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Weblogs - eine Revolution des Journalismus? Vielleicht braucht die Utopie eine Bündnisstrategie mit den etablierten Mächten.
Ein Gespenst geht um in der publizistischen Welt. Schon sprechen
manche Insider von einer Revolution. Weblogs – eine
neue Ära des Schreibens, der Umbruch publizistischer
Inhalte, ja, eine komplette Umstrukturierung des klassischen
Journalismus? Ob in Warblogs, Wahlblogs oder stark kommentierenden
Logbüchern: Viele Journalisten, die einst auf herkömmliche
Art und Weise ihre Beiträge für Redaktionen schrieben
und sich jede einzelne Zeile erkämpfen mussten, brechen
aus. Auf ihren Seiten beschäftigen sie sich mit Dingen,
die vermutlich niemals die Hürden einer traditionellen
Redaktion genommen hätten. Die Resonanz im Internet ist
teils gewaltig.
Denn es will raus. Alles, was auf den Seiten eines populären
Magazins oder einer überregionalen Zeitung keinen Platz
findet und vielleicht trotzdem von publizistischer Bedeutung
wäre. Hinzu kommt die unterschätzte Macht der Subversion:
Es geht hier nicht ums Geld, um den Verdienst, sondern um
etwas ganz anderes. Das gibt den Revolutionären ihre
Stärke und sorgt für Sympathisanten. Um Freiheit
geht es und um Unabhängigkeit. Vom Vorstadt-Bäcker
bis zum promovierten Literaturprofessor: Jeder kann jetzt
journalistisch relevante Inhalte im Netz zum Thema
machen. Die Technik lässt es zu und die Leser lesen.
Da ist die Gleichheit oder Gleichberechtigung aller Autoren
nur noch einen Maus-Klick entfernt.
Vernetzt und organisiert
Und noch ein weiterer Punkt lässt die Weblogszene einer
Revolution gleich kommen: Die Gemeinschaft, oder besser: Community!
Die Autoren der Netz-Tagebücher schreiben nicht im stillen
Kämmerlein und mit Scheuklappen links und rechts. Sie
sind vernetzt und organisiert. Mithilfe von Blogrolls oder
Trackbacks verweisen sie auf andere Weblogs und Autoren. Schulter
an Schulter im Kampfe um Ruhm und Freiheit.
An der gegnerischen Front stehen die Verfechter des klassischen
Journalismus. Die meisten schenken den Revoluzzern allenfalls
ein herablassendes Lächeln: "Ein nettes Experiment
von und für ein paar Intellektuelle." Anderen schlottern
beim Anblick der anarchisch ausufernden Bloggerszene die Knie.
Denn aufzuhalten ist die Bewegung nicht mehr.
Also eine Bündnis-Strategie? Tatsächlich spürten
manche konventionellen Redaktionen bereits im Jahre 2003 den
"Wind der Revolution" aufkommen. Statt eingebetteter
Journalisten, die das Volk aus dem Irak mit den neuesten Nachrichten
versorgen sollten, bettete exemplarisch der britische „Guardian“
den Warblogger Salam Pax als freien Autor in die Redaktion
ein. "Clever" sagen die einen, "Verrat"
rufen die anderen. Doch die Zukunft des Journalismus verlangt
nach einem Schulterschluss der Fraktionen. Nur gemeinsam können
grundlegende Ziele des Journalismus erreicht werden. Die Freiheiten
von Weblogs wahrnehmen und gleichzeitig für das höchste
Maß an Qualität der Inhalte sorgen, so brechen
wir auf in eine neue Blütezeit des Journalismus.
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