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TECHNIK 09.02.2005
Womit ist ein Videojournalist ausgestattet?
Von Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Kamera, Stativ, Mikrofone, Beleuchtung und Computer samt Schnittsoftware - all das gehört zur Standardausrüstung eines Videojournalisten. Doch was muss die Technik leisten, um als Videojournalist sendetaugliches Rohmaterial sammeln und für das Fernsehen aufbereiten zu können? Ein Überblick über das Notwendigste.

Gehe zu: 

Videojournalisten müssen "ihr technisches Gerät perfekt beherrschen, um unter Streß in Sekundenschnelle die richtigen Bilder einzufangen." (Massow 2000, 209) Ihre Ausrüstung sollte "von einer Person nicht nur bedient, sondern auch ohne große Anstrengung transportiert" werden können (Voßgätter/Müller 2003, 110). Wolf bezeichnet Videojournalisten daher als "Medien-Ich-AGs, die nun wiederum den Rucksackproduzenten ähneln" (Wolf 2003, 14).

Die Kamera

Zurzeit sind unter Videojournalisten sog. DV-Kameras sehr verbreitet (vgl. Kliebhan 2004, 22f.; Voßgätter/Müller 2003, 107ff.; Wegner 2004, 14ff.). DV ist die Abkürzung für externer LinkDigital Video. Das Format wurde 1996 von Sony im Amateurbereich eingeführt, gilt im Hinblick auf die Bildqualität aber dem im Profibereich verbreiteten Format externer LinkBetacam SP als überlegen (vgl. Kandorfer 2003, 135). In der TV-Branche wird es jedoch oft unterschätzt und "mit kleinen wackeligen Kameras gleichgesetzt" (Voßgätter/Müller 2003, 107).

Nowara (2001a, 22) beschreibt DV als "Konsumer-Format mit Broadcast-Qualität", das sich bei Sendeanstalten wegen seiner niedrigen Kosten "nicht nur im News-Bereich durchgesetzt hat, sondern auch dabei ist, dies im Bereich Dokumentarfilm zu tun." Wegner geht sogar davon aus, dass der Beruf Videojournalist "erst mit der DV-Technologie entstanden" (Wegner 2004, 16ff.) ist. Dem ist allerdings entgegen zu halten, dass Videojournalisten bereits in den 90er Jahren sowohl beim Ballungsraumsender externer LinkHamburg 1 mit Betacam-Kameras als auch beim lokalen Nachrichtensender New York 1 teilweise mit Amateurkameras gearbeitet haben (vgl. Belz/Haller/Sellheim 1999, 93ff.; Lorenzkowski 1995, 35).

Voßgätter/Müller (2003, 111f.) unterteilen die aktuell am Markt erhältlichen DV-Kameras in vier Kategorien:

  1. Ein-Chip-Kameras in der Größe einer Zigarettenschachtel, die sich höchstens für das Anfertigen versteckter Aufnahmen eignen;
  2. Ein-Chip-Kameras mit größerem Gehäuse, die eher im Privatbereich einsetzbar sind;
  3. kompakte Drei-Chip-Camcorder, die eine höhere Bildqualität erzielen und von den meisten Videojournalisten eingesetzt werden;
  4. professionelle Drei-Chip-Schulterkameras, die wie die im Fernsehbereich üblichen Betacam-Kameras aussehen, vergleichbar viel Geld kosten und wegen ihrer Größe ähnlich zu bedienen sind.

Kliebhan (2004, 22ff.) bezeichnet die dritte Kategorie als "Prosumer-Kameras", mit denen auch die Videojournalisten des Hessischen Rundfunks arbeiten. Bei der Auswahl der Geräte wurde darauf geachtet, dass sie folgende Eigenschaften erfüllen:

  • Die Kameras müssen eine gute Bildqualität liefern, möglichst schon im vollautomatischen Modus.
  • Neben dem vollautomatischen Modus müssen wesentliche Bild-Parameter (Blende, Belichtungszeit, Schärfe, Weißabgleich) vom Journalisten manuell einstellbar sein.
  • Der Ton sollte ebenfalls manuell zu pegeln sein, idealerweise beide Kanäle voneinander getrennt; separate Mikrofone sollten über die im Fernsehbereich üblichen XLR-Steckverbindungen angeschlossen werden können.
  • Der leichten Bedienbarkeit halber sollte die Zahl der Knöpfe und Schalter möglichst gering sein; unnötiger technischer Ballast sollte nicht vorhanden sein, d. h. vor allem keine spielerischen Digital-Effekte, mit denen die Bilder schon beim Dreh verfremdet werden können.
  • Das Objektiv sollte möglichst weitwinklige Aufnahmen ermöglichen, sei es serienmäßig oder durch eine zusätzlich aufschraubbare Erweiterung.

Der Hessische Rundfunk hat sich daher für die externer LinkPanasonic AG-DVX100 entschieden, da sie im Vergleich zu den Mitbewerbern externer LinkSony VX 2000 und externer LinkSony PD 150 relativ einfach zu handhaben ist. Die Kamera erfordere den geringsten Schulungsaufwand für die Videojournalisten (vgl. ebd.).

Das TV-Medienunternehmen externer LinkAZ-Media in Köln setzt für die Ausbildung seiner Videojournalisten-Volontäre zurzeit die externer LinkSony PD 150 ein, weil sie auf überflüssige Funktionen von Amateurkameras verzichtet, über professionelle Audio-Anschlüsse verfügt, den Blick durch einen hochauflösenden Schwarzweiß-Sucher ermöglicht sowie optional im DVCAM-Format aufzeichnen kann (vgl. Voßgätter/Müller 2003, 109f.).

Nowara hebt dieselben Vorzüge hervor, verweist aber auf die externer LinkCanon XL 1. Sie ist zurzeit die einzige Kamera im DV-Segment, die über eine komplett auswechselbare Optik verfügt und daher sehr variabel einsetzbar ist (vgl. Nowara 2001b, 93). Der Nachfolger, die externer LinkCanon XL 2, verfügt über vier Audio-Anschlüsse, zwei davon entsprechen dem XLR-Standard. Und im Vergleich zum Vorgänger verfügt sie über ein kleines, ausklappbares LCD-Display - unverzichtbar für Videojournalisten.

Auch Wegner empfiehlt Videojournalisten, mit einer Kamera aus dem Prosumer-Segment zu arbeiten. Die Auswahl sollte sich nach der Ausrüstung befreundeter Videojournalisten richten, denn "es ist unnötig anstrengend, als System-Einzelkämpfer bei technischen Problemen allein dazustehen. Deine Fähigkeiten wachsen auch durch den Erfahrungsaustausch mit Kollegen, die mit dem gleichen Equipment arbeiten wie Du." (Wegner 2004, 14)

Das Stativ

"Dreh so oft wie möglich vom Stativ, denn Wackelbilder sind gleich Papas Amateur-Bilder", empfehlen Voßgätter/Müller (2003, 110) zur deutlichen Abgrenzung von Video-Amateuren. Wegner beschreibt das Stativ als eines der wichtigsten Werkzeuge zur Bildverbesserung, das Videojournalisten so häufig wie möglich einsetzen sollten (vgl. Wegner 2004, 45).

Zwar kann das Drehen ohne Stativ durchaus motiviert sein und die bewegte, wackelige Kamera als Stilelement Authentizität unterstreichen (vgl. Buck 1999, 107ff.; Beyer 1999a, 84ff.; Beyer 1999b, 100ff.), doch eine ungewollt unruhig geführte Kamera stört meistens beim Betrachten und lenkt den Zuschauer ab. Da die Augen des Betrachters durch die Bewegung immer wieder den Bildrand fixieren, wird die Konzentration auf den Bildinhalt im Zentrum des Bildes gestört. Die Ablenkung nimmt dabei im gleichen Maße zu, wie sich die Bewegung am Bildrand verstärkt (vgl. Kerstan 2000, 71ff.; Zajonc 2003, 97f.).

Das richtige Stativsystem muss auf Größe und Gewicht der Kamera abgestimmt sein. (Foto: Mischel)

Stative für Videojournalisten müssen leicht und stabil sowie für die eingesetzte Kamera richtig dimensioniert sein. Das gilt auch für den Stativkopf, der einerseits Schwenks in der Horizontalen und Vertikalen ermöglicht, andererseits die Funktion eines Gegengewichts für die Kamera übernimmt. Eine zu schwere Kamera würde bei einer vertikalen Neigung einfach absacken und nicht – wie es sein sollte – in die waagerechte Stellung zurückfedern (vgl. Sturm/Zirbik 1998, 395).

Die Gesamthöhe des Stativs sollte etwa 1,80 Meter betragen und verstellbar sein (vgl. Schult 2000b, 356). Einen Kompromiss müssen Videojournalisten bei Gewicht und Stabilität eingehen, denn DV-Stative aus dem Amateur-Bereich "verdrehen beim Schwenken gerne die Beine und sind auch sonst eine wackelige Angelegenheit." (Lusznat 2002, 73)

Neben dem stabilen Dreibein-Stativ kann zusätzlich ein flexibel einsetzbares Einbein-Stativ zur Ausstattung gehören, weil es "auch in dynamischen Situationen Stabilität in der Horizontalen gewährleistet." (Angeli 2003, 83) In extremen Situationen wie Demonstrationen, Tumulten oder Verfolgungen, "muss sich der VJ immer eine Auflage für die Kamera suchen. Dies kann ein Autodach, eine Mülltonne, ein Zaunpfahl oder der abgewinkelte Oberschenkel sein." (Zajonc 2003, 99)

In solchen Situationen nutzen einige Videojournalisten ein sog. "Steadybag", ein kleiner Sack gefüllt mit Kügelchen. Es passt sich allen möglichen Auflageflächen an, sodass sich die Kamera darauf stablisieren lässt (vgl. Wegner 2004, 47).

weiter im nächsten Teil »
Mikrofone, Beleuchtung,
Computer und Software.

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