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STEVE KRUG 17.06.2003
Zwing mich nicht zum Nachdenken
Von Email an Robert Stark sendenRobert Stark | externer LinkHomepage Druckversion dieses Artikels im neuen Fenster öffnen

Steve Krugs Usability-Buch "Don't make me think" ist nicht ein Plädoyer für Denkfaulheit, sondern für Webdesign, das keine unnötigen Fragen aufwirft.

Lesern legt das Buch ein Webdesign ans Herz, das naheliegend, selbstverständlich, gewöhnlich und gewohnt sowie standardisiert ist. "Conventions are your friends", heisst denn auch ein Unterkapitel. (Foto: Oliver Graf)

Die Botschaft, die Steve Krug vermittelt, ist einfach zu verstehen und etwas schwieriger umzusetzen: Webseiten sollen einfach, intuitiv und problemlos verständlich sein. Natürlich soll der Inhalt von Webseiten zum Denken anregen; die Webseiten müssen aber so zu bedienen sein, dass die Benutzer nicht dauernd Denksportaufgaben und Rätsel lösen müssen.

Deshalb rät Krug, Websites so zu gestalten, dass sie den menschlichen Gewohnheiten und dem gesunden Menschenverstand – dem "Common Sense" - entsprechen. "A Common Sense Approach to Web Usability" ist denn auch der Untertitel von Steve Krugs Buch. externer LinkAdvanced Common Sense heisst seine Firma in Chesnut Hill bei Boston.

Nicht dumm, aber bequem

Aus Erfahrung weiss Krug, dass die allermeisten Webuser nicht dumm, aber bequem sind. Das gilt für Poweruser ebenso wie für Internet-Anfänger, für Spezialisten sowie für allgemein Interessierte. Sie alle werden nicht zu verstehen versuchen, wie eine unverständliche Navigation funktioniert; sie probieren sie bestenfalls aus, sie wursteln sich durch – mit mehr oder weniger Erfolg und mit mehr Ausdauer, als man erwartet, sagt Krug. Beim nächsten Besuch fängt die Wurstlerei aber wieder von vorne an – bis man die Lust verliert. Das ist schade für den Aufwand oder ruinös fürs Geschäft.

Deshalb propagiert Krug ein Webdesign, das naheliegend, selbstverständlich, gewöhnlich und gewohnt sowie standardisiert ist. "Conventions are your friends", heisst denn auch ein Unterkapitel. Jegliche Art von "visual noise", wie er es nennt, ist ihm zuwider. Und ein Kapitel – für Onlinejournalisten speziell nützlich – heisst "Omit words – The Art of Not Writing for the Web".

Keine Guru-Allüren

Im Gegensatz zu diversen Usability-Gurus strahlt Steve Krug eine angenehme Bescheidenheit aus. Er ist kein Besserwisser, spricht nicht von milliardenschweren Return on Usability-Investments und rechnet keine gewagten Extrapolationen und Korrelationen vor. Nein, er zeigt anhand vieler Beispiele anschaulich, was im Web gut funktioniert und was weniger funktioniert.

Comic-artig zeigt er, was in einem User vorgeht, wenn er vor einer Website sitzt, die unnötig das Leben schwer macht. Er versetzt die Leser in den Kopf von Usern und lässt sie so nachvollziehen, auf welche kleinen Details es ankommt. So spricht Krug nicht von oben herab, sondern immer auf Sichthöhe des Users.

Zahlreiche (farbige) Illustrationen (leider meistens von Webseiten, die es so nicht mehr gibt, weil das englischsprachige Originalbuch im Oktober 2000 herausgekommen ist) belegen seine Äußerungen. Anhand punktueller Änderungen führt er die feinen und kleinen Unterschiede vor Augen.

Praktische Übungen, nützliche Anleitungen

Zwei Dinge, die es besonders hervorzuheben lohnt:

  1. Steve Krug hat einen Schnelltest entwickelt zur Beurteilung von Websites. Anhand von sechs einfachen Fragen kann man eine Homepage oder irgendeine Unterseite sehr schnell analysieren. Einige solche Tests sind im Buch als Übung angelegt.
  2. Ohne Rücksicht auf entgangene Einnahmen gibt Steve Krug in seinem Buch einen Schnellkurs in Usability-Testing. Alles ist besser als gar keine Tests, ist sein Credo. "Testing one user is 100 percent better than testing none." Das Kapitel macht Mut, nicht nur von der Wichtigkeit von Usability-Tests zu sprechen, sondern tatsächlich auch einmal einen solchen Test durchzuführen. Das nötige Grundwissen dazu vermittelt "Don't make me think" jedenfalls sehr praxisnah.

Vom Niveau her richtet sich das Buch an Leute mit gewissen Vorkenntnissen; Experten werden die Diskussionen, die Steve Krug in seinem Buch aufnimmt, auch schon geführt haben. Trotzdem tun sie gut daran, sich Krugs Empfehlungen unvoreingenomen zu Gemüte zu führen.

Bibliographische Angabe

Englische Version: Steve Krug: Don't make me think! A Common Sense Approach to Web Usability. New Riders Publishing. 224 Seiten. EUR 31,82.

Deutsche Version: Steve Krug: Don't make me think! Web Usability - Das intuitive Web. mitp. 224 Seiten. EUR 24,95.

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