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STUDIE 26.06.2002
Online-Journalisten in der Schweiz
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Online-Journalisten in der Deutschschweiz recherchieren, redigieren und schreiben seltener als ihre Kollegen in Deutschland. Mit ihrem Beruf sind sie im Großen und Ganzen zufrieden, auch wenn sie weniger verdienen als Journalisten anderer Medien. Das ergab die erste Befragung von schweizer Online-Journalisten.

Insgesamt 215 Online-Journalisten in der deutschsprachigen Schweiz wurden für die Studie angeschrieben, die Thomas Röthlin 2001 als Abschlussarbeit am Institut für Medienwissenschaft Bern durchführte. Das waren alle Journalisten, die zum damaligen Zeitpunkt bei Online-Ablegern von Printmedien, Nur-Online-Anbietern und Redaktionen, die lediglich Inhalte an andere Web-Auftritte liefern, beschäftigt waren. Befragt werden konnten 29 Prozent der Zielgruppe (57 Personen).

Demnach dominieren im Online-Journalismus klar die Männer, die zwei Drittel der Befragten stellten. Durchschnittlich sind die Online-Journalisten (und -Journalistinnen) 36 Jahre alt und damit rund fünf Jahre jünger als der Schnitt aller schweizer Journalisten. Sie verfügen über zehn Jahre journalistische Berufserfahrung, sind aber erst seit weniger als einem Jahr im Online-Journalismus tätig. Durchschnittlich verdienen sie mit rund 5.730 Franken monatlich weniger als Journalisten allgemein (6.300 Franken).

Fast alle befragten Online-Journalisten sind fest angestellt. Ein bemerkenswert hoher Anteil arbeit jedoch nur in Teilzeit (47 Prozent). Die meisten Befragten haben ein Hochschulstudium absolviert. Online-Fähigkeiten haben sie sich häufig durch Praktika oder Learning-by-Doing angeeignet. 49 Prozent können überhaupt keine formelle Ausbildung in Sachen Internet vorweisen.

Tätigkeiten im Vergleich zu deutschen Online-Journalisten

Röthlin hat in seiner Studie auch nach einzelnen Tätigkeiten von Online-Journalisten gefragt und sich dabei am Forschungsdesign von interner LinkChristoph Neubergers Redaktionsbefragung "Journalismus & Internet" orientiert. So sind Teile seiner Ergebnisse mit denen Neubergers aus Deutschland vergleichbar.

Nur 28 Prozent der schweizer Online-Journalisten geben an, "immer" oder "häufig" eigene Texte zu schreiben. In Neubergers Studie waren dies doppelt soviel. Auch redigiert wird in schweizer Online-Redaktionen (47 Prozent) seltener als in Deutschland (57 Prozent). Obendrein scheinen die Schweizer nicht so häufig (38 Prozent) ohne den Computer zu recherchieren als ihre deutschen Kollegen (61 Prozent). Wie in Deutschland sind vor allem die Mitarbeiter von Nur-Online-Anbietern ohne klassisches Muttermedium mit dem Schreiben eigener Beiträge beschäftigt.

Nicht schlüssig erscheinen vor diesem Hintergrund Röthlins Ergebnisse zum Anteil eigens recherchierter im Vergleich zu übernommenen Inhalten. Die Übernahmequote der schweizer Online-Medien liegt laut Röthlin unter der der deutschen. Dafür würden übernommene Inhalte in Deutschland stärker für das Web redigiert. "Die Schwerpunkte online-journalistischer Eigenleistungen in der Schweiz und in Deutschland würden sich demnach unterscheiden", folgert Röthlin. Das passt allerdings nicht zum Befragungsergebnis, nach dem schweizer Online-Journalisten seltener redigieren und schreiben. Leider liegen keine vergleichenden Inhaltsanalysen vor.

Erheblich häufiger als in Deutschland bearbeiten schweizer Online-Journalisten Audio- oder Video-Material für das Web (68 Prozent). In Neubergers Studie gaben dies nur 12 Prozent der Befragten an.

Neutrale Berichterstattung mit Glaubwürdigkeitsdefiziten

Online-Journalisten in der Deutschschweiz orientieren sich hauptsächlich am Rollenbild des neutralen Berichterstatters, gefolgt von denen des Analytikers, Kritikers und Ratgebers. Nur schwache Zustimmung gab es für die Rollenbeschreibung als Animateur. Deutlich abgelehnt werden Vermarkter und Zielgruppenverkäufer als Rollenbilder.

Verglichen mit den klassischen Massenmedien hält jeweils rund die Hälfte der befragten Journalisten Internet-Medien für ebenso glaubwürdig. Am vertrauenswürdigsten gelten allerdings Printmedien: rund ein Drittel der Online-Journalisten hält sie für glaubwürdiger als das eigene Medium.

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