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Steve Krugs Usability-Buch "Don't make me think"
ist nicht ein Plädoyer für Denkfaulheit, sondern
für Webdesign, das keine unnötigen Fragen aufwirft.
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| Lesern legt das
Buch ein Webdesign ans Herz, das naheliegend,
selbstverständlich,
gewöhnlich und gewohnt sowie standardisiert
ist. "Conventions are your friends",
heisst denn auch ein Unterkapitel.
(Foto: Oliver Graf) |
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Die Botschaft, die Steve Krug vermittelt, ist einfach zu
verstehen und etwas schwieriger umzusetzen: Webseiten sollen
einfach, intuitiv und problemlos verständlich sein. Natürlich
soll der Inhalt von Webseiten zum Denken anregen; die Webseiten
müssen aber so zu bedienen sein, dass die Benutzer nicht
dauernd Denksportaufgaben und Rätsel lösen müssen.
Deshalb rät Krug, Websites so zu gestalten, dass sie
den menschlichen Gewohnheiten und dem gesunden Menschenverstand
– dem "Common Sense" - entsprechen. "A
Common Sense Approach to Web Usability" ist denn auch
der Untertitel von Steve Krugs Buch. Advanced
Common Sense heisst seine Firma in Chesnut Hill bei Boston.
Nicht dumm, aber bequem
Aus Erfahrung weiss Krug, dass die allermeisten Webuser nicht
dumm, aber bequem sind. Das gilt für Poweruser ebenso
wie für Internet-Anfänger, für Spezialisten
sowie für allgemein Interessierte. Sie alle werden nicht
zu verstehen versuchen, wie eine unverständliche Navigation
funktioniert; sie probieren sie bestenfalls aus, sie wursteln
sich durch – mit mehr oder weniger Erfolg und mit mehr
Ausdauer, als man erwartet, sagt Krug. Beim nächsten
Besuch fängt die Wurstlerei aber wieder von vorne an
– bis man die Lust verliert. Das ist schade für
den Aufwand oder ruinös fürs Geschäft.
Deshalb propagiert Krug ein Webdesign, das naheliegend, selbstverständlich,
gewöhnlich und gewohnt sowie standardisiert ist. "Conventions
are your friends", heisst denn auch ein Unterkapitel.
Jegliche Art von "visual noise", wie er es nennt,
ist ihm zuwider. Und ein Kapitel – für Onlinejournalisten
speziell nützlich – heisst "Omit words –
The Art of Not Writing for the Web".
Keine Guru-Allüren
Im Gegensatz zu diversen Usability-Gurus strahlt Steve Krug
eine angenehme Bescheidenheit aus. Er ist kein Besserwisser,
spricht nicht von milliardenschweren Return on Usability-Investments
und rechnet keine gewagten Extrapolationen und Korrelationen
vor. Nein, er zeigt anhand vieler Beispiele anschaulich, was
im Web gut funktioniert und was weniger funktioniert.
Comic-artig zeigt er, was in einem User vorgeht, wenn er
vor einer Website sitzt, die unnötig das Leben schwer
macht. Er versetzt die Leser in den Kopf von Usern und lässt
sie so nachvollziehen, auf welche kleinen Details es ankommt.
So spricht Krug nicht von oben herab, sondern immer auf Sichthöhe
des Users.
Zahlreiche (farbige) Illustrationen (leider meistens von
Webseiten, die es so nicht mehr gibt, weil das englischsprachige
Originalbuch im Oktober 2000 herausgekommen ist) belegen seine
Äußerungen. Anhand punktueller Änderungen
führt er die feinen und kleinen Unterschiede vor Augen.
Praktische Übungen, nützliche Anleitungen
Zwei Dinge, die es besonders hervorzuheben lohnt:
- Steve Krug hat einen Schnelltest entwickelt zur Beurteilung
von Websites. Anhand von sechs einfachen Fragen kann man
eine Homepage oder irgendeine Unterseite sehr schnell analysieren.
Einige solche Tests sind im Buch als Übung angelegt.
- Ohne Rücksicht auf entgangene Einnahmen gibt Steve
Krug in seinem Buch einen Schnellkurs in Usability-Testing.
Alles ist besser als gar keine Tests, ist sein Credo. "Testing
one user is 100 percent better than testing none."
Das Kapitel macht Mut, nicht nur von der Wichtigkeit von
Usability-Tests zu sprechen, sondern tatsächlich auch
einmal einen solchen Test durchzuführen. Das nötige
Grundwissen dazu vermittelt "Don't make me think"
jedenfalls sehr praxisnah.
Vom Niveau her richtet sich das Buch an Leute mit gewissen
Vorkenntnissen; Experten werden die Diskussionen, die Steve
Krug in seinem Buch aufnimmt, auch schon geführt haben.
Trotzdem tun sie gut daran, sich Krugs Empfehlungen unvoreingenomen
zu Gemüte zu führen.
Bibliographische Angabe
Englische Version: Steve Krug: Don't make me think! A Common
Sense Approach to Web Usability. New Riders Publishing. 224
Seiten. EUR 31,82.
Deutsche Version: Steve Krug: Don't make me think! Web Usability
- Das intuitive Web. mitp. 224 Seiten. EUR 24,95.
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