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RSS 26.07.2004
Little Brother is watching (2/2)
Von Email an die AutorenLena Lodzinska und Email an die AutorenMichael Radnitz| externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

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Hans benutzt einen Feed-Reader namens FeedReader. Der ist nämlich kostenlos. Das ist wichtig. Denn Hans ist Student. Immer wenn Hans das - Logo auf einer Seite, die ihn interessiert, entdeckt, klickt er es an. Dann kommt er auf eine Seite die etwa so aussieht.

Das ist XML-Quellcode. Der interessiert Hans aber weniger. Ihn interessiert die URL. Er braucht sie nur zu kopieren, auf den Button "New" in seinem Feedreader zu klicken und sie einzufügen. Fertig. Schon wird er jedes Mal automatisch benachrichtigt, wenn es etwas Neues auf seiner Seite gibt.

Noch vor ein paar Jahren kannte Hans den Begriff RSS gar nicht. Er surfte einfach so durchs Web und RSS war noch keine große Nummer. Doch dann begannen sich die Weblogs immer mehr zu verbreiten und mit ihnen startete auch der Siegeszug von RSS.

 Entstehungsgeschichte: 
Die Urheberschaft von RSS ist umstritten:

- 1995 wurde die erste RSS-ähnliche Technik von Apple entwickelt, die dann an Microsoft weitergegeben wurde, um schließlich Netscape zu erreichen.

- 1997 wurde die Technik von Dave Winer (Firma Userland) aufgegriffen, der daraus die RSS-Version 0.90 entwickelte.

- 2000 wurde die Version 1.0 veröffentlicht, welche auf der Apple-
Ausführung basiert und RDF benötigt.

- Daraufhin entwickelte Dave Winer eine RDF-freie und dadurch benutzerfreundlichere Ausführung mit besserer Kompatibilität. So entstanden die Versionen 0.93 und 0.94 bis 2.0.

- Heute von praktischer Bedeutung sind die Versionen 0.9x, 1.0 und 2.0, wobei die ältesten Ausführungen sich nur noch für einfache Anwendungen eignen.

Mittlerweile bieten viele bekannte Websites RSS-Unterstützung, von Amazon zu Ebay, von Stern bis Zeit. Da wurde auch Hans auf die orangenen Symbole aufmerksam und hat sich mal kundig gemacht. Seitdem ist er ein treuer RSS-Nutzer und damit ist er nicht allein. RSS wird von Regierungen, Organisationen und Medienunternehmen genutzt. So bietet zum Beispiel Apples iTunes einen Feed an, um Kunden über die neuesten Songs zu informieren; die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hält ihre Mitglieder mit RSS auf dem Laufenden; der Geologische Dienst der USA informiert so Seismologen über Erdbeben und sogar der amerikanische Präsidentschaftskandidat Howard Dean versendete per RSS politische Slogans an seine Anhänger.

Ausblick

Doch damit ist das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht. Es gibt Prognosen, nach denen RSS in bestimmten Bereichen sogar die E-Mail verdrängen könnte, vor allem was die Presse- und Firmeninformation angeht. Ebenso ist das Intranet ein potentielles Wirkungsfeld. Im Gegensatz zur E-Mail muss der User keine Informationen über sich selbst oder seinen Rechner preisgeben, wenn er selbst informiert werden will. Dadurch wird auch jegliche Gefahr von "Kollateral-Spam" unterbunden, da die eigenen Daten nicht an Drittfirmen verkauft werden können, wenn man keine angeben musste. So kann man sich sein "persönliches" Informationsangebot zusammenstellen.

Die Informationsgeschwindigkeit ist identisch mit einem ständig aktiven Mailclient, mit dem bedeutenden Vorteil, dass man über einen Feed-Reader keine Viren empfängt.

Jörg Kantel, der Betreiber des Weblogs
"Schockwellenreiter", glaubt nicht an die RSS-Utopie, jedoch misst er der neuen Entwicklung große Bedeutung bei: "Ein Ersatz für E-Mail im Allgemeinen wird RSS sicher nicht werden, das kann dieses Format auch nicht leisten. RSS ist meines Erachtens ein weiterer Schritt in Richtung des semantischen Webs (nicht mehr, aber auch nicht weniger). Dank seiner Beschränkung auf Inhalt und (Meta-) Information kann es zum Beispiel auch leicht von Spidern gelesen und aufbereitet werden. Der Idee von (News-) Agenten, die selbstständig das Web durchreisen, Informationen sammeln und sie für den Nutzer (intelligent) aufbereiten, ist man damit einen Schritt näher gekommen."

Dass RSS kein flüchtiger Trend, sondern einer der künftigen Standards ist, beweist auch die Tatsache, dass Microsoft Tools zum Umgang mit RSS in die nächste Version seiner Windows Betriebssysteme einzubauen plant. Die neue Version des Mac-eigenen Browsers "Safari" wird ebenfalls RSS unterstützen.

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