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Eine Studie des MCM Instituts der Universität St.
Gallen zeigt: User stehen Bezahlinhalten im Netz gar nicht
mehr
so skeptisch gegenüber. Während die Umsätze
für MP3-Files,
Warentests und Finanzinformationen dreistellige
Wachstumsraten verzeichnen, sieht das Interesse an der Ware
"News" jedoch vergleichsweise kümmerlich
aus.
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| Die Akzeptanz von
Bezahlinhalten steigt, offenbar auch, weil die
Systeme zur Begleichung von Kleinstbeträgen
besser werden. (Foto: Mischel) |
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Das Internet war von Anfang an auf die schiefe Bahn geraten.
Zumindest aus kommerzieller Sicht. Zwar erlebte das Netz
mit dem Aufkommen des poppigen Webs eine beispiellose Popularisierung.
Die Ökonomisierung hingegen schreitet seither nur harzig
voran.
Auch heute noch atmet das einstige Forschernetzwerk den
Geist der "Culture of Giving", der Ökonomie
des Kostenlosen. "Es ist ein mühsames Geschäft,
den Geburtsfehler der Gratiskultur im Internet zu korrigieren",
lässt sich T-Online-Chef Thomas Holtrop immer wieder
gerne zitieren. Kein Wunder, dass die Branche mit Argusaugen
Ausschau nach Anzeichen eines Kulturwandels hält.
Eine neue Untersuchung des
St. Galler Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement
(MCM Institute) könnte so ein Fingerzeig sein. Nun gibt
es natürlich Studien wie Sand am Meer. Die Universität
St. Gallen hat jedoch nicht - wie so oft - Internetnutzer
nach ihrer Zahlungsbereitschaft befragt, sondern realisierte
Umsatzdaten ermittelt. Und zwar diejenigen der 550 größten,
kostenpflichtigen Websites Deutschlands.
Untersuchungsgegenstand waren digitale Güter, jedoch
keine materiellen Angebote: Also beispielsweise MP3-Musikstücke
statt Musik-CDs. Von Juli 2001 bis Juli 2002 wuchs das Umsatzvolumen
um 400 Prozent, ein Jahr darauf nochmals um 120 Prozent.
Wachstumsraten, die T-Online-Chef Thomas Holtrop die Tränen
in die Augen treiben dürften.
Keine Berührungsängste mit Rotlichtdiensten
Als Wermutstropfen wird er wohl den anhaltenden Erfolg
von pornografischen Inhalten empfinden ("Dies lässt
sich nicht mit unserer Marke vereinbaren"): plus 1089
Prozent (2001/02) respektive 110 Prozent ein Jahr später.
Freuen dürfte dieser Trend Bluewin,
das Schweizer Pendant zu T-Online, das keine Berührungsängste
mit Rotlichtdiensten kennt.
Ebenfalls im dreistelligen Bereich wuchsen die Umsätze
von MP3-Files, Finanzinformationen, Games oder Produkte-
und Warentests. Vergleichsweise kümmerlich erscheinen
dagegen die 69 Prozent Plus in der Kategorie "News".
Das sollte den unter dem Einbruch im Print- wie Online-Anzeigenmarkt
leidenden Verlagshäusern zu denken geben. Zu lange haben
sie am Glaubenssatz festgehalten, dass es zur werbefinanzierten
Gratiskultur keine Alternative gebe. Nur zaghaft begann die
Zeitungsbranche kürzlich, die Gebührenpflicht einzuführen.
Ein Blick auf die Umsatzanteile der verschiedenen Teilmärkte
verheißt ebenfalls wenig Gutes für die Verlage.
So setzen News-Angebote lediglich 1,6 Prozent um - obwohl
die Zeitungen und Zeitschriften als Pioniere für digitale
Dienstleistungen gelten. Beeindruckend sind demgegenüber
die Marktanteile der Erotikanbieter (18,5 Prozent), Finanzinformationen
(15,7 Prozent) oder virtuellen Anzeigenmärkte (15,3
Prozent).
Bezahlsysteme werden besser
Bei aller Wachstumseuphorie darf jedoch nicht vergessen werden,
dass die Umsätze
mit digitalen Gütern im Vergleich zum Online-Handel mit Waren immer noch
ein Klacks sind: 30 Millionen Euro versus 5,3 Milliarden Euro letztes Jahr
in Deutschland.
Für Florian
Stahl, Ko-Autor der HSG-Studie, belegen
die Ergebnisse trotzdem eine klare Trendumkehr hin zur Gebührenpflicht: "Bis
zum Jahr 2003 hat sich in Deutschland ein Markt für
digitale Inhalte und Dienstleistungen herausgebildet, der
im Jahre 2000 noch gar nicht existiert hat." Dieser
Aussage stimmt auch der Berner E-Commerce-Spezialist Pascal
Sieber zu: "Grundsätzlich ist die Zahlungsbereitschaft
gestiegen. Denn es gibt immer mehr Inhalte, die sich online
vermarkten lassen."
Katalysator für diese positive Entwicklung ist ebenfalls
die sukzessive Verbesserung der Bezahlmethoden. Theoretisch
steht dem Online-Kunden eine ganze Reihe von Zahlungsmöglichkeiten
zur Verfügung: Lastschrift, Vorausüberweisung,
Rechnung, Kreditkarte, Bezahlung mittels Handy, auf Vorauszahlung
beruhende Systeme (E-Cash) und Inkassostellen zur Sammelabrechnung
wie Firstgate (Ko-Sponsor der HSG-Studie). Die drei Letztgenannten
eignen sich am besten für die Abwicklung von Kleinstbeträgen,
wie sie insbesondere bei digitalen Gütern anfallen.
Inkassostellen helfen die Transaktionskosten zu reduzieren,
indem sie die Rappenbeträge des Kunden bei verschiedenen
Anbietern zusammenfassen und diese beispielsweise via Kreditkarte
verrechnen. Die insbesondere in Deutschland populäre
Firstgate konnte ihre Kundenzahl innerhab von zwei Jahren
von 0,5 auf 2,5 Millionen steigern und ist eigenen Angaben
zufolge Marktführerin.
T-Online-Chef Holtrop sagte Ende 2002 der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung": "Im Jahr 2004 werden
Sie keine Diskussion mehr haben zu der Frage: Geht Paid Content überhaupt?
Das wird dann einfach akzeptiert."
Dieser Artikel ist zuerst in der SonntagsZeitung erschienen.
Mit freundlicher Genehmigung. |