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EYETRACK-STUDIE 03.02.2005
Details zur Nachrichten-Nutzung im Netz
Von Email an Fiete Stegers sendenFiete Stegers | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Aufsehen erregte die Eyetrack-Studie des Poynter Instituts 1999/2000, weil sie das Nutzer-Verhalten bei Nachrichten-Websites nicht allein in PI und Clickstreams maß, sondern per Kamera untersuchte. Für die neue Auflage der Studie, die Poynter im Herbst 2004 vorstellte, wurde die Technik weiter verfeinert – der größte Kritikpunkt blieb allerdings erhalten. Dennoch lohnt die Lektüre: wissenschaftliche Bestätigung für einige Annahmen aus dem Redaktionsalltag und viele, viele Diskussionsanstöße fürs Newsdesign im Netz.

Wie schauen sich User eine Webseite an? Welche Komponenten erhalten die meiste Aufmerksamkeit? Eyetrack lieferte wenig überraschende Ergebnisse. (Montage: Stegers)

"Alles mit Vorsicht betrachten", riet der Webdesigner [externer Link]Jan Persiel, als er die zentralen Ergebnisse von Eyetrack III im November auf einer Tagung in Hamburg vorstellte. Ignorieren konnte eine Veranstaltung mit dem Titel [interner Link]"Online-Journalismus 4.0" die Forschungsergebnisse des Poynter Instituts wohl kaum. Die Methode ist seit der [interner Link]zweiten Auflage der Studie (die erste beschäftige sich mit Zeitungslesern) verfeinert worden, aber immer noch ziemlich einzigartig – zumindest ist mir keine ähnliche Untersuchung bekannt, die sich der Nutzung von Nachrichten-Websites allgemein widmet und ihre Ergebnisse gratis zugänglich macht.

Eyetrack III setzte Nutzern verschiedene Standardtypen von Nachrichten-Websites vor und verfolgte dann mittels einer Kamera genau, wohin diese auf einer Site schauten, wann sie etwas anklickten und wie lange sie einzelne Bereiche einer Website betrachteten ([externer Link]Informationen zur Methode). Der große Haken an der Sache: Alle Daten basieren auf knapp 50 Versuchpersonen aus San Francisco, die jeweils eine Stunde lang beobachtet wurden. Die Grundlage könnte also größer sein, über die Verallgemeinerbarkeit lässt sich streiten. Auch die Verfasser räumen das ein und sprechen lieber von "Beobachtungen" als von Ergebnissen: "Die Forscher wollten lieber viel Grund abdecken als tief zu gehen." Sie sehen Eyetrack als Diskussionsanstoß. Und dafür eignet sich das extensiv ausgewertete und online präsentierte [externer Link]Material in der Tat. Gleichwohl bleibt zu sagen: Richtige Knaller bieten die Resultate nicht – vieles bestätigt oder unterfüttert, was ohnehin zu vermuten war.

Standardblickmuster – mit blinden Flecken

Webseiten-Scannen nach einem Standardmuster. (Foto: Stegers)

Die meisten Nutzer betrachten die Startseiten von News-Sites laut Eyetrack III mehr oder weniger nach einem [externer Link]Standardmuster: Am intensivsten beachten sie die Bereiche von oben links bis zur Mitte einer Seite. Dann wendet sich die Aufmerksamkeit rasch nach unten und geht im rechten Teil der Seite wieder zurück nach oben.

Logo und Navigation werden als Standardelemente einer Seite zwar vom User gewohnheitsmäßig am oberen linken Rand verortet, aber ähnlich wie Werbebanner gar nicht wahrgenommen oder sogar komplett ausgeblendet, wenn die Nutzer nicht bewusst danach suchen. Die Studie stützt damit die in letzter Zeit häufig geäußerte These, auf eine überbordende linke Menüleiste ganz zugunsten einer horizontalen Hauptnavigation im oberen Bereich der Seite zu verzichten.

Die Nutzer sehen längst nicht alles, was auf einer Website zu finden ist. Wenn ein Artikel nicht geklickt wird, kann das auch heißen, dass er lediglich auf der Homepage falsch platziert ist.

Textgestaltung und Aufmerksamkeit für Teaser

Text wird immer noch erheblich eher und häufiger wahrgenommen als Bilder, wenn der User sich auf einer Seite orientiert. Bildunterschriften werden laut Eyetrack III fast gar nicht beachtet.

Positiv: Nutzer lesen auf Übersichtsseiten mindestens die Überschriften und scrollen durchaus nach unten, auch wenn die Aufmerksamkeit wie erwähnt von oben nach unten abnimmt. Aber auch außerhalb des auf dem ersten Bildschirm sichtbaren Seitenbereichs gibt manchmal noch Dinge, die stärker ins Userauge fallen – möglicherweise durch eine tolle Überschrift oder ein Foto oder einen anderen Eyecatcher.

Wenn Überschriften und Teasertexte (Poynter-Jargon: "blurbs") auf Übersichtsseiten sich im Schriftgrad zu stark unterscheiden, scannen die Leute nur die Überschrift und lassen die kleinen Teasertexte links liegen. Sind die Unterschiede im Schriftgrad kleiner, werden auch die Teaser eher wahrgenommen. Am intensivsten schenkten die Probanden bei Eyetrack III dem linken Drittel von Überschrift und Teasertext ihre Aufmerksamkeit. In letzter Konsequenz hieße das: Genau dort müssten also die Wörter stehen, die die Initialzündung auslösen.

Textgestaltung: Fettgedruckte oder anders hervorgehobene Absätze – zum Beispiel als Vorspann – stoßen auf großes Leserinteresse. Zwischenüberschriften machen erst im unteren Teil eines Artikels Sinn. Kürzere Absätze wurden von den Eyetrack-Nutzern intensiver betrachtet als längere (mich persönlich regen die zweizeiligen Mini-Absätze, die sich häufiger bei der BBC oder CNN finden, ja eher auf).

Fotos und Anzeigen

Fotos: Große Fotos und Gesichter werden erheblich mehr wahrgenommen als kleine Bilder. Ich habe allerdings so meine Zweifel, ob sich das so generalisieren lässt – Politiknachrichten werden ja gerne mit Politikerporträts illustriert, und davon vier Stück untereinander sind meist nicht so attraktiv. Nutzer nehmen Bilder auch als Einstiegsmöglichkeiten in den Text wahr: Teaserbilder sollten also unbedingt klickbar sein und zum Artikel führen.

Ausführlich widmet sich die Studie auch der Gestaltung und Platzierung von Anzeigen. Nur soviel: Anzeigen werden eher wahrgenommen, wenn sie nahe am eigentlichen Content-Bereich platziert sind. Linien und anderen Trennelemente, die auch zwischen Artikeln oder Teasern hinderlich für den Aufmerksamkeitsflow sind, sind zwar gut für die redaktionelle Unabhängigkeit, aber nicht für die Beachtung der Anzeigen. Wenn die Nutzer Werbeelemente anschauen, kommen Textanzeigen (durchschnittlich fast sieben Sekunden Betrachtungszeit) erheblich besser weg als bildlastige Banner (eine Sekunde).

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