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JOURNALISTISCHE WEBLOGS 26.07.2004
Liberté, égalité, fraternité
Von Email an Vorname Name sendenAndi Dorner | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Weblogs - eine Revolution des Journalismus? Vielleicht braucht die Utopie eine Bündnisstrategie mit den etablierten Mächten.

Per Mausklick zur Revolution (Foto: Jasmin Rössel)

Ein Gespenst geht um in der publizistischen Welt. Schon sprechen manche Insider von einer Revolution. Weblogs – eine neue Ära des Schreibens, der Umbruch publizistischer Inhalte, ja, eine komplette Umstrukturierung des klassischen Journalismus? Ob in Warblogs, Wahlblogs oder stark kommentierenden Logbüchern: Viele Journalisten, die einst auf herkömmliche Art und Weise ihre Beiträge für Redaktionen schrieben und sich jede einzelne Zeile erkämpfen mussten, brechen aus. Auf ihren Seiten beschäftigen sie sich mit Dingen, die vermutlich niemals die Hürden einer traditionellen Redaktion genommen hätten. Die Resonanz im Internet ist teils gewaltig.

Denn es will raus. Alles, was auf den Seiten eines populären Magazins oder einer überregionalen Zeitung keinen Platz findet und vielleicht trotzdem von publizistischer Bedeutung wäre. Hinzu kommt die unterschätzte Macht der Subversion: Es geht hier nicht ums Geld, um den Verdienst, sondern um etwas ganz anderes. Das gibt den Revolutionären ihre Stärke und sorgt für Sympathisanten. Um Freiheit geht es und um Unabhängigkeit. Vom Vorstadt-Bäcker bis zum promovierten Literaturprofessor: Jeder kann jetzt journalistisch relevante Inhalte im Netz zum Thema
machen. Die Technik lässt es zu und die Leser lesen. Da ist die Gleichheit oder Gleichberechtigung aller Autoren nur noch einen Maus-Klick entfernt.

Vernetzt und organisiert

Und noch ein weiterer Punkt lässt die Weblogszene einer Revolution gleich kommen: Die Gemeinschaft, oder besser: Community! Die Autoren der Netz-Tagebücher schreiben nicht im stillen Kämmerlein und mit Scheuklappen links und rechts. Sie sind vernetzt und organisiert. Mithilfe von Blogrolls oder Trackbacks verweisen sie auf andere Weblogs und Autoren. Schulter an Schulter im Kampfe um Ruhm und Freiheit.

An der gegnerischen Front stehen die Verfechter des klassischen Journalismus. Die meisten schenken den Revoluzzern allenfalls ein herablassendes Lächeln: "Ein nettes Experiment von und für ein paar Intellektuelle." Anderen schlottern beim Anblick der anarchisch ausufernden Bloggerszene die Knie. Denn aufzuhalten ist die Bewegung nicht mehr.

Also eine Bündnis-Strategie? Tatsächlich spürten manche konventionellen Redaktionen bereits im Jahre 2003 den "Wind der Revolution" aufkommen. Statt eingebetteter Journalisten, die das Volk aus dem Irak mit den neuesten Nachrichten versorgen sollten, bettete exemplarisch der britische „Guardian“ den Warblogger Salam Pax als freien Autor in die Redaktion ein. "Clever" sagen die einen, "Verrat" rufen die anderen. Doch die Zukunft des Journalismus verlangt nach einem Schulterschluss der Fraktionen. Nur gemeinsam können grundlegende Ziele des Journalismus erreicht werden. Die Freiheiten von Weblogs wahrnehmen und gleichzeitig für das höchste Maß an Qualität der Inhalte sorgen, so brechen wir auf in eine neue Blütezeit des Journalismus.

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