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Arbeitsplätze seien in Gefahr, warnen die einen
und sehen die Qualität journalistischer Arbeit in
den Redaktionen weiter schwinden. Unsinn, sagen die anderen
und schwärmen von ganz neuen Chancen für das
Fernsehen: Autoren könnten eigenständiger arbeiten,
seien flexibler - und ihre Beiträge authentischer.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
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"Nach den ersten Drehs gesellt
sich zur Skepsis Demut: Natürlich sehen Häuser
furchtbar aus, wenn man das Stativ nicht ordentlich mit
der Libelle ins Lot setzt. Natürlich sind Bilder
von ruhigen, statischen Objekten, wenn sie aus der Hand
gedreht werden, lächerliche Wackelgebilde. Unprofessionelles
Heimkino. Und natürlich taugt ein Zoom, der ruckelt
und kein Ende findet, nur für den Papierkorb. Videoreporter:
Ein sicherer Weg, sich richtig zu blamieren?" |
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(Frank
Lehmann 2003, 43)
Videojournalist beim Hessischen Rundfunk |
Seit den Anfängen des Videojournalismus
in Deutschland haftet dem Berufsbild ein zwiespältiger Ruf
an. "Ein
Ein-Mann-Team ist billig und seine Produkte sind es wohl
auch. Denn Wortjournalisten, die gute Bilder machen können,
sind häufig wie Kameraleute, die hervorragend schreiben
können", sagte beispielsweise
Hans Hessen von der Radio Bremen-Sendung "buten und
binnen", als ihn vor zehn Jahren das Medienfachmagazin
Sage & Schreibe
(1994,
3) nach seiner Meinung über Videoreporter
fragte.
"Wenn
das Ein-Mann- oder das Eine-Frau-Team gut in Bildgestaltung
und Text ist, journalistisch denken, schreiben und fragen
kann, dann sind Einsätze für solche Solisten sicherlich
vertretbar", urteilte hingegen Helmut Schimanski
von der ZDF-Länderspiegel-Redaktion (ebd.).
Stefan Feldmann,
stellvertretender Chefredakteur des Franken Fernsehens,
prognostizierte seinerzeit jedoch, der ökonomische Vorteil
werde sich gegenüber den journalistischen Bedenken als
stärker erweisen: "Es wird leider nur eine
Frage der Zeit sein, bis sich diese Art der Produktion durchsetzt,
traurig aus journalistischer Sicht, aber rentabler für
das Unternehmen." (ebd.)
Gewerkschaften und Personalräte üben Kritik
Tatsächlich ist der Videojournalismus zehn Jahre später
in den Redaktionen angekommen und hat die Diskussion
um Qualität und Rationalisierung neu entfacht.
Scharfe Kritik üben beispielsweise Personalräte
und Gewerkschaften. So sieht der Deutsche Journalisten-Verband
(DJV) sowohl die
Gesundheit von Videojournalisten als auch die journalistische
Qualität ihrer Arbeit bedroht. Beides
sei auf die hohe Arbeitsverdichtung zurückzuführen,
da die Betroffenen zusätzlich die Tätigkeiten von Kameramann
und Cutterin übernähmen. Zu empfehlen sei ihr Einsatz
daher weniger im tagesaktuellen Bereich, sondern eher für
kleine Features (vgl.
DJV 2004, 20).
Der Personalrat des
Hessischen Rundfunks kritisiert zudem die mangelnde Qualitätskontrolle.
Da der komplette Herstellungsprozess eines Beitrags auf eine
Person konzentriert wird, fehle oft der kontrollierende,
zweite Blick. Insgesamt sei sogar die Außendarstellung
des Senders gefährdet, da auch der Gebühren zahlende
Zuschauer merken könne, dass die Berichte nicht wie
hochwertige Produktionen erscheinen (vgl.
Samlowski 2004, 15).
Sparmaßnahme der Sender
Dass die Sender mit dem Einsatz von Videojournalisten kostengünstiger
arbeiten können, ist unumstritten. Während das
für Fernseheinsätze übliche Dreier-Team aus
Kameramann, Tonmann und Autor rund 2000 Euro am Tag kostet,
reduziert sich die Summe für Honorar und Technik beim
Videojournalisten auf gerade mal etwa ein Viertel (vgl.
Foraci 2004, 21).
Obwohl der Hessische Rundfunk unter Verdacht steht,
sein Videojournalisten-Projekt diene in erster Linie
der Rationalisierung (vgl.
Wolf 2003, 14), versteht Jan Metzger,
Leiter des "Hessen Fernsehens", die Initiative
nicht als Sparmaßnahme, sondern als deutliche Bereicherung
für die gesamte Berichterstattung. Mit Blick auf entlegene
Regionen, die im Fernsehen bisher kaum auftauchten,
sagt er: "Die Videoreporter erweitern unser
Programm um Inhalte, die wir sonst nie produzieren würden."
(zit. nach
Meuren 2003, 32).
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Das
harte Geschäft der Bilderjäger hat
die Sendung ZDF.reporter in einer eindrucksvollen
Reportage verarbeitet.
Der Beitrag zeigt, wie ein Unglücksreporter
aus dem Ruhrgebiet mit dem Leid anderer
Leute Geld verdient - und dabei selbst
leidet.
Sehr sehenswert! |
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Ähnliche Gründe führen
Vertreter von zahlreichen US-Fernsehsendern an, die sog.
"Videographern" hauptsächlich das Rohmaterial
von Unfällen
und anderen Unglücken zum Niedrigpreis von etwa 135
bis 155 Dollar abkaufen (vgl.
Didier 2003, 12ff.). In Metropolen
wie Los Angeles, wo nach Schätzungen der Los Angeles
Times etwa 20 bis 35 etablierte "Freie" dieser
Videoreporter-Spezies konkurrieren, ist ihr Einsatz hauptsächlich
geographisch begründet:
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"Wenn daher am Rand der Neun-Millionen-Stadt
etwas passiert, sind freie, lokale Reporter meist schneller
vor Ort als die fest angestellten Kollegen, die sich
womöglich erst aus entfernten Stadtteilen wie Burbank
auf den Weg machen müssen und dann auch noch im
Stau stecken bleiben. Und die einzige andere Alternative – der
Einsatz eines Nachrichtenhubschraubers – kostet
pro Stunde ungefähr acht- bis zehnmal so viel dessen,
was einem Freien für seine Bilder bezahlt wird." |
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(Didier
2003, 13) |
Tagesaktuell oder hintergründig?
Das Tätigkeitsprofil von
Videojournalisten ist durchaus vielfältig und – je
nach Ausprägung – unterschiedlich anspruchsvoll.
So sieht Massow die Stärken einerseits "weniger
in der aufwendigen Recherche und sorgfältigen Dokumentation
eines Themas, sondern in der aktuellen Fernsehberichterstattung" und
hebt – analog zu den Videographern
in den USA – "das schnelle Draufhalten
der Kamera, das Festhalten von Sensationen und dazu
gemachten Ereignissen" hervor (vgl.
Massow 2000, 209).
Andererseits betont er, dass Videojournalisten keinesfalls
nur tagesaktuelle Formate bedienen. Ihre Tätigkeit "überschneidet
sich durchaus auch mit der Arbeit von Magazin- und Dokumentationsjournalisten,
die immer häufiger selbst zur Kleinvideokamera greifen
und beispielsweise politische Hintergrund- und Kultursendungen
einfangen." (ebd.)
Auch Bernd Kliebhan, Leiter
des Videojournalisten-Projekts beim Hessischen Rundfunk,
sieht Aktualität nicht als ausschließliches Argument
für die Beschäftigung von Kamerareportern: "Momentan
ist Video-Journalismus nicht die schnellste Produktionsform.
Die VJs sind sehr flexibel, aber nicht unbedingt schneller
[...] Für hochaktuelle Berichterstattung müssen
mehrere Personen zeitgleich an einem Thema arbeiten." (zit.
nach Samlowski 2004, 15)
weiter im nächsten
Teil »
Größere Intimität zwischen
Reporter und
Protagonisten
- dank
unauffälliger Technik.
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