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Der freie Journalist Mario Sixtus präsentiert
sich und seine Texte in einem Weblog
und hat damit großen Erfolg. Im Interview nennt er die
Vorteile für Journalisten und erklärt, wie Weblogs
als Marketing-Instrument eingesetzt werden können.
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| Mario Sixtus nutzt
sein Weblog, um sich und seine Texte als freier
Journalist zu präsentieren. (Foto (M): Screenshot)
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Herr Sixtus, warum betreiben Sie ein eigenes Weblog?
Dafür gibt es einen Strauß von Gründen. Zum
einen ist es ein öffentliches Notizbuch. Hier landen
Links zu Themen, von denen ich (noch) nicht weiß, was
ich damit anfangen soll, die ich aber irgendwie trotzdem interessant
finde. Manchmal stöbere ich im Archiv und auf einmal
verbinden sich zwei oder drei Einträge zu einem übergeordneten
Bild. Hätte ich keine Notizen gemacht, hätte ich
das Bild wahrscheinlich nicht entdeckt. Somit dient das Blog
auch der Themenfindung für Artikel. Ich habe das einmal
einem Journalistenkollegen erzählt, der mich daraufhin
für halbwegs verrückt erklären wollte. Meine Quellen und meine Themen seien doch mein Kapital...
Ich sehe das nicht ganz so eng. Schließlich lasse ich
mich auf Themensuche bisweilen auch durch Blogs inspirieren.
Das Spielchen heißt Geben und Nehmen. Sonst funktioniert
es nicht.
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| Mario Sixtus
(Foto: privat) |
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Ansonsten erfüllt mein Blog die Funktion eines permanenten
Lebenszeichens. Viele Journalisten-Websites sehen so aus,
als wären sie das letzte Mal 1997 mit Inhalt gefüllt
worden und auf viele trifft das wohl auch zu. Ich schreibe
über das Internet, ergo muss ich zeigen, dass ich es
als Informations- und Kommunikationsmedium ernst nehme. Sonst
würde ich mich wahrscheinlich unglaubwürdig machen.
Für deutsche Journalisten sind Weblogs bislang eher
privates Vergnügen. Warum wird das Format noch so selten
professionell genutzt?
Professionell heißt Geld verdienen. Das kann man mit
Blogs bislang nicht. Zumindest nicht hierzulande. Dass Berufsschreiber
keine Lust haben, auch noch ihre Freizeit vor der Tastatur
zu verbringen, kann ich gut verstehen. Andere genießen
die Freiheit, die ihnen ein Publizieren ohne Chefredakteur
ermöglicht. Aber das tun sie dann wiederum aus den gleichen
Gründen, wie nichtprofessionelle Schreiber. So gesehen
gibt es in Deutschland keine professionellen Blogs.
Aber man kann es doch professionell nennen, wenn Sie sixtus.net
gezielt zur Selbstvermarktung nutzen und dort bisher erschienene
Artikel präsentieren! Wie bewerten Sie den Erfolg?
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| Mario Sixtus ist
freier Journalist und lebt in Düsseldorf.
In seinem Weblog schreibt er hauptsächlich
über Themen rund um Computer, Internet
und Telekommunikation. Gleichzeitig hat er
für potenzielle Auftraggeber ein riesiges
Archiv seiner Artikel angelegt. Er schreibt
für c´t, DE:BUG, Die Zeit, Frankfurter
Rundschau, Spiegel Online, Tagesanzeiger,
Telepolis und ZDFheute. Anfang des nächsten
Jahres will er ein Buch zum Thema „Weblogs“
veröffentlichen. |
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Sehr gut! Bei Erstkontakten mit Redaktionen verweise ich
als Antwort auf die berühmte Frage nach Referenz-Artikeln
schlicht auf mein Archiv im Netz. Dort können sich Redakteure
nach Belieben durch die Texte klicken. Wer sich für meine
Themen interessiert, dem ist diese Möglichkeit meist
sympathischer, als megabyteschwere PDFs gemailt zu bekommen.
Wer mit dem Netz nicht so vertraut ist und lieber totes Holz
in Händen hält, hat wahrscheinlich auch Probleme
mit meiner Themenauswahl. Mehrfach haben mich
auch Redakteure gezielt auf einzelne Artikel angesprochen
("Sie haben doch für XYZ über 123 geschrieben,
das könnte unsere Leser auch interessieren, allerdings
müssen Sie berücksichtigen, dass unser Zielpublikum
eher ABC ist..."). Die Texte werden also offenbar wirklich
gelesen und nicht nur durchgeklickt.
Auch von anderer Seite kommt immer wieder interessantes Feedback
("Sie haben doch diesen Artikel über 456 geschrieben.
Wir die ÄÖÜ-Foundation planen dazu in 14 Tagen
die 890-Aktion...")
Was halten Sie von der Vision, dass Journalisten in Zukunft
allein durch persönliche Weblogs ihren Lebensunterhalt
bestreiten können?
Vorstellbar wäre das in einigen Jahren durchaus. In
den USA gibt es ja bereits die ersten Pioniere. Als jemand,
der gerne schreibt, aber ungern mit Themen hausieren geht,
hätte ich gegen diese Form des Broterwerbs nichts einzuwenden.
Die Möglichkeit, ein Thema im Kopf zu haben, direkt einen
Artikel runterzuhacken und ihn sofort zu publizieren, ohne
ihn vorher anpreisen zu müssen und auf Aber-nicht-mehr-als-120-Zeilen-Vorgaben
Rücksicht nehmen zu müssen, ist natürlich faszinierend.
Aber solange ich die 120 Zeilen bei einer Zeitung bezahlt
bekomme und für einen Artikel im Blog mit Links und netten
Worten entlohnt werde, ist das wirtschaftlich nicht machbar.
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