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Profil der Online-Medien
Weiterhin bleibt Online nach Meinung der Experten ein Medium
für kurze, schnelle Textinformationen. Angebot und Nachfrage
nach Audio- und Video-Inhalte würden tenzdenziell eher
steigen, seien aber stark abhängig von der Verbreitung
von Breitbandzugängen. Innovative und interaktive Formate
würden nur einen kleinen Teil der Inhalte ausmachen.
Interessant: Nachdem bislang vor allem General-Interest-Angebote
am Markt erfolgreich sind, sehen die befragten Fachleute in
acht Jahren möglicherweise eine Verschiebung zugunsten
von Special-Interest-Angeboten, die auf größere
Zahlungsmoral hoffen könnten, aber auch zu regionalen
Informationen.
Peer- und Parajournalismus
Einerseits glauben die meisten Experten, dass sich Qualitätsjournalismus
zukünftig weiterhin vor allem bei den klassischen Medien
abspielen wird. Andererseits betonen sie, dass bei den Online-Medien
Profi-Journalisten gefragt seien.
Entsprechend beurteilen die Fachleute die klassischen Medienhäuser
auch zukünftig als die wichtigsten Informationsanbieter
im Web – etwa im Vergleich mit Informationsinhalten
von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen über
Weblogs und Peer-To-Peer-Plattformen. In der zweiten Befragungsrunde
merkten jedoch mehre Teilnehmer an, hier würden die Medienexperten
die Bedeutung journalistischer Angebote für die Nutzer
überschätzen. Immerhin rund die Hälfte der
Befragten erwartet, dass sich im Netz Nutzer-Gruppen von "Info-Amateuren"
organisieren, die für den Journalismus eine Agenda-Settingfunktion
übernehmen.
Online-Werbung und Finanzierungsmodelle
Profitabel seien in vier Jahren immerhin rund fünfzehn
überregional General-Interest-Sites, fünf regionale
oder lokale Informationsanbieter und zwanzig Angebote aus
dem Bereich Special Interest, schätzen die Experten.
Der Anteil der Online-Werbung werde jedoch mit prognostizierten
fünf Prozent 2006 weiterhin nur ein kleines Stück
des gesamten Werbemarktes ausmachen und sich hauptsächlich
bei den Websites von überregionalen Print- und TV-Marken
und den großen Portalen abspielen. Hauptsächlich
fehlten der Online-Werbung allgemein akzeptierte Nutzungsdaten
und die Reichweite der klassischen Medien. Auch die Akzeptanz
von Abonnement-Modelle werde nur langsam steigen.
Verkauft würden zukünftig neben Werbeplätzen
weniger allgemeine journalistische Inhalte als zusätzliche
Service-Dienste. Erfolgsversprechender schätzen die Experten
die Zahlungsbereitschaft bei Inhalten für mobile Endgeräte
ein. Überzeugt zeigten sie sich davon, dass in Zukunft
die Mehrheit der Website-Archive kostenpflichtig sind.
Einig sind sich die Experten, dass Online-Plattformen den
Tageszeitungen mit Immobilien-, KFZ- und Stellenanzeigen einige
ihrer Haupterlösquellen entziehen werden. Diese müssten
sich durch die Konkurrenz der Online-Medien nicht nur inhaltlich,
sondern auch geschäftlich neu ausrichten. Regionale und
lokale Zeitungen seien dabei noch etwas besser positioniert
als die überregionalen, schätzen die Experten. Die
Vorteile des Mediums für die Nutzer der Rubrikenmärkte
seien deutlich. Damit würde es für die Zeitungsverleger
bitter rächen, trotz aller ähnlichen Prognosen auf
diesem Gebiet zu zögerlich gehandelt zu haben.
Weitere Ergebnisse zu erwarten
Die Delphi-Studie war Bestandteil eines umfangreicheren
Forschungsprojekts von Professor Peter
Glotz und seinem Mitarbeiter Robin
Meyer-Lucht zur Zukunft von Zeitung
und Zeitschift in der digitalen Ökonomie. Die Gesamtergebnisse
will das MCM im Oktober 2003 vorstellen.
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