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STUDIE 28.03.2002
Online-Volontäre sind keine Exoten mehr
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Online muss sein, aber wie? Neben der Integration von Elementen des Internet-Journalismus in bestehende Journalismus-Ausbildungsgänge gibt es inzwischen eine ganze Anzahl reiner Online-Volontariate. In einer Pionier-Studie untersuchte Fiete Stegers detailliert Verbreitung, Struktur und Ausbildungsinhalte dieser Ausbildungsform.

Mit der Abkehr von der bloßen Zweitveröffentlichung von Inhalten und der Herausbildung medienspezifischer Formate gewinnt auch die Qualifizierung der Mitarbeiter in den Online-Redaktionen an Bedeutung. Bisher war der Quereinstieg in den Online-Journalismus üblich. Seit Ende 2000 haben aber zahlreiche große Medienhäuser eigene Online-Volontariate eingerichtet, Unternehmen und Journalisten-Gewerkschaft DJV bemühen sich um die Vereinheitlichung der Ausbildungsmodelle. Verbreitung, Inhalte und Struktur der neuen Ausbildungsform wurden in der Studie "Ausbildung für den Online-Journalismus" erstmals wissenschaftlich untersucht.

Obwohl der Dotcom-Doom auch den Online-Journalismus nicht verschont hat, wird die Bedeutung der professionellen Informationsaufbereitung in Zukunft eher noch steigen. Noch ist unklar, ob Online-Redaktionen künftig einheitlich publizistische Einheiten darstellen oder sich der Trend zum "multimedia newsroom" sich durchsetzt, in dem journalistische Inhalte plattformübergreifend für Print, Fernsehen und Internet aufbereitet - aber auch im Zeitalter der Konvergenz werden Spezialisten für die einzelnen Medienformate gebraucht. Das Internet ist als Alltagsmedium mittlerweile nicht mehr weg zu denken. Das wachsende Feld der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Kommunen und Institutionen eröffnet weitere Arbeitsmarktchancen für ausgebildete Online-Journalisten.

Ziel und Methode der ersten wissenschaftlichen Studie

Die Studie "Ausbildung für den Online-Journalismus" analysiert im theoretischen Teil zunächst Anforderungen an Journalismus und Journalisten im Internet, stellt sie der Realität in den Online-Redaktionen gegenüber und gibt dann einen Überblick über die verschiedenen Ausbildungangebote und -modelle von Weiterbildungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen. Im Mittelpunkt des empirischen Teils der Rahmen einer Magisterarbeit am Institut für Kommunikationswissenschaft Münster durchgeführten Studie stehen Online-Volontariate.

Dazu wurden sämtliche zu ermittelnden Anbieter von Online-Volontariaten oder vergleichbaren Ausbildungen (z. B. an Journalistenschulen) schriftlich befragt. Der Fragebogen (externer LinkDownload im PDF-Format hier) umfasste detaillierte Angaben zu Struktur und Inhalten der Ausbildungsgänge und schlüsselte die wichtigsten Ausbildungselemente vom Verfassen von Nachrichten über Programmierung, Gestaltung, Management und Teamfähigkeit in mehr als 50 Items auf.

Gefragt wurde außerdem, welche Gründe die Medienhäuser zur Einrichtung der Volontariate motivierten und welche zukünftige Entwicklung die Befragten auf diesem Gebiet erwarteten. Die Antworten wurden systematisch ausgewertet und anschließend mit den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die aktuellen und antizipierten Anforderungen an Journalisten in Internet-Redaktionen einerseits und dem klassischen journalistischen Berufsbild andererseits abgeglichen.

Ergebnisse

Online-Volontariate wurden zum Zeitpunkt der Befragung von mehr als 40 Medienunternehmen angeboten (darunter z. B. Der Spiegel, NDR, Burda-Verlag, Journalistenschule Axel Springer, Rheinische Post, Tomorrow). Insbesondere Großverlage sind stark engagiert - häufig durch Programme an den unternehmenseigenen Journalistenschulen. Daneben bieten die Internet-Redaktionen von Rundfunksendern, regionalen Tageszeitungen, Publikums- und Fachzeitschriften, reine Online-Magazine sowie Zulieferer-Agenturen Online-Volontariate an. Die beiden letzten Gruppen sind unter den Anbietern von Online-Volontariaten vergleichsweise über-, Tageszeitungen unterrepräsentiert.

Die Zahl der Online-Volontariate liegt bereits über der von Nachrichtenagenturen angebotenen Volontariaten (40), aber weit unter den von Tageszeitungen angebotenen (rund 2500). Bei insgesamt mindestens 41 Anbietern kann die Gesamtzahl der journalistischen Online-Volontariate auf rund 120-150 geschätzt werden. Online-Volontariate sind also zwar noch eine Neuheit, aber keine absoluten Exoten mehr.

"Offen" oder "sehr offen": So schätzt die Mehrheit der Ausbilder die Struktur der von ihnen angebotenen Online-Volontariate ein. (Grafik: Stegers)

In generellen Fragen der Ausbildungsziele herrschen große Übereinstimmungen zwischen den unterschiedlichen Anbietern von Online-Volontariaten. Deren Umsetzung im Detail differiert aber teilweise erheblich. Die Volontariate orientieren sich in Aufbau und Inhalten an den Volontariaten klassischer Medien. Sie sind in der auf 24, seltener 18 Monate angelegt, während derer die Online-Volontäre Stationen in verschiedenen Unternehmen durchlaufen.

Die künftigen Online-Journalisten werden vorrangig für den augenblicklich in den meisten Redaktionen vorherrschenden, text- und aktualitätsorientierten Nachrichtenjournalismus ausgebildet. Technische Fähigkeiten spielen in den meisten Ausbildungsprogrammen keine herausragende Rolle - mittlerweile sind einfach zu bedienende Redaktionssystem Standard. Die Vorbreitung für eine von Multimedia- und Breitband geprägt Internet-Zukunft hat - auch bei den befragten Ausbildern aus dem Rundfunkbereich - nur eine sehr geringe Rolle. Wert auf die Vermittlung von Marketing- und Management-Fähigkeiten im Volontariat legen hauptsächlich kleinere Unternehmen.

Fazit der Studie

Online-Volontariate stellen einen vielversprechenden Ansatz zur Stärkung und Sicherung der publizistischen Qualität bei journalistischen Internet-Medien. Das Online-Journalisten durch intelligente Agenten oder bloße Zweitwertung von Inhalten überflüssig werden, hält die Mehrheit der Ausbilder für unwahrscheinlich. Die Ausbilder erwarten stattdessen eine verstärkte Nachfrage nach journalistischer Qualität im Netz. Dafür wollen sie kompetente, netzversierte Journalisten ausbilden. Durch Konkretisierung des Berufsbildes, Entwicklung von Ausbildungsstandards und Normenvermittlung können Online-Volontariate zur Professionalisierung der Online-Journalisten beitragen.

In zwei Dritteln der befragten Medienhäuser sind die Volontariatsprogramme langfristig angelegt. Vereinheitlichungstendenzen und das Engagement führender Medienhäuser (vornehmlich aus dem Print-Bereich) sprechen für eine weitere Etablierung der Online-Volontariate. Die Erfahrung und die jüngsten Entwicklungen auf dem Stellenmarkt zeigen allerdings, dass Entwicklungen im Internet auch schnell eine andere Richtung einschlagen können. Die Integration umfangreicher Online-Anteile in die bestehenden Volontariate stellt eine gewichtige Alternative zum reinen Online-Volontariat dar, insbesondere, falls der Trend von der Abnabelung der Online-Redaktionen in einen zum alle Publikationsformen vereinenden "multimedia newsroom" umschlägt. Einige der befragten Unternehmen angesichts des verebbten Booms der Internet-Ökonomie ihre Volontariatsprogramme eingestellt oder aufs Eis gelegt - allerdings sind auch neue Anbieter von Online-Volontariaten hinzugegekommen.

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