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Bücher mit Praxisbezug zum Online-Journalismus sind
rar gesät. "Texten fürs Web" will diese
Lücke schließen und verspricht Grundlagen für
Online-Redakteure und all jene Texter, die mit der inhaltlichen
Planung und Produktion von Websites befasst sind. Auf mehr
als 170 Seiten vermittelt Texttrainer Stefan Heijnk verständlich
und anhand von zahlreichen Beispielen, wie man Nutzer zum
Dranbleiben und Wiederkommen verführt.
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| "Texten fürs
Web" ist ein überfälliger Leckerbissen,
der vor allem praxisorientierten Online-Redakteuren
schmecken wird. (Foto: Mischel) |
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Seine langjährige Arbeit in verschiedenen Online-Redaktionen
sowie die lehrende Tätigkeit an der Akademie für
Publizistik merkt man Heijnks neuen Werk an. Ohne jemals den
pädagogischen Zeigefinger zu heben, führt er den
Leser mit Sachverstand und klarer Sprache durch die sechs
Kapitel seines Buches. Dabei helfen ihm zahlreiche Abbildungen
journalistischer Websites, die er während der vergangenen
fünf Jahre gesammelt hat.
Im ersten Kapitel erfolgt eine Standortbestimmung: Wo steht
der Online-Journalismus heute? Worin unterscheidet sich das
neue Medium von Zeitung, Radio und Fernsehen? Was müssen
Web-Redakteure wissen, was ist verzichtbar? Grundsätzlich
stellt Heijnk klar: Wer erfolgreich im Netz arbeiten will,
sollte Erfahrungen in anderen, möglichst mehreren Medien
gesammelt haben.
Niemals ohne Konzept
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| Aufwendige Grafiken
zeigen, welchen Pfaden die Nutzer innerhalb einer
durchdachten Website folgen. (Foto: Mischel) |
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Auf den folgenden 38 Seiten beschreibt der Autor, wie eine
Website geplant wird, um böse Überraschungen beim
ständig wachsendem Informationsangebot von vornherein
zu vermeiden. Den Schwerpunkt setzt Heijnk vor allem auf ein
durchdachtes Navigationssystem. Da Nutzer über Suchmaschinen
praktisch überall in eine Website einsteigen können,
müsse ihnen "auf jeder Seite ein Standortgefühl
vermittelt werden". Wie das erreicht werden kann, zeigt
er anhand aufwendiger Illustrationen, die sich auch mal über
zwei Buchseiten erstrecken, aber nie dem puren Selbstzweck
dienen.
Die Kunst des Teaser-Schreibens
Warum "Vorspann-Abbrüche" unelegant sind und
"Cliffhanger-Teaser" sparsam eingesetzt werden sollten,
klärt Heijnk im dritten Kapitel, das er ganz dem Texten
für die Einstiegsseite widmet. Der Erfolg von Websites
wird in Page-Impressions gemessen. Mit einem gut geschriebenen
Teaser lässt sich diese "Quote" steigern. Das
A und O: Beim Kurztext auf der ersten Seite niemals zuviel
vorweg nehmen, damit die Neugier beim User geweckt wird. Auch
in diesem Teil des Buchs spart der Autor nicht mit zahlreichen
Beispielen aus der Praxis. Seine "Regeln" untermauert
Heijnk immer wieder mit Ergebnissen aus der Forschung und
bemüht dabei auch einen alten Bekannten: den Usability-Forscher
Jakob Nielsen.
Das Revolutionäre am Web sind die Hyperlinks, mit denen
verschiedene Themenkomplexe verbunden werden können.
Doch darin liegt auch die große Gefahr, den einmal auf
die Website gelockten Nutzer wieder zu verlieren, schlimmstenfalls
auf nimmer Wiedersehen. Im vierten Kapitel beschreibt Heijnk
daher nicht nur, wann Verweise auf externe Seiten Sinn machen.
Vielmehr veranschaulicht er auch, wie innerhalb eines Fließtextes
verlinkt wird, ohne dabei den Lesefluss zu stören (sog.
"Deep Linking"). Besonderes Augenmerk legt er dabei
auf "Cliffhanger-Ketten", mit denen die Spannung
eines Textes auch über mehrere Seiten hinweg erhalten
oder sogar gesteigert werden kann.
"Shovelware" aufwerten
Das anschließende Kapitel ist vor allem für Texter
interessant, die Printmaterial für das Web veredeln wollen.
Da die Berichterstattung in zahlreichen Online-Redaktionen
hauptsächlich auf langen, nicht für den Bildschirm
optimierten Agenturtexten basiert oder aus dem Muttermedium
"herüber geschaufelt" wird ("Shovelware"),
gibt Heijnk hilfreiche Empfehlungen: Wieviel Text darf auf
eine Seite? Wann lohnt es sich, den Text auf mehrere Seiten
zu zerlegen? Da dies von Fall zu Fall unterschiedlich ist,
schließt er das Kapitel mit einer Checkliste ab, die
als Richtschnur gelten kann.
Den neuen, erst durch das Web möglich gewordenen Erzählformen
widmet Heijnk das letzte und umfangreichste Kapitel. Auf fast
50 Seiten beschreibt er sehr detailliert, was unter "multimedialer
Komposition" zu verstehen ist und tastet sich dabei -
analog zur Geschichte der verschiedenen Mediengattungen -
schrittweise vor. So kommt er zu dem Schluss, dass das Web
im wesentlichen textbasiert ist, die richtige und ausgewogene
Garnierung mit statischen Bildern jedoch unabkömmlich
ist. Ferner beschreibt er, wann der Einsatz von O-Tönen
bzw. bewegten Bildern zu Themenpaketen, Web-Specials oder
"Hypermedia-Patchworks" Sinn macht. Dabei lässt
er nie die betriebswirtschaftliche Realität in den Online-Redaktionen
außer Acht.
Fazit
Dem Autoren ist ein sehr gut lesbares Praxiswerk gelungen,
das der anvisierten Zielgruppe von Online-Redakteuren, Mitarbeitern
in PR-Agenturen oder Unternehmenspressestellen sinnvolle und
größtenteils leicht umsetzbare Anregungen für
die praktische Arbeit mit auf den Weg gibt.
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| Wichtiger Hinweis: Der Buchautor
Stefan Heijnk ist gleichzeitig Autor für onlinejournalismus.de.
Wir versichern Ihnen, dass dies keinen Einfluss
auf den Tenor dieser Rezension hat. "Schönschreiben"
zum Zwecke der Verkaufssteigerung kommt bei uns
nicht in Frage. - Die Redaktion. |
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Bibliographische Angabe
Stefan Heijnk: Texten fürs Web - Grundlagen und Praxiswissen
für Online-Redakteure. dpunkt-Verlag, Heidelberg 2002.
178 Seiten. EUR 35,00.
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