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REZENSION 05.02.2004
Handbuch für Online-Texter
Von Email an Vorname Name sendenJörg Birkel | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Und noch ein Buch, das sich dem effektiven Texten fürs Web verschrieben hat. Ingo Lackerbauers Werk ist logisch aufgebaut, jedoch nicht immer leicht verständlich.

Das Buch bietet nützliche Tipps für alle, die Texte für das Internet verfassen. (Foto: Birkel)

Die zunehmende Verbreitung und Bedeutung der neuen Medien, insbesondere des Internets, verändern unsere Schreib- und Lesegewohnheiten. So steht es im Klappentext des "Handbuchs für Online-Texter und Online-Redakteure" von Ingo Lackerbauer. Doch worauf muss ein Online-Redakteur in dieser schnelllebigen, virtuellen Welt tatsächlich achten, um seine Leser zu erreichen? Wie sollte ein Hypertext gestaltet werden? Was gehört in einen Newsletter? Fragen, die der Autor auf fast 250 Seiten beantwortet.

Schreibstil manchmal abgehoben...

Die 17 Kapitel des Buches bauen logisch aufeinander auf. Wie in einer wissenschaftlichen Arbeit werden im ersten Kapitel grundlegende Begriffe geklärt, um eine gemeinsame Basis mit dem Leser zu schaffen. Ein Ansatz, der vom Gedanken her nachvollziehbar, ja sogar begrüßenswert ist. Allerdings ist der Schreibstil für ein "praxisorientiertes Handbuch" zu abgehoben, zumal sich der Autor mit dem Thema "verständlich Schreiben" beschäftigt.

Ausführliche Begriffsklärungen tragen zwar zum allgemeinen Verständnis des Themas bei, aber eine kurze Zusammenfassung hätte an dieser Stelle genügt. Stattdessen beschäftigt sich Lackerbauer ausführlich mit der Kohärenz und Kohäsion von Texten. In vergleichbaren Handbüchern wird der Zusammenhang zwischen mehrteiligen Texten und dem Einstieg über Suchmaschinen viel griffiger verdeutlicht. Denn daraus ergibt sich ja erst die besondere Problematik, dass Textabschnitte auf einer Bildschirmseite in sich geschlossen sein müssen. Lackerbauer erwähnt diesen Zusammenhang aber nur in einem Nebensatz.

...und dann wieder flüssig

Hat man den wissenschaftlich gehaltenen Einstieg hinter sich gelassen, wird der Schreibstil jedoch zunehmend flüssiger. Im Folgenden beschäftigt sich der Autor mit Aufbau und Geschichte von Hypertexten. Durch kleine Ausflüge in die Anfänge des Computerzeitalters verdeutlicht er die Besonderheiten von Texten im Internet sehr anschaulich. Anhand von Beispielen bekommt der Leser ein klares Bild von den verwobenen Strukturen, die in Hypertexten vorherrschen.

Da das Internet ein visuell geprägtes Medium ist, spielt auch das Layout eine entscheidende Rolle beim Verständnis von Texten. Dabei fließen aktuelle Forschungsergebnisse über die Lesegewohnheiten am Bildschirm ebenso in das Buch ein, wie klassische Farbenlehre und Typografie. Dazu kommt die Kunst, den richtigen Link zu setzen, um eine webgerechte Dramaturgie aufzubauen.

Erkenntnisse stützen sich auf Studienergebnisse

Das verständliche Schreiben von Texten sowie besondere Stilformen im Internet bilden ein Schwerpunkt des Handbuches. Dabei werden insbesondere die darstellenden, journalistischen Stilformen berücksichtigt. Nachrichtenpyramide, W-Fragen und Grundregeln des Schreibens werden aufgegriffen und mit leicht verständlichen Beispielen veranschaulicht. Gestützt auf Studienergebnisse wird die große Bedeutung von Überschrift und Teaser erklärt. Beispielhaft erläutert Lackerbauer, mit welchen Mitteln man einen Leser in den Text hinziehen kann.

Im letzten Teil des Buches liefert der Autor praktische Anwendungs-Beispiele für die Bereiche Online-PR und Werbetext. Vor allem die Kommunikations-Instrumente Newsletter und Online-Kundenzeitschriften spielen hier eine wichtige Rolle. Das Thema Öffentlichkeitsarbeit wird zwar nur oberflächlich behandelt, dennoch gibt das Buch nützliche Tipps, beispielsweise für die Einrichtung eines virtuellen Pressezentrums.

Zum Abschluss gibt es noch einen Abstecher in das Forschungsfeld der Wahrnehmungspsychologie. Trotz des recht trockenen Stoffes gelingt es Lackerbauer das Thema anschaulich zu vermitteln. Dabei lässt er die psychologischen Erkenntnisse nicht einfach im Raum stehen, sondern zeigt auf, was diese in der praktischen Umsetzung bedeuten. Eigentlich Grundlagenwissen für jeden, der sich professionell mit Kommunikation beschäftigt.

Fazit

Nach dem etwas abgehobenen Einstieg liefert das "Handbuch für Online-Texter und Online-Redakteure" nützliche Tipps für alle, die Texte für das Internet verfassen. Egal ob für Werbetexter, Online-Journalisten oder PR-Referenten, Lackerbauer vermittelt Grundlagenwissen, ohne den Anspruch zu erheben, den einzig richtigen Weg gefunden zu haben. Das Buch bietet sich als praktisches Nachschlagewerk an, ist für Internet-Anfänger aber nur bedingt zu empfehlen.

Bibliographische Angabe

Ingo Lackerbauer: Handbuch für Online-Texter und Online-Redakteure. X.media.press. ISBN 3540440933. EURO 39,90.

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