müde, alt, verstört oder krank. Schlechte Ausleuchtung lenkt die Aufmerksamkeit auf schütteren Haarwuchs, abstehende Ohren, eine zu große Nase etc. Sie betont Falten und Tränensäcke und kann Gesichter hässlich, bizarr, schlaff oder ganz einfach unförmig aussehen lassen."

(Millerson 1999, 78)

Für die optimale Ausleuchtung von Personen in Interviews dienen normalerweise bis zu vier Lichtquellen:

  • Das Hauptlicht, auch Führungslicht genannt, zur Modellierung der Gesichtspartien;
  • das Aufhell- bzw. Fülllicht zum Kaschieren der durch das Führungslicht verursachten Schlagschatten (z.B. wenn die Nase eines Interviewpartners einen gewaltigen Schatten auf das Gesicht wirft);
  • das Gegenlicht, welches hinter der Person steht und für eine deutlichere Konturierung sorgt;
  • Licht im Hintergrund zur Hervorhebung der Raumtiefe. Dies kann z.B. eine Stehleuchte im Wohnzimmer sein, eine Schreibtischlampe etc. (vgl. Müller 2000b, 56f.; Millerson 1999, 58ff.; Kandorfer 2003, 234ff.).

Weil Videojournalisten ihre gesamte Ausrüstung in der Regel selbst transportieren, haben sie meist nur eine kleine Videoleuchte dabei, die sie direkt an der Kamera befestigen können. Daher müssen sie mit den Lichtquellen, die sie am Drehort vorfinden, arbeiten. Dies können z.B. Schreibtischlampen, Fenster oder Deckenleuchten sein (vgl. Wegner 2004, 236).

Problem Ausleuchtung: Hier wurde mit nur einer Videoleuchte gearbeitet. Die Schreibtischlampe rechts dient zur Aufhellung des Gesichts des Interviewpartners. (Foto: Mischel)

Problematisch ist dabei allerdings die Vermischung von Kunst- und Tageslicht, was für Farbprobleme bei der Aufnahme sorgen kann. Solche Bilder können einen blauen oder orangen-gelben Farbstich haben. Dieser Effekt lässt sich nur durch einen vorherigen Weißabgleich der Kamera oder mittels Verwendung von Farbkonversionsfiltern, die vor den Lichtquellen befestigt werden, vermeiden (vgl. Millerson 1999, 296f.; Sturm/Zirbik 1998, 396f.).

Computer und Software

Videojournalisten schneiden in der Regel digitales Rohmaterial eigenständig an einem leistungsfähigen Desktop-Computer oder einem Laptop. Die Kamera wird über die Firewire-Schnittstelle direkt an den Computer angeschlossen, sodass die Bild- und Tondaten verlustfrei auf die Festplatte überspielt werden können.

Mit Hilfe eines Schnittprogramms werden die einzelnen Bildeinstellungen zu entsprechenden Sequenzen montiert. Dieser Vorgang wird als "nonlinearer Schnitt" bezeichnet. Dabei ist es jederzeit möglich, die bereits arrangierten Bildfolgen wieder in eine andere Reihenfolge zu bringen (vgl. Wegner 2004, 16f.; Voßgätter/Müller 2003, 125f.).

Für diese Arbeit empfehlen Voßgätter/Müller einen Computer mit hoher Prozessorleistung, mindestens 512 Megabyte Arbeitsspeicher sowie einer schnellen Festplatte, die den immensen Datenstrom der über die Firewire-Schnittstelle importierten Bild- und Toninformationen ohne Verzögerungen speichern kann.

Da allein zehn Minuten Videomaterial im DV-Format ungefähr zwei Gigabyte Festplattenspeicher belegen, sollte das Speichermedium mit wenigstens 80 Gigabyte Kapazität entsprechend dimensioniert sein (vgl. Voßgätter/Müller 2003, 126). Diesen Anforderungen genügt praktisch jeder Computer, der heute beim Fachhändler oder Discounter verkauft wird.

Teilweise sind die Geräte auch schon mit entsprechender Schnittsoftware ausgestattet, die zumindest für die Aufbereitung von weniger anspruchsvollen Projekten – beispielsweise privaten Urlaubsfilmen – geeignet ist. Im professionellen Bereich haben sich in den vergangenen Jahren u.a. zwei Systeme durchgesetzt: "Final Cut" für Apple-Computer und "Avid Xpress" für PC- und Apple-Computer (vgl. Wegner 2004, 54ff.).

Der Umgang mit beiden Systemen ist ähnlich: Zunächst wird das gedrehte Rohmaterial gesichtet. Dabei werden entsprechende Stellen, die vom Band auf den Computer übertragen werden sollen, markiert ("Logging"). Das anschließende Einlesen ("Digitalisieren") der brauchbaren Bildfolgen geschieht in Echtzeit, entspricht also der Dauer des gedrehten Rohmaterials. Da die Software normalerweise selbstständig erkennt, wann eine Bildeinstellung beginnt und endet, liegen am Ende des Digitalisierens lauter einzelne Clips vor, die der besseren Übersicht halber mit aussagekräftigen Namen versehen werden können.

Arbeitsoberfläche der Schnittsoftware Avid Xpress Pro, hier in der Version 4.0 auf einem PC. (Screenshot: Mischel)

Die gewünschten Ausschnitte aus den Clips können nun auf einer Zeitleiste ("Timeline") angeordnet werden und ergeben den Rohschnitt des Beitrags (vgl. Voßgätter/Müller 2003, 126ff.). Beim anschließenden Feinschnitt wird das Material "in Inhalt und Form so gut wie möglich dem Aussagewunsch angepasst und auf die vorgegebene Sendelänge reduziert." (Kerstan 2000, 148)

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Meine eigenen Erfahrungen
als Videojournalist.

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