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"TEXTEN FÜRS WEB" 05.09.2002
Überfälliges Praxiswerk
Von Email an Roman Mischel sendenRoman Mischel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Bücher mit Praxisbezug zum Online-Journalismus sind rar gesät. "Texten fürs Web" will diese Lücke schließen und verspricht Grundlagen für Online-Redakteure und all jene Texter, die mit der inhaltlichen Planung und Produktion von Websites befasst sind. Auf mehr als 170 Seiten vermittelt Texttrainer Stefan Heijnk verständlich und anhand von zahlreichen Beispielen, wie man Nutzer zum Dranbleiben und Wiederkommen verführt.

"Texten fürs Web" ist ein überfälliger Leckerbissen, der vor allem praxisorientierten Online-Redakteuren schmecken wird. (Foto: Mischel)

Seine langjährige Arbeit in verschiedenen Online-Redaktionen sowie die lehrende Tätigkeit an der Akademie für Publizistik merkt man Heijnks neuen Werk an. Ohne jemals den pädagogischen Zeigefinger zu heben, führt er den Leser mit Sachverstand und klarer Sprache durch die sechs Kapitel seines Buches. Dabei helfen ihm zahlreiche Abbildungen journalistischer Websites, die er während der vergangenen fünf Jahre gesammelt hat.

Im ersten Kapitel erfolgt eine Standortbestimmung: Wo steht der Online-Journalismus heute? Worin unterscheidet sich das neue Medium von Zeitung, Radio und Fernsehen? Was müssen Web-Redakteure wissen, was ist verzichtbar? Grundsätzlich stellt Heijnk klar: Wer erfolgreich im Netz arbeiten will, sollte Erfahrungen in anderen, möglichst mehreren Medien gesammelt haben.

Niemals ohne Konzept

Aufwendige Grafiken zeigen, welchen Pfaden die Nutzer innerhalb einer durchdachten Website folgen. (Foto: Mischel)

Auf den folgenden 38 Seiten beschreibt der Autor, wie eine Website geplant wird, um böse Überraschungen beim ständig wachsendem Informationsangebot von vornherein zu vermeiden. Den Schwerpunkt setzt Heijnk vor allem auf ein durchdachtes Navigationssystem. Da Nutzer über Suchmaschinen praktisch überall in eine Website einsteigen können, müsse ihnen "auf jeder Seite ein Standortgefühl vermittelt werden". Wie das erreicht werden kann, zeigt er anhand aufwendiger Illustrationen, die sich auch mal über zwei Buchseiten erstrecken, aber nie dem puren Selbstzweck dienen.

Die Kunst des Teaser-Schreibens

Warum "Vorspann-Abbrüche" unelegant sind und "Cliffhanger-Teaser" sparsam eingesetzt werden sollten, klärt Heijnk im dritten Kapitel, das er ganz dem Texten für die Einstiegsseite widmet. Der Erfolg von Websites wird in Page-Impressions gemessen. Mit einem gut geschriebenen Teaser lässt sich diese "Quote" steigern. Das A und O: Beim Kurztext auf der ersten Seite niemals zuviel vorweg nehmen, damit die Neugier beim User geweckt wird. Auch in diesem Teil des Buchs spart der Autor nicht mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis. Seine "Regeln" untermauert Heijnk immer wieder mit Ergebnissen aus der Forschung und bemüht dabei auch einen alten Bekannten: den Usability-Forscher Jakob Nielsen.

Das Revolutionäre am Web sind die Hyperlinks, mit denen verschiedene Themenkomplexe verbunden werden können. Doch darin liegt auch die große Gefahr, den einmal auf die Website gelockten Nutzer wieder zu verlieren, schlimmstenfalls auf nimmer Wiedersehen. Im vierten Kapitel beschreibt Heijnk daher nicht nur, wann Verweise auf externe Seiten Sinn machen. Vielmehr veranschaulicht er auch, wie innerhalb eines Fließtextes verlinkt wird, ohne dabei den Lesefluss zu stören (sog. "Deep Linking"). Besonderes Augenmerk legt er dabei auf "Cliffhanger-Ketten", mit denen die Spannung eines Textes auch über mehrere Seiten hinweg erhalten oder sogar gesteigert werden kann.

"Shovelware" aufwerten

Das anschließende Kapitel ist vor allem für Texter interessant, die Printmaterial für das Web veredeln wollen. Da die Berichterstattung in zahlreichen Online-Redaktionen hauptsächlich auf langen, nicht für den Bildschirm optimierten Agenturtexten basiert oder aus dem Muttermedium "herüber geschaufelt" wird ("Shovelware"), gibt Heijnk hilfreiche Empfehlungen: Wieviel Text darf auf eine Seite? Wann lohnt es sich, den Text auf mehrere Seiten zu zerlegen? Da dies von Fall zu Fall unterschiedlich ist, schließt er das Kapitel mit einer Checkliste ab, die als Richtschnur gelten kann.

Den neuen, erst durch das Web möglich gewordenen Erzählformen widmet Heijnk das letzte und umfangreichste Kapitel. Auf fast 50 Seiten beschreibt er sehr detailliert, was unter "multimedialer Komposition" zu verstehen ist und tastet sich dabei - analog zur Geschichte der verschiedenen Mediengattungen - schrittweise vor. So kommt er zu dem Schluss, dass das Web im wesentlichen textbasiert ist, die richtige und ausgewogene Garnierung mit statischen Bildern jedoch unabkömmlich ist. Ferner beschreibt er, wann der Einsatz von O-Tönen bzw. bewegten Bildern zu Themenpaketen, Web-Specials oder "Hypermedia-Patchworks" Sinn macht. Dabei lässt er nie die betriebswirtschaftliche Realität in den Online-Redaktionen außer Acht.

Fazit

Dem Autoren ist ein sehr gut lesbares Praxiswerk gelungen, das der anvisierten Zielgruppe von Online-Redakteuren, Mitarbeitern in PR-Agenturen oder Unternehmenspressestellen sinnvolle und größtenteils leicht umsetzbare Anregungen für die praktische Arbeit mit auf den Weg gibt.

Wichtiger Hinweis: Der Buchautor Stefan Heijnk ist gleichzeitig Autor für onlinejournalismus.de. Wir versichern Ihnen, dass dies keinen Einfluss auf den Tenor dieser Rezension hat. "Schönschreiben" zum Zwecke der Verkaufssteigerung kommt bei uns nicht in Frage. - Die Redaktion.

Bibliographische Angabe

Stefan Heijnk: Texten fürs Web - Grundlagen und Praxiswissen für Online-Redakteure. dpunkt-Verlag, Heidelberg 2002. 178 Seiten. EUR 35,00.

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