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Online muss sein, aber wie? Neben der Integration von
Elementen des Internet-Journalismus in bestehende Journalismus-Ausbildungsgänge
gibt es inzwischen eine ganze Anzahl reiner Online-Volontariate.
In einer Pionier-Studie untersuchte Fiete Stegers detailliert
Verbreitung, Struktur und Ausbildungsinhalte dieser Ausbildungsform.
Mit der Abkehr von der bloßen Zweitveröffentlichung
von Inhalten und der Herausbildung medienspezifischer Formate
gewinnt auch die Qualifizierung der Mitarbeiter in den Online-Redaktionen
an Bedeutung. Bisher war der Quereinstieg in den Online-Journalismus
üblich. Seit Ende 2000 haben aber zahlreiche große
Medienhäuser eigene Online-Volontariate eingerichtet,
Unternehmen und Journalisten-Gewerkschaft DJV bemühen
sich um die Vereinheitlichung der Ausbildungsmodelle. Verbreitung,
Inhalte und Struktur der neuen Ausbildungsform wurden in der
Studie "Ausbildung für den Online-Journalismus"
erstmals wissenschaftlich untersucht.
Obwohl der Dotcom-Doom auch den Online-Journalismus nicht
verschont hat, wird die Bedeutung der professionellen Informationsaufbereitung
in Zukunft eher noch steigen. Noch ist unklar, ob Online-Redaktionen
künftig einheitlich publizistische Einheiten darstellen
oder sich der Trend zum "multimedia newsroom" sich
durchsetzt, in dem journalistische Inhalte plattformübergreifend
für Print, Fernsehen und Internet aufbereitet - aber
auch im Zeitalter der Konvergenz werden Spezialisten für
die einzelnen Medienformate gebraucht. Das Internet ist als
Alltagsmedium mittlerweile nicht mehr weg zu denken. Das wachsende
Feld der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Kommunen
und Institutionen eröffnet weitere Arbeitsmarktchancen
für ausgebildete Online-Journalisten.
Ziel und Methode der ersten wissenschaftlichen Studie
Die Studie "Ausbildung für den Online-Journalismus"
analysiert im theoretischen Teil zunächst Anforderungen
an Journalismus und Journalisten im Internet, stellt sie der
Realität in den Online-Redaktionen gegenüber und
gibt dann einen Überblick über die verschiedenen
Ausbildungangebote und -modelle von Weiterbildungseinrichtungen,
Hochschulen und Unternehmen. Im Mittelpunkt des empirischen
Teils der Rahmen einer Magisterarbeit am Institut für
Kommunikationswissenschaft Münster durchgeführten
Studie stehen Online-Volontariate.
Dazu wurden sämtliche zu ermittelnden Anbieter von Online-Volontariaten
oder vergleichbaren Ausbildungen (z. B. an Journalistenschulen)
schriftlich befragt. Der Fragebogen ( Download
im PDF-Format hier) umfasste detaillierte Angaben zu Struktur
und Inhalten der Ausbildungsgänge und schlüsselte
die wichtigsten Ausbildungselemente vom Verfassen von Nachrichten
über Programmierung, Gestaltung, Management und Teamfähigkeit
in mehr als 50 Items auf.
Gefragt wurde außerdem, welche Gründe die Medienhäuser
zur Einrichtung der Volontariate motivierten und welche zukünftige
Entwicklung die Befragten auf diesem Gebiet erwarteten. Die
Antworten wurden systematisch ausgewertet und anschließend
mit den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über
die aktuellen und antizipierten Anforderungen an Journalisten
in Internet-Redaktionen einerseits und dem klassischen journalistischen
Berufsbild andererseits abgeglichen.
Ergebnisse
Online-Volontariate wurden zum Zeitpunkt der Befragung von
mehr als 40 Medienunternehmen angeboten (darunter z. B. Der
Spiegel, NDR, Burda-Verlag, Journalistenschule Axel Springer,
Rheinische Post, Tomorrow). Insbesondere Großverlage
sind stark engagiert - häufig durch Programme an den
unternehmenseigenen Journalistenschulen. Daneben bieten die
Internet-Redaktionen von Rundfunksendern, regionalen Tageszeitungen,
Publikums- und Fachzeitschriften, reine Online-Magazine sowie
Zulieferer-Agenturen Online-Volontariate an. Die beiden letzten
Gruppen sind unter den Anbietern von Online-Volontariaten
vergleichsweise über-, Tageszeitungen unterrepräsentiert.
Die Zahl der Online-Volontariate liegt bereits über
der von Nachrichtenagenturen angebotenen Volontariaten (40),
aber weit unter den von Tageszeitungen angebotenen (rund 2500).
Bei insgesamt mindestens 41 Anbietern kann die Gesamtzahl
der journalistischen Online-Volontariate auf rund 120-150
geschätzt werden. Online-Volontariate sind also zwar
noch eine Neuheit, aber keine absoluten Exoten mehr.
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| "Offen"
oder "sehr offen": So schätzt die
Mehrheit der Ausbilder die Struktur der von ihnen
angebotenen Online-Volontariate ein. (Grafik: Stegers) |
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In generellen Fragen der Ausbildungsziele herrschen große
Übereinstimmungen zwischen den unterschiedlichen Anbietern
von Online-Volontariaten. Deren Umsetzung im Detail differiert
aber teilweise erheblich. Die Volontariate orientieren sich
in Aufbau und Inhalten an den Volontariaten klassischer Medien.
Sie sind in der auf 24, seltener 18 Monate angelegt, während
derer die Online-Volontäre Stationen in verschiedenen
Unternehmen durchlaufen.
Die künftigen Online-Journalisten werden vorrangig für
den augenblicklich in den meisten Redaktionen vorherrschenden,
text- und aktualitätsorientierten Nachrichtenjournalismus
ausgebildet. Technische Fähigkeiten spielen in den meisten
Ausbildungsprogrammen keine herausragende Rolle - mittlerweile
sind einfach zu bedienende Redaktionssystem Standard. Die
Vorbreitung für eine von Multimedia- und Breitband geprägt
Internet-Zukunft hat - auch bei den befragten Ausbildern aus
dem Rundfunkbereich - nur eine sehr geringe Rolle. Wert auf
die Vermittlung von Marketing- und Management-Fähigkeiten
im Volontariat legen hauptsächlich kleinere Unternehmen.
Fazit der Studie
Online-Volontariate stellen einen vielversprechenden Ansatz
zur Stärkung und Sicherung der publizistischen Qualität
bei journalistischen Internet-Medien. Das Online-Journalisten
durch intelligente Agenten oder bloße Zweitwertung von
Inhalten überflüssig werden, hält die Mehrheit
der Ausbilder für unwahrscheinlich. Die Ausbilder erwarten
stattdessen eine verstärkte Nachfrage nach journalistischer
Qualität im Netz. Dafür wollen sie kompetente, netzversierte
Journalisten ausbilden. Durch Konkretisierung des Berufsbildes,
Entwicklung von Ausbildungsstandards und Normenvermittlung
können Online-Volontariate zur Professionalisierung der
Online-Journalisten beitragen.
In zwei Dritteln der befragten Medienhäuser sind die
Volontariatsprogramme langfristig angelegt. Vereinheitlichungstendenzen
und das Engagement führender Medienhäuser (vornehmlich
aus dem Print-Bereich) sprechen für eine weitere Etablierung
der Online-Volontariate. Die Erfahrung und die jüngsten
Entwicklungen auf dem Stellenmarkt zeigen allerdings, dass
Entwicklungen im Internet auch schnell eine andere Richtung
einschlagen können. Die Integration umfangreicher Online-Anteile
in die bestehenden Volontariate stellt eine gewichtige Alternative
zum reinen Online-Volontariat dar, insbesondere, falls der
Trend von der Abnabelung der Online-Redaktionen in einen zum
alle Publikationsformen vereinenden "multimedia newsroom"
umschlägt. Einige der befragten Unternehmen angesichts
des verebbten Booms der Internet-Ökonomie ihre Volontariatsprogramme
eingestellt oder aufs Eis gelegt - allerdings sind auch neue
Anbieter von Online-Volontariaten hinzugegekommen.
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