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Für die einen ist es nur ein unbedeutendes Experiment, für die anderen eine der kühnsten Errungenschaften im Netz. Der Einsatz von Weblogs als journalistisches Format ist weiterhin umstritten.
Das lief so ähnlich wie mit den Kaugummis und Marlboros.
So versucht Jochen Bittner, Redakteur der Zeit, den Trend
aus Übersee zu erklären: Ein neues Format namens
Weblogs hält seit
einigen Jahren Einzug ins Internet und findet mittlerweile
auch in Deutschland eine große Leserschaft. Nur eine
Modeerscheinung? Oft geht es um private Themen. Deshalb werden
Weblogs vielfach auch als Netz-Tagebücher gehandelt.
Aber auch als Linksammlungen oder Community-Plattform
können sie verstanden werden. Grundsätzlich steht
fest: Weblogs sind zurzeit ein brandheißes Thema und
das wohl freieste Format in der Medienwelt. Zum einen wegen
der möglichen Vielfalt publizistischer Inhalte, zum anderen,
weil nahezu jeder die Möglichkeit hat, sich in einem
Weblog als Autor zu versuchen.
Gerade die letztere Tatsache sorgt im Journalismus für
große Aufruhr. Gegner des neuen Formates sehen darin
eine Gefahr für die klassischen Medien - vor allem durch
einen Qualitätsverlust der publizistischen Inhalte. Hierbei
stützen sie sich auf das Argument, dass die Artikel unzensiert
ins Netz gestellt werden können und die Autoren oft keine
klassische Journalistenausbildung genossen haben. Ute Miszewski
von der Spiegel-Gruppe ging in einem Pressegespräch noch
einen Schritt weiter: Sie behauptete, dass journalistische
Texte ausschließlich von denjenigen geschrieben werden
können, die eine entsprechende Ausbildung genossen haben.
Tatsächlich werden diese Ansprüche in der deutschen
Blogosphäre nur selten erfüllt. Zwar schreiben zunehmend
auch Journalisten
Netz-Tagebücher, doch vom traditionellen Journalismus
sind sie dabei meist weit entfernt. Laut Jochen Bittner "sollten
journalistische Beiträge in Weblogs das Tagesgeschehen
widerspiegeln, einordnen oder kritisch begleiten." Vorstufen
und Experimente in diesem Sinne gab und gibt es häufig.
Auf der Website
des SWR beschreibt Multimedia-Reporter
Martin Ebbing seine Erfahrungen und Erlebnisse im Krisengebiet
Irak anhand Weblog-artiger Einträge. Bereits 1997 machte
auch Spiegel Online erste Gehversuche und veröffentlichte
ein Produktionstagebuch zur "Panamericana"-Serie
von Spiegel TV, das Weblog-ähnliche Züge trug.
Doch seinen eigenen Anforderungen an ein journalistisches
Weblog scheint in Deutschland nur Bittner selbst gerecht zu
werden. In Beruf
Terrorist schreibt er über die aktuellen Geschehnisse
im globalen Kampf gegen den Terror. Nicht nur, dass er Informationen
geballt und top-aktuell ins Netz stellen kann. Er nutzt Querverlinkungen,
um damit den Leser tiefer in die Thematik einsteigen zu lassen.
Zusätzlich können die Einträge direkt kommentiert
werden, was der Autor als große Nähe zum Leser
begrüßt.
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