| ARBEITSWEISEN (2/2) |
09.02.2005 |
| Material sammeln,
aufbereiten und veröffentlichen |
Von Roman
Mischel | Homepage |
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Ausleuchtung
Innenraumaufnahmen müssen in vielen Fällen zusätzlich
ausgeleuchtet werden. Videojournalisten haben allerdings
oft nur das nötigste in ihrem Rucksack, z.B. eine einfache
Videoleuchte. Die reicht zwar aus, um das Gesicht eines Interviewpartners über
kurze Distanz aufzuhellen, sollte aber nur in spontanen Situationen
eingesetzt werden.
Wem es möglich
ist, sollte seinen O-Ton-Geber grundsätzlich mindestens
mit zwei, besser sogar mit drei stärkeren Videolampen
(z.B. 300 Watt) ausleuchten.
Die erste Lampe dient dabei als Führungslicht und sollte in etwa auf Augenhöhe des Interviewpartners
in einem Winkel von etwa 30 Grad positioniert werden. Die
zweite Lampe dient als Aufheller der Schlagschatten (eine
Nase kann einen sehr langen Schatten werfen) und wird auf
der anderen Seite - ebenfalls in etwa auf Augenhöhe
- positioniert.
Damit sich der Kopf des O-Ton-Gebers deutlich vom Hintergrund
abhebt, wird noch eine sog. "Kante" gesetzt. Dieser Scheinwerfer
steht immer hinter dem Interview-Partner und sollte deutlich
heller sein als Führungs- und Aufhelllicht. Da alle Lampen
auf Stativen befestigt werden, muss der Videojournalist eine
Menge transportieren. In einen gewöhnlichen Rucksack
passt das ganze Equipment nicht mehr.
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| Mit wenigstens
zwei Lampen sollte ausgeleuchtet werden.
(Foto: Nack) |
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An
den meisten Drehorten muss man sich zunächst erstmal
orientieren: Welche zusätzlichen Lichtquellen gibt
es? Dies kann eine Stehlampe im Hintergrund sein,
die eine sehr schöne Atmosphäre schaffen kann.
Aber auch Deckenlampen,
Schreibtischleuchten - oder eben natürliches Licht,
dass durch ein Fenster scheint - können eine gute Hilfe
sein. Vorsicht ist allerdings bei der Vermischung
von Kunst- und Tageslicht geboten: Wegen der unterschiedlichen
Farbtemperaturen kommt die Kamera oft durcheinander. In diesem
Fall gibt es zwei Lösungen: Entweder
werden spezielle
Folien zum Konvertieren des Lichts vor die
Leuchten montiert, oder aber ein Weißabgleich an
der Kamera vorgenommen.
Tonaufnahme
Eine saubere Tonaufnahme ist
also genauso wichtig wie die einwandfreie Bildaufzeichnung.
Mit dem kamerainternen Mikrofon ("Japaner") stößt
man schnell an die Grenzen: Für die Aufzeichnung von Hintergrundkulisse
("Atmosphäre", kurz "Atmo") mag
es in vielen Fällen reichen, eine
O-Ton-Aufzeichnung ist damit
aber nicht empfehlenswert.
Kommt es auf eine gezielte Tonaufnahme an, setze ich ein
Set von Mikrofonen ein, das ganz den unterschiedlichen
Situationen
angepasst werden kann.
Ein Ansteckmikrofon mit
Kugelcharakteristik dient mir immer dann, wenn ich Interviews
in ungestörter Umgebung aufzeichne und ich die volle
Aufmerksamkeit meinem Gesprächspartner widmen möchte. In
diesen Situationen wird das Mikro am Revers (z.B. mit
einer Klammer oder einem Magneten)
des
O-Ton-Gebers
angebracht.
Vor der Aufzeichnung muss der Tonpegel
an der Kamera richtig eingestellt werden.
Der O-Ton-Geber sollte also vorher eine kurze Sprechprobe
abgeben, die man über
den Kopfhörer und die Pegelanzeige kontrolliert. Wegner
(2004,
39)
empfiehlt,
die beiden Tonkanäle unterschiedlich hoch
auszupegeln.
Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, wenigstens
eine der beiden Tonspuren in brauchbarer Qualität
aufzunehmen.
Etwas kniffliger wird die Aufnahme mit Kameras, die über
keinerlei Möglichkeiten verfügen, den Ton manuell
auszusteuern (wie etwa die ansonsten sehr anspruchsvolle
Canon XM1). Zwar
ist auf die Automatik in vielen Situationen durchaus Verlass,
doch unangenehme Nebeneffekte lassen sich kaum vermeiden.
Der Klassiker: In vielen Fällen ist ein O-Ton am Anfang übersteuert,
da die Kamera stets kurze Zeit benötigt, sich optimal
auszupegeln. Glücklicherweise ist in der Kamera keine
beliebige 08/15-Automatik verbaut worden. Vielmehr verrichtet
ein leistungsfähiger
Limiter seine Dienste, der grobe Schwächen ausgleicht
(vgl.
Techel 1999, 12).
In Umgebungen mit starken Hintergrundgeräuschen, z.B.
bei einer Umfrage in der Fußgängerzone, sollte
ein Mikrofon mit der Charakteristik einer
Niere oder sogar einer Superniere verwendet werden. Dies
kann richtgenau auf den Interviewpartner gehalten werden,
sodass Umgebungsgeräusche weitgehend
ausgeblendet werden. Wer bei Straßenumfragen neben
der Kamera in der rechten nicht noch ein Mikrofon in der
linken Hand halten will, sollte es fest auf der Kamera installieren.
Mit einer
Superniere
ist
man dann bestens bedient, denn von hinten einfallender Schall
wird mit aufgezeichnet. Die Fragen des Reporters sind also
deutlich zu hören und können im Beitrag auch verwendet
werden. Mit der freien Hand können z.B. noch diverse
Kameraparameter manuell eingestellt werden.
Postproduktion
Sind die Bilder im Kasten, geht es an die Nachbearbeitung.
Die Kamera wird über den Firewire-Anschluss an den Computer
angeschlossen, sodass die Bilder in die Schnittsoftware importiert
werden können.
Wer komplette Bänder auf seinen Computer überträgt und
keine Vorauswahl trifft, sollte bei dieser Gelegenheit gleich
eine "Shotlist" anfertigen. Sie trägt die wesentlichen Informationen,
was an welcher Stelle auf dem Band aufgezeichnet wurde. Auf
diese Weise kann man sich schnellen Zugriff auf das immer
wertvoller werdende eigene Archiv verschaffen. (Übrigens:
Schon bei der Aufnahme sollte man darauf achten, dass die
Kamera einen durchgängigen Timecode auf das Band schreibt.
Entstehen mittendrin Lücken, ist das beim Archivieren ärgerlich).
Ist das Material auf dem Rechner, kann es losgehen. Auf
einem zweiten Bildschirm starte ich meist noch ein Textverarbeitungsprogramm,
um parallel zum Schneiden den Off-Text zu schreiben. Bild
für Bild, Satz für Satz entsteht nun der Beitrag. Je nach
Format und ganz nach Länge des Beitrags wähle ich zunächst
die O-Töne aus. Sie bilden die "Brücken" zwischen den kleinen
Geschichten, die in Bildern erzählt werden sollen.
Sind die einzelnen Sequenzen montiert, liegt ein Rohschnitt
des Beitrags vor. An dieser Stelle lohnt es sich, dem leitenden
Redakteur einen Blick zu gewähren - hat er etwas zu beanstanden,
sind Änderungen jetzt noch ohne Probleme möglich.
Anschließend sollte der Kommentar gesprochen werden.
Da ich leider nicht über eine gut isolierte Sprecherkabine
verfüge,
baue ich mir mit Hilfe von zwei Stühlen und einigen
Bettdecken selbst ein lärmdämmendes "Zelt".
Eine Vertonung darunter funktioniert überraschend gut,
denn jeglicher Raumhall wird geschluckt. Mit einem Minidisc-Rekorder
und einem Nierenmikrofon spreche ich nun
den Text ein. Die
Tonspur
übertrage ich danach
in
ein Audioschnittprogramm, schneide sämtliche Versprecher
heraus und normalisiere sie auf 0 dB. Anschließend
importiere ich
sie wieder in das Videoschnittprogramm und lege sie - Abschnitt
für Abschnitt - unter die Bilder.
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| Auf der Timeline
der Software Avid Xpress Pro werden die einzelnen
Bild- und Tonelemente angeordnet. V1 ist
die Videospur, A1-A4 sind die verwendeten
Audiospuren. (Screenshot: Mischel) |
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Zum Schluss muss der Ton noch abgemischt werden, d.h. Atmo
und Kommentar sowie O-Töne sollten in einem ausgewogenen
Verhältnis zueinander stehen. Faustregel: Den Kommentar
und die O-Töne auf 0 bis -3 dB pegeln, die Atmo etwa
auf -15 dB. Feinabstimmungen erfolgen nach Gehör, getestet
werden sollte möglichst
auf unterschiedlichen Ausgabegeräten (z.B. mit einer
Stereoanlage und zum Vergleich mit einem Fernseher).
Abgerundet wird die Tonmischung auf der Atmo-Spur durch kleine
Tonblenden
(also sanfte Übergänge) zwischen den einzelnen
Bildschnitten.
Wenn der Beitrag fertig ist, sollte er zurückgespielt
werden auf ein MiniDV-Band, denn nur so bleibt die Original-Qualität
erhalten. Wahlweise kann der Beitrag natürlich - je
nach
den Fähigkeiten der eingesetzten Software - in ein beliebiges Format konvertiert
werden. Da ich meine Beiträge per Internet an den Sender
überspiele, komprimiere ich sie als fernsehtaugliche
MPEG2-Dateien mit möglichst
hoher Bitrate.
Mehrmediale Aufbereitung
Da sämtliche O-Töne digital vorliegen, eignet
sich das Material natürlich bestens, um es für
andere Mediengattungen aufzubereiten. Wer als freier Journalist
arbeitet und über entsprechende
Auftraggeber verfügt, wird natürlich noch ein Radiostück
produzieren. Wer sein Material für das Web veredeln
will, dem stehen eigentlich alle Wege offen: von der Produktion
eines Textes mit Bildern, die aus dem Video stammen ("Videostills")
bis hin zur aufwändig produzierten interaktiven Flash-Applikation,
mit der beispielsweise ein Text sinnvoll angereichert wird.
Also einfach recherchiert, trimedial verwertet.
Übrigens: Die in diesem Magazin veröffentlichten
Beiträge Du
bist, was Du kaufst und Flaute
an Land, Aufwind auf See basieren auf TV-Beiträgen,
die noch einmal für das Web
aufbereitet und mit O-Tönen angereichert wurden.
weiter im nächsten
Teil »
Links und Literatur zum Videojournalismus.
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