onlinejournalismus.de - Das Magazin zum Thema
Newsletter
eintragen
austragen
  Archiv | Infos
Suchen
"UND"
"ODER"
Blogs!
Rezension
Surftipp
Seite besuchen
PAID CONTENT 01.04.2004
Das Geld sitzt lockerer
Von Email an Michael Soukup sendenMichael Soukup | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Eine Studie des MCM Instituts der Universität St. Gallen zeigt: User stehen Bezahlinhalten im Netz gar nicht mehr so skeptisch gegenüber. Während die Umsätze für MP3-Files, Warentests und Finanzinformationen dreistellige Wachstumsraten verzeichnen, sieht das Interesse an der Ware "News" jedoch vergleichsweise kümmerlich aus.

Die Akzeptanz von Bezahlinhalten steigt, offenbar auch, weil die Systeme zur Begleichung von Kleinstbeträgen besser werden. (Foto: Mischel)

Das Internet war von Anfang an auf die schiefe Bahn geraten. Zumindest aus kommerzieller Sicht. Zwar erlebte das Netz mit dem Aufkommen des poppigen Webs eine beispiellose Popularisierung. Die Ökonomisierung hingegen schreitet seither nur harzig voran.

Auch heute noch atmet das einstige Forschernetzwerk den Geist der "Culture of Giving", der Ökonomie des Kostenlosen. "Es ist ein mühsames Geschäft, den Geburtsfehler der Gratiskultur im Internet zu korrigieren", lässt sich T-Online-Chef Thomas Holtrop immer wieder gerne zitieren. Kein Wunder, dass die Branche mit Argusaugen Ausschau nach Anzeichen eines Kulturwandels hält.

Eine neue externer LinkUntersuchung des St. Galler Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement (MCM Institute) könnte so ein Fingerzeig sein. Nun gibt es natürlich Studien wie Sand am Meer. Die Universität St. Gallen hat jedoch nicht - wie so oft - Internetnutzer nach ihrer Zahlungsbereitschaft befragt, sondern realisierte Umsatzdaten ermittelt. Und zwar diejenigen der 550 größten, kostenpflichtigen Websites Deutschlands.

Untersuchungsgegenstand waren digitale Güter, jedoch keine materiellen Angebote: Also beispielsweise MP3-Musikstücke statt Musik-CDs. Von Juli 2001 bis Juli 2002 wuchs das Umsatzvolumen um 400 Prozent, ein Jahr darauf nochmals um 120 Prozent. Wachstumsraten, die T-Online-Chef Thomas Holtrop die Tränen in die Augen treiben dürften.

Keine Berührungsängste mit Rotlichtdiensten

Als Wermutstropfen wird er wohl den anhaltenden Erfolg von pornografischen Inhalten empfinden ("Dies lässt sich nicht mit unserer Marke vereinbaren"): plus 1089 Prozent (2001/02) respektive 110 Prozent ein Jahr später. Freuen dürfte dieser Trend externer LinkBluewin, das Schweizer Pendant zu T-Online, das keine Berührungsängste mit Rotlichtdiensten kennt.

Ebenfalls im dreistelligen Bereich wuchsen die Umsätze von MP3-Files, Finanzinformationen, Games oder Produkte- und Warentests. Vergleichsweise kümmerlich erscheinen dagegen die 69 Prozent Plus in der Kategorie "News". Das sollte den unter dem Einbruch im Print- wie Online-Anzeigenmarkt leidenden Verlagshäusern zu denken geben. Zu lange haben sie am Glaubenssatz festgehalten, dass es zur werbefinanzierten Gratiskultur keine Alternative gebe. Nur zaghaft begann die Zeitungsbranche kürzlich, die Gebührenpflicht einzuführen.

Ein Blick auf die Umsatzanteile der verschiedenen Teilmärkte verheißt ebenfalls wenig Gutes für die Verlage. So setzen News-Angebote lediglich 1,6 Prozent um - obwohl die Zeitungen und Zeitschriften als Pioniere für digitale Dienstleistungen gelten. Beeindruckend sind demgegenüber die Marktanteile der Erotikanbieter (18,5 Prozent), Finanzinformationen (15,7 Prozent) oder virtuellen Anzeigenmärkte (15,3 Prozent).

Bezahlsysteme werden besser

Bei aller Wachstumseuphorie darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Umsätze mit digitalen Gütern im Vergleich zum Online-Handel mit Waren immer noch ein Klacks sind: 30 Millionen Euro versus 5,3 Milliarden Euro letztes Jahr in Deutschland.

Für externer LinkFlorian Stahl, Ko-Autor der HSG-Studie, belegen die Ergebnisse trotzdem eine klare Trendumkehr hin zur Gebührenpflicht: "Bis zum Jahr 2003 hat sich in Deutschland ein Markt für digitale Inhalte und Dienstleistungen herausgebildet, der im Jahre 2000 noch gar nicht existiert hat." Dieser Aussage stimmt auch der Berner E-Commerce-Spezialist externer LinkPascal Sieber zu: "Grundsätzlich ist die Zahlungsbereitschaft gestiegen. Denn es gibt immer mehr Inhalte, die sich online vermarkten lassen."

Katalysator für diese positive Entwicklung ist ebenfalls die sukzessive Verbesserung der Bezahlmethoden. Theoretisch steht dem Online-Kunden eine ganze Reihe von Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung: Lastschrift, Vorausüberweisung, Rechnung, Kreditkarte, Bezahlung mittels Handy, auf Vorauszahlung beruhende Systeme (E-Cash) und Inkassostellen zur Sammelabrechnung wie externer LinkFirstgate (Ko-Sponsor der HSG-Studie). Die drei Letztgenannten eignen sich am besten für die Abwicklung von Kleinstbeträgen, wie sie insbesondere bei digitalen Gütern anfallen.

Inkassostellen helfen die Transaktionskosten zu reduzieren, indem sie die Rappenbeträge des Kunden bei verschiedenen Anbietern zusammenfassen und diese beispielsweise via Kreditkarte verrechnen. Die insbesondere in Deutschland populäre Firstgate konnte ihre Kundenzahl innerhab von zwei Jahren von 0,5 auf 2,5 Millionen steigern und ist eigenen Angaben zufolge Marktführerin.

T-Online-Chef Holtrop sagte Ende 2002 der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Im Jahr 2004 werden Sie keine Diskussion mehr haben zu der Frage: Geht Paid Content überhaupt? Das wird dann einfach akzeptiert."

Dieser Artikel ist zuerst in der externer LinkSonntagsZeitung erschienen. Mit freundlicher Genehmigung.

Texts for Teaching
Mindy McAdams nimmt im Online Journalism Review neun
englischsprachige Lehrbücher für den Online-Journalismus unter die Lupe. Sie ist
Professorin an der University of Florida.
lesen
Dossiers
Zehn Jahre Online- Journalismus: Wir blicken auf die nüchterne Realität, unerfüllt gebliebene Visionen und mögliche Zukunftsmodelle.
zum Dossier
Umfangreiches Dossier rund um Weblogs und Journalismus.
zum Dossier
Forschung
Ihre Studien und wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema veröffentlichen?
schreiben Sie uns
Aus den Ressorts
Webwatch: Relaunch bei MSNBC.com - Aus alten Fehlern lernen
Praxis: Ressourcen für Journalisten - Alle Links zum Rest der Welt
Aus- und Fortbildung: Bestandsaufnahme - Ausbildung für den Online- Journalismus im Jahr 2003
Forschung: Delphi- Studie bringt prozentgenaue Prognose zum Online- Publishing
Buchtipps: Videojournalismus - Die digitale Revolution?
 
 

nach oben