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Online-Journalisten in der Deutschschweiz recherchieren,
redigieren und schreiben seltener als ihre Kollegen in Deutschland.
Mit ihrem Beruf sind sie im Großen und Ganzen zufrieden,
auch wenn sie weniger verdienen als Journalisten anderer Medien.
Das ergab die erste Befragung von schweizer Online-Journalisten.
Insgesamt 215 Online-Journalisten in der deutschsprachigen
Schweiz wurden für die Studie angeschrieben, die Thomas
Röthlin 2001 als Abschlussarbeit am Institut für
Medienwissenschaft Bern durchführte. Das waren alle Journalisten,
die zum damaligen Zeitpunkt bei Online-Ablegern von Printmedien,
Nur-Online-Anbietern und Redaktionen, die lediglich Inhalte
an andere Web-Auftritte liefern, beschäftigt waren. Befragt
werden konnten 29 Prozent der Zielgruppe (57 Personen).
Demnach dominieren im Online-Journalismus klar die Männer,
die zwei Drittel der Befragten stellten. Durchschnittlich
sind die Online-Journalisten (und -Journalistinnen) 36 Jahre
alt und damit rund fünf Jahre jünger als der Schnitt
aller schweizer Journalisten. Sie verfügen über
zehn Jahre journalistische Berufserfahrung, sind aber erst
seit weniger als einem Jahr im Online-Journalismus tätig.
Durchschnittlich verdienen sie mit rund 5.730 Franken monatlich
weniger als Journalisten allgemein (6.300 Franken).
Fast alle befragten Online-Journalisten sind fest angestellt.
Ein bemerkenswert hoher Anteil arbeit jedoch nur in Teilzeit
(47 Prozent). Die meisten Befragten haben ein Hochschulstudium
absolviert. Online-Fähigkeiten haben sie sich häufig
durch Praktika oder Learning-by-Doing angeeignet. 49 Prozent
können überhaupt keine formelle Ausbildung in Sachen
Internet vorweisen.
Tätigkeiten im Vergleich zu deutschen Online-Journalisten
Röthlin hat in seiner Studie auch nach einzelnen Tätigkeiten
von Online-Journalisten gefragt und sich dabei am Forschungsdesign
von Christoph
Neubergers Redaktionsbefragung "Journalismus &
Internet" orientiert. So sind Teile seiner Ergebnisse
mit denen Neubergers aus Deutschland vergleichbar.
Nur 28 Prozent der schweizer Online-Journalisten geben an,
"immer" oder "häufig" eigene Texte
zu schreiben. In Neubergers Studie waren dies doppelt soviel.
Auch redigiert wird in schweizer Online-Redaktionen (47 Prozent)
seltener als in Deutschland (57 Prozent). Obendrein scheinen
die Schweizer nicht so häufig (38 Prozent) ohne den Computer
zu recherchieren als ihre deutschen Kollegen (61 Prozent).
Wie in Deutschland sind vor allem die Mitarbeiter von Nur-Online-Anbietern
ohne klassisches Muttermedium mit dem Schreiben eigener Beiträge
beschäftigt.
Nicht schlüssig erscheinen vor diesem Hintergrund Röthlins
Ergebnisse zum Anteil eigens recherchierter im Vergleich zu
übernommenen Inhalten. Die Übernahmequote der schweizer
Online-Medien liegt laut Röthlin unter der der deutschen.
Dafür würden übernommene Inhalte in Deutschland
stärker für das Web redigiert. "Die Schwerpunkte
online-journalistischer Eigenleistungen in der Schweiz und
in Deutschland würden sich demnach unterscheiden",
folgert Röthlin. Das passt allerdings nicht zum Befragungsergebnis,
nach dem schweizer Online-Journalisten seltener redigieren
und schreiben. Leider liegen keine vergleichenden Inhaltsanalysen
vor.
Erheblich häufiger als in Deutschland bearbeiten schweizer
Online-Journalisten Audio- oder Video-Material für das
Web (68 Prozent). In Neubergers Studie gaben dies nur 12 Prozent
der Befragten an.
Neutrale Berichterstattung mit Glaubwürdigkeitsdefiziten
Online-Journalisten in der Deutschschweiz orientieren sich
hauptsächlich am Rollenbild des neutralen Berichterstatters,
gefolgt von denen des Analytikers, Kritikers und Ratgebers.
Nur schwache Zustimmung gab es für die Rollenbeschreibung
als Animateur. Deutlich abgelehnt werden Vermarkter und Zielgruppenverkäufer
als Rollenbilder.
Verglichen mit den klassischen Massenmedien hält jeweils
rund die Hälfte der befragten Journalisten Internet-Medien
für ebenso glaubwürdig. Am vertrauenswürdigsten
gelten allerdings Printmedien: rund ein Drittel der Online-Journalisten
hält sie für glaubwürdiger als das eigene Medium.
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