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WEBLOGS VON JOURNALISTEN 26.07.2004
"Mein Blog ist ein permanentes Lebenszeichen"
Von Email an den AutorAlexander Kohne | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Der freie Journalist Mario Sixtus präsentiert sich und seine Texte in einem externer LinkWeblog und hat damit großen Erfolg. Im Interview nennt er die Vorteile für Journalisten und erklärt, wie Weblogs als Marketing-Instrument eingesetzt werden können.

Mario Sixtus nutzt sein Weblog, um sich und seine Texte als freier Journalist zu präsentieren. (Foto (M): Screenshot)

Herr Sixtus, warum betreiben Sie ein eigenes Weblog?

Dafür gibt es einen Strauß von Gründen. Zum einen ist es ein öffentliches Notizbuch. Hier landen Links zu Themen, von denen ich (noch) nicht weiß, was ich damit anfangen soll, die ich aber irgendwie trotzdem interessant finde. Manchmal stöbere ich im Archiv und auf einmal verbinden sich zwei oder drei Einträge zu einem übergeordneten Bild. Hätte ich keine Notizen gemacht, hätte ich das Bild wahrscheinlich nicht entdeckt. Somit dient das Blog auch der Themenfindung für Artikel. Ich habe das einmal einem Journalistenkollegen erzählt, der mich daraufhin für halbwegs verrückt erklären wollte. Meine Quellen und meine Themen seien doch mein Kapital... Ich sehe das nicht ganz so eng. Schließlich lasse ich mich auf Themensuche bisweilen auch durch Blogs inspirieren. Das Spielchen heißt Geben und Nehmen. Sonst funktioniert es nicht.

Mario Sixtus (Foto: privat)

Ansonsten erfüllt mein Blog die Funktion eines permanenten Lebenszeichens. Viele Journalisten-Websites sehen so aus, als wären sie das letzte Mal 1997 mit Inhalt gefüllt worden und auf viele trifft das wohl auch zu. Ich schreibe über das Internet, ergo muss ich zeigen, dass ich es als Informations- und Kommunikationsmedium ernst nehme. Sonst würde ich mich wahrscheinlich unglaubwürdig machen.

Für deutsche Journalisten sind Weblogs bislang eher privates Vergnügen. Warum wird das Format noch so selten professionell genutzt?

Professionell heißt Geld verdienen. Das kann man mit Blogs bislang nicht. Zumindest nicht hierzulande. Dass Berufsschreiber keine Lust haben, auch noch ihre Freizeit vor der Tastatur zu verbringen, kann ich gut verstehen. Andere genießen die Freiheit, die ihnen ein Publizieren ohne Chefredakteur ermöglicht. Aber das tun sie dann wiederum aus den gleichen Gründen, wie nichtprofessionelle Schreiber. So gesehen gibt es in Deutschland keine professionellen Blogs.

Aber man kann es doch professionell nennen, wenn Sie sixtus.net gezielt zur Selbstvermarktung nutzen und dort bisher erschienene Artikel präsentieren! Wie bewerten Sie den Erfolg?

 STECKBRIEF: 

Sehr gut! Bei Erstkontakten mit Redaktionen verweise ich als Antwort auf die berühmte Frage nach Referenz-Artikeln schlicht auf mein Archiv im Netz. Dort können sich Redakteure nach Belieben durch die Texte klicken. Wer sich für meine Themen interessiert, dem ist diese Möglichkeit meist sympathischer, als megabyteschwere PDFs gemailt zu bekommen. Wer mit dem Netz nicht so vertraut ist und lieber totes Holz in Händen hält, hat wahrscheinlich auch Probleme mit meiner Themenauswahl. Mehrfach haben mich auch Redakteure gezielt auf einzelne Artikel angesprochen ("Sie haben doch für XYZ über 123 geschrieben, das könnte unsere Leser auch interessieren, allerdings müssen Sie berücksichtigen, dass unser Zielpublikum eher ABC ist..."). Die Texte werden also offenbar wirklich gelesen und nicht nur durchgeklickt.

Auch von anderer Seite kommt immer wieder interessantes Feedback ("Sie haben doch diesen Artikel über 456 geschrieben. Wir die ÄÖÜ-Foundation planen dazu in 14 Tagen die 890-Aktion...")

Was halten Sie von der Vision, dass Journalisten in Zukunft allein durch persönliche Weblogs ihren Lebensunterhalt bestreiten können?

Vorstellbar wäre das in einigen Jahren durchaus. In den USA gibt es ja bereits die ersten Pioniere. Als jemand, der gerne schreibt, aber ungern mit Themen hausieren geht, hätte ich gegen diese Form des Broterwerbs nichts einzuwenden. Die Möglichkeit, ein Thema im Kopf zu haben, direkt einen Artikel runterzuhacken und ihn sofort zu publizieren, ohne ihn vorher anpreisen zu müssen und auf Aber-nicht-mehr-als-120-Zeilen-Vorgaben Rücksicht nehmen zu müssen, ist natürlich faszinierend. Aber solange ich die 120 Zeilen bei einer Zeitung bezahlt bekomme und für einen Artikel im Blog mit Links und netten Worten entlohnt werde, ist das wirtschaftlich nicht machbar.

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