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Sie haben den Finger am Puls der Zeit, sind Bollwerke
der Meinungsfreiheit und Fundgruben für ausgehungerte
Info-Junkies:
Community Weblogs. Selbst mitbloggen, nicht nur konsumieren,
heißt hier die Devise. Eine Übersicht.
Ein Community Weblog ist eine Newssite im Blogstil. Im Gegensatz
zum individuellen Weblog gibt es hier eine mehr oder weniger
offene Gruppe von Autoren, die die Beiträge verfasst.
Leser haben die Möglichkeit, die Kommentarfunktion zu
benutzen und Artikel zu diskutieren oder sich aktiv mit eigenen
Artikeln am Weblog zu beteiligen. Community Weblogs haben
sich meist bestimmten Themenbereichen verschrieben, die mal
mehr, mal weniger scharf umrissen sind.
Schrägstrichpunkt
Den Anfang der Bewegung machte eine Site namens Slashdot.
Aufgezogen wurde sie im Jahr 1997, zunächst als private
Infoseite, man könnte sagen: als Fanseite über Open
Source Software.
Slashdot-Gründer Rob "CmdrTaco" Malda informierte
hier die damals vergleichsweise kleine Gemeinde der Linux-Anhänger
über neue Entwicklungen. Er bot – 1997 noch wenig
verbreitet – auch die Möglichkeit, seine Artikel
zu kommentieren und schuf so die Voraussetzungen für
eine aktive Community rund um seine Site.
Schnell entwickelte sich aus diesem Format eine gemeinschaftliche
Publikation. Viele Leser trugen begeistert Informationen zusammen
und sendeten diese per Mail an "CmdrTaco". Um die
rege Beteiligung zu bewältigen, wurde ein Webformular
geschrieben, das die User selbst ausfüllen konnten. Der
Webmaster musste den Artikel nur noch auf seine Eignung überprüfen
und online stellen.
Mittlerweile hat sich das Themenspektrum von Slashdot enorm
erweitert, die Grundphilosophie ist jedoch gleich geblieben.
"News for Nerds. Stuff that matters.", hat sich
die Site auf die Banner geschrieben. Längst geht es nicht
mehr nur um Computer, sondern auch um andere technologische
Neuerungen, die Eroberung des Weltalls, Science Fiction oder
Spiele. Den Kern der Community bilden jedoch immer noch die
Verfechter der freien Software rund um Linux.
Aufgrund der weltweiten Community erhalten Beiträge
auf Slashdot oft mehrere hundert Kommentare innerhalb weniger
Stunden. Dabei tritt auch der so genannte "Slashdot-Effekt"
auf: Eine Site, die in einem geposteten Artikel erwähnt
wird, erlebt einen Ansturm von Besuchern, der vom Server nicht
mehr bewältigt werden kann. Die Site lässt sich
nicht mehr abrufen, sie wurde "slashdoted".
Das intellektuelle Weblog
Eine etwas andere Zielgruppe hat das Weblog, das unter der
Adresse Kuro5hin.org
zu finden ist. Gesprochen wird es "corrosion", eine
Anspielung auf den Vornamen des Gründers Rusty Foster.
Kuro5hin (K5) ist eine Site, die sich sowohl mit technologischen
Neuerungen als auch mit kulturellen Entwicklungen beschäftigt.
Sie richtet sich vornehmlich an ein intellektuelles Publikum.
Im Mission Statement von K5 heißt es: "Kuro5hin.org
is a community of people who like to think." Dementsprechend
wird vom Autor erwartet, seine Meinung in fundierten Storys
darzulegen. Die geposteten Beiträge gehen daher in der
Regel deutlich über kommentierte Links à la Slashdot
hinaus.
Es lebe die Demokratie
K5 praktiziert das Prinzip des Peer-to-Peer-Journalismus.
Die Artikel werden nicht autoritär von einem Redaktionsteam
ausgewählt, sondern demokratisch von der Leserschaft
bewertet. Somit räumt K5 seinen Usern im Vergleich zu
andern Community Weblogs die größten Freiheiten
ein. Die Grundlage dafür ist "Mojo": ein Kommentar-
und Bewertungssystem, das eingeloggten Mitgliedern die Möglichkeit
bietet, selbst mit zu entscheiden, welche Storys auf die Hauptseite
gelangen und welche wieder verworfen werden.
Eine verfasster Artikel gelangt zuerst in die "submission
queue". Hier können andere User Verbesserungsvorschläge
machen oder weitere Informationen beisteuern. Nach längstens
24 Stunden wird zur Abstimmung geschritten. Wird der Artikel
sehr gut bewertet, gelangt er schließlich auf die Hauptseite,
bei schlechterer Bewertung wird er auf der Sektionsseite veröffentlicht
oder komplett verworfen.
Neben den Storys auf der Hauptseite und den einzelnen Sektionen
von kuro5hin sorgen Diaries für thematische Abwechslung:
Hier kann jeder Benutzer sein eigenes, persönliches Weblog
führen. Die Tagebücher werden nicht gefiltert, keine
Informationen werden aussortiert, doch es kann immer noch
kommentiert werden. Somit stellen die Diaries das Fundament
der Community dar.
Vollendet veredelter Blog-Genuss - Der Metafilter
Der Metafilter
gilt als das bekannteste englischsprachige Community Weblog.
Von Slashdot unterscheidet er sich hauptsächlich darin,
dass die Themen, über die diskutiert wird, nicht speziell
auf Computer oder Software beschränkt sind, sondern bunt
gemischt. Anders als bei Kuro5hin sind die Beiträge kurz,
beschränken sich auf einen oder mehrere zugespitzt formulierte
Verweise auf Fundsachen im Netz. Im Metafilter werden Links
über Politik gepostet, es wird über die Verträglichkeit
von Fröschen diskutiert oder der neue Spiderman-Film
kommentiert. Kuriose, wundersame, lustige, aber vor allem
unterhaltsame Links aus dem Internet werden hier zusammengetragen
und bewertet.
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| Unter der eigentümlichen
Adresse http://del.icio.us
ist ein so genannter "Social bookmark
manager" zu finden. Als angemeldetes
Mitglied kann man hier seine Browser-Lesezeichen
online speichern, um sie auch an anderen
Computern nutzen zu können oder sie
mit Bekannten zu teilen. Mehr als Nebeneffekt
wird so auch ein Community Weblog erstellt.
Alle eingetragenen Bookmarks, die teilweise
mit kurzen Kommentaren der Besitzer gepostet
werden, bilden eine aktuelle Weblog-ähnliche
Linkliste. Somit ist del.icio.us auch für
Gäste eine große Fundgrube an
interessanten Verweisen und Fundsachen,
da die einzelnen Beiträge übersichtlich
in Kategorien zusammengefasst sind. |
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Das Angebot teilt sich grob in drei Kategorien: MetaTalk,
MetaFilter und MetaAsk. Bei MetaAsk posten die User Fragen
statt Links, mit der Bitte um Beantwortung oder Ideen durch
die anderen Blogger. Auch in diesem Bereich ist das Themengebiet
nicht eingeschränkt. "Welchen Golfschläger
benutze ich für welchen Schlag?", oder "Wie
viele Moskitos gibt es auf der Welt?", sind beispielhafte
Themen, die aber nur annähernd das immense Diskussionsfeld
umreißen. Der Bereich MetaTalk lädt dazu ein, sich
über den Metafilter als Plattform auszutauschen. Postings
rund um technische Probleme oder die Community sind hier richtig.
Den eigentlichen Community Blog macht aber der Bereich MetaFilter
aus. Metafilter (kurz MeFi) beschreibt sich selbst als: "Eine
Community, die diskussionswürdige Themen im Web findet."
Spaßfaktor garantiert, ob beim Mitposten oder nur beim
Lesen. Leider ist es momentan nicht möglich, neuer User
bei Metafilter zu werden. Die Site befindet sich auf Grund
immenser Beteiligung im Umbau.
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