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JOURNALISTISCHE WEBLOGS 26.07.2004
Das Land, das sich nicht traut
Von Email an den AutorCorinna Warth | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Weblogs - in Deutschland noch Netztagebücher, in den USA bereits eine neue Form journalistischer Berichtserstattung. Verschläft Deutschland einen weiteren Trend aus Übersee?

Quo vadis, Weblogdeutschland? (Foto: privat)

Es wird gebloggt, was das Zeug hält. Auch auf Deutschland ist die "Weblogwelle" aus den USA bereits übergeschwappt. Die Internetuser in Deutschland werden geradezu ertränkt in Ergüssen exhibitionistisch veranlagter Blogger, die ihr tiefstes Seelenleben in "Netztagebüchern" ausbreiten. Allein der Anbieter 20six verzeichnet tausende privater Weblogs, in denen Gewichtsprobleme, Liebeskummer und andere Wehwehchen besprochen werden. Anscheinend ist Privatsphäre kein Thema im Netz.

Während in Deutschland Weblogs vor allem noch als Netztagebücher gesehen werden, haben sie sich in den USA zu weitaus Größerem entwickelt. Journalistisch brisante Themen bekommen dort eigene Weblogs und damit eine separate Diskussionsplattform. So erhält das Format immer mehr Einzug in die Welt des Journalismus. Übervorsichtig, fast wie eine Porzellanfigur, behandelt man hingegen das Thema in Deutschland. Qualitätsverlust und zu viel Freiheit für Journalisten und Korrespondenten lassen die Redaktionen vor einem Einsatz von Weblogs zurückschrecken. Deutschland macht sich wieder einmal viel zu viele Gedanken, anstatt Mut zu beweisen und zu handeln.

"Die Zeit" zeigt mit ihren Weblogs, dass sich das Wagnis durchaus lohnt. Tagesschau.de will im Spätsommer mit einem Korrespondenten-Blog zur US-Wahl nachziehen. Weiter so Deutschland. Traut euch. Was gibt es zu verlieren? Fakt ist, Weblogs sind auf dem Vormarsch, auch hierzulande. Und das ist auch gut so. Weblogs lassen Journalisten erkennen, was die Menschen tatsächlich interessiert und wo die eigentlichen Themenschwerpunkte in der Gesellschaft liegen. Suchmaschinen wie Daypop oder Blogdex können zu einer fundierten und ganz anderen Art von Recherche beitragen. Also, liebe Journalisten, habt keine Scheu. Hier geht es nicht um Rivalität zwischen neuen und alten Medien, sondern um eine Verschmelzung bestehender journalistischer Formen zu einer ganz neuen, ergänzenden Art. Je schneller sich diese Tatsache in den Köpfen verbreitet, desto besser. Vielleicht gelingt auch in Deutschland der Spagat zwischen Exhibitionismus und Journalismus.

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